| Wallfahrt: | Marienwallfahrt zur "Trenser Muater" |
| Status: | Lebendiger Wallfahrtsort mit Prozessionen und Wallfahrtsbräuchen |
| Kultzentrum: | Bekleidetes Gnadenbild der "Trenser Muater" in der Gnadenkapelle |
| Ort: | Trens, Gemeinde Freienfeld |
| Bezirk: | Wipptal |
| Bundesland: | Südtirol |
| • | Lage: Pfarrei Maria Himmelfahrt Maria Trens, R.-Maria-Kruckenhauserstraße 2, 39040 Freienfeld. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Pfarre: Wallfahrtspfarrei Maria Trens |
| • | Öffnungszeiten: täglich zu den üblichen Kirchenöffnungszeiten. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Ortsansicht von Freienfeld-Trens; in der Bildmitte die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Trens.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Kirchenraum der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Trens. Blick zum Hochaltar; die Gnadenkapelle befindet sich auf der linken Seite.
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• Das Gnadenbild Maria Trens in der Gnadenkapelle. Die um 1470 datierte Madonna wird der Überlieferung beziehungsweise Zuschreibung nach mit Ivo Strigl aus Memmingen in Verbindung gebracht. Für die "Trenser Muater" sind zahlreiche gestiftete Kleider vorhanden, mit denen das Gnadenbild zu verschiedenen Festzeiten bekleidet wird.
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• In der Friedhofskapelle steht eine Statue Mariens als Rosenkranzkönigin. Dort befinden sich auch zahlreiche Votivbilder bis in die Gegenwart.
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• Votivbilder in Maria Trens. Wallfahrer bringen als Ausdruck des Dankes und als Bestätigung der erhofften oder erfahrenen Hilfe seit Jahrhunderten Votivgaben "ex voto"; die ältesten erhaltenen Tafeln reichen in das frühe 18. Jahrhundert zurück.
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• Votivbild zu den Zeichenkindern in Maria Trens, datiert 1812. Inschrift: "Durch anrufung diser gnaden Muter haben wir / Alle unsere Kinder zum H. Taufe gebracht 1812". Ausführliche Dokumentation zu den Zeichenkindern - Nottaufen auf SAGEN.at.
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• Die Auffindungskapelle Maria Trens. Die Inschrift bei der Kapelle lautet: "Das Marienbild von Trens soll nach der Legende um das Jahr 1340 im Bergbach an der Lahn gefunden und in die Kirche von Trens gebracht worden sein. Als Erinnerung daran wurde im Jahre 1838 diese Kapelle am Bach erbaut und im Jahre 1998 hierher versetzt."
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• Gemälde in der Auffindungskapelle Maria Trens zur Legende vom Fund der Madonnenstatue.
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Die Marienwallfahrt von Trens zählt zu den ältesten großen Wallfahrtstraditionen des Wipptals. Wann sie genau entstand, lässt sich historisch nicht mehr feststellen. Ein sicherer früher Beleg ist jedoch der Ablass von 1345, der in Avignon für den Kirchenbau gewährt wurde. Teile des mittelalterlichen Langhauses und des Turmes werden noch diesem Bau des 14. Jahrhunderts zugerechnet. Um 1498 ließ Pfarrer Johannes Aerb die Kirche durch den heutigen spätgotischen Chor erweitern.
Die Wallfahrt erlebte im 16. Jahrhundert während Reformation und religiöser Unruhen offenbar einen Rückgang, gewann aber im 17. Jahrhundert erneut stark an Bedeutung. Besonders unter Dekan Gabriel Fraissl wurde die Marienverehrung gefördert. Eine Rosenkranzbruderschaft entstand, regelmäßige Andachten und Prozessionen wurden eingerichtet, und Pilger kamen nach der örtlichen Überlieferung nicht nur aus dem Wipp-, Eisack-, Inn- und Pustertal, sondern auch aus Kärnten, Salzburg, Bayern, der Steiermark und sogar aus Wien.
Die zunehmende Bedeutung des Gnadenbildes führte 1726–1727 zum Bau einer eigenen Gnadenkapelle. Am Ostermontag 1728 wurden Kapelle und Altar geweiht; am folgenden Tag wurde das Gnadenbild in einer großen Prozession feierlich dorthin übertragen. Ein Gemälde von Innozenz Barat hält dieses Ereignis fest. 1753–1754 wurde auch der übrige Kirchenraum barock umgestaltet.
Mittelpunkt der Wallfahrt ist die sogenannte "Trenser Muater", eine stehende Madonna mit dem Jesuskind aus der Zeit um 1470. Die Pfarrei schreibt die aus Zirbenholz geschnitzte Figur dem Memminger Bildschnitzer Ivo Strigl zu und sieht einen künstlerischen Zusammenhang mit dem Einfluss Hans Multschers; manche formulieren vorsichtiger und sprechen von einem unbekannten Schnitzer aus dem Umkreis Multschers.
Die Madonna trägt ein kleines Diadem und hält das Jesuskind, das nach ihrem Schleier greift und zugleich die Hand den Pilgern entgegenstreckt. Seit dem 17. Jahrhundert wird die Figur bekleidet. Zahlreiche kostbare Gewänder wurden im Laufe der Jahrhunderte gestiftet und zu verschiedenen Festzeiten gewechselt. Zu den Schenkungen soll sogar ein Kleid einer polnischen Königin gehören; noch 2014 wurde dem Gnadenbild ein neues rötliches Kleid gestiftet. Diese textile Ausstattung ist volkskundlich besonders interessant, weil sie das Gnadenbild nicht als unveränderliches Kunstwerk behandelt, sondern als nahezu persönlich gegenwärtige Kultfigur, die geschmückt, bekleidet und beschenkt wird.
Die 1726–1727 errichtete Gnadenkapelle ist ein barocker Zentralbau. Ihr Marmoraltar stammt von Cristoforo Benedetti, die plastische Ausstattung unter anderem von Josef Conrad Wieser; die Kuppelfresken schuf Innozenz Wärath. 1728 wurde die Madonna feierlich in diesen neuen kultischen Mittelpunkt übertragen.
Die Gründungslegende erzählt, ein Bauer habe nach einer Mure unter Geröll eine vollkommen unversehrte Marienstatue gefunden. Er nahm die Figur mit nach Hause und verehrte sie dort gemeinsam mit seiner Familie. Am folgenden Morgen war das Bild jedoch verschwunden und wurde in einer mittelalterlichen Kapelle beim heutigen Kirchenstandort wiedergefunden.
Der Bauer brachte die Madonna nochmals in sein Haus zurück, doch erneut kehrte sie über Nacht in die Kapelle zurück. Darin erkannte man den Willen der Gottesmutter, an diesem Ort verehrt zu werden. Immer mehr Menschen kamen zu der wundertätigen Statue, und daraus soll sich die Wallfahrt entwickelt haben. Eine Auffindungskapelle in der Nähe des heutigen Kulturhauses erinnert nach Angaben der Pfarrei noch an den legendären Fundort.
Volkskundlich verbindet die Legende zwei klassische Motive der Wallfahrtsüberlieferung: die wunderbare Unversehrtheit eines Kultbildes nach einer Naturkatastrophe und die selbständige Rückkehr des Bildes an den von ihm gewählten Verehrungsort. Wie so häufig bestimmt damit nicht der Mensch den sakralen Ort - das Gnadenbild selbst zeigt an, wo es bleiben will.
Besonders bedeutend ist Maria Trens wegen seines umfangreichen Votivwesens. Bereits ein Visitationsbericht von 1653 bezeichnet das Gnadenbild sinngemäß als eines, das sich täglich durch Wunder auszeichne. Die erhaltenen Votivtafeln berichten von Bitten und Gebetserhörungen in unterschiedlichsten Notlagen: bei Krankheit und seelischem Leid, Kindersorgen, Kriegsgefahr, Viehseuchen und Unwettern.
Ein für die historische Volksfrömmigkeit besonders bemerkenswertes und heute befremdlich wirkendes Kapitel betrifft die sogenannten "Zeichenkinder". Totgeborene Kinder wurden nach Maria Trens gebracht, weil Eltern und Angehörige hofften, durch die Fürsprache der Gottesmutter noch ein kurzfristiges Lebenszeichen zu erhalten, das eine Taufe ermöglichen würde. Veränderungen wie eine andere Hautfarbe, das Öffnen von Mund oder Augen oder Blutungen wurden als solches "Zeichen" gedeutet. Das Kind wurde dann bedingungsweise getauft und konnte nach damaliger Vorstellung in geweihter Erde bestattet werden.
Die Praxis nahm offenbar solche Ausmaße an, dass sich 1683 das fürstbischöfliche Ordinariat damit beschäftigte und zunächst gegen entsprechende Taufen vorging. Später wurden unter bestimmten Bedingungen weiterhin Taufen zugelassen. Eine erhaltene Votivtafel von 1812 erinnert ausdrücklich an Kinder, die nach Anrufung der Trenser Gnadenmutter "zur Taufe gebracht" worden seien.
Das berührt eine heute kaum mehr vorstellbare existenzielle Sorge früherer Menschen: Nicht allein der Tod eines Kindes wurde als Katastrophe empfunden, sondern zusätzlich die Angst, ein ungetauft verstorbenes Kind könne keinen Platz im kirchlich verstandenen Heil erhalten. Die Wallfahrt nach Maria Trens bot den betroffenen Familien eine letzte Hoffnung. Die Votivtafeln sind damit Dokumente einer sehr tiefen historischen Angst-, Hoffnungs- und Erlösungswelt.
Maria Trens war über Jahrhunderte ein Gnadenort für nahezu das gesamte Spektrum menschlicher und bäuerlicher Not. Krankheit, Krieg, Wettergefahren, Viehseuchen, Kinderlosigkeit oder die Sorge um Kinder führten Menschen zur "Trenser Muater". Das weit über das Wipptal hinausreichende Einzugsgebiet zeigt, dass es sich keineswegs nur um eine lokale Dorfwallfahrt handelte.
Besonders ausgeprägt war die körperliche Dimension des Pilgerns. Nach örtlicher Überlieferung legten manche Wallfahrer den letzten Abschnitt des Weges auf den Knien zurück. Das ist eine besonders intensive Form der Buß- und Bittwallfahrt: Die körperliche Mühe selbst wird Bestandteil des religiösen Vollzuges und soll Ernst und Dringlichkeit des Anliegens ausdrücken.
Auch heute ist Maria Trens ein lebendiger Wallfahrtsort. Ein Pilgerweg führt von Burgfrieden beziehungsweise Sprechenstein zur Kirche. Die Wallfahrtspfarrei nennt weiterhin mehrere große Prozessionen im Jahreslauf; hinzugekommen ist eine Frauennachtwallfahrt über den Pilgerweg. Der regionale Tourismusverband nennt außerdem den Gerichtskreuzgang am 1. Mai, Prozessionen zu Fronleichnam, Herz Jesu und Mariä Himmelfahrt sowie Lichter- und Rosenkranzprozessionen im Oktober.
In Maria Trens lässt sich fast die gesamte Bandbreite historischer Wallfahrtsvolkskunde an einem einzigen Ort zeigen: die mittelalterliche Ablasswallfahrt, die klassische Gnadenbildlegende, das bekleidete und beschenkte Kultbild, Mirakelberichte, Votivtafeln, Rosenkranzbruderschaft, überregionale Pilgerzüge, knieendes Wallfahren, Bitten bei Krankheit, Wetter- und Viehnot - und schließlich mit den "Zeichenkindern" eine besonders eindringliche Form historischer Volksfrömmigkeit.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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