Latzfons – Wallfahrtskirche Latzfonser Kreuz, "Heiligkreuz auf Ritzlar"

Schnellüberblick
Wallfahrt:Kreuz- und Wetterwallfahrt zum Latzfonser Kreuz, verbunden mit Bittgängen und Prozessionen.
Status:Lebendige saisonale Wallfahrt mit Gottesdiensten und jährlicher Übertragung des Kruzifixes.
Kultzentrum:Der "Schwarze Herrgott", ein dunkel gefasstes Kruzifix.
Besonderheit:Jährlicher Gerichtsumgang und saisonaler Ortswechsel des Gnadenkreuzes zwischen Latzfons und der Bergkirche.
Ort:Latzfons / Heiligkreuz auf Ritzlar.
Bezirk:Eisacktal.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
Lage: Via Rungg / Runggerstraße 38, 39043 Klausen (BZ).
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarrei Latzfons zum hl. Apostel Jakobus dem Älteren
Öffnungszeiten: , ist jedoch während der Sommermonate tagsüber für Wanderer und Pilger frei zugänglich. Im Winter geschlossen.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Das Latzfonser Kreuz, der "schwarze Herrgott":

Das Latzfonser Kreuz, der "schwarze Herrgott"

Bildquelle: SAGEN.at

Das Latzfonser Kreuz, Prozession zur Wallfahrtskirche:

Das Latzfonser Kreuz, Prozession zur Wallfahrtskirche

Bildquelle: SAGEN.at

Das Latzfonser Kreuz, Rast beim "Kesselkreuz" bei der Prozession zur Wallfahrtskirche (im Hintergrund)
höchste Wallfahrtskirche in Südtirol (2.300 m):

Das Latzfonser Kreuz, Rast beim "Kesselkreuz" bei der Prozession zur Wallfahrtskirche

Bildquelle: SAGEN.at

Die Latzfonser Wallfahrtskirche
höchste Wallfahrtskirche in Südtirol (2.300 m):

Die Latzfonser Wallfahrtskirche

Bildquelle: SAGEN.at

Ausführliche Beschreibung

Der Schwarze Herrgott

Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht nicht ein Marienbild, sondern der sogenannte "Schwarze Herrgott", ein dunkel gefasstes Kruzifix. Die lokale Überlieferung setzt den Beginn seiner besonderen Verehrung um 1700 an. Nach der heutigen Darstellung des Schutzhauses wurde das Kruzifix damals in der Totengruft von Latzfons wiedergefunden und anschließend als Wetterkreuz in die Berge gebracht. Die Verehrung zog bald so viele Wallfahrer an, dass etwa vier Jahrzehnte später aus ihren Spenden eine kleine Kapelle errichtet werden konnte.

Die Sage

Nach Johann Adolf Heyl, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol 1897 waren drei Jahre hintereinander die Ernten von Latzfons und Villanders durch Hagel vernichtet worden. Alle Gebete schienen erfolglos. Der Geistliche fragte schließlich, ob es irgendwo einen Herrgott gebe, dem keine Ehre erwiesen werde. Daraufhin fand man in altem Gerümpel ein vergessenes Kruzifix und zog damit in Prozession aus. Mehrmals wollte man es unterwegs aufstellen – doch jedes Mal soll der Herrgott gesagt haben: "Nein, da nicht!" Erst hoch oben auf der Alm widersprach er nicht mehr. Dort wurde das Kreuz aufgerichtet und zum Ziel der Wallfahrer. Heyl nennt ausdrücklich Bauern aus Latzfons, Villanders und vom Ritten, die alljährlich dorthin wallfahrteten.

Eine jüngere Fassung der Überlieferung erzählt dasselbe Motiv als Kopfschütteln des Schwarzen Herrgotts: Das Kruzifix habe mehrere vorgeschlagene Aufstellungsorte abgelehnt und erst den Platz beim heutigen Latzfonser Kreuz akzeptiert. Die regionale Tourismusseite verbindet die Wallfahrt ausdrücklich mit dem Gebet um Schutz vor Unwettern.

Volkskundlich ist das eine geradezu klassische Ortswahllegende: Nicht die Menschen bestimmen den Kultort, sondern das Heiligen- beziehungsweise Gnadenobjekt selbst bezeichnet durch ein Wunder den Ort, an dem es verehrt werden will.

Baugeschichte

Die erste kleine Kapelle entstand nach lokaler Überlieferung um 1743, nachdem die Wallfahrt bereits eingesetzt hatte. Der heute bestehende Kirchenbau ist wesentlich jünger: Das Südtiroler Landesdenkmalamt datiert Heiligkreuz auf Ritzlar auf 1867–1869 und hält ausdrücklich fest, dass der Bau anstelle einer älteren Kapelle errichtet wurde.

Der Gerichtsumgang

Eindrucksvoll ist, dass der Schwarze Herrgott nicht ständig in der Bergkirche bleibt. Alljährlich wird er im Frühsommer in einer großen Wallfahrt vom Dorf Latzfons hinauf zum Latzfonser Kreuz getragen und verbringt dort den Sommer. Im Herbst kehrt er wieder ins Tal zurück.

Lokal wird diese traditionelle Prozession als "Gerichtsumgang" bezeichnet. Nach der sommerlichen Zeit im Kreuzkirchlein wird das Kruzifix Mitte Oktober wieder nach Latzfons gebracht, hält zunächst im "Peaterer Kirchl" Station und wird anschließend in Prozession in die Pfarrkirche übertragen, wo es den Winter verbringt.

Das ist volkskundlich außerordentlich interessant: Der Gnadengegenstand vollzieht gewissermaßen selbst einen jahreszeitlichen Ortswechsel zwischen Dorf und Hochgebirge. Man könnte von einer saisonalen Sakralisierung der Almregion sprechen. Der Schwarze Herrgott "zieht" im Sommer auf den Berg und kehrt mit dem Ende der alpinen Saison wieder zur Dorfgemeinschaft zurück. Diese Interpretation ist eine volkskundliche Einordnung, gestützt auf den dokumentierten jährlichen Prozessionszyklus.

Wallfahrtsweg und Bittgänge

Von der Saltnerhütte oberhalb der Klausner Hütte führt ein Kreuzweg mit fünfzehn Stationen zur Wallfahrtskirche. Nach Angaben des Latzfonser Kreuzes erreichen während des Sommers verschiedene Bittgänge die Kirche. Auch die Seelsorgeeinheit Brixen dokumentiert beispielsweise ausdrücklich eine Wallfahrt zum Latzfonser Kreuz aus Schalders.

Die Wallfahrt lebt auch liturgisch weiter: Nach den aktuellen Angaben der Pfarrei werden am Latzfonser Kreuz von Juli bis Oktober sonntags Gottesdienste gefeiert. Das Hauptfest am Berg ist die St.-Magdalena-Feier um den 22. Juli; die Pfarrei führt das Latzfonser Kreuz auch unter der hl. Maria Magdalena.

Volkskundliche Bedeutung

Bei der Wallfahrt auf das Latzfonser Kreuz kann man drei Ebenen besonders hervorheben:

1. Wetterwallfahrt: Ausgangspunkt ist die Bedrohung der bäuerlichen Existenz durch Hagel und Unwetter. Das Kruzifix wird als wirkmächtiger Schutz gegen Naturgefahren verstanden.

2. Ortswahlwunder: Der Schwarze Herrgott bestimmt nach der Sage seinen Standort selbst. Das Motiv des mehrfach abgelehnten Standortes gehört zu den klassischen Gründungsmotiven von Wallfahrtsorten.

3. Prozessions- und Jahreszeitenkult: Das Kruzifix wird jedes Jahr feierlich vom Tal auf den Berg und wieder zurückgebracht. Dadurch verbindet die Wallfahrt Dorf, Almwirtschaft, Hochgebirge und Kirchenjahr miteinander.

• Literatur zur Wallfahrt:

- Heyl, Johann Adolf, Das Latzfonser Kreuz in Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 114

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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