Bozen – Dom Mariä Himmelfahrt. Die Verehrung der Gnadenmutter "Maria im Moos"

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Marienwallfahrt und Gnadenbildverehrung der Gnadenmutter "Maria im Moos" im Bozner Dom.
Status:Die eigenständige Wallfahrt ist offenbar zurückgetreten; das Gnadenbild wird in der Gnadenkapelle weiterhin ausdrücklich verehrt.
Kultzentrum:Steinerne stillende Gottesmutter, eine Maria lactans aus Veroneser Marmor, entstanden um 1200.
Besonderheit:Auffindungslegende im früher sumpfigen "Moos"; nicht mit der sogenannten Plappermuttergottes zu verwechseln.
Ort:Bozen.
Gebiet:Bozen und Umgebung.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
Lage: Pfarrplatz 27, 39100 Bozen.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View
Web: Dompfarre Bozen
Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag: 07:30 bis 18:00 Uhr (durchgehend geöffnet)
Sonntag: 08:00 bis 20:00 Uhr (durchgehend geöffnet)
kostenloser Eintritt
Während der liturgischen Feiern und Gottesdienste ist eine klassische Besichtigung bzw. das Herumgehen im Dom nicht gestattet.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Außenansicht Dom Bozen 1870er Jahre, Aufnahme: A. Augschiller, Bozen.:

Bozen – Dom Mariä Himmelfahrt 1870er Jahre

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Turmspitze Dom Bozen, Dia um 2000:

Bozen – Dom Mariä Himmelfahrt, Turmspitze

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

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Ausführliche Beschreibung

Geschichte

Der heutige Bozner Dom Mariä Himmelfahrt steht an einem Ort mit einer außerordentlich langen christlichen Tradition. Unter dem heutigen Bau wurden Reste älterer Kirchenanlagen entdeckt; die romanische Vorgängerkirche ist für das 12. Jahrhundert bezeugt. Der heutige Kirchenbau erhielt seine wesentliche gotische Gestalt durch umfangreiche Umbauten zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert. Seit der Neuordnung der Diözese Bozen-Brixen 1964 dient die Kirche auch als Bischofskirche; seit 1976 trägt sie den Rang einer Konkathedrale.

Für die Geschichte der Marienverehrung ist jedoch vor allem das Gnadenbild "Maria im Moos" von Bedeutung. Nach der eigenen Darstellung der Dompfarre handelt es sich um eine steinerne Darstellung der stillenden Gottesmutter, eine sogenannte Maria lactans, aus Veroneser Marmor, die um 1200 entstanden ist. Sie wird heute in der Gnadenkapelle hinter dem Hochaltar aufbewahrt.

Die heutige barocke Gnadenkapelle wurde 1743 bis 1745 als Erweiterung am Scheitel des gotischen Chores errichtet. Als Baumeister nennt die kirchliche Kunstdokumentation Giuseppe Delai. Damit erhielt das bereits seit Jahrhunderten verehrte Marienbild einen eigenen architektonisch hervorgehobenen Andachtsraum innerhalb der großen Stadtpfarrkirche.

Das Gnadenbild "Maria im Moos"

Das Gnadenbild zeigt Maria, die das Jesuskind stillt. Diese Darstellung der Maria lactans betont in ungewöhnlich unmittelbarer Weise die mütterliche Beziehung zwischen Maria und Christus. Die Dompfarre selbst bezeichnet die Figur ausdrücklich als "Gnadenbild Maria im Moos" und macht sie auch heute zu einer eigenen Station des Gebetes im Dom.

Gerade die Darstellung der stillenden Gottesmutter besitzt volkskundlich eine besondere Qualität. Maria erscheint hier nicht als entrückte Himmelskönigin, sondern als fürsorgliche Mutter in einer zutiefst menschlichen Handlung. Die Dompfarre deutet das Bild entsprechend als Ausdruck der mütterlichen und zärtlichen Sorge Mariens um Christus und, im übertragenen Sinn, um die Gläubigen.

Kunstgeschichtlich handelt es sich zugleich um ein sehr frühes Marienbild: Die Datierung um 1200 beziehungsweise in das frühe 13. Jahrhundert macht die Figur zu einem der ältesten erhaltenen Kultbilder dieser Art im Bozner Raum. Die barocke Gnadenkapelle des 18. Jahrhunderts bildet somit einen repräsentativen Rahmen für ein wesentlich älteres mittelalterliches Gnadenbild.

Legende und Überlieferung

Nach der heute von der Dompfarre selbst wiedergegebenen Überlieferung fuhr einst ein Fuhrmann durch das sumpfige Gelände an jener Stelle, an der heute der Bozner Dom steht. Plötzlich hörte er eine Stimme, die ihn aufforderte: "Hebe mich auf." Da er niemanden sehen konnte, wollte er seinen Weg fortsetzen, kam jedoch nicht weiter. Erst nach der dritten Aufforderung entdeckte er im sumpfigen Gelände die steinerne Figur der Gottesmutter mit dem stillenden Jesuskind.

An der Fundstelle sei zunächst ein Bildstock errichtet worden, danach eine Kapelle und schließlich die Pfarrkirche. Die Legende verbindet damit die Entstehung des Kirchenortes unmittelbar mit der wunderbaren Auffindung des Gnadenbildes. Historisch lässt sich diese Abfolge natürlich nicht aus der Legende beweisen; sie stellt vielmehr die religiöse Ursprungserzählung des Marienkultes dar.

Volkskundlich gehört die Geschichte zum klassischen Typus der Auffindungslegende. Bemerkenswert ist aber die besondere Inszenierung: Das Gnadenbild liegt verborgen in einer unwirtlichen, sumpfigen Landschaft und macht durch eine menschliche Stimme selbst auf sich aufmerksam. Der Fuhrmann kann seinen Weg nicht fortsetzen, solange er der Aufforderung nicht nachkommt. Das heilige Objekt erzwingt gewissermaßen seine Auffindung und bezeichnet dadurch zugleich den Ort, an dem es künftig verehrt werden möchte.

Der alte Name "Maria im Moos" oder "Unsere Liebe Frau vom Moos" bewahrt diese Landschaftserinnerung bis heute. "Moos" bezeichnet hier das frühere sumpfige Gebiet im Bereich des Eisacks, dessen Verlauf und Uferlandschaft damals anders aussahen als heute. Die Legende erklärt somit zugleich den Namen des Gnadenbildes und die sakrale Bedeutung des Ortes.

Volkskundliche Bedeutung der Verehrung

Volkskundlich ist Maria im Moos besonders interessant, weil sich hier Stadtgeschichte, Kirchenentstehungslegende und Gnadenbildverehrung eng miteinander verbinden. Anders als bei einer abgelegenen Bergwallfahrt liegt der Gnadenort mitten im religiösen Zentrum der späteren Stadt. Das ursprünglich in einer sumpfigen Landschaft aufgefundene Bild wurde im Laufe der Jahrhunderte gleichsam vom wachsenden Bozen umschlossen und befindet sich heute im Dom der Landeshauptstadt.

Dabei scheint sich auch die Funktion des Kultortes verändert zu haben. Aus einer alten Marienwallfahrt wurde zunehmend eine Gnadenbildverehrung innerhalb einer bedeutenden Stadtpfarr- und späteren Bischofskirche. Die Wallfahrt als eigenständige äußere Erscheinungsform trat offenbar zurück, während das Gnadenbild seinen besonderen Status behielt. Die Dompfarre nennt die Figur noch heute ausdrücklich "Gnadenbild Maria im Moos", was die fortbestehende religiöse Bedeutung zeigt.

Eine wichtige Abgrenzung: nicht die "Plappermuttergottes"

"Maria im Moos" darf nicht mit der sogenannten "Plappermuttergottes" verwechselt werden. Im Umfeld des Bozner Doms existiert noch eine weitere volkstümliche Marienverehrung: Ein Marienbild, das Friedrich Pacher zugeschrieben wird, wurde nach jüngerer lokaler Überlieferung besonders von Müttern mit Kindern aufgesucht, die Schwierigkeiten beim Sprechen hatten. Dieses Bild erhielt deshalb volkstümlich die Bezeichnung "Plappermuttergottes". Es handelt sich um eine andere Kulttradition als die alte Gnadenmutter "Maria im Moos" in der Gnadenkapelle.
Die Plappermuttergottes auf SAGEN.at

• Literatur zur Wallfahrt:

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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