Lüsen, Villpeder - Maria-Hilf-Kapelle beim Villpederer

Schnellüberblick
Wallfahrt: Kleinräumige bäuerliche Marienwallfahrt zur Maria-Hilf-Kapelle
Status: Lebendiger örtlicher Wallfahrts- und Andachtsort; Fest Mariä Heimsuchung mit Prozession
Kultzentrum: Maria-Hilf-Verehrung; das konkrete historische Gnaden- oder Altarbild ist in den derzeit verfügbaren Quellen nicht näher beschrieben
Ort: Villpeder auf Lüsen-Berg, Gemeinde Lüsen
Bezirk: Eisacktal
Bundesland: Südtirol
Lage und Besuch
Lage: Berg 14, beim Villpederer Hof, 39040 Lüsen; die Kapelle liegt auf etwa 1.636 Metern Höhe.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View
Pfarre: Pfarrei zum Hl. Georg in Lüsen
Zugang: Die Kapelle ist gewöhnlich verschlossen; für eine Besichtigung empfiehlt sich eine Anfrage bei den Hofbesitzern des Villpedererhofs oder bei der Pfarrei.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Maria-Hilf-Kapelle beim Villpederer liegt auf Lüsen-Berg in etwa 1.636 Metern Höhe unmittelbar beim Villpederer Hof. Ihre Bedeutung erschließt sich weniger aus einer weithin bekannten Gründungslegende als aus der religiösen Praxis der umliegenden Bergbevölkerung. Die Pfarrei Lüsen bezeichnet die Kapelle ausdrücklich als einen beliebten Wallfahrtsort und verweist als sichtbares Zeugnis auf die zahlreichen Votivtafeln. Damit ist Villpeder als kleinräumige, bäuerlich geprägte Marienwallfahrt eindeutig fassbar.

Vom St.-Peter-Kirchlein zur Marienkapelle

Für das Jahr 1751 berichten die kirchlichen Quellen von der Errichtung der heutigen Marienkapelle anstelle eines älteren, bereits aufgelassenen St.-Peter-Kirchleins. Das Südtiroler Denkmalverzeichnis beschreibt die Kapelle dagegen als im Jahr 1751 vergrößert. Beide Angaben lassen sich derzeit nicht vollständig miteinander verbinden. Möglich ist, dass bei der Neuordnung oder Erweiterung des Heiligtums ältere Bausubstanz weiterverwendet wurde; sicher belegt ist jedenfalls, dass die Kapelle 1751 ihre für die weitere Geschichte maßgebliche Gestalt erhielt.

Die Erinnerung an das ältere Petrusheiligtum ist deshalb von besonderem Interesse, weil der hochgelegene Hofplatz bereits vor der marianischen Wallfahrt einen eigenen sakralen Mittelpunkt besaß. Über Alter, Ausstattung und Funktion dieses St.-Peter-Kirchleins sind in den derzeit zugänglichen Quellen jedoch keine näheren Angaben überliefert.

Sonntagsmesse und Konflikt mit der Pfarrseelsorge

Die neue beziehungsweise erweiterte Kapelle erhielt 1751 sogar die Erlaubnis, dort am Sonntag die Messe zu feiern. Nach der Überlieferung der Pfarrei stieß dies beim damaligen Pfarrer Aichholzer auf Widerstand. Er hatte bereits die Auflassung einer älteren Kapelle auf der Lüsner Alm beim Pianer Kreuz betrieben und wollte den regelmäßigen Gottesdienstbesuch in der zentralen Pfarrkirche von Lüsen fördern.

Der Konflikt macht die besonderen Bedingungen der Seelsorge in einer weit verstreuten Bergsiedlung sichtbar. Für die Bewohner abgelegener Höfe bedeutete eine Kapelle in erreichbarer Nähe nicht nur einen privaten Andachtsraum, sondern auch die Möglichkeit regelmäßiger liturgischer Teilnahme. Aus Sicht der Pfarrseelsorge konnten solche dezentralen Messorte dagegen die Bindung an die Pfarrkirche schwächen. Villpeder bewahrte seine religiöse Bedeutung dennoch und entwickelte sich nach ausdrücklicher Angabe der Pfarrei zu einem Wallfahrtsort.

Wallfahrt und Votivtafeln

Der deutlichste historische Beleg für die Wallfahrt sind die zahlreichen Votivtafeln in der Kapelle. Solche Tafeln wurden gewöhnlich nach einer Bitte, einem Gelübde oder einer als erfahren verstandenen Hilfe gestiftet und machen den persönlichen Austausch zwischen Wallfahrer und angerufener Heilsgestalt sichtbar. Für Villpeder ist damit eine Marienverehrung belegt, die über den bloßen Besuch einer Hofkapelle hinausging.

Eine systematische Aufnahme der erhaltenen Votivtafeln wäre für die Geschichte des Wallfahrtsortes besonders wertvoll. Aus Datierungen, Herkunftsangaben, Bildmotiven und Inschriften ließe sich möglicherweise erkennen, aus welchem Einzugsgebiet die Wallfahrer kamen und in welchen Nöten Maria angerufen wurde. Solange eine solche Dokumentation nicht vorliegt, sollten konkrete Heilungs-, Unglücks- oder Mirakelgeschichten nicht aus allgemeinen Wallfahrtsmustern ergänzt werden.

Maria Hilf und Mariä Heimsuchung

Die Kapelle wird von der Pfarrei als Maria-Hilf-Kapelle bezeichnet. Gleichzeitig wird ihr Patrozinium in der örtlichen kirchlichen Praxis als Mariä Heimsuchung gefeiert. Diese Doppelbezeichnung erklärt, weshalb der 2. Juli beziehungsweise ein Termin in unmittelbarer Nähe dieses früher allgemein begangenen Festdatums für Villpeder besondere Bedeutung besitzt.

Die Pfarrei berichtet, dass Mariä Heimsuchung bis heute feierlich mit einer Prozession begangen wird. Ein Lüsner Pfarrblatt bezeichnet den Gottesdienst in Villpeder ausdrücklich als Patrozinium und nennt unter den Messanliegen auch die Almleute sowie Sennerinnen und Senner auf dem Berg und der Lüsner beziehungsweise Rodenecker Alm. Dadurch bleibt die Kapelle eng mit jener bäuerlichen und almwirtschaftlichen Lebenswelt verbunden, aus der ihre Wallfahrt hervorgegangen ist.

Ein weiteres Pfarrblatt bezeichnete den Gottesdienst zu Mariä Heimsuchung als traditionellen Gottesdienst und kündigte für die Fahrt von Lüsen zur Fraktion Berg eigens eine Busverbindung an. Auch wenn sich Form und Umfang der Feier im Laufe der Zeit verändern können, ist damit die Fortdauer einer örtlichen religiösen Tradition über die historische Wallfahrt hinaus gut dokumentiert.

Kultbild und Ausstattung

Im Unterschied zu vielen großen Marienwallfahrtsorten ist das konkrete historische Gnaden- oder Altarbild von Villpeder in den derzeit verfügbaren schriftlichen Quellen nicht näher beschrieben. Die Bezeichnung Maria Hilf verweist auf die marianische Kultausrichtung, doch Herkunft, Datierung und Ikonographie des verehrten Bildes oder einer Statue lassen sich auf dieser Grundlage nicht verlässlich bestimmen.

Gerade deshalb wäre eine fotografische Dokumentation des Innenraumes besonders wichtig. Sie könnte klären, welches Marienbild heute den Altar bestimmt, ob ältere Votivtafeln noch am ursprünglichen Ort vorhanden sind und wie sich die Wallfahrtsfrömmigkeit materiell in der kleinen Kapelle niedergeschlagen hat.

Domherren und Bischof Josef Gargitter

Villpeder blieb nicht allein ein Andachtsort der bäuerlichen Bevölkerung. Nach Angaben der Pfarrei verbrachten verschiedene Domherren ihren Sommerurlaub im sogenannten Herrenhäusl neben dem Villpederer Hof und feierten in der Kapelle die tägliche Messe. In diesem Zusammenhang wird ausdrücklich auch Josef Gargitter genannt, der aus Lüsen stammte und später Bischof von Brixen sowie erster Bischof der neu geordneten Diözese Bozen-Brixen wurde.

Damit verband sich an Villpeder auf ungewöhnliche Weise eine lokale Bergwallfahrt mit der privaten sommerlichen Frömmigkeit höherer Geistlicher. Die tägliche Messfeier während solcher Aufenthalte dürfte zugleich zur kontinuierlichen liturgischen Nutzung der abgelegenen Kapelle beigetragen haben.

Das Glöcklein von Villpeder

Ein kleines, aber konkretes Zeugnis der älteren Ausstattung ist das Glöcklein von Villpeder. Die Pfarrdarstellung berichtet, dass während des Ersten Weltkrieges neben mehreren Glocken der Lüsner Kirchen auch das Glöcklein von Villpeder für Kriegszwecke abgenommen und eingeschmolzen wurde. Wie bei zahllosen Kirchen und Kapellen Tirols griff damit die Metallablieferung des Krieges selbst in die Ausstattung dieses abgelegenen Bergheiligtums ein.

Volkskundliche Bedeutung

Villpeder gehört nicht zu den großen überregionalen Wallfahrtszentren Südtirols. Gerade darin liegt jedoch seine volkskundliche Aussagekraft. Die Kapelle steht für eine Form religiösen Lebens, die unmittelbar aus der Siedlungsstruktur des Berges hervorging: ein älterer heiliger Ort beim Hof, eine Marienkapelle mit eigener Messmöglichkeit, der Konflikt zwischen dezentraler Bergseelsorge und zentraler Pfarrkirche, Votivtafeln als Zeugnisse persönlicher Anliegen sowie ein bis heute gepflegtes Fest mit Prozession.

Die Verbindung des Patroziniums mit den Almleuten und Sennern macht besonders deutlich, dass Wallfahrt hier nicht von der alltäglichen bäuerlichen Lebenswelt getrennt war. Der religiöse Ort lag mitten in jener Landschaft, in der Viehhaltung, Almwirtschaft, Wetter, Wegstrecken und jahreszeitliche Arbeit den Lebensrhythmus bestimmten. Villpeder ist damit ein charakteristisches Beispiel einer kleinräumigen Südtiroler Bergwallfahrt, deren Bedeutung weniger in spektakulären Legenden als in ihrer langfristigen Verankerung im örtlichen religiösen Alltag liegt.

Literatur und Quellen

- Pfarrei zum Hl. Georg in Lüsen: Kirchen und Kapellen; Angaben zur Maria-Hilf-Kapelle zu Villpeder.

- Seelsorgeeinheit Brixen: Die Pfarrei Lüsen; Abschnitt "Die Maria-Hilf-Kapelle zu Villpeder".

- Lüsner Pfarrblatt, 2018 und 2019; Gottesdienstordnungen zum Fest Mariä Heimsuchung in Villpeder.

- Tourismusgenossenschaft Lüsen: Wanderfibel, Abschnitt "Kirchen und Kapellen"; Eintrag "Maria Heimsuchung zu Villpeder".

- Ernst Delmonego: Lüsen - Kirchen und Kapellen. Peda-Kunstführer, Passau 2009.

- Südtiroler Denkmalverzeichnis: Kapelle und Kornkasten beim Villpederer, Objekt 15705.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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