| Wallfahrt: | Lebendige hochalpine Christus- und Kreuzwallfahrt mit zahlreichen lokalen Kreuzgängen. |
| Status: | Lebendige, saisonal geprägte Wallfahrt von großer regionaler Bedeutung. |
| Kultzentrum: | Der kreuztragende Heiland, der im Sommer nach Heiligkreuz übertragen und im Herbst wieder ins Tal gebracht wird. |
| Besonderheit: | Saisonaler Ortswechsel der Christusfigur zwischen St. Leonhard und dem hochgelegenen Heiligtum. |
| Ort: | Heiligkreuz oberhalb von St. Leonhard in Abtei. |
| Bezirk: | Pustertal. |
| Bundesland: | Südtirol. |
| • | Lage: Heilig Kreuz/La Crusc, 39036 Abtei, auf etwa 2.045 Metern Meereshöhe. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Wallfahrtskirche Heiligkreuz/La Crusc |
| • | Öffnungszeiten: In der Sommersaison täglich von 7:00 bis 18:00 Uhr; im Frühjahr und Herbst saisonal geschlossen, im Winter tagsüber geöffnet. Aktuelle Angaben vor dem Besuch prüfen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Wallfahrtskirche Heiligkreuz liegt hoch über St. Leonhard in Abtei am Fuß des Heiligkreuzkofels. Sie bildet gemeinsam mit dem ehemaligen Pilgerhospiz ein weithin sichtbares Ensemble inmitten der Dolomiten, eine lebendige hochalpine Wallfahrtskirche von großer regionaler Bedeutung.
Die älteste sicher belegte Nachricht ist die Weihe der Kirche im Jahr 1484. Ein weiteres Pergament berichtet, dass Giacomo Morellus de Caninis sowie Corrado und Pietro Colzo im Jahr 1500 nach Rom pilgerten, um Ablässe für Heiligkreuz zu erlangen. Nach deren Gewährung verpflichtete sich der Pfarrer 1584, jährlich sechs Messen im Heiligtum zu feiern.
Nach der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche erweitert, ausgemalt und mit einem Turm versehen. Im Jahr 1718 entstand daneben ein Gebäude als Wohnung des Mesners und als Unterkunft für die Pilger. Daraus entwickelte sich das heutige Heiligkreuz-Hospiz.
Im Zuge der josephinischen Kirchenreformen wurde das abgelegene Heiligtum in den 1780er-Jahren geschlossen und profaniert. Es blieb rund 57 Jahre unbenutzt und verfiel zunehmend. Talbewohner und Wallfahrer setzten sich schließlich für seine Wiederherstellung ein; 1839 beziehungsweise 1840 konnte die Kirche wieder dem Gottesdienst übergeben werden. Wegen des erneut wachsenden Pilgerzustroms wurde sie 1851/52 nochmals erweitert.
Im Mittelpunkt der Verehrung steht der kreuztragende Heiland. Die Christusfigur befindet sich während der Wallfahrtssaison in Heiligkreuz. Zu Beginn des Sommers wird sie in einer feierlichen Prozession aus der Pfarrkirche St. Leonhard hinaufgetragen; im Herbst erfolgt die Übertragung zurück ins Tal.
Dieser jahreszeitliche Ortswechsel ist volkskundlich besonders bemerkenswert. Der verehrte Christus verbringt gleichsam den Sommer im hochgelegenen Heiligtum und den Winter in der Pfarrkirche. Damit wird auch der Wallfahrtsort selbst saisonal "eröffnet" und am Ende des Wallfahrtsjahres wieder geschlossen.
Im Altar werden außerdem Reliquien der Heiligen Leonhard, Hippolyt, Virgil, Maria Magdalena, Agnes und Barbara verwahrt.
Eine Legende erzählt, die Bewohner von Abtei hätten zunächst auf dem Hügel Col d’Anví eine Kapelle errichten wollen. Während der Arbeiten verletzten sich die Handwerker immer wieder an Holzspänen. Weiße Vögel sammelten die blutbefleckten Späne und trugen sie bis zum Fuß des Heiligkreuzkofels. Die Arbeiter folgten den Vögeln und erkannten darin den göttlichen Hinweis, die Kirche an diesem Ort zu bauen.
Die Sage verbindet das verbreitete Motiv der Standortwahl durch Tiere mit dem Blut als heiligem Zeichen. Nicht die Menschen bestimmen den Kirchenplatz; der Wille Gottes wird durch das Verhalten der weißen Vögel sichtbar.
Eine zweite Überlieferung führt die Gründung auf Graf Ottwin von Lurn und Pustertal zurück. Er soll auf einer Reise ins Heilige Land der arianischen Lehre verfallen sein, später seinen Irrtum erkannt und sich zur Buße als Einsiedler an den Kreuzkofel zurückgezogen haben. Dort habe er eine Hütte und eine Kapelle errichtet. Auch diese Erzählung ist eine spätere Gründungslegende und kein historisch gesichertes Ereignis.
Die Kirche besitzt einen spätgotischen Kern, wurde aber im 17. und 19. Jahrhundert wesentlich verändert. Im Inneren haben sich Fresken und eine vorwiegend auf das Leiden und die Erhöhung Christi bezogene Ausstattung erhalten. Vor der Kirche steht eine Kreuzigungsgruppe mit Christus und den beiden Schächern.
Das 1718 errichtete Hospiz diente ursprünglich dem Mesner sowie der Aufnahme und Verpflegung der Wallfahrer. Heute wird es als Schutzhaus und Gaststätte geführt. Das unmittelbare Nebeneinander von Kirche und Herberge erinnert weiterhin daran, dass Wallfahrt neben dem Gottesdienst auch Unterkunft, Nahrung und Schutz in einer hochalpinen Landschaft erforderte.
Heiligkreuz ist über mehrere traditionelle Wallfahrtswege erreichbar. Drei Kreuzwege führen zum Heiligtum: von der Bergstation der Aufstiegsanlage, von St. Kassian über Weg Nr. 15 und von Castalta über Weg Nr. 13. Auch von Wengen führt ein Kreuzweg über die Armentarawiesen herauf.
Die einzelnen Pfarreien und Ortschaften des Gadertales besitzen eigene Prozessionstermine. Dadurch ist Heiligkreuz weniger Ziel einer einzigen großen Jahreswallfahrt als gemeinsamer geistlicher Mittelpunkt zahlreicher lokaler Kreuzgänge.
Heiligkreuz gehört zum Typus des hochgelegenen saisonalen Wallfahrtsortes. Der mühsame Aufstieg, die abgeschiedene Lage unter der gewaltigen Felswand und der Übergang vom besiedelten Tal in die Hochgebirgslandschaft sind wesentliche Bestandteile des Wallfahrtserlebnisses.
Die Übertragung des kreuztragenden Heilands verbindet das Heiligtum eng mit der Pfarrkirche im Tal. Das Kultbild wandert mit den Jahreszeiten zwischen zwei Kirchenräumen. Dadurch werden Beginn und Ende der sommerlichen Wallfahrtszeit öffentlich und rituell sichtbar gemacht.
Die Legende von den weißen Vögeln deutet die außergewöhnliche Lage als von Gott selbst bestimmten Ort. Das ehemalige Hospiz, die Kreuzwege, die zahlreichen Prozessionen und die saisonale Übertragung der Christusfigur machen Heiligkreuz zu einem der anschaulichsten Beispiele lebendiger ladinischer Wallfahrtskultur.
• Literatur zur Wallfahrt:
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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