| Wallfahrt: | Historische Antoniuswallfahrt zur Kapelle in der Windschnur. |
| Status: | Die ehemals bekannte Wallfahrt ist weitgehend zurückgegangen; die Kapelle bleibt religiös genutzt. |
| Kultzentrum: | Verehrung des hl. Antonius von Padua, darunter eine ungewöhnliche Darstellung als Augustiner-Chorherr. |
| Besonderheit: | Der 13. Juni bildete den traditionellen Höhepunkt des Wallfahrtsjahres. |
| Ort: | Niederrasen. |
| Bezirk: | Pustertal. |
| Bundesland: | Südtirol. |
| • | Lage: In der Windschnur am Talausgang des Antholzertales, 39030 Niederrasen. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrei Niederrasen – Antoniuskapelle in der Windschnur |
| • | Öffnungszeiten: keine verlässlichen täglichen Öffnungszeiten veröffentlicht; für eine gezielte Innenbesichtigung bitte bei der Pfarrei Niederrasen nachfragen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Antoniuskapelle steht am Talausgang des Antholzertales östlich von Niederrasen. Im Volksmund wird sie Toningstöckl oder Antoniusstöckl in der Windschnur genannt.
Das Kirchlein gehörte zu den bekanntesten Antoniuswallfahrtsorten des Pustertales. Besonders am 13. Juni, dem Fest des heiligen Antonius von Padua, kamen Wallfahrer aus der näheren und weiteren Umgebung nach Niederrasen.
Heute wird die Kapelle von der Pfarrei weiterhin als sehenswertes Gotteshaus geführt, jedoch nicht mehr ausdrücklich als Wallfahrtskirche bezeichnet.
Die Antoniuskapelle wurde 1698 errichtet und am 23. September 1704 feierlich geweiht. Damit entstand sie in einer Zeit, in der sich die Verehrung des heiligen Antonius von Padua im Tiroler Raum stark verbreitete. Die letzte umfassende Restaurierung erfolgte 1998; 2010 wurden zudem Risse und Putzschäden im Inneren behoben.
Die Kapelle liegt an einem alten Verkehrsweg am Eingang des Antholzertales. Ihre Lage machte sie sowohl für die Bewohner des Tales als auch für Reisende und Durchziehende leicht erreichbar. Aus dem kleinen Kirchlein entwickelte sich ein regional bedeutender Andachts- und Wallfahrtsort.
Antonius von Padua zählt zu den beliebtesten Heiligen der katholischen Volksfrömmigkeit. Er wurde besonders bei verlorenen Gegenständen, in familiären Sorgen, bei Krankheit und in anderen Notlagen angerufen.
Eine Besonderheit der Niederrasner Kapelle ist eine Antoniusfigur, die den Heiligen nicht im üblichen Franziskanerhabit, sondern im Gewand eines Augustiner-Chorherrn zeigt. Dies erinnert daran, dass Antonius vor seinem Eintritt in den Franziskanerorden zunächst Augustiner-Chorherr gewesen war. Auch die Pfarre Olang, zu der Rasen ursprünglich gehörte, stand seit dem Mittelalter in enger Verbindung mit dem Augustiner-Chorherrenstift Neustift.
Die Antoniuskapelle ist ein kleiner barocker Bau mit polygonalem Chorschluss und schindelgedecktem Satteldach. Über dem Chor erhebt sich ein Dachreiter mit einer geschwungenen Laternenkuppel. Der Innenraum besitzt ein Tonnengewölbe; vor dem Altarraum steht ein schmiedeeisernes Gitter. Seit 1987 steht die Kapelle unter Denkmalschutz.
Die auffällige rosafarbene Fassade und der kleine Turm verleihen dem Gebäude trotz seiner geringen Größe das Aussehen einer eigenständigen Kirche.
Das Toningstöckl ist ein charakteristisches Beispiel für die barocke Antoniusverehrung im ländlichen Tirol. Der heilige Antonius gilt als rascher und verlässlicher Helfer in alltäglichen Sorgen. Seine Wallfahrtsorte werden deshalb häufig nicht erst bei außergewöhnlichen Katastrophen, sondern bei sehr persönlichen Anliegen besucht.
Der 13. Juni bildete den Höhepunkt des Wallfahrtsjahres. Der gemeinsame Kirchgang, die Messe und das Gebet vor der Antoniusfigur verbanden persönliche Bitten mit einem regionalen Festtag.
Bemerkenswert ist außerdem die Darstellung des Heiligen als Augustiner-Chorherr. Sie bewahrt die Erinnerung an seine weniger bekannte frühe Ordenszugehörigkeit und verweist zugleich auf die kirchlichen Beziehungen des Gebietes zum Stift Neustift.
Die heutige Situation zeigt den für viele kleinere Wallfahrtsorte typischen Wandel: Die einst weithin bekannte Wallfahrt ist weitgehend verschwunden, das Gebäude und die örtliche Antoniusverehrung sind jedoch erhalten geblieben.
• Literatur zur Wallfahrt:
Leo Andergassen: Kirchen und Kapellen in Rasen. Lana 1999.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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