| Wallfahrt: | Lourdeswallfahrt seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert |
| Status: | Lebendige Marienwallfahrt und Andachtsstätte |
| Kultzentrum: | Lourdesgrotte mit der verehrten Statue Unserer Lieben Frau von Lourdes |
| Ort: | Laas im Vinschgau |
| Bezirk: | Vinschgau |
| Bundesland: | Südtirol |
| • | Staatsstraße, 39023 Laas |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Pfarre: Seelsorgeeinheit Laas |
| • | Öffnungszeiten: täglich von 08:00 Uhr bis 19:00 Uhr |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Die ursprüngliche Wallfahrtskapelle. Die Inschrift erinnert an den tödlichen Unfall Benedict Edler Ritter von Vintschgau am 15. Juni 1885 und an die Stiftung der Kapelle durch seine Witwe. Pfarrer Nikolaus Ortner unterstützte die Widmung an die Unbefleckte Gottesmutter von Lourdes. Der Wallfahrtszuzug wurde so groß, dass 1893 der Grundstein für die größere Kirche gelegt wurde; 1896 wurde die Muttergottesstatue in feierlicher Prozession in das neue Gotteshaus übertragen.
"Edler Benedict Ritter
v. Vintschgau von Meran
ist am 15. Juni 1885 hier durch
Umsturz des Stellwagens verunglückt.
Dessen trauernde Gattin setzt ihm
dies Kirchlein als Denkmal."
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Hochaltar und Lourdesgrotte mit der verehrten Marienstatue, dem Kultzentrum der Wallfahrt.
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• Die ursprüngliche Kapelle Maria Lourdes. Nach der Übertragung der Marienfigur in die neue Kirche wurde hier eine Pietà aus der Laaser Friedhofskapelle aufgestellt. Sowohl in der Wallfahrtskirche als auch in der Kapelle befinden sich zahlreiche Votivbilder.
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• Votivbilder in der Wallfahrtskirche. Im Vorraum befinden sich zahlreiche Votivbilder bis in die Gegenwart.
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Die Entstehung der Lourdeswallfahrt von Laas nahm ihren Ausgang von einem tragischen Ereignis. Am 15. Juni 1885 verunglückte an dieser Stelle Benedict Edler Ritter von Vintschgau aus Meran tödlich, als ein Stellwagen umstürzte. Seine Witwe ließ zum Andenken an ihren verstorbenen Mann eine kleine Marienkapelle errichten. Die noch heute vorhandene Inschrift über dem Eingang erinnert ausdrücklich an den Unglücksfall und an die Stiftung durch die trauernde Ehefrau.
Eine entscheidende Rolle für die weitere Entwicklung spielte der Laaser Pfarrer Nikolaus Ortner, der selbst eine Wallfahrt nach Lourdes unternommen hatte und ein überzeugter Förderer der Lourdesverehrung war. Die Gedächtniskapelle wurde der Unbefleckten Gottesmutter von Lourdes gewidmet und mit einer Lourdes-Madonna ausgestattet. Nach der örtlichen Überlieferung verbreiteten sich bald Berichte von Gebetserhörungen und besonderen Gnadenerweisen. Der Zustrom der Gläubigen nahm derart zu, dass die kleine Kapelle für die Besucher nicht mehr ausreichte.
Pfarrer Ortner betrieb deshalb den Bau einer wesentlich größeren Wallfahrtskirche. Nach einer auf die Pfarrpublikation zur Kirchengeschichte von Laas zurückgehenden Darstellung rief er die Marienverehrer öffentlich zu Spenden auf und hob dabei die besondere Bedeutung einer Lourdeswallfahrtskirche für Tirol hervor. Am 17. Oktober 1893 wurde der Grundstein gelegt. Der neuromanische Kirchenbau wurde nach Plänen des Architekten Josef von Stadl ausgeführt; als Baumeister wird Anton Stecher aus Prad genannt. 1895 war der Bau vollendet, 1896 erfolgte die feierliche Weihe. Die Lourdes-Madonna wurde in einer großen Prozession von der ursprünglichen Kapelle in die neue Kirche übertragen. Zeitgenössisch wurde dabei von einer außerordentlich großen Beteiligung der Bevölkerung berichtet.
Damit vollzog sich innerhalb weniger Jahre eine bemerkenswerte Entwicklung: Aus einer privaten Gedächtnisstiftung für einen tödlich Verunglückten entstand zunächst eine Marienkapelle und aus dieser wiederum ein überörtlich besuchter Wallfahrtsort.
Die große Wallfahrtskirche ist ein charakteristischer Sakralbau des späten 19. Jahrhunderts im neuromanischen Stil. Besonders auffällig ist der seitlich angeordnete schlanke Rundturm. Im Inneren blieb die architektonische Gestaltung vergleichsweise schlicht und lenkt dadurch die Aufmerksamkeit auf den eigentlichen Mittelpunkt des Kirchenraumes - die Lourdesgrotte mit der verehrten Muttergottesfigur.
Eine besondere lokale Note erhält die Grotte durch ihre Materialgestaltung: Sie besteht nach der überlieferten Beschreibung aus Laaser Onyx. Damit wurde das für Laas und seine Umgebung charakteristische Gestein unmittelbar in die Inszenierung des Gnadenortes einbezogen. Über dem Eingangsbereich erinnert außerdem ein Marmorrelief mit der Gottesmutter von Lourdes und der knienden Bernadette an die Erscheinungen von Lourdes. Die Glasfenster greifen Szenen aus dem Leben Mariens auf.
Interessant ist auch das weitere Schicksal der ursprünglichen kleinen Kapelle. Nachdem die Lourdes-Madonna in die große Wallfahrtskirche übertragen worden war, erhielt die Kapelle nach einer auf die lokale Pfarrliteratur zurückgehenden Darstellung eine Pietà aus der Laaser Friedhofskapelle. Damit blieb auch der ursprüngliche, aus einem persönlichen Trauerfall entstandene Sakralraum weiterhin ein Ort marianischer Andacht.
Das Kultzentrum der Wallfahrt ist die Lourdesgrotte mit der Statue Unserer Lieben Frau von Lourdes. Die Figur kam zunächst in die nach 1885 errichtete Gedächtniskapelle und wurde 1896 in feierlicher Prozession in die neu errichtete Wallfahrtskirche übertragen. Anders als bei älteren Wallfahrtsorten beruht die Verehrung damit nicht auf einem mittelalterlichen Gnadenbild, sondern auf der im 19. Jahrhundert weithin verbreiteten Lourdesfrömmigkeit und ihrer bildlichen Nachbildung des Erscheinungsortes von Massabielle.
Anders als viele ältere Tiroler Wallfahrtsorte besitzt Laas keine mittelalterliche Auffindungs- oder Bauplatzlegende. Der historische Ausgangspunkt - der tödliche Unfall Benedicts von Vintschgau und die Stiftung durch seine Witwe - ist durch die Inschrift an der Kapelle konkret überliefert. Erst in der anschließenden Entwicklung treten jene Elemente hinzu, die für eine Gnadenwallfahrt charakteristisch sind: Berichte von Gebetserhörungen, der wachsende Zustrom Hilfesuchender und schließlich die Notwendigkeit eines größeren Gotteshauses. Neben anderen Überlieferungen existiert auch eine Überlieferung von der wunderbaren Heilung eines todkranken Mädchens.
Volkskundlich ist die Lourdeskirche von Laas gerade wegen ihrer späten Entstehungszeit besonders interessant. Sie zeigt beispielhaft, mit welcher Geschwindigkeit sich die Lourdesfrömmigkeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch im alpinen Raum verbreitete. Ein örtlicher Pfarrer brachte die religiösen Eindrücke seiner eigenen Lourdeswallfahrt mit nach Hause; eine private Gedächtniskapelle wurde mit dem neuen Marienkult verbunden; Berichte über Gebetserhörungen zogen weitere Gläubige an; und innerhalb weniger Jahre entstand daraus eine große Wallfahrtskirche.
Bemerkenswert ist dabei der Übergang vom individuellen Totengedenken zur kollektiven Wallfahrt. Am Anfang steht die Trauer einer Witwe um ihren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Mann. Durch die Widmung der Gedächtniskapelle an Unsere Liebe Frau von Lourdes erhält dieser zunächst persönliche Erinnerungsort eine Bedeutung für immer weitere Kreise der Bevölkerung. Der private Schmerz wird so zum Ausgangspunkt eines öffentlichen religiösen Ortes, an dem andere Menschen ihre eigenen Sorgen, Krankheiten und Bitten vor Maria tragen.
Von der Intensität dieser Frömmigkeit zeugen besonders die Votivtafeln und Votivgaben in der Vorhalle. Sie dokumentieren den traditionellen Ablauf einer Gnadenwallfahrt: Menschen wenden sich in einer Notlage an Maria, versprechen oder vollziehen eine Wallfahrt und hinterlassen nach erfahrener Hilfe ein sichtbares Zeichen ihres Dankes. Gerade diese Votivgaben sind für die fotografische und volkskundliche Dokumentation von besonderer Bedeutung.
Die Wallfahrt ist zudem nicht bloß eine historische Erinnerung. Die regionale Tourismusorganisation bezeichnet Maria Lourdes weiterhin ausdrücklich als beliebten Wallfahrtsort; die Seelsorgeeinheit Laas nennt regelmäßige Gebetsveranstaltungen an der Kirche, darunter Gebete an den letzten Sonntagen der Monate von Februar bis Oktober sowie den Oktoberrosenkranz. Damit besteht der Ort bis heute als lebendiger marianischer Andachtsplatz fort.
- Inschrift an der ursprünglichen Gedächtniskapelle von 1885.
- Lokale Pfarrpublikation zur Kirchengeschichte von Laas, wie in der bisherigen SAGEN.at-Dokumentation ausgewertet.
- Seelsorgeeinheit Laas: Informationen zur Lourdeskirche und zu den regelmäßigen Gebetsveranstaltungen.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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