| Wallfahrt: | Historische Gnadenbildverehrung der "Maria Königin" in der Neumarkter Kapuzinerkirche. |
| Status: | Historische Gnadenbildverehrung; eine heutige regelmäßig organisierte Wallfahrt wird im vorliegenden Text nicht genannt. |
| Kultzentrum: | Geschnitzte Muttergottesstatue mit Kind aus Böhmen, wohl um 1600, auch "Patermuttergottes" genannt. |
| Besonderheit: | Überlieferung vom unverbrennbaren Marienbild und Übertragung des Kultobjekts aus Böhmen nach Neumarkt im Dreißigjährigen Krieg. |
| Ort: | Neumarkt. |
| Gebiet: | Südtiroler Unterland. |
| Bundesland: | Südtirol. |
| • | Lage: Boznerstraße 2, 39044 Neumarkt (BZ). |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Kapuziner Neumarkt |
| • | Öffnungszeiten: |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Das Neumarkter Kapuzinerkloster entstand in den Jahren 1617 bis 1621; die heutige Gemeinschaft selbst nennt 1621 als Beginn des Klosters. Damit passt die Überlieferung zeitlich in die Anfangsphase des Dreißigjährigen Krieges und in die Gründungszeit des Klosters.
Seit dieser Zeit soll die böhmische Madonna in Neumarkt als Gnadenbild verehrt worden sein. Die Überlieferung hebt besonders ihre Anrufung bei Feuersbrünsten hervor. Das ist natürlich volkskundlich äußerst stimmig: Ein Marienbild, das selbst auf wunderbare Weise das Feuer überstanden haben soll, wird gerade gegen die Gefahr des Feuers angerufen.
Geschichte und Gegenwart des Klosters
Das Kapuzinerkloster wurde 1621 auf Betreiben des aus Neumarkt stammenden Kapuzinerpaters Angelus Pichler gegründet, der bereits Erfahrungen mit Klosterbauten in Bayern und Böhmen gesammelt hatte. Zum Kloster gehört eine historische Bibliothek, deren Bestände bis in die Gründungszeit zurückreichen und von der seelsorglichen Tätigkeit der Kapuziner zeugen. Seit 1996 wird das Neumarkter Kloster zudem als "Kloster zum Mitleben" und als "Oase der Stille" geführt und öffnet sich damit Menschen, die für eine gewisse Zeit am klösterlichen Leben teilnehmen möchten.
Das Gnadenbild
Bei dem Kultbild handelt es sich um eine geschnitzte Muttergottesstatue mit Kind, die aus Böhmen stammen soll. Die Entstehung ist wahrscheinlich um 1600.
Das Bild wird als "Maria Königin" bezeichnet. Der volkstümliche Name "Patermuttergottes" dürfte sich auf seine Verehrung bei den Kapuzinerpatres beziehungsweise in deren Kirche beziehen.
Nach der Überlieferung von Zingerle und Paulin (vgl. unten Literatur, online auf SAGEN.at) befand sich die Statue ursprünglich in Böhmen. Während der konfessionellen Wirren zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges sei sie von Bilderstürmern ins Feuer geworfen und lange den Flammen ausgesetzt worden. Dennoch habe die hölzerne Statue das Feuer unversehrt überstanden. Nach dem Sieg der katholischen Truppen hätten die als Feldkapläne tätigen Kapuziner das wundersam erhaltene Bild erhalten; schließlich sei es in das neu gegründete Kapuzinerkloster von Neumarkt gelangt.
Erich Rainer überliefert die Geschichte in seinem Werk "Patermuttergottes und der Dreißigjährige Krieg" in einer leicht abweichenden Variante: Bei der Plünderung eines Dorfes in der Gegend von Prag seien Heiligenbilder verbrannt worden; später habe man die Muttergottesstatue unversehrt in der Asche gefunden. Maximilian von Bayern habe sie daraufhin dem jüngsten neu gegründeten Kapuzinerkloster geschenkt – dem Kloster in Neumarkt.
Ein bewegliches Gnadenobjekt, dessen Heiligkeit nicht durch eine Erscheinung an einem bestimmten Ort entsteht, sondern durch seine wundersame Geschichte. Das Bild wird aus Böhmen nach Südtirol übertragen und bringt seine bereits erworbene sakrale Bedeutung gewissermaßen mit.
Damit haben wir gleichzeitig ein schönes Beispiel für die Migration eines Kultbildes im Zusammenhang mit Krieg, Konfessionskonflikt und Ordensgeschichte. Die Kapuziner als Feldseelsorger bilden in der Überlieferung das Bindeglied zwischen Böhmen und Neumarkt.
• Literatur zur Wallfahrt:
- Zingerle, Ignaz Vinzenz, Das Gnadenbild in Neumarkt in: Sagen aus Tirol, 2. Auflage, Innsbruck 1891, Nr. 900, S. 522
- Paulin, Karl, Das Marienbild von Neumarkt an der Etsch in: Die schönsten Sagen aus Südtirol, Innsbruck 1947, S. 230
Erich Rainer, Das Gnadenbild "Maria Königin" in Neumarkt, Die Patermuttergottes und der Dreißigjährige Krieg, in: Reimmichls Volkskalender, Anno Domini 2018, S. 33 (online)
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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