| Wallfahrt: | Historischer marianischer Gnadenort im oberen Vinschgau. Burgeis wurde 1863 ausdrücklich unter den "fünf Gnaden-Orten der hohen Himmelskönigin Mariä" im Vinschgau geführt; das Gnadenbild wurde von Einheimischen und Auswärtigen verehrt und bei großen Jubiläen in Prozessionen mitgetragen. |
| Status: | Historisch bedeutende und weiterhin gepflegte Gnadenbildverehrung. Ein eindeutiger Beleg für die Bezeichnung der Pfarrkirche als förmliche Wallfahrtskirche liegt derzeit nicht vor. |
| Kultzentrum: | Schmerzhafte Muttergottes am linken Seitenaltar, eine etwa 135 cm hohe geschnitzte Pietà um 1380; bis zur Aufhebung 1782 im Klarissenkloster Meran, später durch Johann Murr nach Burgeis gebracht. |
| Ort: | Burgeis / Burgusio, Gemeinde Mals im oberen Vinschgau |
| Bezirk: | Bezirksgemeinschaft Vinschgau |
| Land: | Südtirol, Italien |
| • | Pfarrkirche Mariä Empfängnis, Burgeis 11, 39024 Mals, Südtirol. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte im Burggrafenamt und im Vinschgau |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Pfarre: Pfarrei Burgeis, Seelsorgeeinheit Mals |
| • | Öffnungszeiten: Allgemeine Kirchenöffnungszeiten sind derzeit nicht verlässlich veröffentlicht. Für eine gezielte Innenbesichtigung empfiehlt sich eine vorherige Anfrage bei der Pfarrei. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Gnadenbild:
Das Gnadenbild von Burgeis, eine um 1380 entstandene Pietà. Die Schmerzhafte Muttergottes hält den vom Kreuz abgenommenen Leichnam Christi quer auf ihrem Schoß und stützt seinen erschlafften Körper mit beiden Händen. Christus ist mit Dornenkrone und zahlreichen, auffallend hervorgehobenen blutenden Wunden dargestellt; sein zurückgesunkener Kopf, der ausgezehrte Körper und die weit ausgestreckten Arme steigern den Ausdruck des Leidens. Maria erscheint dagegen in stiller, gefasster Trauer mit gesenktem Blick. Die farbig gefasste Skulptur steht vor einer spätmittelalterlichen Wandmalerei, die nochmals die Beweinung Christi zeigt und damit das Thema des Gnadenbildes unmittelbar aufnimmt. In der Verbindung von plastischem Gnadenbild und gemalter Passionsdarstellung entsteht ein besonders eindrucksvolles Andachtsensemble.
Die Pietà wurde über Jahrhunderte als Schmerzhafte Gnadenmutter von Burgeis verehrt und bildete den Mittelpunkt örtlicher und überörtlicher Andacht sowie festlicher Prozessionen.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Die Pfarrkirche Mariä Empfängnis in Burgeis ist keine Wallfahrtskirche im engeren, eindeutig belegbaren Sinn. Sie beherbergt jedoch mit der Schmerzhaften Muttergottes ein historisches Gnadenbild, dessen Verehrung weit über die Bedeutung eines gewöhnlichen kirchlichen Ausstattungsstückes hinausging. Die Pietà wurde von der örtlichen Bevölkerung und ausdrücklich auch von Auswärtigen verehrt, bei großen Jubiläumsfeiern durch Dorf und Fluren getragen und in einer 1863 in Brixen erschienenen Schrift gemeinsam mit Latsch, Tschengls, Schnals und Trafoi zu den fünf marianischen Gnadenorten des Vinschgaus gerechnet. Burgeis ist daher als historischer Gnadenort mit wallfahrtsgeschichtlicher Bedeutung zu dokumentieren, ohne die Pfarrkirche selbst unbelegt zur Wallfahrtskirche zu erklären.
Die kirchliche Geschichte von Burgeis reicht weit vor die Gründung des nahe gelegenen Benediktinerklosters Marienberg zurück. Die heutige Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau beziehungsweise Mariä Empfängnis wird in der älteren Orts- und Pfarrgeschichte um die Mitte des 12. Jahrhunderts greifbar. Vom romanischen Vorgängerbau haben sich Teile der Portale und einzelne Steinbildwerke erhalten. Um 1300 wurde der Chor erweitert; gegen Ende des 15. Jahrhunderts erfolgte eine umfassende Gotisierung. Die Jahreszahl 1487 am Hauptportal und die 1491 im Gewölbe über dem Hochaltar angebrachte Datierung erinnern an diese Bauphase.
Die Seelsorge stand über Jahrhunderte in enger Verbindung mit dem Benediktinerstift Marienberg. Auch die Ausstattung der Kirche dokumentiert diese Beziehung. Der neugotische Hochaltar wurde 1893 von den Burgeiser Kunsttischlern Sebastian Blaas und Johann Adam nach Entwürfen von Karl Atz und Überbacher geschaffen. Seine zentrale Madonna mit Kind gehört noch dem älteren gotischen Bestand an. Für die Geschichte des Gnadenortes ist jedoch nicht der Hochaltar, sondern der linke Seitenaltar mit der Schmerzhaften Muttergottes von entscheidender Bedeutung.
Das verehrte Gnadenbild ist eine geschnitzte Pietà oder ein Vesperbild. Maria hält den vom Kreuz abgenommenen toten Christus auf ihrem Schoß. Die etwa 135 Zentimeter hohe Holzskulptur wurde lange allgemein in das 15. Jahrhundert datiert. Neuere Untersuchungen setzen sie um 1380 an, womit sie zu den ältesten heute in der Burgeiser Pfarrkirche bewahrten Bildwerken gehört.
Der Typus des Vesperbildes verbreitete sich besonders seit dem 14. Jahrhundert im Zusammenhang mit einer intensivierten Passionsfrömmigkeit. Im Mittelpunkt steht nicht eine umfangreiche erzählerische Kreuzabnahme, sondern die unmittelbare Beziehung zwischen Maria und dem toten Sohn. Schmerz, Tod, mütterliche Trauer und die Hoffnung auf Erlösung werden in einer einzigen Figurengruppe verdichtet. Gerade diese Konzentration machte die Pietà zu einem besonders geeigneten Andachtsbild für Krankheit, Todesgefahr, Trauer und andere existenzielle Nöte.
Die Herkunft der Burgeiser Pietà lässt sich heute wesentlich genauer bestimmen als in der älteren örtlichen Überlieferung. Die neuere kunsthistorische Forschung weist das Vesperbild bis 1782 im Klarissenkloster in Meran nach. Die der Gottesmutter geweihte Klosterkirche war ein bedeutender Raum klösterlicher Marien- und Passionsfrömmigkeit. Das Kloster war 1309 von Herzogin Euphemia von Schlesien gegründet worden; die Stifterin wurde 1347 in der Kirche in einem aufwendig gearbeiteten Hochgrab aus rotem Marmor bestattet.
Wo die Pietà ursprünglich innerhalb der Klarissenkirche aufgestellt war, ist nicht sicher zu entscheiden. In der Forschung wurden unter anderem die Nonnenempore beziehungsweise der Schwesternchor, ein Altarbereich und ein möglicher Zusammenhang mit der Grablege der Stifterin erwogen. Entscheidend ist jedoch, dass die Statue ursprünglich nicht für Burgeis und nach der derzeitigen Quellenlage auch nicht als Wallfahrtsbild geschaffen wurde. Sie gehörte zunächst zur spätmittelalterlichen Frömmigkeitswelt eines Frauenklosters.
Unter Kaiser Joseph II. wurde das Meraner Klarissenkloster 1782 aufgehoben. Damit verlor die Pietà ihren jahrhundertealten ursprünglichen institutionellen und räumlichen Zusammenhang. Die weitere Überlieferungskette ist nicht lückenlos dokumentiert. Es wäre deshalb zu weitgehend, ohne zusätzlichen archivalischen Nachweis von einem bestimmten Verkauf oder einer konkreten Versteigerung der Statue im Zuge der Klosteraufhebung zu sprechen.
Sicher ist hingegen, dass ein Burgeiser namens Johann Murr die alte Pietà später erwarb und nach Burgeis brachte. Die Verbindung zwischen der Aufhebung des Klarissenklosters, dem Übergang des Bildes in andere Hände und dem Erwerb durch Johann Murr ist historisch plausibel, in ihren einzelnen Schritten bislang aber nicht vollständig belegt.
Die Burgeiser Pfarrgeschichte nennt Johann Murr ausdrücklich als Erwerber der Skulptur. Wo und unter welchen Umständen er sie kaufte oder übernahm, wird dort nicht näher ausgeführt. Die örtliche Erinnerung setzt den Beginn der Burgeiser Verehrung um 1795 beziehungsweise 1796 an. Diese Datierung ergibt sich vor allem aus den späteren Jubiläumsfeiern: 1946 beging die Pfarrgemeinde unter dem Leitwort "150 Jahre Schmerzhafte Gnadenmutter in Burgeis" ein großes Jubiläum, 1995 wurde die Zweihundertjahrfeier abgehalten.
Unter der bayerischen Regierung gelangte das Gnadenbild schließlich in die Pfarrkirche. Tirol stand seit 1805/06 bis 1814 unter bayerischer Herrschaft. Zwischen der Ankunft des Bildes in Burgeis und seiner öffentlichen Aufstellung in der Pfarrkirche dürfte somit eine gewisse Zeit gelegen haben. Erst in der Kirche entwickelte sich die Pietà zu jenem gemeinschaftlichen Gnadenbild, das die Burgeiser später als ihre "Schmerzhafte" verehrten.
Dieser Funktionswandel gehört zu den volkskundlich bemerkenswertesten Aspekten der Burgeiser Verehrung. Die Pietà war zunächst ein mittelalterliches Andachtsbild eines Klarissenkonvents. Nach der josephinischen Aufhebung des Klosters wurde sie aus ihrem ursprünglichen sakralen Zusammenhang herausgelöst, gelangte in private Hand und erhielt an einem neuen Ort eine zweite religiöse Biographie.
Aus dem Bild eines aufgehobenen Frauenklosters wurde zunächst der Besitz eines Burgeisers und schließlich ein religiöser Mittelpunkt der ganzen Dorfgemeinschaft. Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass ein Gnadenbild nicht bereits als solches geschaffen sein muss. Seine kultische Bedeutung kann sich neu bilden, wenn eine Gemeinschaft ein Bild in besonderer Weise verehrt, mit Prozessionen und Jubiläen verbindet und es zum Träger gemeinsamer religiöser Erinnerung macht.
Besonders eindrucksvoll ist der heutige Aufstellungsort am linken Seitenaltar. Unmittelbar hinter der plastischen Pietà befindet sich ein Wandbild mit demselben zentralen Passionsgedanken: Der Leichnam Christi wird in den Schoß Mariens gelegt. Das Fresko stammt von Conrad Waider und ist durch eine Inschrift auf 1497 datiert. Als Stifter beziehungsweise Auftraggeber werden die drei Marienberger Patres Mathias Vogt aus Kempten, Maurus Munghofer und Heinrich Brendli genannt, die damals offenbar in der Burgeiser Seelsorge tätig waren.
Historisch gehörten Fresko und Pietà ursprünglich nicht zusammen. Das Wandbild wurde fast drei Jahrhunderte vor der Ankunft der Skulptur in Burgeis geschaffen. Gerade deshalb ist ihre heutige Verbindung bemerkenswert: Eine um 1380 entstandene Pietà aus dem Meraner Klarissenkloster steht vor einem 1497 für Burgeis geschaffenen Wandbild mit demselben Bildgedanken. Zwei voneinander unabhängige mittelalterliche Traditionen der Passionsfrömmigkeit wurden damit später an einem Altar zusammengeführt.
Für die historische Einordnung des Kultes besitzt eine 1863 bei Weger in Brixen erschienene Schrift besondere Bedeutung. Ihr Titel lautet: "Die fünf Gnaden-Orte der hohen Himmelskönigin Mariä. Latsch, Tschengels, Schnals, Trafoi und Burgeis in Vinschgau." Bereits diese ausdrückliche Aufnahme in eine Gruppe von fünf marianischen Gnadenorten zeigt, dass die Burgeiser Schmerzhafte spätestens in der Mitte des 19. Jahrhunderts weit mehr war als eine lokal geschätzte Kirchenskulptur.
Der Begriff "Gnadenort" ist dabei ernst zu nehmen, darf aber nicht automatisch mit "Wallfahrtskirche" gleichgesetzt werden. Die Quelle belegt die besondere kultische Stellung des Marienbildes. Ein förmlicher oder durchgehend gebräuchlicher historischer Titel der Burgeiser Pfarrkirche als Wallfahrtskirche konnte bislang hingegen nicht sicher nachgewiesen werden.
Die Burgeiser Pfarrgeschichte berichtet ausdrücklich, dass das Gnadenbild in der Pfarrkirche sowohl von den Dorfbewohnern als auch von Auswärtigen sehr verehrt wurde. Zusammen mit der Aufnahme unter die fünf Gnadenorte des Vinschgaus ist dies ein wichtiger Nachweis für die überörtliche Wirkung der Pietà.
Was bislang fehlt, ist ein ähnlich dichtes Verzeichnis regelmäßiger Wallfahrtsgruppen, Herkunftspfarreien oder Kreuzgänge, wie es für größere Wallfahrtsorte des Vinschgaus überliefert ist. Deshalb sollte Burgeis nicht nachträglich zu einem großen überregionalen Wallfahrtszentrum stilisiert werden. Die Quellen zeigen vielmehr eine intensive Gnadenbildverehrung mit überörtlicher Ausstrahlung.
Besonders deutlich wird die gemeinschaftliche Bedeutung des Gnadenbildes bei den großen Jubiläen. 1895 fand eine Gedächtnisfeier statt. 1946 feierte die Pfarrgemeinde unter dem Leitwort "150 Jahre Schmerzhafte Gnadenmutter in Burgeis". Bei beiden Feiern wurde die Pietà auf dem langen Prozessionsweg über die Hochried mitgetragen. Zum Zweihundertjahrjubiläum 1995 zog schließlich eine Lichterprozession mit der Statue durch das Dorf.
Das Heraustragen des Gnadenbildes aus dem Kirchenraum ist volkskundlich besonders aussagekräftig. Die Schmerzhafte blieb nicht auf den linken Seitenaltar beschränkt, sondern wurde zeitweilig im Lebensraum der Gemeinde gegenwärtig. Kirche, Dorf, Wege, Fluren und Bevölkerung wurden durch die Prozession miteinander verbunden. Ob die Hochried-Prozessionen neben dem Jubiläumscharakter auch konkrete Bittanliegen um Wetter, Ernte oder Viehsegen einschlossen, ist bislang nicht belegt und sollte deshalb nicht aus allgemeinen Prozessionsbräuchen ergänzt werden.
Das Motiv der Schmerzhaften Muttergottes begegnet auch außerhalb der Pfarrkirche. An der südlichen Ortseinfahrt stehen die sogenannte runde und die lange Kapelle. Die Entstehung der langen Kapelle wird in der örtlichen Überlieferung mit der Rettung eines Kindes verbunden, das in den dort vorbeifließenden Kriegwaal gefallen war. Beim späteren Straßenbau wurde die Kapelle erneuert und mit einem Bild der Schmerzhaften Muttergottes ausgestattet.
Daraus lässt sich nicht ableiten, dass die Rettung des Kindes ursprünglich als Mirakel der Burgeiser Gnadenmutter verstanden wurde; die Quelle stellt diesen Zusammenhang nicht ausdrücklich her. Die spätere Ausstattung der Kapelle mit der Schmerzhaften ist dennoch aufschlussreich. Sie zeigt, wie stark das Bildmotiv im religiösen Selbstverständnis des Dorfes verankert war.
Im Unterschied zu Trafoi oder Senale ist die Quellenlage zu konkreten Mirakeln in Burgeis bislang dünn. Ein Mirakelbuch oder ein historisches Verzeichnis einzelner Gebetserhörungen konnte nicht nachgewiesen werden. Ebenso sind derzeit keine eindeutig dem Burgeiser Gnadenbild zuzuordnenden älteren Votivtafeln oder Gebildvotive dokumentiert.
Diese Lücke sollte offen benannt werden. Die Bezeichnung als Gnadenbild und Gnadenort setzt zwar die Vorstellung besonderer Fürsprache voraus, doch konkrete Heilungs- oder Rettungsberichte dürfen ohne Quellen nicht ergänzt werden. Gerade die Schrift von 1863 könnte bei einer späteren vollständigen Auswertung noch weitere Hinweise auf Gebete, Gnadenerfahrungen oder historische Andachtsformen enthalten.
Nach der derzeitigen Quellenlage ist die vorsichtige Bezeichnung Burgeis' als historischer Gnadenort sachlich am besten begründet. Dafür sprechen die ausdrückliche Bezeichnung der Pietà als Gnadenbild, die Verehrung durch Einheimische und Auswärtige, die großen Jubiläumsprozessionen und vor allem die Aufnahme Burgeis' in die 1863 erschienene Schrift über die fünf Gnadenorte des Vinschgaus.
Die Pfarrkirche selbst sollte dagegen ohne zusätzlichen Beleg nicht als förmliche Wallfahrtskirche bezeichnet werden. Gerade diese Unterscheidung macht die religiöse Geschichte nicht geringer, sondern präziser: Dokumentiert wird die Entwicklung eines mittelalterlichen Andachtsbildes zu einem gemeinschaftlichen Gnadenbild mit überörtlicher Verehrung.
Burgeis unterscheidet sich in seiner Kultgeschichte deutlich von Wallfahrtsorten, deren Ursprung durch eine Erscheinung, eine wunderbare Auffindung oder ein spektakuläres Gründungsmirakel erklärt wird. Hier lässt sich stattdessen die reale Wanderung eines mittelalterlichen Bildwerkes verfolgen. Die Pietà entstand um 1380 und gehörte jahrhundertelang zum Meraner Klarissenkloster. Nach dessen Aufhebung 1782 verlor sie ihren ursprünglichen sakralen Zusammenhang, wurde von Johann Murr erworben und nach Burgeis gebracht. Unter der bayerischen Regierung fand sie ihren Platz in der Pfarrkirche.
Dort entstand eine neue religiöse Identität des Bildes. Die Bevölkerung machte aus dem mittelalterlichen Vesperbild ihre Schmerzhafte. Auswärtige verehrten die Statue, Burgeis wurde zu den Gnadenorten des Vinschgaus gerechnet, und große Jubiläen wurden mit Prozessionen begangen. Damit wurde aus einem ehemals klösterlichen Kunstwerk ein Symbol örtlicher religiöser Gemeinschaft.
Die Burgeiser Pietà ist deshalb zugleich mittelalterliches Kunstwerk, ehemaliges Klosterbild, Zeugnis der josephinischen Klosteraufhebungen, Gegenstand privater Aneignung, öffentliches Andachtsbild und gemeinschaftliches Gnadenbild. Ihre Geschichte zeigt besonders deutlich, dass die Bedeutung eines Kultobjektes nicht allein in seiner künstlerischen Entstehung liegt. Sie bildet sich auch aus den Wegen, die ein Bild nimmt, aus der Verehrung, die ihm entgegengebracht wird, und aus der Erinnerung einer Gemeinschaft, die es zu ihrem eigenen religiösen Bezugspunkt macht.
- Ludmila Kvapilová-Klüsener: Das Vesperbild in der klösterlichen Frauenfrömmigkeit des 14. Jahrhunderts mit besonderem Augenmerk auf der sogenannten Pietà corpusculum. In: Julia von Ditfurth / Adam Stead (Hrsg.): Bildwerke für Kanonissen? Neue Bildwerke und Heiligenverehrung in Frauenstiftskirchen des 13. und 14. Jahrhunderts. Wien, Köln, Weimar 2019, S. 169-199, zu Burgeis besonders S. 181.
- Elisabeth Stampfer: Die mittelalterliche Ausstattung der ehemaligen Meraner Klarissenkirche. Diplomarbeit, Universität Wien, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, Wien 2011.
- Theodor Müller: Gotische Skulptur in Tirol. Bozen 1976.
- Die fünf Gnaden-Orte der hohen Himmelskönigin Mariä. Latsch, Tschengels, Schnals, Trafoi und Burgeis in Vinschgau. Brixen, Weger's Hofbuchdruckerei, 1863.
- Martin Angerer: Die Kirchen in der Pfarrei Burgeis. Pfarrgeschichtliche Darstellung der Pfarrei Burgeis.
- Georg Tinkhauser / Ludwig Rapp: Topographisch-historisch-statistische Beschreibung der Diözese Brixen. Band IV: Vinschgau. Brixen 1891.
- Marktgemeinde Mals: Pfarrei Burgeis. Aktuelle Angaben zu Patronat, Adresse und Kontakt.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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