Mühlbach – Wallfahrtskapelle zum Stöcklvater

Schnellüberblick
Wallfahrt:Christuswallfahrt zum Stöcklvater, verbunden mit Wetterandachten und Bittgängen.
Status:Lebendige örtliche Wallfahrt; Prozessionen finden weiterhin in der Fastenzeit statt.
Kultzentrum:Lebensgroße Figur des leidenden Christus "Unser Herr im Elend" aus dem Jahr 1659.
Besonderheit:Verbindung von Christusverehrung, Votivgaben und bäuerlicher Wetterfrömmigkeit.
Ort:Mühlbach.
Bezirk:Pustertal.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
Lage: Stöcklvaterweg 7–10, 39037 Mühlbach (BZ).
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarrei zur Hl. Helena - Mühlbach
Öffnungszeiten: ganzjährig frei zugänglich.
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Ausführliche Beschreibung

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Historisch

Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht der sogenannte "Stöcklvater", eine 1659 vom Brixner Bildhauer Raphael Warat beziehungsweise Worat geschaffene Holzplastik des leidenden Christus. Die örtliche Pfarrei bezeichnet das Bild als "Unser Herr im Elend". Der Kult um diese Christusfigur scheint also älter zu sein als der heutige Kapellenbau beziehungsweise dessen Ausbau. Nach Angaben der Pfarrei wurde die Stöcklvater-Kapelle 1729 errichtet; eine kulturhistorische Darstellung zur Geschichte Mühlbachs spricht genauer davon, dass ein bereits vorhandenes kleines "Stöckl" wegen des großen Zustroms der Gläubigen 1729 auf Wunsch und mit finanzieller Unterstützung der Mühlbacher Bevölkerung vergrößert wurde.

Die Wallfahrt blieb nicht auf individuelle Besuche beschränkt. Die Pfarrei berichtet, dass seit 1900 zahlreiche Bittgänge zum Stöcklvater nachweisbar sind. Sie waren insbesondere mit Wetterandachten und der Bitte um gedeihliches Wetter verbunden. Noch heute finden nach Angaben der Pfarrei Stöcklvater-Prozessionen an den Sonntagen der Fastenzeit statt; die damit verbundenen Fastenpredigten bestehen seit 1938.

Gnadenbild – "Unser Herr im Elend"

Das eigentliche Wallfahrtsbild ist eine etwa lebensgroße barocke Christusfigur des Typus "Christus im Elend": Christus sitzt nach der Geißelung, mit der Dornenkrone auf dem Haupt und dem roten Mantel um die Schultern. Die Figur wird als rund eineinhalb Meter hoch beschrieben. Auffällig sind zwei herzförmige Votivgaben, die an einer Kette an der Figur angebracht sind – ein unmittelbarer materieller Hinweis auf die persönliche Frömmigkeit und Dankbarkeit von Gläubigen gegenüber dem verehrten Bild.

In der Christusikonographie zeigt der "Herr im Elend" Christus nicht im Augenblick einer dramatischen Handlung, sondern in einem Zustand des stillen Leidens. Solche Darstellungen eigneten sich besonders für persönliche Anliegen: Krankheit, körperliches Leiden, Not und Bedrängnis konnten unmittelbar mit dem Leiden Christi in Beziehung gesetzt werden.

Kunstgeschichtlich

Die Kapelle liegt an der alten Verbindung von Mühlbach in Richtung Schabs. Ein kleiner Bau mit polygonalem Chorschluss, Tonnengewölbe, Fassadendachreiter mit pyramidenförmigem Abschluss und Schindeldach. Das Gebäude steht seit 1986 unter Denkmalschutz.

Fresken an der Außenseite der Kapelle stammen aus der Zeit des Ausbaues. Der eher kleine Bau steht damit in einem gewissen Gegensatz zur offenbar zeitweise beträchtlichen Bedeutung des verehrten Christusbildes: Nicht die Größe oder architektonische Pracht der Kirche, sondern das Gnadenbild selbst war der entscheidende Anziehungspunkt.

Volkskundliche Bedeutung der Wallfahrt

Der Kult der Christuswallfahrt verbindet die Verehrung des leidenden Heilands mit bäuerlicher Wetterfrömmigkeit. Die überlieferten Bittgänge um gedeihliches Wetter zeigen, dass der Wallfahrtsort nicht nur für individuelle Anliegen aufgesucht wurde, sondern auch eine gemeinschaftliche Funktion für die ländliche Bevölkerung hatte. Ernte und Witterung waren existenzielle Fragen; die Prozession zum Stöcklvater band diese Sorgen in einen religiösen Handlungsrahmen ein.

Besonders bemerkenswert ist außerdem die Kontinuität des Brauches: Die Pfarrei führt die Stöcklvater-Prozessionen weiterhin als lebendige Tradition an.

• Literatur zur Wallfahrt:

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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