| Wallfahrt: | Marienwallfahrt, seit dem 17. Jahrhundert besonders mit Pest- und Schutzfrömmigkeit verbunden |
| Status: | Lebendige Wallfahrtskirche mit überpfarrlicher Bedeutung |
| Kultzentrum: | Spätgotische Gnadenstatue der Madonna mit dem Jesuskind, wahrscheinlich bereits um 1464 vorhanden |
| Besonderheit: | Vierteilige Votivtafel des Jakob Peter Steiner, die Verwundung, Brand, Seenot und glückliche Heimkehr als wiederholte Errettungen durch die Gottesmutter deutet |
| Ort: | Milland, Stadtgemeinde Brixen |
| Bezirk: | Eisacktal |
| Bundesland: | Südtirol |
| • | Vintlerweg 5, 39042 Brixen-Milland. Die alte Pfarr- und heutige Wallfahrtskirche liegt am östlichen Rand von Milland beim Friedhof. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Pfarre: Pfarrei zum hl. Josef Freinademetz in Milland |
| • | Öffnungszeiten: Keine verlässlichen täglichen Öffnungszeiten veröffentlicht; für einen gezielt geplanten Besuch empfiehlt sich eine vorherige Anfrage bei der Pfarrei Milland. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Wallfahrtskirche Maria am Sand, in der örtlichen kirchlichen Tradition auch als Maria Himmelfahrt am Sand beziehungsweise Unsere Liebe Frau im Sand bezeichnet, ist die alte Pfarrkirche von Milland bei Brixen. Der mittelalterliche Sakralbau wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgestaltet, blieb aber bis heute um ein spätgotisches Marienbild als Gnadenort lebendig. Die Diözese Bozen-Brixen zählt Maria am Sand ausdrücklich zu jenen Wallfahrtskirchen, die keine diözesanen Heiligtümer im engeren kirchenrechtlichen Sinn sind, in der Volksfrömmigkeit jedoch überpfarrliche Bedeutung besitzen.
Die Anfänge der Kirche reichen in die Zeit um 1300 zurück. Die Pfarrei Milland nennt eine urkundliche Erwähnung vom 18. Juni 1305; auch das Südtiroler Landesdenkmalamt datiert die Langhausmauern im Kern in dieses Jahr. Mit Albert von Platsch ist bereits wenige Jahrzehnte später eine bedeutende Stiftung verbunden: Am 15. April 1341 stiftete er in der Kirche Unserer Lieben Frau zu Milland eine täglich zu lesende Messe und stattete sie dafür mit Gütern und Einkünften aus. Der archivalisch erhaltene Stiftungsakt zeigt, dass die Marienkirche bereits im 14. Jahrhundert einen dauerhaft abgesicherten liturgischen Mittelpunkt bildete.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Kirche grundlegend erneuert. Der spätgotische Bau war 1464 im Wesentlichen vollendet; erhalten sind insbesondere der Polygonchor, der Spitzturm und die mittelalterliche Bausubstanz des Langhauses. Eine Inschrift am Triumphbogen erinnert noch heute daran, dass die Kirche 1464 zu Ehren der Himmelskönigin errichtet beziehungsweise erneuert und 1766 barock umgestaltet wurde.
Das eigentliche Kultzentrum von Maria am Sand ist nicht ein Gemälde, sondern eine spätgotische Marienstatue auf dem Hochaltar. Die Pfarrei beschreibt sie als stehende Madonna, die dem Jesuskind eine Frucht reicht; in regionalen Beschreibungen wird diese Frucht gewöhnlich als Birne bezeichnet. Nach der kirchlichen Darstellung dürfte die Figur bereits um 1464 zur Ausstattung der spätgotischen Kirche gehört haben. Damit reicht das heute verehrte Gnadenbild wahrscheinlich wesentlich weiter zurück als der besonders im 17. Jahrhundert fassbare Aufschwung der Wallfahrt.
Die Darstellung gehört zu jener Gruppe spätmittelalterlicher Madonnenbilder, in denen die Beziehung zwischen Mutter und Kind durch eine alltägliche, fast häusliche Geste veranschaulicht wird. Die Frucht kann dabei über ihre unmittelbare Anschaulichkeit hinaus religiöse Bedeutungen annehmen; für die konkrete Millander Kultgeschichte ist jedoch vor allem entscheidend, dass gerade diese Figur über Jahrhunderte Mittelpunkt der örtlichen Marienverehrung blieb.
Eine für die Geschichte des Kultbildes besonders wertvolle ältere Beschreibung liefert Rudolf Granichstaedten-Czerva 1931. Er bezeichnet das Gnadenbild als eine auf dem Hochaltar stehende, fast lebensgroße Madonna "auf dem Halbmond" und nennt es ein Schnitzwerk aus dem Jahre 1464. Noch wichtiger für die Wallfahrtsgeschichte ist sein Hinweis, dass gerade dieses Gnadenbild die Votivtafel des Jakob Peter Steiner bekrönt: Die in der Ferne erfahrenen Rettungen wurden damit ausdrücklich auf die Muttergottes von Milland bezogen.
Von der spätgotischen Ausstattung hat sich außerdem eine zweite Madonna erhalten: Maria sitzt mit dem Kind auf dem Schoß. Die Pfarrei datiert sie um 1500 und schreibt sie aufgrund ihrer Gestaltung dem Brixner Bildschnitzer Hans Klocker zu. Diese Figur ist vom eigentlichen Gnadenbild auf dem Hochaltar zu unterscheiden.
Die ältere Marienkirche bestand lange vor der ausgeprägten Wallfahrt. Nach der örtlichen und regionalen Überlieferung gewann Maria am Sand um 1640, während der Pestzeit im Brixner Raum, als Gnadenort besondere Bedeutung. Menschen suchten die Kirche in der Hoffnung auf Schutz und Hilfe vor der Seuche auf. Aus diesem Zusammenhang wird der überlieferte Spruch erklärt: "Maria am Sand ist die Stärkste im ganzen Land."
Der Spruch ist weniger als historische Tatsachenbeschreibung denn als Ausdruck volkstümlicher Wallfahrtsfrömmigkeit zu verstehen. Die Bezeichnung eines Gnadenortes als besonders "stark" meint seine angenommene besondere Wirksamkeit. Vergleichbare Vorstellungen schufen unter Wallfahrern eine informelle Rangordnung von Heiligtümern, deren Ruf sich aus Erzählungen von Hilfe, Gebetserhörungen und persönlichen Erfahrungen speiste.
Auch die Bildwelt der Kirche bewahrt deutliche Spuren der Pestfrömmigkeit. An der Außenfassade erscheinen neben einer Kreuzabnahme mit Maria und Johannes die Pestheiligen Rochus und Sebastian; die Pfarrei schreibt diese Malereien Meister Leonhard von Brixen zu. Die erhaltenen Außenfresken stammen insgesamt aus mehreren Schichten vom 15. bis in das 17. Jahrhundert und machen die lange religiöse Nutzung des Baues auch außerhalb des Kirchenraumes sichtbar.
Im Jahr 1766 erhielt Maria am Sand jene barocke Prägung, die den Innenraum bis heute bestimmt. Die gotischen Gewölberippen wurden entfernt, und der Reuttener Maler Franz Anton Zeiller schmückte das Presbyterium mit Fresken zur Aufnahme Mariens in den Himmel. Sein Schüler Peter Denifle malte im Langhaus die Verkündigung, Maria als Fürsprecherin der Christenheit und Szenen aus dem Leben des Propheten Jesaja. Die Rokokostukkaturen stammen von Franz Singer. Franz Anton Zeiller, der wenige Jahre später zum fürstbischöflichen Hofmaler von Brixen ernannt wurde, zählt zu den bedeutenden Tiroler Kirchenmalern des 18. Jahrhunderts.
Der heutige Hochaltar entstand nach Angabe der Pfarrei gegen Ende des 18. Jahrhunderts nach dem Vorbild der älteren schwarz-goldenen Seitenaltäre. In seiner Mitte steht die Gnadenstatue vor einem goldenen Strahlenkranz; barocke Figuren der Brixner Diözesanheiligen Ingenuin und Albuin flankieren den Altar. Dadurch wurde das vergleichsweise kleine spätgotische Kultbild in der Barockzeit bewusst zum optischen Mittelpunkt des Kirchenraumes erhoben.
Zur älteren Ausstattung gehörte auch ein 1645 von Simon von Parmetin gestifteter barocker Altar, der später in die neue Pfarrkirche von Milland übertragen wurde. Die Pfarrei nennt Stefan Kessler als Schöpfer der Altararchitektur. Zu seinem Bildprogramm gehören unter anderem Anna selbdritt sowie die Pestheiligen Rochus und Sebastian. Auch dieses Ausstattungsstück erinnert an die religiösen Sorgen der Zeit, in der die Wallfahrt ihren großen Aufschwung erlebte.
Zu den volkskundlich bedeutendsten Zeugnissen von Maria am Sand gehört die vierteilige Votivtafel des Jakob Peter Steiner. Sie befindet sich heute an der linken Chorwand. Rudolf Granichstaedten-Czerva beschrieb sie 1931 an der linken Kirchenwand neben der Kommunionbank und erklärte ihre vier Bildfelder anhand des darunter angebrachten Textes. Damit liegt für dieses Votivbild ein ungewöhnlich dichter Quellenbefund vor: Stifter, Lebensdaten, Anlass, einzelne Gefahren, Reisewege und die religiöse Deutung der Errettungen lassen sich miteinander verbinden.
Der Stifter war Jakob Peter Steiner, geboren am 23. Juli 1777 in Milland als Sohn des Peter Steiner aus Andrä und der Anna Gierer, Erbtochter "beim Kofler". Da er 1809 den mütterlichen Hof, das Koflergut, besaß, wurde er auch "Kofler von Milland" genannt. Im Tiroler Aufstand von 1809 kämpfte Steiner gegen die bayerisch-französischen Truppen und wurde am 5. August in der Sachsenklemme verwundet. Am 6. Dezember 1809 wurde das Koflergut durch Kanonen- und Kartätschenfeuer zerstört. Es folgte eine außergewöhnliche Flucht: Steiner hielt sich zunächst in der Umgebung von Brixen und Bruneck verborgen, überschritt im tiefsten Winter das Antholzer Joch nach Defereggen, gelangte über Leoben und die Tauern nach Wien und wurde von dort nach Brünn abgeschoben. Seine weitere Flucht führte über Göding, Preßburg, Agram, Gradiska, Travnik und Slovenisch-Brod bis nach Konstantinopel, das er am 15. Juli 1810 erreichte. Auf diesem Weg stürzte er mit seinem Pferd in einen tiefen Graben; seine Rettung schrieb er der Anrufung der Gottesmutter zu.
Das zweite Votivbild erinnert an den Brand des Palastes des österreichischen Gesandten in Konstantinopel am 19. Jänner 1811. Steiner half dort gemeinsam mit seinem Landsmann Johann Nep. von Kolb-Kolbenthurn bei den Löscharbeiten. Das dritte Bild bezieht sich auf seine Weiterreise nach Spanien. Am 14. August 1811 geriet das Schiff, auf dem er sich befand, bei einem in der Quelle unsicher als "Murna (?)" bezeichneten Ort in einen schweren Wirbelsturm; wiederum wurde Steiner gerettet. Das vierte Bild führt schließlich zur Heimkehr. Nach dem Ende des Guerillakrieges in Spanien kehrte Steiner nach Tirol zurück, erhielt 1815 eine Unterstützung von 100 Gulden und eine Stelle als Aufseher beim Wegmautamt "an der Kreuzstraße" in Brixen, später eine Stelle als Bote beim Rentamt in Bruneck. Er starb dort am 7. Jänner 1824 im Haus Nr. 66 an Lungenschwindsucht, noch keine 47 Jahre alt.
Die Tafel ist damit weit mehr als die Erinnerung an ein einzelnes Mirakel. Sie verdichtet ein ganzes Leben zu einer religiösen Rettungsgeschichte. Krieg, Verwundung, Verlust des Hofes, Flucht, ein Sturz mit dem Pferd, Brand und Seenot erscheinen rückblickend als eine Folge existenzieller Gefährdungen, deren glücklicher Ausgang dem Schutz der Gottesmutter zugeschrieben wurde. Dass über den Bildfeldern ausdrücklich das Millander Gnadenbild erscheint, ist volkskundlich besonders aufschlussreich: Die Wirkmacht des örtlichen Heiligtums wurde in der Vorstellung des Stifters nicht auf den Kirchenraum oder die nähere Umgebung begrenzt, sondern begleitete ihn bis nach Konstantinopel und auf die Reise nach Spanien. Nach seiner Rückkehr wurde der Dank dafür dauerhaft in der Heimat sichtbar gemacht.
Auch als Bildtyp ist die Tafel bemerkenswert. Während viele Votivbilder ein einziges Unglück und die daraus erfolgte Rettung festhalten, besitzt die Millander Tafel einen beinahe autobiographischen Charakter. Die vier Bildfelder fassen unterschiedliche Lebensstationen zu einer gemeinsamen Aussage zusammen: Steiner verstand sein Überleben als wiederholte Errettung durch die Muttergottes von Maria am Sand. Gerade diese Verbindung aus persönlicher Biographie, überregionaler Zeitgeschichte und lokaler Wallfahrtsfrömmigkeit macht die Tafel zu einem außergewöhnlichen volkskundlichen Dokument.
Rudolf Granichstaedten-Czerva veröffentlichte 1931 in den "Schlern-Mitteilungen" auf Seite 272 die folgende Beschreibung unter dem Titel "Die Votivtafel als Denkmal eines kühnen Abenteurers". Die Transkription folgt dem historischen Text; die damals verwendeten italienischen Ortsnamen Südtirols wurden redaktionell in die deutschen Formen Milland, Brixen und Bruneck zurückgeführt.
Die Votivtafel als Denkmal eines kühnen Abenteurers.
In der seit 1464 bestehenden Wallfahrtskirche zu Milland finden wir unter manch wertvollen Kunstgegenständen neben der Kommunionbank an der linken Kirchenwand eine Votivtafel, in vier Felder geteilt und mit Bildern geschmückt, die uns ein darunter stehender Text erklärt. Einer der Kofler vom Gut Hubenstein, am nördlichen Ende des Dorfes, hat uns seine Erlebnisse in dieser volkstümlichen Art im Bilde überliefert.
Der Held dieser Geschichte war Jakob Peter Steiner, der als Sohn des Peter Steiner (aus Andrä) und der Anna Gierer, Erbtochter "beim Kofler", am 23. Juli 1777 in Milland geboren wurde. Das Gnadenbild, das die Votivtafel krönt, ist eine auf dem Hochaltare stehende, fast lebensgroße Madonna "auf dem Halbmond", eines der interessantesten Schnitzwerke jener Gegend aus dem Jahre 1464. Da Steiner im Jahre 1809 den Mutterhof "Koflergut" besaß, nannte man ihn "Kofler von Milland". Er schloß sich im Jahre 1809 den Kämpfern gegen die Bavarofranzosen an und wurde, wie das erste Votivbild zeigt, am 5. August 1809 in der Sachsenklemme verwundet. Steiner nahm dann an den November- und Dezember-Kämpfen teil und mußte Zeuge sein, wie das Kofler-Gut am 6. Dezember 1809 durch die Kanonenkugeln und Kartätschen der Generäle Johann Bapt. Rusca, Johann Viktor Moreau und Philipp Severoli in Schutt und Asche gelegt wurde. Steiner floh nach diesem Totentanze ins Gebirge, irrte planlos in der Umgebung von Brixen und Bruneck herum und marschierte endlich Mitte Jänner, im tiefsten Winter, über das Antholzer Joch nach Defreggen. Dort traf er einige ebenfalls geflüchtete Kameraden, mit denen er über Leoben und die Tauern nach Wien wanderte. Die Wiener Polizei schob ihn aber nach Brünn ab (7. März 1810). Dort gab man ihm Gelegenheit zu weiterer Flucht, die Steiner auch über Göding Preßburg, Agram, Gradiska, Travnik und Slovenisch-Brod antrat, bis er endlich am 15. Juli 1810 in Konstantinopel anlangte. Auf dem Wege dahin stürzte er mit seinem Pferde in einen tiefen Graben, wurde aber, wie früher, durch Anrufung der Gottesmutter gerettet.
Zweites Votivbild. Beim Brande des Palastes des österreichischen Gesandten in der Türkei, dem Internuntius bei der ottomanischen Pforte, Ignaz Lorenz Freiherrn von Stürmer am 19. Jänner 1811 leistete Steiner zusammen mit seinem Landsmanne Johann Nep. von Kolb-Kolbenthurn (geboren 18. Dezember 1757 in Wilten, gestorben am 27. September 1813 in Pera bei Konstantinopel) treffliche Dienste bei der Löscharbeit.
Drittes Votivbild. Im August 1811 verließ aber Steiner die türkische Hauptstadt und fuhr nach Spanien, wo sich damals dem kriegsdurstigen Manne neue Gelegenheit zum "Raufen" bot. Das Schiff, auf dem sich (14. August 1811) Steiner befand, geriet bei Murna (?) in einen furchtbaren Wirbelsturm, Kofler wurde aber wieder gerettet.
Viertes Votivbild. Mit der Vertreibung der Franzosen aus Spanien (1812) endete der Guerilla-Krieg, Steiner kehrte in die Heimat zurück, wo er am 12. Dezember 1815 eine Unterstützung von 100 Gulden, eine Stelle als Aufseher beim Wegmautamte "an der Kreuzstraße" in Brixen und später eine solche als Bote beim Rentamte in Bruneck erhielt. Dort starb Steiner am 7. Jänner 1824 im Haus Nr. 66 an Lungenschwindsucht, knapp 47 Jahre alt, als pensionierter Rentamtsdiener. Seine Witwe Anna Nißl (geb. 1775), mit der er seit 27. November 1801 vermählt war, wurde vom Kaiser unterstützt.
Nach seiner glücklichen Rückkehr in die Heimat hat der tiefgläubige Kämpe aus Dankbarkeit für die wiederholte Errettung aus höchster Lebensgefahr der Muttergottes von Milland die volkstümlich so hübsche und bis heute gut erhaltene Bildtafel geweiht.
R. Granichstaedten-Czerva.
Maria am Sand wurde 1891 zur Pfarrkirche erhoben. Im 20. Jahrhundert verlagerte sich der Siedlungsschwerpunkt Millands jedoch zunehmend talwärts, sodass die alte Kirche schließlich abseits des dicht bebauten Ortszentrums lag. Deshalb wurde 1984/85 die neue Pfarrkirche zum hl. Josef Freinademetz errichtet und 1985 geweiht. Maria am Sand verlor damit ihre Funktion als eigentliche Pfarrkirche, nicht jedoch ihre Bedeutung als Marienheiligtum und Wallfahrtsort.
Diese Entwicklung ist für die Geschichte des Ortes besonders charakteristisch: Die Verwaltungs- und Pfarrfunktion wanderte in die neue Kirche, während das ältere Gotteshaus gerade als historischer Gnadenort ein eigenständiges religiöses Profil behielt.
Die Wallfahrt nach Maria am Sand ist nicht erloschen. Neben der kirchlichen Anerkennung als Wallfahrtskirche mit überpfarrlicher Bedeutung belegen auch konkrete Gottesdienste und Pilgergruppen die fortdauernde Nutzung. Eine Gebetswallfahrt um geistliche Berufe führte beispielsweise von der neuen Freinademetzkirche nach Maria am Sand; auch auswärtige Gruppen feiern in der Kirche Pilgermessen. Damit bleibt der Ort nicht auf die unmittelbare Millander Pfarrbevölkerung beschränkt.
Besonders eng ist die Kirche mit dem Marienmonat Mai verbunden. Die Pfarrgemeinde schmückt Maria am Sand in dieser Zeit festlich und lädt zu Maiandachten ein. Auch reguläre Gottesdienste werden weiterhin in der alten Wallfahrtskirche gefeiert. Die heutige Praxis setzt damit jene Grundform der Wallfahrt fort, die den Ort seit Jahrhunderten prägt: das Aufsuchen des Gnadenbildes mit Bitte, Fürbitte und Dank.
Maria am Sand verbindet mehrere Schichten südtirolischer Wallfahrtsgeschichte in einem einzigen Heiligtum. Die mittelalterliche Marienkirche und die Messstiftung des 14. Jahrhunderts stehen am Anfang; das spätgotische Gnadenbild bildet bis heute das kultische Zentrum. Der Aufschwung während der Pestzeit verweist auf eine Frömmigkeit, in der Krankheit und existenzielle Bedrohung zu wichtigen Anlässen des Wallfahrens wurden. Rochus und Sebastian treten als Seuchenpatrone hinzu, während der volkstümliche Spruch von der "stärksten" Maria des Landes die Vorstellung besonderer Wirkmacht besonders anschaulich bewahrt.
Mit der Votivtafel des Jakob Peter Steiner besitzt Maria am Sand darüber hinaus ein außergewöhnlich aussagekräftiges Zeugnis persönlicher Votivfrömmigkeit. Die Tafel macht sichtbar, wie ein einzelner Wallfahrer die unterschiedlichsten Gefährdungen seines Lebens unter einem gemeinsamen religiösen Deutungsmuster zusammenfasste. Die Muttergottes von Milland erscheint als Schutzmacht, deren Hilfe auch fern der Heimat wirksam gedacht wurde; die Heimkehr und Stiftung der Tafel schließen diesen Kreis von Gefahr, Gelübde, Dank und öffentlicher Erinnerung.
Die Barockisierung des 18. Jahrhunderts zeigt, wie ein älteres Kultbild in eine neue, repräsentative Bild- und Raumwelt eingebettet wurde. Zugleich blieb die Statue selbst bestehen. Gerade diese Kontinuität ist für Wallfahrtsorte charakteristisch: Architektur, Altäre und Frömmigkeitsformen können sich verändern, während das als gnadenreich verehrte Bild den religiösen Bezugspunkt über Generationen hinweg bewahrt.
Dass Maria am Sand nach dem Bau einer neuen Pfarrkirche nicht an Bedeutung verlor, sondern ausdrücklich als Wallfahrtskirche weitergeführt wird, unterstreicht diese Eigenständigkeit des Gnadenortes. Die heutige kirchliche Einstufung, Pilgermessen und Maiandachten zeigen, dass sich historische Überlieferung und gegenwärtige Praxis bis heute miteinander verbinden.
- Hans Grießmair (Hrsg.): Milland. Beiträge zu Natur und Geschichte. Milland 1993.
- Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Landesdenkmalamt: Alte Pfarrkirche Maria am Sand, Friedhofskapelle und Friedhof, KULTIS-ID 14283.
- Seelsorgeeinheit Brixen, Pfarrei Milland: Die alte Kirche von Milland, Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt / Maria am Sand; Angaben zu Baugeschichte, Gnadenbild und Ausstattung.
- Diözesanarchiv Brixen, Archiv des Domkapitels, Urk. HKS 56: Messstiftung des Albert von Platsch für die Kirche Unserer Lieben Frau zu Milland, 15. April 1341.
- Johannes Baur: Franz Anton Zeiller in Süd- und Osttirol. In: Der Schlern 41 (1967), S. 301-309.
- Neue Deutsche Biographie: Franz Anton Zeiller (1716-1794), mit Werkverzeichnis einschließlich Maria am Sand in Milland, 1766.
- Rudolf Granichstaedten-Czerva: Die Votivtafel als Denkmal eines kühnen Abenteurers. In: Schlern-Mitteilungen, 12. Jahrgang (1931), S. 272.
- Diözese Bozen-Brixen: Dekret zur Bestimmung der diözesanen Wallfahrtsorte und weiterer Wallfahrtskirchen mit überpfarrlicher Bedeutung, 24. November 2024.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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