Ehrenburg – Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt. Der Ahrner Bittgang zur Kornmutter

Schnellüberblick
Wallfahrt:Ahrner Bittgang zur Kornmutter mit gemeinschaftlicher Bitte um gute Ernte und gedeihliche Witterung.
Status:Lebendige, jährlich gepflegte Langstreckenwallfahrt.
Kultzentrum:Die Kornmutter in der Gruftkapelle der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt.
Besonderheit:Der Ahrner Bittgang umfasst nach örtlicher Angabe insgesamt 106 Kilometer für Hin- und Rückweg.
Ort:Ehrenburg / Kiens.
Bezirk:Pustertal.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
Lage: Kiener Dorfweg 4b, 39030 Kiens / Ehrenburg.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View
Web: Seelsorgeeinheit Kiens / Pfarrei Maria Himmelfahrt Ehrenburg
Öffnungszeiten: täglich von 08:00 Uhr bis 19:00 Uhr geöffnet.
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Historisch

Die heutige Propsteikirche Mariä Himmelfahrt geht nach den örtlichen Angaben auf einen Kirchenbau von 1370 zurück. Von dieser älteren Anlage blieb insbesondere der gotische Turm erhalten; die Kirche erhielt ihre heutige barocke Gestalt beim Neubau beziehungsweise umfassenden Umbau von 1698 bis 1701. In der Kirche befindest sich das Gnadenbild von I. A. Mölck aus dem Jahr 1755 und weiters die in der Gruftkapelle befindliche "Kornmuttergottes".

Beide Gnadenbilder existieren nebeneinander. Der Ahrner Bittgang richtet sich ausdrücklich zur Kornmutter.

Die Kornmutter in der Gruftkapelle

Die eigentliche Wallfahrtsstätte befindet sich damit gewissermaßen innerhalb beziehungsweise unterhalb der Pfarrkirche. In der Gruftkapelle werden mehrere marianische Bildwerke verehrt. Regionale Darstellungen nennen neben der Kornmutter auch eine Schmerzensmutter und eine Madonna im Ährenkleid. Für den Ahrner Bittgang ist die Kornmutter der zentrale Bezugspunkt.

Die Legende von der Kornmutter

Nach der Legende befand sich die Kornmutter ursprünglich im Ahrntal, wo ihr Bild in einer immergrünen Esche gefunden worden sein soll. Man errichtete dort eine Kapelle, die jedoch später durch ein Unwetter beziehungsweise eine Mure zerstört worden sei. Das Marienbild verschwand.

Später soll die Figur weit entfernt in einer von Erlen bewachsenen Au bei Ehrenburg wiedergefunden worden sein. Nach der Überlieferung war sie durch Ahr und Rienz dorthin gelangt. Daraus schloss man, die Gottesmutter habe sich selbst Ehrenburg als neuen Aufenthaltsort erwählt. Der Versuch, sie wieder ins Ahrntal zurückzubringen, endete der ausführlicheren Überlieferungsfassung zufolge damit, dass sie schließlich in feierlicher Prozession wieder nach Ehrenburg gebracht wurde.

Das ist volkskundlich eine klassische Gnadenbildlegende vom selbstgewählten Standort: Das Kultbild bestimmt durch wunderbares Verschwinden, Wiederauffinden oder wiederholte Rückkehr selbst den Ort seiner Verehrung. Solche Überlieferungen legitimieren einen Wallfahrtsort nachträglich als von der heiligen Gestalt selbst erwählt.

Der Ahrner Bittgang – "die Ehrnburga Kreize"

Der Ahrner Bittgang nach Ehrenburg, mundartlich als "Ehrnburga Kreize" bezeichnet, ist eine bis heute lebendige Wallfahrt. Die offizielle Ahrntaler Darstellung gibt für Hin- und Rückweg insgesamt 106 Kilometer an. Männer und Burschen aus dem Ahrntal pilgern zu Fuß zur Kornmutter nach Ehrenburg; Gebet und Gesang begleiten den Zug, und unterwegs werden Kirchen zu Andachten aufgesucht. Vorangetragen wird das sogenannte durchschossene Kreuz von Heilig Geist in Kasern.

Als Hauptanliegen erscheint traditionell die Bitte um eine gute Ernte und gedeihliche Witterung. Das ist also eine ausgesprochen bäuerlich geprägte Bittwallfahrt: Die Kornmutter wird als Schutz- und Fürbittinstanz für die existenziellen Grundlagen des bäuerlichen Lebens angerufen.

Der Bittgang ist jedenfalls 1599 urkundlich beziehungsweise historisch dokumentiert; die örtliche Überlieferung führt ihn noch wesentlich weiter, teilweise bis ins 14. Jahrhundert zurück. Ein 1970 gestiftetes Votivbild erinnert ausdrücklich an eine 600-jährige Wallfahrtstradition, ist aber natürlich selbst kein Beweis dafür, dass der Bittgang bereits exakt 1370 in der späteren Form bestand.

Die Wallfahrt ist eine weiterhin jährlich gepflegte Tradition.

Volkskundliche Bedeutung

Bei dieser Wallfahrt greifen mehrere Elemente ineinander, sowohl Gnadenbildverehrung, Bildfindungs- und Standortlegende, bäuerliche Fruchtbarkeits- und Erntereligiosität, gemeinschaftlicher Bittgang, Langstreckenwallfahrt, Votivwesen und ein bis heute lebendiger Brauch.

Bemerkenswert ist insbesondere die enorme körperliche Dimension: Der heutige Ahrner Bittgang umfasst nach offizieller Angabe rund 106 Kilometer für Hin- und Rückweg. Damit wird das religiöse Anliegen durch die körperliche Anstrengung des Gehens ausgedrückt – ein Element, das bei historischen Bittgängen häufig wesentlich war und hier bis in unsere Gegenwart erhalten geblieben ist.

• Literatur zur Wallfahrt:

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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