Afers, Wallfahrtskirche Maria Hilf am Freienbühel

Schnellüberblick
Wallfahrt:Mariahilf-Wallfahrt mit Votivwesen sowie jüngerer Heimkehrer- und Friedenswallfahrt.
Status:Lebendiger Wallfahrtsort mit Bittgängen und traditionellen Wallfahrten.
Kultzentrum:Marienverehrung am Altar; die Identität des heutigen Bildes mit dem Marienbild der Gründungslegende ist ungeklärt.
Besonderheit:Gründungslegende um Balbina und die Umdeutung des früher als "Hexenbichl" bezeichneten Ortes zum Marienwallfahrtsort.
Ort:Freienbühel oberhalb von Afers.
Bezirk:Eisacktal.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
Lage: Freienbühel, 39042 Brixen, Fraktion Afers.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarrei Brixen
Öffnungszeiten: Außenbereich und Grotte frei zugänglich, Kapelle verschlossen.
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Ausführliche Beschreibung

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Historisch

Die Kapelle liegt oberhalb von Afers auf etwa 1.771 Metern Höhe. Es besteht eine kleine chronologische Differenz: Nach der Überlieferung der Pfarrei gab die Platscherbäuerin Balbina von Afers bereits 1733 den Anstoß zur Errichtung einer Kapelle. Die heute bestehende Mariahilfkapelle wurde hingegen nach Angaben des Südtiroler Landesdenkmalamtes 1813 errichtet. Demnach dürfte zwischen der legendär überlieferten Stiftung beziehungsweise einem älteren Kapellenbau und der heute bestehenden Kirche zu unterscheiden sein. Der gegenwärtige Bau besitzt einen polygonalen Chorschluss, ein Tonnengewölbe und ein kleines Spitztürmchen.

Die Gründungslegende

Nach der von der Pfarrei Afers wiedergegebenen Überlieferung lebte in Afers die Platscherbäuerin Balbina. Über sie kursierte das Gerücht, sie stamme aus einer "Hexenfamilie". Sie musste sich demnach auf einen nahe gelegenen Hügel zurückziehen, der im Volksglauben selbst als Hexentanzplatz verrufen war. Ihr einziger Trost war ein Bildnis der Gottesmutter Maria, das sie mit sich führte.

Eines Nachts schlief Balbina auf dem Hügel und hatte einen Traum: Sie sah dort eine Kapelle, zu der zahlreiche Wallfahrer pilgerten. Daraufhin fasste sie den Entschluss, an dieser Stelle tatsächlich eine Kapelle zu errichten, und einige Freunde sagten ihr ihre Hilfe zu. Zur Ausführung ihres Vorhabens kam sie jedoch selbst nicht mehr: Eines Tages fand man Balbina tot auf dem Hügel. Das mitgeführte Marienbild hatte sie an einem Baum befestigt. Daraufhin wurde an dieser Stelle die Kapelle errichtet. Nach der Überlieferung hieß der Ort zuvor "Hexenbichl" und erhielt erst danach den Namen "Freienbühl".

Bemerkenswert ist die Umwertung des Platzes: Aus dem angeblichen Hexentanzplatz wird ein christlicher Marienwallfahrtsort. Der frühere unheimliche Ort wird durch das Marienbild und die Kapelle gewissermaßen religiös gebändigt und neu besetzt.

Gnadenbild und Altar

Im Inneren ein neuromanischer Altar mit einer Darstellung der sitzenden Maria mit dem Jesuskind auf dem Schoß und einem Zepter in der Hand. Die Legende spricht dagegen allgemein von dem Marienbild, das Balbina mit sich führte und schließlich an einem Baum befestigt haben soll. Ob die heute verehrte Darstellung mit diesem legendären ursprünglichen Marienbild identisch ist oder dieses ersetzt hat, ist unklar.

Votivwesen

Votivbilder bilden einen klaren Beleg für Votivfrömmigkeit. Die Mariahilfkapelle ist mit zahlreichen Votivbildern ausgestattet. Auch andere Beschreibungen erwähnen zahlreiche Danksagungen an die Gottesmutter im Kircheninneren. Die Kapelle wird ganzjährig besucht.

Die Wallfahrtswege

Zur Kapelle führen nach Angaben der Pfarrei gleich drei Kreuzweg- beziehungsweise Stationenwege:

von Afers, von Palmschoß und vom Niederrutznerhof in St. Andrä.

Das ist volkskundlich wichtig, denn dadurch wird Freienbühel als Mittelpunkt einer regelrechten sakralen Wegelandschaft sichtbar. Die Wallfahrt beginnt nicht erst bei der Kapelle; der Weg dorthin ist durch die Kreuzwegstationen selbst religiös gestaltet.

Auch heute finden Bittgänge zur Kapelle statt. Die Pfarrei dokumentiert beispielsweise zum Patrozinium einen Bittgang ab Finktal und bezeichnet das Gotteshaus ausdrücklich als Wallfahrtskirche.

Die Heimkehrerwallfahrt

Eine zweite, historisch jüngere Traditionsschicht ist die Verehrung der "Heimkehrer-Muttergottes am Freienbühel".

Nach einer Darstellung in der Tiroler Schützenzeitung pilgerten nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Kriegsheimkehrer aus dem Raum Brixen aus Dankbarkeit für ihre glückliche Rückkehr und für den Frieden nach Freienbühel. Ein Altartuch in der Kapelle soll darüber hinaus belegen, dass bereits 1917 erste Kriegsheimkehrer dorthin gepilgert seien. Eine lokale Darstellung führt die regelmäßige Heimkehrerwallfahrt auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück.

Auch aktuell gibt es traditionelle Wallfahrten zur Heimkehrer-Muttergottes.

Damit haben wir am Freienbühel eigentlich zwei übereinanderliegende Wallfahrtstraditionen:

die ältere Mariahilfwallfahrt, verbunden mit Balbina, dem Marienbild, der Gründungslegende und dem Votivwesen,

und die jüngere Heimkehrer- und Friedenswallfahrt, die aus den Erfahrungen der beiden Weltkriege erwachsen ist.

• Literatur zur Wallfahrt:

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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