Ritten, Wallfahrtskirche Maria Saal

Schnellüberblick
Wallfahrt:Mariahilf- und Bauernwallfahrt, besonders verbunden mit der Bitte um Regen bei Trockenheit und Dürre.
Status:Historischer und kirchlich weiterhin als Wallfahrtskirche geführter Ort; die Wallfahrt wurde nach der josephinischen Unterbrechung wiederhergestellt.
Kultzentrum:Mariahilf-Gnadenbild am Hochaltar mit zahlreichen Gebetserhörungs- beziehungsweise Ex-voto-Tafeln.
Besonderheit:Die 1924 geschaffene "Madonna mit dem Regenschirm" verbindet Marien-Schutzsymbolik mit der bäuerlichen Regenbitte.
Ort:Mittelberg am Ritten.
Gebiet:Ritten / Bozen und Umgebung.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
Lage: Mittelberg, 39054 Ritten.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View
Web: Seelsorgeeinheit Ritten
Öffnungszeiten:
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Ausführliche Beschreibung

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Ritten, Wallfahrtskirche Maria Saal

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Geschichte

Die Wallfahrtskirche Maria Saal, auch Maria-Hilf in Saal, liegt bei Mittelberg am Ritten und gehört als Filialkirche zur Pfarre Lengmoos. Der Wallfahrtsort entstand im 17. Jahrhundert. Nach örtlicher Überlieferung befand sich das verehrte Mariahilfbild ursprünglich in einem Schafstall; der zunehmende Zustrom von Gläubigen soll schließlich Anlass zur Errichtung einer Kirche gegeben haben. Der älteste Teil des heutigen Gotteshauses stammt noch aus dieser Zeit. Wegen der anwachsenden Wallfahrt wurde die Kirche 1719 wesentlich erweitert.

Die Baugeschichte lässt sich noch heute am Kirchenraum ablesen. Nach der offiziellen Darstellung des Ritten dient der ursprüngliche Altarraum heute als Sakristei, während das ehemalige Kirchenschiff zum Chorraum wurde. Der Hochaltar stammt bereits aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und ist damit älter als die beiden 1719 errichteten Seitenaltäre. Ein früheres Altarblatt zeigte Maria Hilf gemeinsam mit dem hl. Antonius von Padua und der hl. Rosa von Lima; bemerkenswerterweise war darin auch eine Ansicht der Kirche dargestellt.

Einen schweren Einschnitt brachte die josephinische Kirchenpolitik. Maria Saal wurde unter Kaiser Joseph II. geschlossen und profaniert. Erst 1847 konnte die Kirche wieder feierlich eingeweiht werden; die Neuweihe nahm der Trienter Fürstbischof Johann Nepomuk von Tschiderer vor. Damit wurde auch die Wallfahrtstradition nach jahrzehntelanger Unterbrechung kirchlich wiederhergestellt.

Das Gnadenbild und die Ausstattung

Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht das Mariahilf-Gnadenbild am Hochaltar. Die Überlieferung, wonach es ursprünglich in einem Schafstall gehangen habe und immer mehr Menschen zu diesem Bild gekommen seien, bildet zugleich die eigentliche Ursprungserzählung der Wallfahrt. Anders als bei klassischen Auffindungslegenden wird das Gnadenbild hier nicht auf wunderbare Weise entdeckt oder von einem Ort zum anderen getragen; seine besondere Bedeutung zeigt sich vielmehr durch den wachsenden Zustrom der Gläubigen.

Von der historischen Intensität der Verehrung zeugen die zahlreichen Gebetserhörungs- beziehungsweise Ex-voto-Tafeln an den Wänden der Kirche. Sie dokumentieren die Vorstellung der Wallfahrer, mit ihren Anliegen bei Maria Hilfe gefunden zu haben. Gerade diese Tafeln sind besonders wertvoll, weil sie die Wallfahrt nicht nur über schriftliche Nachrichten, sondern unmittelbar durch materielle Zeugnisse der Dankfrömmigkeit fassbar machen.

Die "Madonna mit dem Regenschirm"

Die wohl außergewöhnlichste Darstellung der Kirche ist die sogenannte "Madonna mit dem Regenschirm" am Triumphbogen. Das Fresko wurde 1924 vom Brixner Maler Alexander Dejaco in Temperatechnik geschaffen. Maria mit dem Jesuskind erscheint dabei als schützende Gestalt; ihr nähern sich bäuerliche Männer und Frauen. Nach der offiziellen Rittner Beschreibung handelt es sich bei mehreren dargestellten Personen um Porträts von Mitgliedern jener Bauernfamilie vom Kerschbaumerhof, bei der Dejaco zu Gast war.

Das Bild war nach dieser Darstellung zugleich ein persönliches Votivbild des Künstlers für seine glückliche Heimkehr aus dem Ersten Weltkrieg. Dejaco bezog sich dabei auf das alte Mariengebet "Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir". Der Regenschirm ist daher zunächst ein Bild für den Schutz Mariens. Auf dem wasserarmen Ritten erhielt das Motiv aber zusätzlich eine ausgesprochen konkrete bäuerliche Bedeutung: Maria wurde bei großer Trockenheit und drohender Dürre um Regen angerufen.

Volkskundliche Bedeutung – eine Bauernwallfahrt

Gerade hier liegt die große Besonderheit von Maria Saal. Die offizielle Rittner Darstellung bezeichnet den Ort ausdrücklich als Bauernwallfahrt. Das zentrale Anliegen war der Regen. In einer bäuerlich geprägten Kulturlandschaft konnte anhaltende Trockenheit Ernteausfälle verursachen, die Versorgung der Tiere gefährden und damit die wirtschaftliche Existenz ganzer Höfe bedrohen. Die Wallfahrt nach Maria Saal war somit unmittelbar mit den elementaren Lebensbedingungen der bäuerlichen Bevölkerung verbunden.

Volkskundlich verbindet sich hier auf besonders anschauliche Weise die allgemeine Mariahilf-Verehrung mit einem lokalen ökologischen Problem. Aus Maria als allgemeiner Helferin in der Not wird am wasserarmen Ritten gewissermaßen auch eine Fürsprecherin um den lebensnotwendigen Regen. Die erhaltenen Gebetserhörungstafeln zeigen zugleich, dass sich die Anliegen der Wallfahrer nicht auf Wetter und Ernte beschränkt haben dürften, sondern Menschen auch mit persönlichen Nöten zum Gnadenbild kamen. Der Schwerpunkt der örtlichen Erinnerung liegt jedoch eindeutig auf der Bitte der Bauern bei Trockenheit und Dürre.

Besonders ist, wie das Fresko von 1924 diese ältere Tradition in ein modernes Bild übersetzt: Der Regenschirm schützt normalerweise den Menschen gerade vor dem Regen. In Maria Saal wird er zugleich zum Symbol des Schutzmantels Mariens – an einem Ort, an dem die Bauern ausgerechnet darum beteten, dass überhaupt Regen fallen möge. Diese beinahe paradoxe Verbindung von Schutzschirm und Regenbitte macht die "Regenschirm-Madonna" zu einem außergewöhnlichen volkskundlichen Bildmotiv.

Legende und Überlieferung

Die örtliche Gründungsüberlieferung ist vergleichsweise schlicht: Das Mariahilfbild soll ursprünglich in einem Schafstall gehangen haben. Immer mehr Menschen kamen dorthin, um vor dem Bild zu beten, bis der zunehmende Zustrom schließlich den Bau eines eigenen Gotteshauses erforderlich machte.

Gerade diese Schlichtheit ist bemerkenswert. Der Ursprung liegt nicht in einer spektakulären Erscheinung, sondern mitten in der bäuerlichen Arbeits- und Lebenswelt. Ein Schafstall wird zum ersten Aufbewahrungsort eines verehrten Bildes, und aus der privaten beziehungsweise bäuerlichen Andacht entsteht allmählich eine öffentliche Wallfahrt. Damit passt selbst die Gründungsüberlieferung ausgesprochen gut zum späteren Charakter Maria Saals als Bauernwallfahrt.

• Literatur zur Wallfahrt:

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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