Klausen, Die Wallfahrt nach Säben

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Marien- und Kreuzwallfahrt auf den Säbener Berg; bedeutend ist besonders die Ladinerwallfahrt aus dem Gadertal.
Status:Lebendiger Wallfahrtsort mit erneuerter Pilgerseelsorge.
Kultzentrum:Säbener Gnadenmutter in der Marienkapelle sowie die Heiligkreuzkirche mit dem spätgotischen Kruzifix.
Besonderheit:Der gesamte nur zu Fuß erreichbare "Heilige Berg" bildet einen vielschichtigen Pilgerraum.
Ort:Säben oberhalb von Klausen.
Bezirk:Eisacktal.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
Lage: Kloster Säben, Säbener Aufgang 21 / Salita Sabiona 21, I-39043 Klausen (BZ).
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View (Blick vom Parkplatz)
Web: Seelsorgeeinheit Klausen-Sabiona
Öffnungszeiten:
Marienkapelle (Gnadenkapelle): Täglich von 08:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.
Heiligkreuzkirche: Täglich von 08:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.
Liebfrauenkirche: Nur von Juli bis Oktober geöffnet. Einlass ist jeweils dienstags, freitags und samstags von 14:00 bis 17:00 Uhr.
Klosterkirche: Aktuell dauerhaft geschlossen.
Hinweise: das Kloster Säben ist nur zu Fuß zu erreichen!
Entweder von Klausen über den Kreuzweg (ca. 30 min.) oder die Säbener Promenade (ca. 40 min.), oder von Pardell (Parkplatz am Torgglhof, Pardell 58 – ca. 10 min.)
Die Innenräume des Klosters sind nicht zu besichtigen. Das Gästehaus des Klosters ist derzeit geschlossen, eine Übernachtung nicht möglich.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Die Wanderung zur Heiligkreuzkirche nach Säben - Der malerische Aufgang zum Kloster Säben:

Zweifellos "malerisch": seit über 100 Jahren ein bekanntes Postkarten- und Fotomotiv und auf unzähligen Gemälden und Ansichten - der Aufgang auf den Säbener Berg zum Kloster Säben aus der Altstadt in Klausen.

Die Wallfahrt nach Säben - Aufgang von Klausen

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Der Weg zum Kloster Säben anfangs über viele Treppen:

Die Wallfahrt nach Säben - Weg zum Kloster Säben

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Kloster Säben - Südtiroler Urweg:

Als "Südtiroler Urweg" werden unveränderte Wege bezeichnet, die seit der Urzeit begangen werden.
Der Burgfelsen von Säben war bereits um 2300 vor Christus, also seit rund 4000 Jahren besiedelt. Auch in der Bronzezeit war Säben bewohnt, wie Keramikfragmente belegen. Die frühen Baurelikte wurden bei ausführlichen Grabungen von 1978 - 1982 ausgegraben und wurden wie auch die "Kirche am Weinberg" u.a. aus Kostengründen wieder zugeschüttet und ein Weinberg gepflanzt. (nach Hanspaul Menara, Südtiroler Urwege, 1992).

Die Wallfahrt nach Säben - ein Südtiroler Urweg

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Kloster Säben - Liebfrauenkirche:

Die Liebfrauenkirche befindet sich nach halbem Anstieg an der südlichen Burgmauer des Klosters Säben und wurde von den Klausner Bürgern zum Dank errichtet, dass die Stadt von der Pest verschont geblieben ist.
Sie wurde 1652 - 1658 unter der Leitung der Baumeister Jakob und Andreas Delai errichtet. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Oktagon mit laternetragender Kuppel im Stil des nüchternen lombardischen Frühbarock.
Den Stuck setzten Simon Delai und Francesco Carlone auf, für die Deckenmalerei in acht birnenförmigen Feldern (Seccomalerei) beauftragte man den Brixner Maler Stephan Kessler (1658).

Rechts vom Altar befindet sich ein frühchristliches Taufbecken aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Damals wurde die Immersionstaufe (Taufe durch Untertauchen) an die Erwachsenen gespendet.
Getauft wurde hier bis gegen das Jahr 600, das Taufbecken stellt heute das älteste noch sichtbare Zeichen des frühen Christentums auf Säben dar. (Nach: Moser, Säben 1995 und Die Kirchen von Klausen, Sepp Krismer, Klausen 2005).

Am neugotischen Altar der Marienkapelle ist eine Kopie der berühmten spätgotischen Skulptur der thronenden Madonna mit Kind ("Gnadenmutter von Säben") zu besichtigen.
(derzeit leider kein Bild vorhanden - Zusendung willkommen!)

Die Liebfrauenkirche auf Säben hat saisonal unterschiedliche Öffnungszeiten, hierzu im Ort erkundigen.

Die Wallfahrt nach Säben - Liebfrauenkirche

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Kloster Säben - Marienkapelle (Gnadenkapelle):

Neben der Liebfrauenkirche befindet sich die Gnadenkapelle oder Marienkapelle.
Außen über der Eingangstür sieht man ein modernes Muttergottesbild des Südtirolers Rudi Uibo aus dem Jahr 1990. Die Gesichter von Mutter und Kind verschmelzen derart, dass drei Augen für beide genügen.
Die Kapelle stammt in den Grundzügen aus der romanischen Stilepoche. Von den gotischen Umbauten um 1400 ist noch das zarte Gewölbe in der Apsis erkennbar. Um 1863 erfolgte eine letzte Veränderung im neugotischen Stil (Altar und Bänke). (Nach: Die Kirchen von Klausen, Sepp Krismer, Klausen 2005).

Die Wallfahrt nach Säben - Marienkapelle

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Kloster Säben - Altar Marienkapelle (Gnadenkapelle):

In der Hauptnische des Altares sieht man die Muttergottesstatue, die als Säbener Gnadenmutter besonders verehrt wird.
Das Original der Muttergottesstatue des Meisters Leonhard von Brixen dürfte sich im Kloster befinden, die gute Kopie wurde samt den vier Bischöfen links und rechts 1991 vom Bildhauer Otto Schrott aus Klausen angefertigt. Der Altar ist neugotisch und stammt von Josef Knabl.
Wegen Kirchendiebstahl in den 1970er Jahren wurde der Altarraum 1986 durch ein Gitter abgesichert. (Nach: Die Kirchen von Klausen, Sepp Krismer, Klausen 2005).

Die Wallfahrt nach Säben - Marienkapelle (Gnadenkapelle), Altar

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Kloster Säben - Weg von Klausen über Keschtnweg:

Der Weg von Klausen über den Keschtnweg ist die lohnendere Wegvariante.
Beim Eingang zum Kloster Säben durchquert man zwei Tunnels, die um die vorletzte Jahrhundertwende angelegt wurden.:

Die Wallfahrt nach Säben - Keschtnweg

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Kloster Säben - Innenhof:

Von den Klostergebäuden selbst kann man als Besucher neben den Kirchen nur den Innenhof besuchen.

Die Wallfahrt nach Säben - Kloster Innenhof

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Kloster Säben - Jubiläumsbrunnen von Martin Rainer, 1986:

In der Ecke vor der Klosterkirche wurde im Jahr 1986 von der Südtiroler Landessparkasse zum 300jährigen Klosterjubiläum ein Brunnen errichtet. Der Künstler Martin Rainer (1923 - 2012) zeigt den religiösen und geschichtlichen Werdegang des Heiligen Berges von Tirol auf.

Ganz oben bzw. über dem Wasser sieht man die Symbole der göttlichen Dreifaltigkeit, das Auge für Gott Vater, das Lamm mit dem Kreuz für Gott Sohn und die Taube (über dem Wasser) für den Hl. Geist. In der Mitte sehen wir den Räterbischof Ingenuin, der das A und Ω als Sinnbild der Heiligen Schrift an seine Nachfolger bis zum heutigen Tag weitergibt.

Die Ordensgeschichte Säbens ist durch die beiden Außenfiguren dargestellt. Links erkennt man den hl. Benedikt, rechts die hl. Schollastika mit einer Novizin und der benediktinischen Ordensregel "ora et labora".

Das angedeutete Gebäude, unter dem das Wasser hervorquillt, stellt Säben als Wallfahrtsort dar. Die Pilger kommen von links und rechts. Der erste bückt sich, um zu trinken, oder im übertragenen Sinne, um seinen Durst an der Quelle des Glaubens zu stillen. Die Gruppe rechts zeigt die Gadertaler, die seit Jahrhunderten jedes dritte Jahr nach Säben pilgern. (nach: Die Kirchen von Klausen, Sepp Krismer, Klausen 2005).

Die Wallfahrt nach Säben - Kloster Säben - Jubiläumsbrunnen von Martin Rainer

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Säben - Klosterkirche Hauptaltar

Der Hauptaltar der Klosterkirche Säben.
Die Kirche wurde von Giovanni Battista Delai errichtet und 1687 geweiht. Durch die etwas hastige Ausführung der Bauarbeiten stürzte wenige Jahre später ein Teil davon ein. Somit wurden eine Renovierung und eine Neuweihe im Jahr 1693 nötig.
Das Hochaltarbild zeigt den Tempelgang Mariens und ist eine künstlerisch wertvolle Arbeit des Malers Franz Metz.
(nach: Die Kirchen von Klausen, Sepp Krismer, Klausen 2005).

Rechts vom Hauptaltar befindet sich die Chorkapelle (nicht im Bild), in der seit Anfang September 2024 wieder täglich und frei zugänglich um 11:30 die Hl. Messe in deutscher Sprache auf Säben gefeiert wird. Im Sommer auch in der Klosterkirche.

Die Wallfahrt nach Säben - Klosterkirche

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Heiligkreuzkirche Säben - Mauerwerk:

Das Mauerwerk im Eingangsbereich der Heiligkreuzkirche Säben.

Die älteste Kirche an dieser Stelle reicht mindestens um die Zeit 600 n. Chr. zurück, in unmittelbarer Nähe die "Kirche im Weinberg" (nicht zu besichtigen bzw derzeit zugeschüttet) auf die Jahre um 300 - 350 n. Chr. Die Mauersteine und die regelmäßigen Dioritquader dürften großteils von der romanischen Basilika an dieser Stelle stammen.

Die Wallfahrt nach Säben - Heiligkreuzkirche Mauerwerk

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Heiligkreuzkirche Säben:

Die Wallfahrt nach Säben - Heiligkreuzkirche

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Heiligkreuzkirche Säben - Kreuz am Hauptaltar

Das große Kreuz am Hauptaltar in der Heiligkreuzkirche auf Säben wird dem Brixner Meister Leonhard um 1470 zugeschrieben.
Die Figuren unter dem Kreuz, Maria und Johannes, stammen aus späterer Zeit etwa zwei Jahrhunderte später.

Die Heiligkreuzkirche am höchsten Punkt des Säbener Berges geht auf eine Doppel-Kirche etwa aus dem Jahr 600 zurück. Die Außenmauern stammen von der romanischen Basilika aus dem 12. Jahrhundert, später erfolgte ein gotischer Umbau, der jetzige Zustand stammt vom Klostergründer Matthias Jenner 1679.
Die Malereien stellen die Ereignisse rund um das Ostergeheimnis dar. An der linken Langhauswand sieht man inmitten einer Scheinarchitektur die drei Frauen, die am Ostersonntag zum Grabe Christi eilen. Der Engel verkündet ihnen die Auferstehung. Bezeichnend ist die Ausschmückung des Gemäldes mit Getier (Hund, Vogel), das an und für sich nichts mir der dargestellten Szene zu tun hat. Die Perspektive der Säulengänge bewegt sich mit dem Standortwechsel des Betrachters weiter.
Weiter vorne befindet sich die Szene mit dem Leichnam Christi auf dem Schoß seiner Mutter. Die kleine Putte im Vordergrund, die Soldaten in der blauen Uniform zwischen den Säulen und das Publikum auf der Balustrade verleihen dem Gemälde eine besondere Note.
Die Flachdecke zeigt eine Balkonbrüstung mit Szenen aus der Passion. Vorne sieht man Jesus am Ölberg, es folgen die Geißelung, die Verspottung, die Dornenkrönung, der Kreuzweg und die Kreuzigung. Im Mittelpunkt sieht man Christus mit der Osterfahne als Sieger. Die Szenen sind nicht auf die Decke gemalt worden, sondern auf Leinwand.
Beim Künstler handelt es sich um Johann Baptist Hueber aus Neustift bei Brixen. (gekürzt nach: Die Kirchen von Klausen, Sepp Krismer, Klausen 2005)

Die Wallfahrt nach Säben - Heiligkreuzkirche Säben, Kreuz am Hauptaltar

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Kloster Säben:

Blick von der Stadt Klausen.

Kloster Säben von Klausen

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Geschichte

Hoch über Klausen erhebt sich auf einem markanten Felsen der Säbener Berg, der aufgrund seiner jahrtausendealten religiösen Bedeutung auch als "Heiliger Berg" bezeichnet wird. Säben war in der Spätantike und im frühen Mittelalter ein bedeutendes kirchliches Zentrum und Sitz der Bischöfe von Säben. Die heutige Heiligkreuzkirche steht in der Tradition der ehemaligen Kathedrale des Bistums Sabiona; um das Jahr 1000 wurde der Bischofssitz nach Brixen verlegt. Damit reicht die sakrale Bedeutung des Berges weit vor die später fassbare Wallfahrt zurück.

Wann genau die Wallfahrt nach Säben einsetzte, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Die Diözese Bozen-Brixen berichtet, dass die große Wallfahrt der Ladiner aus dem Gadertal seit dem 13./14. Jahrhundert alle drei Jahre nach Säben führt. Die örtliche Tourismusorganisation nennt den Ladiner Kreuzgang im Jahr 1503 ausdrücklich als bereits bekannten Wallfahrtsbrauch. Damit gehört Säben jedenfalls zu den ältesten historisch greifbaren Wallfahrtszielen Südtirols.

Eine neue Blüte erlebte der Säbener Berg im 17. Jahrhundert. Der Klausner Stadtpfarrer und Domkapitular Matthias Jenner ließ die teilweise verfallenen kirchlichen Bauten wiederherstellen. 1685 kamen Benediktinerinnen vom Salzburger Nonnberg nach Säben; 1686 wurde das Kloster kirchlich errichtet. Die Benediktinerinnen prägten Säben mehr als 335 Jahre lang, bis sie den Ort 2021 verließen. Seit September 2024 wird auf Säben wieder eine eigene Pilgerseelsorge aufgebaut; ein Zisterzienser aus dem Stift Heiligenkreuz betreut den Wallfahrtsort.

Marienwallfahrt und Gnadenkapelle

Der eigentliche Mittelpunkt der Marienwallfahrt ist die Gnaden- beziehungsweise Marienkapelle neben der Liebfrauenkirche. Die offizielle Besucherinformation bezeichnet sie ausdrücklich als Ort der "Marienwallfahrt". Die Kapelle besitzt einen mittelalterlichen Kern und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert.

Im Mittelpunkt der Verehrung steht die Säbener Gnadenmutter, eine spätgotische Darstellung der thronenden Maria mit dem Jesuskind. Das Original dem Meister Leonhard von Brixen zugeschrieben und befindet sich vermutlich im Klosterbereich; die heute in der Gnadenkapelle sichtbare Kopie wurde 1991 vom Klausner Bildhauer Otto Schrott geschaffen. Damit ist auch hier eine für die Wallfahrtsforschung interessante Situation gegeben: Die öffentliche Verehrung wird heute durch eine Kopie des historischen Kultbildes fortgeführt.

Unmittelbar daneben steht die Liebfrauenkirche, deren heutiger barocker Bau in der Mitte des 17. Jahrhunderts entstand. Deine bisherige Dokumentation nennt als Anlass den Dank der Klausner Bevölkerung für die Verschonung von der Pest. Zur bedeutenden Ausstattung gehören die Deckengemälde des Brixner Barockmalers Stephan Kessler und aufwendige Stuckarbeiten. Bemerkenswert ist außerdem das frühchristliche Taufbecken, das die außerordentlich lange christliche Kontinuität des Ortes sichtbar macht.

Heiligkreuzkirche und alter Bischofssitz

Die auf dem höchsten Teil des Säbener Berges gelegene Heiligkreuzkirche bildet einen zweiten wichtigen geistlichen Mittelpunkt. Sie steht an der Stelle beziehungsweise in der Tradition der alten Bischofskirche von Säben und war nach heutiger offizieller Darstellung rund vier Jahrhunderte Kathedrale des Bistums Sabiona.

In ihrem heutigen Erscheinungsbild verbinden sich mittelalterliche Bauteile mit späteren Umbauten. Den Mittelpunkt des Hochaltars bildet ein großes spätgotisches Kruzifix, das nach der von Dir verwendeten Literatur dem Meister Leonhard von Brixen um 1470 zugeschrieben wird. Die barocke Ausmalung behandelt ausführlich Passion, Tod und Auferstehung Christi. Damit besitzt Säben neben der Marienwallfahrt zugleich eine ausgeprägte Kreuz- und Passionsfrömmigkeit.

Legende und Überlieferung

Eine einzelne klassische Gründungslegende der Wallfahrt – etwa die Auffindung eines Gnadenbildes oder eine Marienerscheinung – ist für Säben nicht zuverlässig nachweisen. Das unterscheidet den Ort von vielen anderen Tiroler Marienwallfahrten.

Die besondere Heiligkeit Säbens scheint vielmehr aus mehreren Schichten erwachsen zu sein: dem uralten christlichen Zentrum, dem ehemaligen Bischofssitz, der Verehrung der Säbener Gnadenmutter, der Heiligkreuzkirche und schließlich den über Jahrhunderte gepflegten gemeinschaftlichen Wallfahrten. Gerade diese allmähliche Entwicklung macht Säben volkskundlich besonders interessant.

Die Ladinerwallfahrt

Eine herausragende Stellung nimmt die große Wallfahrt der Ladiner aus dem Gadertal ein. Alle drei Jahre ziehen Pilger aus zwölf Gadertaler Pfarreien zu Fuß über die Jöcher der Dolomiten, durch das Villnösstal und schließlich weiter nach Säben. Die Diözese bezeichnet diese Wallfahrt als eine seit dem 13./14. Jahrhundert bestehende Tradition; die schriftliche Überlieferung kann den bekannten Ladiner Kreuzgang spätestens 1503 fassen.

Nach einer heute verbreiteten Überlieferung könnte der ursprüngliche Anlass ein Bittgang zum Schutz des Getreides vor Schädlingen gewesen sein. Diese Deutung ist allerdings eher als Traditionsüberlieferung denn als gesicherte Gründungstatsache anzusehen. Noch heute nehmen an der Wallfahrt große Gruppen von Männern teil, die den langen Weg betend und singend zurücklegen.

Volkskundlich ist diese Wallfahrt von besonderer Bedeutung, weil hier nicht nur das Ziel, sondern bereits der gemeinsam zurückgelegte Weg den eigentlichen religiösen Vollzug bildet. Das Überschreiten der Jöcher, das gemeinsame Beten und Singen, die Übernachtung unterwegs und der feierliche Einzug nach Säben schaffen eine zeitlich begrenzte Pilgergemeinschaft. Die Wallfahrt verbindet dabei mehrere Talschaften und Sprachräume miteinander.

Volkskundliche Bedeutung

Säben unterscheidet sich von einer klassischen Gnadenbildwallfahrt dadurch, dass sich hier mehrere Formen der Wallfahrtsfrömmigkeit überlagern. Da ist zunächst die Marienverehrung an der Gnadenkapelle mit der Säbener Gnadenmutter. Hinzu kommt die Kreuzverehrung in der alten Heiligkreuzkirche. Darüber liegt die Erinnerung an Säben als frühen Bischofssitz und damit als kirchengeschichtlich besonders geheiligten Ort. Schließlich wird der gesamte Berg durch den beschwerlichen Aufstieg selbst zum Pilgerraum.

Gerade dieser Aufstieg besitzt eine starke symbolische Qualität. Säben ist bis heute nur zu Fuß erreichbar. Von Klausen führt ein Kreuzweg in etwa einer halben Stunde hinauf; daneben besteht die längere Säbener Promenade. Das körperliche Hinaufsteigen auf den "Heiligen Berg" gehört damit noch immer unmittelbar zur Erfahrung des Wallfahrtsortes.

Bemerkenswert ist schließlich die Lebendigkeit der Wallfahrt in der Gegenwart. Neben der alten Ladinerwallfahrt finden weiterhin organisierte Wallfahrten von Klausen nach Säben statt.

Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Fotozusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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