| Wallfahrt: | Marienwallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes, entstanden nach dem Wunder von 1733. |
| Status: | Historischer und weiterhin als Wallfahrtskirche geführter Marienort mit über Jahrhunderte belegtem Votivwesen. |
| Kultzentrum: | Ölgemälde der Schmerzhaften Muttergottes, eine Kopie einer Dolorosa von Sassoferrato, heute im Hochaltar von 1902. |
| Besonderheit: | Am 14. März 1733 sollen am Bild Wassertröpfchen erschienen sein; noch im selben Jahr wurde St. Nikolaus zum Wallfahrtsort erklärt. |
| Ort: | St. Nikolaus / Kaltern an der Weinstraße. |
| Gebiet: | Überetsch. |
| Bundesland: | Südtirol. |
| • | Lage: Marienweg / St. Nikolaus, 39052 Kaltern am See. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrei Maria Himmelfahrt Kaltern |
| • | Öffnungszeiten: täglich von 08:00 bis 18:00 Uhr. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Kirche besitzt einen spätromanischen Kern, der wohl ins 13. Jahrhundert zurückreicht; erstmals erscheint die Kirche nach dem offiziellen Kirchenführer 1290. Ab etwa 1520 wurde sie wesentlich umgebaut und erhielt ihren spätgotischen Charakter. Besonders bedeutend sind die Gewölbemalereien von Bartlmä Dill Riemenschneider, die ab 1529 beziehungsweise 1536 entstanden.
Der eigentliche Wallfahrtscharakter entstand jedoch erst im Jahr 1733 – und zwar durch ein konkretes Marienwunder.
Lage und Baugeschichte
Die Wallfahrtskirche St. Nikolaus liegt im gleichnamigen Kalterer Ortsteil St. Nikolaus (Niklas) am Fuß der Mendel auf etwa 560 Metern Meereshöhe. Der Ort liegt am alten Verkehrsweg in Richtung Mendel und Nonsberg; dazu passt auch das Patrozinium des hl. Nikolaus, der unter anderem als Schutzpatron der Reisenden und Pilger verehrt wird.
Der Kirchenbau reicht im Kern bis in die spätromanisch-frühgotische Zeit des 13. Jahrhunderts zurück. Die Kirche wird erstmals 1290 genannt; von diesem älteren Bau haben sich noch größere Mauerpartien erhalten, darunter das spätromanische Sandstein-Quadermauerwerk und Teile des ursprünglichen Westturmes. Ab etwa 1520 wurde das Langhaus erhöht, ein polygonaler Chor errichtet und die Kirche spätgotisch eingewölbt; zugleich entstanden Sakristei und der erhöhte Turm mit seinem achteckigen Spitzhelm.
Besonders charakteristisch ist heute die Silhouette der Kirche mit ihren zwei Türmen. Der zweite Turm entstand erst zwischen 1880 und 1885, nachdem der ältere Turm durch die zusätzliche Glockenbelastung schadhaft geworden war. Im Inneren gehört vor allem die spätgotisch-frührenaissancezeitliche Gewölbemalerei von Bartlmä Dill Riemenschneider ab 1529 beziehungsweise 1536 zu den bedeutendsten Teilen der Ausstattung; der heutige neugotische Hochaltar mit dem Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes stammt aus dem Jahr 1902.
Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht ein Ölgemälde der Schmerzhaften Muttergottes, eine Kopie einer Dolorosa des italienischen Barockmalers Giovanni Battista Salvi, genannt Sassoferrato. Das Gnadenbild befindet sich heute im neugotischen Hochaltar von 1902.
Am 14. März 1733 befand sich das Marienbild noch im Haus des Paul Selva, dem sogenannten Frankhaus, nordwestlich der Kirche. Während des abendlichen Rosenkranzgebetes sollen am Gesicht der Muttergottes tränen- beziehungsweise schweißartige Wassertropfen erschienen sein. Das Ereignis wurde kirchlich untersucht; nach Angaben des offiziellen Kirchenführers wurde St. Nikolaus noch im selben Jahr zum Wallfahrtsort erklärt. Bei der feierlichen Erklärung am 31. Mai 1733 sollen rund 8.000 Gläubige anwesend gewesen sein.
Laut Überlieferung (siehe unten Literatur, online auf SAGEN.at) wird erzählt, Paul Selva habe das Bild von einem "welschen Bilderhändler" gekauft. Der zur Untersuchung entsandte Dekan Thomas von Poda habe das Wunder zwar anerkannt, die versprochene Übertragung des Bildes in die Kirche aber zunächst hinausgezögert. Als daraufhin sein Pferd keinen Schritt mehr tun wollte, habe er seinen Fehler eingesehen und die feierliche Übertragung angeordnet.
Das ist eine klassische Mirakel- und Übertragungslegende: Das Wunderbild verlässt den privaten häuslichen Andachtsraum und wird durch ein weiteres wunderbares Zeichen gewissermaßen selbst zum öffentlichen Kultbild bestimmt.
Die Resonanz auf das Ereignis war erheblich. In St. Nikolaus wurden deutlich mehr Messen gefeiert; um 1750 entstand eine Empore, und der Wallfahrtsort erhielt eine neue Orgel. Die Wallfahrt prägte damit nicht nur die Volksfrömmigkeit, sondern wirkte sich unmittelbar auf Ausstattung und Entwicklung der Kirche aus.
Ein besonders wichtiger Beleg sind die zahlreichen Votivtafeln aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert, die der offizielle Kirchenführer ausdrücklich als Zeugnisse der "Hochzeit der Wallfahrt" bezeichnet. Damit ist auch materiell eine über mehrere Jahrhunderte reichende Bitt- und Dankfrömmigkeit belegt.
Aus volkskundlicher Sicht ist der Übergang vom privaten Hauskult zum öffentlichen Wallfahrtskult bemerkenswert. Das Bild wird zunächst von einer Familie beim Rosenkranz verehrt; durch das Wunder wird aus dem persönlichen Andachtsbild ein öffentlich anerkanntes Gnadenbild. Die feierliche Übertragung in die Kirche markiert diesen Wechsel auch räumlich und rituell.
• Literatur zur Wallfahrt:
- Zingerle, Ignaz Vinzenz, Das Marienbild in Kaltern, in: Sagen aus Tirol, 2. Auflage, Innsbruck 1891, Nr. 864, S. 502
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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