| Wallfahrt: | Hochalpine Wallfahrt zum Heiligen Geist und zur Dreifaltigkeit, verbunden mit Knappen-, Reise- und Schutzfrömmigkeit. |
| Status: | Lebendige regionale Wallfahrt mit regelmäßigen sommerlichen Gottesdiensten. |
| Kultzentrum: | Gnadenbild der Heiligen Dreifaltigkeit in der Form des Gnadenstuhls. |
| Besonderheit: | Knappenkirche, durchschossenes Kreuz, Schliefstein und alter Übergangsort am Alpenhauptkamm. |
| Ort: | Kasern / Prettau. |
| Bezirk: | Pustertal / Ahrntal. |
| Bundesland: | Südtirol. |
| • | Lage: Kasern 2, 39030 Prettau. (Die Kirche liegt etwa eine halbe Wegstunde hinter Kasern und ist vom Parkplatz beim Naturparkhaus über einen gut ausgebauten Weg erreichbar.) |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrei Prettau |
| • | Öffnungszeiten: Der Besuch ist kostenlos; verlässliche tägliche Auf- und Zusperrzeiten sind nicht veröffentlicht. Für eine gezielte Innenbesichtigung außerhalb der Gottesdienstzeiten bitte bei der Pfarrei nachfragen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Wallfahrtskirche Heilig Geist steht am Talschluss des Ahrntales nördlich von Kasern auf rund 1.620 Metern Meereshöhe. Sie gehört zur Pfarrei Prettau und gilt seit der Grenzziehung von 1919 als nördlichste Kirche Italiens.
Heilig Geist ist ausdrücklich als Wallfahrtskirche belegt. Das Gotteshaus war zugleich Knappenkirche des Prettauer Kupferbergwerkes sowie Schutz- und Rastkirche für Reisende, Händler und Säumer auf den alten Wegen über den Alpenhauptkamm. In den Sommermonaten werden weiterhin regelmäßig Gottesdienste gefeiert. Die Wallfahrt ist daher als lebendige hochalpine Wallfahrt mit heute vorwiegend regionaler Bedeutung einzustufen.
Ältere Bauteile könnten noch in spätromanische Zeit zurückreichen. Sicher belegt ist die Weihe der Kirche und des dazugehörigen Friedhofes durch den Brixner Fürstbischof Nikolaus Cusanus am 22. Juni 1455. Der Altar war den Heiligen Ursula, Kilian und Oswald geweiht.
Um 1500 wurde die Kirche erweitert. Der Ausbau dürfte sowohl mit dem Aufschwung des Prettauer Kupferbergbaus als auch mit dem zunehmenden Verkehr über die hochalpinen Übergänge zusammenhängen. Auf dem ummauerten Friedhof wurden Knappen sowie Reisende bestattet, die durch Lawinen, Kälte oder Abstürze ums Leben gekommen waren.
Nach der Überlieferung hörten Menschen an der Stelle der heutigen Kirche ein Glöcklein unter der Erde läuten. Beim Nachgraben fanden sie ein Bild des Heiligen Geistes. Man brachte es zunächst an einen anderen Ort, doch das Bild kehrte wiederholt auf wunderbare Weise zu seinem Fundplatz zurück.
Darin erkannte man den Willen, genau hier ein Gotteshaus zu errichten. Die Sage verbindet zwei verbreitete Motive der Wallfahrtsüberlieferung: den wunderbaren Klang und die selbständige Rückkehr eines Kultbildes an den von ihm gewählten Ort.
Das Wallfahrtsbild zeigt die Heilige Dreifaltigkeit in der Form des sogenannten Gnadenstuhls. Gottvater hält das Kreuz mit Christus; der Heilige Geist erscheint als Taube.
Die Verehrung richtet sich damit nicht auf ein Marienbild, sondern unmittelbar auf die Dreifaltigkeit und den Heiligen Geist. Wallfahrer baten besonders um Schutz auf gefährlichen Wegen, um Beistand in Notlagen und um Erleuchtung.
Das Originalbild wurde zeitweise aus Sicherheitsgründen entfernt und 1981 wieder in die Kirche zurückgebracht. Es wird heute in einer gesicherten Einfassung aufbewahrt.
Heilig Geist war eng mit dem Prettauer Kupferbergwerk verbunden. Die Knappen suchten die Kirche vor der Arbeit, an Festtagen und in Gefahrensituationen auf. Mehrere Votivbilder erinnern an überstandene Unglücke und erfolgreiche Erzaufschlüsse; sie werden heute überwiegend in der Pfarrkirche von Prettau verwahrt.
In der Wallfahrtskirche befindet sich eine Platte aus Prettauer Kupferkies mit der Jahreszahl 1698, dem Bergmannszeichen aus Schlägel und Eisen sowie den Wappen der damaligen Bergwerksunternehmer. Sie erinnert an einen bedeutenden Erzfund im St.-Nikolaus-Herrenbau-Stollen.
Zu den bekanntesten Überlieferungen des Ahrntales gehört die Sage vom durchschossenen Kreuz. Ein junger Schütze soll auf dem Weg zu einem Wettschießen dreimal auf den gekreuzigten Christus geschossen haben.
Der Schütze gewann den Wettbewerb und erhielt einen Stier als Preis. Auf dem Heimweg wurde er jedoch von diesem Tier genau an jener Stelle getötet, an der er auf das Kreuz geschossen hatte. Die drei Einschusslöcher galten als sichtbarer Beweis des Frevels und seiner Bestrafung.
Das Originalkreuz wird heute in der Pfarrkirche von Prettau verwahrt. Beim traditionellen Ahrner Bittgang nach Ehrenburg wird es weiterhin an der Spitze der Prozession mitgetragen.
Hinter der Kirche erhebt sich ein großer Felsblock, der das Gebäude zugleich vor Lawinen schützt. Zwischen Felsen und Kirchenmauer befindet sich eine schmale Durchschlupfstelle, der sogenannte Schliefstein.
Nach altem Volksglauben konnte man seine Sünden abstreifen, wenn man sich durch die enge Öffnung zwängte. Der körperlich mühsame Vorgang wurde als symbolische Reinigung verstanden.
Solche Durchkriechbräuche sind auch von anderen Wallfahrtsorten bekannt. Eine vorchristliche Kultkontinuität lässt sich in Heilig Geist allerdings nicht nachweisen.
Heilig Geist ist ein kleiner spätgotischer Bau mit Westturm, polygonalem Chor, Netzrippengewölbe im Langhaus und Sterngewölbe im Chor.
Im Inneren befinden sich Fresken aus unterschiedlichen Zeiten, darunter Darstellungen der heiligen Ursula, des Heiligen Geistes, der Krönung Mariens und der Auferstehung Christi. Der ursprüngliche spätgotische Flügelaltar sowie mehrere wertvolle Figuren wurden wegen der abgelegenen Lage in die Pfarrkirche von Prettau übertragen.
In Heilig Geist verblieb unter anderem eine eindrucksvolle Kreuzigungsgruppe aus dem 17. Jahrhundert mit einer besonders drastischen Darstellung des leidenden Christus.
Von Kasern führt ein Kreuzweg entlang eines Abschnittes des alten Tauernweges zur Wallfahrtskirche. Er besteht aus 15 überdachten Holzsäulen mit geschnitzten Passionsreliefs und wurde ab 1980 von Jugendgruppen des Ahrntales und Schülern der Schnitzschule St. Jakob gestaltet.
Der Weg von Kasern zur Kirche dauert ungefähr zwanzig bis dreißig Minuten und bereitet den Besucher auf den Wallfahrtsort vor.
Heilig Geist verbindet mehrere Formen religiöser Nutzung. Die Kirche war Knappenkirche, Passheiligtum, Friedhofskirche für Verunglückte und Wallfahrtsort zum Dreifaltigkeitsbild.
Der abgelegene Standort war früher keineswegs weltfern. Knappen, Händler, Viehtreiber, Boten und Pilger benutzten die Wege über die Tauern. Die Kirche bot ihnen Schutz, Gottesdienst und Totengedenken an der Grenze zwischen dem bewohnten Tal und dem gefährlichen Hochgebirge.
Besonders anschaulich ist der Schliefstein, bei dem körperliche Bewegung und religiöse Vorstellung miteinander verbunden wurden. Auch das durchschossene Kreuz besitzt durch seine Verwendung beim Bittgang nach Ehrenburg bis heute eine lebendige religiöse Funktion.
• Literatur zur Wallfahrt:
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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