Kaltern an der Weinstraße – Franziskanerkirche und Wallfahrt zum hl. Antonius von Padua

Schnellüberblick
Wallfahrt:Antonius-Gnadenbildwallfahrt in der Franziskanerkirche von Kaltern.
Status:Die historische Wallfahrt ist gut belegt; die Antoniusverehrung bleibt mit einer eigenen Dienstagsmesse lebendig.
Kultzentrum:Das 1643 gestiftete, wundertätig verehrte Antoniusbild auf dem rechten Seitenaltar.
Besonderheit:Nach der Künstlerlegende soll ein unbekannter Maler das Bild geschaffen und ohne Lohn verschwunden sein, weshalb ein Engel als Urheber galt.
Ort:Kaltern an der Weinstraße.
Gebiet:Überetsch.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
Lage: Rottenburgerplatz 3, 39052 Kaltern am See.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View
Web: (über) Pfarrei Maria Himmelfahrt Kaltern
Öffnungszeiten: täglich 06:30 bis 19:00 Uhr.
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Geschichte von Kloster und Kirche

Die Gründung des Franziskanerklosters fällt in die Zeit der Gegenreformation. Claudia de’ Medici, Landesfürstin von Tirol und Förderin des Franziskanerordens, überließ den Franziskanern 1639 die Ruine der mittelalterlichen Rottenburg sowie Teile des zugehörigen Gartenareals zum Bau von Kloster und Kirche. Die Pfarrei charakterisiert das Gotteshaus architektonisch als typische Mendikantenkirche, also als einen der franziskanischen Ordensauffassung entsprechend vergleichsweise schlichten Kirchenbau.

Die Klosterkirche wurde ursprünglich zu Ehren der hl. Claudia geweiht – offenbar als Reverenz an die Stifterin Claudia de’ Medici. Im Laufe der Jahrhunderte trat jedoch die Antoniusverehrung so stark in den Vordergrund, dass das Patrozinium 1974 auf den hl. Antonius von Padua überging. Die heutige Pfarrei nennt als Patrozinium ausdrücklich den hl. Antonius mit dem Fest am 13. Juni.

Das Gnadenbild des "Antonius von Kaltern"

Das berühmte Antoniusbild befindet sich auf dem rechten Seitenaltar. Nach der Überlieferung wurde es 1643 von Christoph Ulrich von Bach gestiftet, nachdem dieser in einer lebensgefährlichen Situation die Hilfe des hl. Antonius erfahren hatte. Ein unbekannter Maler soll das Bild ausgeführt haben und anschließend verschwunden sein, ohne seinen Lohn einzufordern. Daraus entwickelte sich die Legende, ein Engel selbst habe das Bild gemalt.

Anders als bei vielen Marienwallfahrten haben wir hier eine Antonius-Gnadenbildwallfahrt mit einer regelrechten Künstlerlegende: Die besondere Herkunft des Bildes wird dadurch erklärt, dass sein menschlicher Urheber nicht festgestellt werden kann – also wird die Entstehung in den Bereich des Wunderbaren verlegt.

Die Wallfahrt

Dass es wirklich eine Wallfahrt und es sich nicht nur um eine besondere Antoniusverehrung handelt, ist durch die historische Literatur bemerkenswert gut belegt. Der Franziskaner P. Philibert Seeböck veröffentlichte 1882 ausdrücklich Die Wallfahrt zum hl. Antonius in Kaltern, eine Geschichte des Gnadenbildes "nach authentischen Quellen". Die zweite Auflage von 1896 trug sogar den Titel Wallfahrtsbüchlein zum Gnadenbild des hl. Antonius in Kaltern.

Auch die Pfarre bestätigt die besondere kultische Stellung des Bildes und bezeichnet es ausdrücklich als wundertätig verehrtes Gnadenbild. Der Antoniuskult prägt außerdem den Kreuzgang des Klosters: Dort befindet sich ein 1721 von Matthias Pußjäger geschaffener Bilderzyklus zum Leben des hl. Antonius.

Gegenwart

Die Antoniusverehrung ist auch heute nicht verschwunden. Nach den aktuellen Angaben der Franziskaner wird in der Kalterer Franziskanerkirche jeden Dienstag um 9 Uhr eine eigene heilige Messe zu Ehren des hl. Antonius gefeiert. Daneben finden regelmäßig Gottesdienste statt; die Kirche hat damit weiterhin ein aktives religiöses Leben.

Bemerkenswert ist außerdem die 1896 errichtete Lourdeskapelle, die nach Angaben der Pfarrei ebenfalls großen Zuspruch in der Bevölkerung erfährt.

Das Franziskanerkloster selbst besteht weiterhin und gehört zur Franziskanerprovinz Österreich und Südtirol.

Volkskundliche Bedeutung

Erstaunlich ist, dass die ursprüngliche Kirchenpatronin fast vollständig hinter dem späteren Gnadenkult zurücktritt:

Das ist ein Beispiel dafür, wie ein sekundärer Kult innerhalb einer bestehenden Kirche im Laufe der Jahrhunderte so dominant werden kann, dass er schließlich die Identität des gesamten Gotteshauses verändert.

• Literatur zur Wallfahrt:

- P. Philibert Seeböck, Die Wallfahrt zum hl. Antonius in Kaltern, 1882

- P. Philibert Seeböck, Wallfahrtsbüchlein zum Gnadenbild des hl. Antonius in Kaltern, 1896

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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