| Wallfahrt: | Historische Wallfahrt zum Vesperbild der Schmerzhaften Muttergottes in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. |
| Status: | Die regelmäßig organisierte Wallfahrt ist weitgehend erloschen; das Gnadenbild wird weiterhin verehrt. |
| Kultzentrum: | Pietà beziehungsweise Vesperbild der Schmerzhaften Muttergottes aus der Zeit um 1400. |
| Besonderheit: | Historisch belegtes Votivwesen und Bittprozessionen in Zeiten von Dürre, Krieg und Naturgefahr. |
| Ort: | Bruneck. |
| Bezirk: | Pustertal. |
| Bundesland: | Südtirol. |
| • | Lage: Oberragen 22, 39031 Bruneck (BZ). |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrei Bruneck |
| • | Öffnungszeiten: täglich 08:00 – 20:00 Uhr. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Bruneck, auch als Unserfrauenkirche bezeichnet, geht auf eine bereits im Mittelalter bestehende Marienkirche im alten Dorf Ragen zurück. Eine Kirche an dieser Stelle ist 1334 urkundlich belegt. Nach mehreren Um- und Neubauten entstand nach dem Brand von 1850 die heutige, neuromanisch geprägte Pfarrkirche. Bruneck wurde 1610 eine selbständige Pfarre.
Von besonderer volkskundlicher und frömmigkeitsgeschichtlicher Bedeutung ist die Pietà oder das Vesperbild der Schmerzhaften Muttergottes, die sich heute am linken Seitenaltar der Pfarrkirche befindet. Das Gnadenbild entstand um 1400 und gehört dem sogenannten Weichen Stil an. Die Pfarrei bezeichnete die in Steingusstechnik ausgeführte Plastik 2010 als Salzburger Arbeit; in einer neueren Darstellung der Pfarrei wird als möglicher Entstehungsraum Salzburg oder Wien genannt. Um 1430 dürfte das Vesperbild bereits in die Brunecker Kirche gelangt sein.
Wie bei zahlreichen alten Gnadenbildern ist auch die Herkunft der Brunecker Pietà von einer Ursprungslegende umgeben. Nach der von Ignaz Vinzenz Zingerle aufgezeichneten Überlieferung soll das hochverehrte Bild "vor undenklichen Zeiten" bei einem starken Hochwasser auf der Rienz angeschwommen und in der Gegend der damaligen Schießstätte, die "Au" genannt wurde, gefunden worden sein. Die historische Forschung verzeichnet diese Erzählung ebenfalls als die traditionelle Herkunftssage des Vesperbildes.
Die Erzählung vom auf wunderbare Weise durch das Wasser herbeigetragenen Gnadenbild gehört zu einem in der Wallfahrtsüberlieferung häufig anzutreffenden Motiv: Das heilige Bild wird nicht bewusst von Menschen an seinen Verehrungsort gebracht, sondern findet gleichsam selbst den Platz, an dem es verehrt werden will. Im Falle Brunecks verbindet die Legende das Gnadenbild unmittelbar mit der Rienz und damit mit der Landschaft und Lebenswelt der Stadt.
Spätestens im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde die Schmerzhafte Muttergottes als Gnadenbild verehrt und von Hilfesuchenden aufgesucht. Noch Johann Nepomuk Tinkhauser kannte Votivtafeln, die von dieser Verehrung Zeugnis ablegten. Einen besonders wichtigen Beleg liefert das kirchliche Visitationsprotokoll von 1645, das ausdrücklich einen Altar mit dem wundertätigen Vesperbild nennt. Um 1650 bestand sogar der Plan, in Bruneck ein Kollegiatkapitel mit sechs Kanonikern und einem Dekan einzurichten, um durch eine feierlichere Gestaltung der Gottesdienste unter anderem die Wallfahrt zum Vesperbild zu fördern. Dieses Vorhaben wurde zwar nicht verwirklicht, belegt aber unmissverständlich, dass Bruneck damals als Wallfahrtsziel zur Schmerzhaften Muttergottes bekannt war. Im Visitationsbericht von 1704 erscheint wiederum ein eigener Vesperbildaltar; 1710 wurde für jeden Samstag eine Messe am Altar der Schmerzhaften gestiftet.
Wie tief die Verehrung in der Bevölkerung verwurzelt war, zeigt sich besonders in Zeiten allgemeiner Not. Im Jahr 1834, als eine große Dürre das Land heimsuchte, wurde das Bild der Schmerzhaften Muttergottes bei einer Bittprozession mitgeführt. Nach der überlieferten Pfarrgeschichte sollen sich daran annähernd 10.000 Menschen beteiligt haben – eine für das damalige Pustertal außerordentlich große Zahl und ein eindrucksvoller Hinweis auf die überörtliche Bedeutung des Gnadenbildes.
Auch bei Gefahren für Stadt und Kirche wurde das Vesperbild mit besonderer Sorgfalt geschützt. Beim verheerenden Kirchenbrand von 1850 rettete der Pfarrmesner Georg Bachlechner die schwere Pietà aus dem brennenden Gotteshaus. Als 1882 eine Überschwemmung die Pfarrkirche bedrohte, wurde das Gnadenbild wiederum von zwei Männern aus der Kirche getragen. Nach Angaben der Pfarrei wurde die Pietà auch in Kriegszeiten, unter anderem während des Ersten Weltkrieges, von acht Männern in Prozessionen mitgetragen. Diese Überlieferungen zeigen, dass das Bild nicht allein als wertvolles Kunstwerk, sondern als besonderer Schutz- und Zufluchtsort der Bevölkerung verstanden wurde.
Volkskundliche Bedeutung
Die Brunecker Pietà ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie sich um ein mittelalterliches Andachtsbild über Jahrhunderte ein vielschichtiger Kult entwickeln konnte. Ursprungslegende, Votivwesen, Wallfahrt, Bittprozessionen und das Mitführen des Gnadenbildes in außergewöhnlichen Notzeiten verbinden sich hier zu einem geschlossenen Komplex religiöser Volksfrömmigkeit. Besonders deutlich tritt die Funktion der Schmerzhaften Muttergottes als Zuflucht in existenziellen Krisen hervor: Krankheit und persönliche Not ebenso wie Dürre, Krieg und Naturgefahren konnten Anlass geben, sich an das Gnadenbild zu wenden.
Ein bemerkenswerter neuer Fund unterstreicht möglicherweise die frühere Reichweite dieser Verehrung. Im Jahr 2026 wurde im Bereich der Pietà eine kleine historische Taufmedaille aus dem Jahr 1710 entdeckt, die einem Mädchen namens Barbara aus Elchingen bei Ulm zugeordnet werden konnte. Der Brunecker Stadtarchivar Andreas Oberhofer hält es für möglich, dass Angehörige des Kindes die Medaille bei einem Bittgang oder einer Wallfahrt nach Bruneck als Votivgabe bei der Pietà zurückließen. Eine direkte historische Verbindung zwischen der Familie und Bruneck ist allerdings nicht nachgewiesen, weshalb diese Deutung ausdrücklich als plausible Hypothese und nicht als gesicherte Tatsache zu verstehen ist. Der Fund passt jedoch bemerkenswert gut in die für das 17. und frühe 18. Jahrhundert eindeutig belegte Wallfahrt zum Brunecker Vesperbild.
Heutige Bedeutung
Die historische Wallfahrt zur Brunecker Pietà ist eindeutig belegt; eine regelmäßig organisierte Wallfahrt zum Gnadenbild lässt sich heute jedoch nicht mehr feststellen. Nach gegenwärtiger Quellenlage ist die eigentliche Wallfahrt daher als weitgehend erloschen anzusehen. Die Pietà selbst wird weiterhin als bedeutendes Gnaden- und Andachtsbild wahrgenommen und zählt zu den wichtigen Kunstschätzen der Pfarrkirche. Dass die Pfarrei noch 2010 ausdrücklich von einem "sehr verehrten" Gnadenbild sprach und sich 2026 ausführlich mit seiner Verehrungsgeschichte beschäftigt, zeigt, dass die religiöse Erinnerung an den früheren Kult keineswegs verschwunden ist.
Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist im Gegensatz zu manchen kleineren historischen Wallfahrtskirchen regulär zugänglich. Die Pietà kann zu den Kirchenöffnungszeiten normalerweise besichtigt und zur persönlichen Andacht aufgesucht werden.
• Literatur zur Wallfahrt:
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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