St. Georgen bei Bruneck, Die Wallfahrt zur Maria-Hilf-Kapelle ("Jörgina Stöckl")

Schnellüberblick
Wallfahrt:Örtliche Maria-Hilf-Wallfahrt zur Kapelle "Jörgina Stöckl".
Status:Historisch eindeutig belegt und weiterhin religiös genutzt; eine regelmäßig organisierte überörtliche Wallfahrt ist heute nicht sicher nachweisbar.
Kultzentrum:Maria-Hilf-Verehrung mit erhaltenen Votivbildern.
Besonderheit:Schutzfunktion gegen Unwetter- und Murengefahr des Gissbaches.
Ort:St. Georgen bei Bruneck.
Bezirk:Pustertal.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
•Lage: Maria-Hilf-Straße, 39031 St. Georgen / Bruneck (BZ).
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarrei St. Georgen
•Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich.
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Ausführliche Beschreibung

Historisch

Oberhalb von St. Georgen an der Ahr bei Bruneck steht die Maria-Hilf-Kapelle, die im Volksmund "Jörgina Stöckl" (auch: Kapelle Gissbach Maria-Hilf) genannt wird. Sie ist ein alter örtlicher Wallfahrts- und Andachtsort, dessen Entstehung eng mit der Gefährdung des Dorfes durch den Hirschbrunnbach, auch Gissbach genannt, verbunden wird. Vermutlich wurde an dieser Stelle eine erste Kapelle errichtet, um angesichts der immer wieder drohenden Unwetter- und Murengefahr den Schutz der Gottesmutter Maria zu erflehen. Nach den Angaben des Stadtarchivs Bruneck kamen seit alters her Menschen aus der Umgebung zu diesem Wallfahrtsort, um die Muttergottes anzurufen.

Die zunächst kleine Kapelle wurde im Laufe der Zeit mehrfach erweitert und verschönert. Ihre heutige Gestalt erhielt sie 1837. Das bisherige Kapellchen wurde dabei zum Altarraum, dem ein tonnengewölbtes Kirchenschiff vorgelagert wurde. An der Nordseite entstanden eine Sakristei und ein kleiner Turm. Im September 1837 wurde die erweiterte Kapelle eingesegnet. Zum hundertjährigen Jubiläum erfolgten Restaurierungsarbeiten und eine Neueindeckung.

Als bei schweren Murenabgängen im August 1940 die Umgebung verwüstet wurde, blieb die Kapelle selbst verschont – ein Ereignis, das die ältere Vorstellung von der Gottesmutter als Schutzpatronin gegen die Naturgefahren des Gissbaches zusätzlich bestätigt haben dürfte. Ein Blitzschlag verursachte dagegen im August 1963 erhebliche Schäden und machte eine neuerliche Renovierung notwendig. 1981 ließ Pfarrer Anton Meßner die Kapelle in Erinnerung an die Vermurung des Jahres 1940 erneut ausmalen; außerdem wurden die Fenster instand gesetzt und neue Beleuchtungskörper angebracht.

Wallfahrt und Volksfrömmigkeit

Die Maria-Hilf-Kapelle war über lange Zeit Ziel der Bevölkerung aus St. Georgen und der näheren Umgebung, die hier in persönlichen Anliegen und Nöten den Beistand der Gottesmutter suchte. Ein besonders wichtiger volkskundlicher Hinweis auf diese Frömmigkeit sind die in der Kapelle erhaltenen Votivbilder. Ein Votivbild aus dem Jahr 1748 ist ausdrücklich als aus der Maria-Hilf-Kapelle stammend dokumentiert. Die Votivbilder bezeugen, dass Menschen aus der ländlichen Bevölkerung bei verschiedenen Leiden und Gefahren göttlichen Beistand suchten und nach erfahrener Hilfe ihren Dank bildlich festhalten ließen.

Damit gehört das "Jörgina Stöckl" zu jener Gruppe kleiner regionaler Wallfahrtsstätten, deren Bedeutung weniger auf großen, überregional organisierten Pilgerzügen als auf der kontinuierlichen Verehrung durch die Bevölkerung der näheren Umgebung beruhte. Gerade die erhaltenen Votivgaben sind ein wichtiger Hinweis auf die Funktion der Kapelle als Zufluchtsort bei Krankheit, Unglück und anderen existenziellen Bedrohungen.

Sage und Überlieferung

Mit der Entstehung des "Stöckls" verbinden sich auch sagenhafte Überlieferungen. Ignaz Vinzenz Zingerle berichtet von einem kleinen Marienkirchlein oberhalb von St. Georgen, das von der Bevölkerung "das Stöckl" genannt wurde. Nach der Sage habe sich an seiner Stelle ursprünglich der Eingang zu einer Höhle befunden, bei der vorüberziehende Kinder auf geheimnisvolle Weise verschwanden. Auch das einzige Kind einer Frau sei dort verloren gegangen. Die Sage gehört damit zu den volkstümlichen Ursprungserzählungen der Kapelle und überlagert die wahrscheinlich historische Funktion des Heiligtums als Schutzstätte vor den Gefahren des nahen Wildbaches mit einem älteren Motiv des unheimlichen, menschengefährdenden Ortes.

Heutige Bedeutung

Die historische Funktion der Maria-Hilf-Kapelle als Wallfahrtsort ist eindeutig belegt. Die große traditionelle Wallfahrt scheint heute zwar gegenüber früher an Bedeutung verloren zu haben; die Kapelle ist jedoch keineswegs eine erloschene Andachtsstätte. Es werden dort regelmäßig heilige Messen gefeiert, und die Kapelle dient weiterhin für Taufen und Trauungen. Auch Prozessionen zur Maria-Hilf-Kapelle sind in jüngerer Zeit dokumentiert. Die religiöse Nutzung des alten "Jörgina Stöckls" ist somit bis in die Gegenwart lebendig geblieben, auch wenn eine regelmäßig organisierte überörtliche Wallfahrt im engeren Sinne gegenwärtig nicht belegt sind.

• Literatur zur Wallfahrt:

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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