| Wallfahrt: | Marien- und Gelöbniswallfahrt, besonders die seit dem Pestjahr 1636 überlieferte Wallfahrt aus Welsberg. |
| Status: | Lebendige jährliche Wallfahrt über den Furkelpass. |
| Kultzentrum: | Gnadenstatue Unserer Lieben Frau vom Guten Rat, ladinisch Santa Maria d’La Pli. |
| Besonderheit: | Jahrhundertealter Kreuzgang über eine Sprach- und Kulturgrenze mit Votivtafeln in hundertjährigen Abständen. |
| Ort: | Enneberg-Pfarre. |
| Bezirk: | Pustertal / Gadertal. |
| Bundesland: | Südtirol. |
| • | Lage: Enneberg-Pfarre/La Pli de Mareo, 39030 Enneberg. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarr- und Wallfahrtskirche Enneberg-Pfarre |
| • | Öffnungszeiten: täglich von 7:00 bis 20:00 Uhr. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Pfarr- und Wallfahrtskirche steht im alten Ortszentrum von Enneberg-Pfarre auf einem sonnigen Hang über dem Enneberger Tal. Der ladinische Ortsname La Pli de Mareo bedeutet sinngemäß "die Pfarre von Enneberg" und erinnert daran, dass sich hier über Jahrhunderte der religiöse Mittelpunkt des gesamten Gadertales befand. Die Kirche wird heute als Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Guten Rat bezeichnet; in der Überlieferung begegnen auch die Namen "Unsere Liebe Frau von Enneberg" und Santa Maria d’La Pli.
Enneberg-Pfarre gilt als die alte Mutterpfarre des Gadertales. Bereits 1214 ist hier ein ständiger Seelsorger namens Marquardus belegt. In einer Urkunde von 1347 wird das Gotteshaus ausdrücklich als "Pfarrkirche der heiligen Maria von Enneberg" bezeichnet. Von dieser Pfarre aus wurde lange Zeit ein großer Teil des Tales kirchlich betreut.
Der mittelalterliche Kirchenbau wurde mehrfach verändert. Um 1430 entstand der gotische Chor, 1494 eine Seitenkapelle. Das Langhaus wurde später erweitert und 1764 weitgehend barock umgestaltet; die Weihe der erneuerten Kirche erfolgte 1782. Vom älteren Bau blieb besonders der hohe gotische Turm erhalten.
Die Kirche erscheint heute als stattlicher barocker Kreuzbau. Der schlanke gotische Turm erreicht eine Höhe von ungefähr 56 Metern und bildet weithin sichtbar den Mittelpunkt des Dorfes.
Die entscheidende Entwicklung zum Wallfahrtsort steht mit der Pestzeit von 1636 in Verbindung. In diesem Jahr gelobten die Bewohner von Welsberg eine jährliche Prozession zur Gnadenmutter von Enneberg, falls ihr Ort von der Seuche verschont bliebe. Seither führt die Wallfahrt von Welsberg über Olang und den Furkelpass nach Enneberg-Pfarre.
Der Brauch besteht bis in die Gegenwart fort. Die Prozession wird weiterhin jedes Jahr durchgeführt. Am Furkelpass wurde zudem eine neue Gedenkstele des Künstlers Peter Dorner gesegnet, die an die Pest und die Wallfahrtstradition erinnert.
Nach der traditionellen Ordnung ziehen die Wallfahrer mit Kreuz und einer großen Kerze über den Pass. In Enneberg-Pfarre werden sie feierlich empfangen, umrunden dreimal die Kirche und nehmen anschließend am Wallfahrtsgottesdienst teil. Alle hundert Jahre wird außerdem eine neue Votivtafel gestiftet. In der Kirche befinden sich entsprechende Darstellungen aus den Jahren 1636 beziehungsweise 1637, 1737, 1838 und 1936.
Die Erzählung, die Wallfahrer hätten 1636 die Kirche verschlossen vorgefunden und erst nach dreimaligem Umschreiten habe sich die Tür von selbst geöffnet, erscheint nach volkskundlicher Forschung erst im 19. Jahrhundert. Sie ist daher als spätere Wallfahrtslegende und nicht als historisches Gründungsereignis zu behandeln.
Der kunstvoll geschnitzte Hochaltar im Stil der Spätrenaissance wurde im Pestjahr 1636 errichtet. Nach örtlicher Überlieferung war seine Stiftung mit dem Dank für die Bewahrung vor der Seuche verbunden. In seinem Zentrum steht die als wundertätig verehrte Marienstatue, die im Ladinischen Santa Maria d’La Pli genannt wird.
Das Gnadenbild ist älter als der Altar und wird gewöhnlich in das 15. Jahrhundert datiert. Die gekrönte Gottesmutter mit dem Jesuskind bildet bis heute den kultischen Mittelpunkt der Kirche. Die Wallfahrt entstand durch die Verehrung eines älteren Marienbildes und durch gemeinschaftliche Gelöbnisse in Zeiten von Pest und Not.
Das Innere ist als kreuzförmiger barocker Raum gestaltet. Der Renaissance-Hochaltar mit dem Gnadenbild wird von reich vergoldeten Seitenaltären und weiterer barocker Ausstattung begleitet. Die Verbindung des gotischen Chores und Turmes mit dem barock erneuerten Langhaus macht die lange Baugeschichte weiterhin sichtbar.
Enneberg-Pfarre ist ein besonders bedeutendes Beispiel für eine Gelöbniswallfahrt, deren eigentlicher Träger nicht nur die örtliche Pfarrgemeinde, sondern eine auswärtige Gemeinschaft ist. Die Welsberger verpflichteten sich 1636 nicht zu einer einmaligen Dankwallfahrt, sondern zu einem dauerhaft wiederkehrenden Kreuzgang.
Der Weg über den Furkelpass verbindet das deutschsprachige Pustertal mit dem ladinischsprachigen Gadertal. Die Wallfahrt überschreitet damit nicht nur eine landschaftliche Höhe, sondern auch eine Sprach- und Kulturgrenze. Kreuz, Kerze, festlicher Empfang, dreimalige Umrundung der Kirche und Gottesdienst bilden eine über Jahrhunderte bewahrte rituelle Ordnung.
Bemerkenswert sind die in Abständen von hundert Jahren gestifteten Votivtafeln. Sie dokumentieren nicht nur das Gelöbnis, sondern auch Veränderungen von Kleidung, Malstil, Sprache und religiöser Selbstdarstellung. Die Wallfahrt bildet damit ein lebendiges Archiv der Volksfrömmigkeit und der Beziehungen zwischen Welsberg und Enneberg.
• Literatur zur Wallfahrt:
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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