Meransen – Pfarrkirche zum hl. Jakobus - Wallfahrt zu den Heiligen Drei Jungfrauen Aubet, Cubet und Guere

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische und regionale Wallfahrt zu den Heiligen Drei Jungfrauen Aubet, Cubet und Guere.
Status:Historischer Wallfahrtsort; die Drei Jungfrauen werden in Meransen weiterhin als besonders verehrte Heilige des Ortes geführt.
Kultzentrum:Die drei spätgotischen Jungfrauenfiguren Aubet, Cubet und Guere am rechten Seitenaltar.
Besonderheit:Wetterbittgänge, Bitte um Kindersegen sowie die legendenhafte Jungfrauenrast mit Quelle und Baum.
Ort:Meransen / Mühlbach.
Bezirk:Pustertal.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
Lage: Pfarrplatz 1, 39037 Meransen / Mühlbach (BZ).
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View
Web: Pfarrei zum Jakob - Meransen
Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Pfarrkirche zum hl. Jakobus, der rechte Seitenaltar mit den "Heiligen Drei Jungfrauen" Aubet, Cubet und Guere:

Meransen, Seitenaltar mit den "Heiligen Drei Jungfrauen" Aubet, Cubet und Guere

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Detailansicht der "Heiligen Drei Jungfrauen" Aubet, Cubet und Guere:

Meransen, Seitenaltar mit den "Heiligen Drei Jungfrauen" Aubet, Cubet und Guere

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Historisch

Die Verehrung der Drei Jungfrauen in Meransen reicht nach den überlieferten Quellen mindestens bis ins 14. Jahrhundert zurück. Für 1382 ist eine Stiftung einer ewigen Montagsmesse zu Ehren des hl. Jakobus und der drei Jungfrauen belegt; ihre Namen erscheinen dabei in älteren Formen wie Ampet, Warbet und Gewerg(e)t. Die heute gebräuchlichen Namen lauten meist Aubet, Cubet und Guere, daneben begegnen Schreibweisen wie Quere oder Querre.

Die gotische Vorgängerkirche wurde 1472 geweiht. Im 18. Jahrhundert entstand der heutige prächtige Rokokobau, der 1780 durch Fürstbischof Joseph Graf von Spaur geweiht wurde. Die drei Frauenfiguren des Jungfrauenaltars stammen noch aus spätgotischer Zeit beziehungsweise aus der Zeit um 1500 und wurden in den barocken Neubau übernommen.

Die Wallfahrt

Karl Gruber beschreibt für das Hauptfest der Drei Jungfrauen einen regelrechten Zustrom aus den umliegenden Dörfern: Die Menschen kamen früh nach Meransen, viele gingen in der Kirche zur Beichte, anschließend fand das feierliche Hochamt und danach eine Prozession durch die Felder statt. Das Hauptfest wurde ursprünglich am 16. September, später am darauffolgenden Sonntag gefeiert.

Es sind auch Bittgänge nach Meransen überliefert. Gruber berichtet, dass mehrere Kreuzgänge vor Christi Himmelfahrt in früheren Zeiten nach Meransen führten. Besonders bemerkenswert ist die Wallfahrt der Latzfonser, die bei Trockenheit nach Meransen kamen, um von den Drei Jungfrauen den notwendigen Regen für ihre Felder zu erbitten. Der letzte solche Bittgang wird bei Gruber für 1906 genannt. Nach einer Überlieferung mussten die Latzfonser sogar dreimal nach Meransen pilgern, beim dritten Mal barfuß.

Die Drei Jungfrauen und ihr Altar

Am rechten Seitenaltar stehen die drei besonders verehrten Jungfrauen Aubet, Cubet und Guere. Auch die Ausmalung der Kirche nimmt auf sie Bezug. Eine weitere Darstellung findet sich im großen Deckenfresko; neben dem Jungfrauenaltar ist zudem die Überlieferung von Votivgaben bezeugt. Die Pfarrei führt die Drei Jungfrauen weiterhin ausdrücklich in ihrer kirchlichen Selbstdarstellung und bezeichnet sie als die besonders verehrten Heiligen des Ortes.

Interessant ist eine kirchengeschichtliche Besonderheit: Die Drei Jungfrauen sind keine regulär kanonisierten Heiligen mit allgemein-kirchlichem Kult. In der Überlieferung wurden sie teilweise dem Gefolge der hl. Ursula und ihrer Jungfrauen zugerechnet. Ihre starke lokale Verehrung wurde dadurch jedoch keineswegs verhindert. Gerade dieses Nebeneinander von kirchlicher Einbindung und volkstümlichem Sonderkult sind in Meransen volkskundlich bemerkenswert.

Die Legende

Nach der Meransner Überlieferung waren die drei Jungfrauen Königstöchter, die auf der Flucht vor den Hunnen zunächst nach Latzfons kamen. Dort seien sie schlecht behandelt worden und deshalb weitergezogen. Beim beschwerlichen Aufstieg auf den Meransner Berg waren sie von Hitze und Erschöpfung überwältigt. Auf ihr Gebet hin soll plötzlich eine Quelle aus dem Felsen gesprudelt sein, während ein Baum ihnen Schatten und Nahrung bot. Schließlich gelangten sie nach Meransen, wo sie freundlich aufgenommen wurden, lange lebten und den Menschen Gutes taten.

Der Ort ihrer wunderbaren Rast wird als "Jungfrauenrast" oder "Linde" bezeichnet. Die örtliche Pfarrei berichtet, dass ein alter Steig vom Valler Bad dorthin führte und die Valler zum Baum pilgerten. Damit gehört zur Meransner Wallfahrt eigentlich eine kleine sakrale Landschaft: die Pfarrkirche als Hauptort des Jungfrauenkultes und die Jungfrauenrast als legendärer Erinnerungs- und Pilgerort.

Die sogenannte "Jungfrauenrast" oder "Linde" besteht bis heute als Gedenkstätte am alten Weg zwischen Mühlbach und Meransen. Sie erinnert an den legendären Rastplatz der Drei Jungfrauen, befindet sich infolge des Straßenbaus jedoch nicht mehr genau an ihrem ursprünglichen Standort.

Zu weiteren Überlieferungen, siehe unten Literatur.

Volkskundliche Bedeutung

Der Kult verbindet mehrere Schichten, wie etwa Drei-Frauen-Verehrung, Wallfahrt, Wetterbittgang, Kindersegen, Quelle und Baum, Prozession und Votivwesen.

Besonders gut dokumentiert ist die Funktion der Drei Jungfrauen als Wetterhelferinnen. Die Bittgänge nach Meransen dienten ausdrücklich der Bitte um günstige Witterung und Regen. Daneben berichtet Gruber, dass die drei Jungfrauen in Meransen besonders um Kindersegen angerufen wurden. Die Prozessionsfahnen und weitere bildliche Darstellungen zeigen, wie stark die drei Gestalten in der religiösen Kultur des Dorfes verankert waren.

Die häufig vertretene Deutung, hinter Aubet, Cubet und Guere stehe eine vorchristliche weibliche Dreiergottheit beziehungsweise ein Kult der römisch-germanischen Matres, ist volkskundlich außerordentlich interessant, sollte aber als Forschungshypothese und nicht als gesicherte historische Tatsache formuliert werden.

• Literatur zur Wallfahrt:

- Karl Gruber, Aubet Cubet Quere. Die Wallfahrt zu den Heiligen drei Jungfrauen von Meransen, 1978

- Heyl, Johann Adolf, Die drei "Seligen" von Meransen in: Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 22

- Helene Raff, Die drei Jungfrauen zu Meransen in: Tiroler Legenden, Innsbruck 1924, S. 79ff

- Staffler, Johann Jakob, Aubet, Cubet und Quere in: Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen. 2. Band, Innsbruck 1847. S. 156

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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