| Wallfahrt: | Christuswallfahrt zum Heiligen Grab als barocke Heilig-Land-Übertragung. |
| Status: | Historisch belegter Wallfahrts- und Ablassort; heute vor allem Andachts- und Erinnerungsstätte. |
| Kultzentrum: | Nachbildung des Heiligen Grabes von Jerusalem mit Passionslandschaft. |
| Besonderheit: | Gründung durch den Jerusalemfahrer Georg Stocker und Teufels-Baulegende um die verlorenen Baupläne. |
| Ort: | Spinges / Mühlbach. |
| Bezirk: | Pustertal. |
| Bundesland: | Südtirol. |
| • | Lage: Dorfstraße 3, 39037 Spinges / Mühlbach (BZ). |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrei zum Hl. Rupert - Spinges |
| • | Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Kapelle wurde um 1685 von Georg Stocker, dem ersten Kuraten von Spinges, errichtet. Stocker hatte 1682 selbst eine Pilgerfahrt nach Jerusalem unternommen und von dort die Anregung beziehungsweise Pläne für eine Nachbildung des Heiligen Grabes mitgebracht.
Damit gehört Spinges zu jener für die Barockzeit charakteristischen Form der Heilig-Land-Übertragung: Wer die weite und gefährliche Reise nach Jerusalem nicht selbst unternehmen konnte, erhielt in der Heimat einen sakralen Ersatzort, an dem das Heilsgeschehen räumlich nachvollzogen werden konnte. In Spinges kam als konkretes Wallfahrtsmotiv offenbar der mit der Kapelle verbundene Ablass hinzu.
Die Heilig-Grab-Kapelle steht unmittelbar neben der Pfarrkirche zum hl. Rupert. Ihr Kern bildet eine Nachbildung des Heiligen Grabes von Jerusalem. Die innere Kapelle mit der eigentlichen Grabhöhle wird von einem zweiten, niedrigeren Baukörper mit polygonalem Abschluss umfasst. Auf dem Dach befinden sich zehn Engel aus weißem Marmor, die die Leidenswerkzeuge Christi tragen. Zur Ausstattung gehören außerdem holzgeschnitzte Passionsszenen aus der Entstehungszeit.
Es handelt sich um eine gemauerte Grabkapelle mit Säulenvorbau, das Heilige Grab mit Blendbögen auf Säulen sowie einen Umgang mit hölzernem Pultdach. Die Kapelle steht seit 1986 unter Denkmalschutz.
Der nach Jerusalemer Vorbildern gestaltete Leidensweg erscheint nicht nur als statische Grabesnachbildung, sondern als eine ganze kleine Passionslandschaft, in der der Gläubige das Leiden und Sterben Christi räumlich und körperlich nachvollziehen konnte.
Legende und Überlieferung
Nach der von Hans Fink überlieferten Sage wollte "Herr Jörg", also Georg Stocker, die Kapelle nach dem Vorbild Jerusalems erbauen und brachte dazu Pläne aus dem Heiligen Land mit. Auf dem Heimweg beziehungsweise nach seiner Rückkehr nach Spinges soll jedoch der Teufel die Pläne gestohlen haben. Stocker musste deshalb erneut ins Heilige Land reisen; auch die zweiten Pläne gingen verloren. Erst nach einer dritten Reise nach Jerusalem gelang es ihm, die Zeichnungen sicher nach Spinges zu bringen und den außergewöhnlichen Bau zu verwirklichen.(Quelle: Hans Fink, siehe unten Literatur)
Volkskundlich ist die Erzählung geradezu klassisch: Der Teufel tritt als Verhinderer eines Sakralbaus auf. Gleichzeitig steigert die dreimalige Jerusalemreise die Frömmigkeit und Beharrlichkeit des Gründers ins Außergewöhnliche. Die reale Jerusalemwallfahrt Stockers bildet dabei den historischen Kern, um den sich eine Baugründungssage entwickelt hat.
Volkskundliche Bedeutung der Wallfahrt
Es handelt sich hier um eine Christuswallfahrt zum Heiligen Grab vor uns haben, die sich auf die räumliche Nachbildung des Grabes Christi richtet. Weiters handelt es sich um eine klassische Teufels-Baulegende.
• Literatur zur Wallfahrt:
- Fink, Hans, Die Heiliggrabkapelle in Spinges, in: Eisacktaler Sagen, Bräuche und Ausdrücke. Schlern-Schrift Nr. 164, Innsbruck 1957, S. 116
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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