Wildalpen, Pfarr- und Wallfahrtskirche hl. Barbara – Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes

Schnellüberblick
Wallfahrt:Seit dem 17. Jahrhundert bestehende Marienwallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes, entstanden im Umfeld der Wildalpener Eisen- und Hammerwerkskultur.
Status:Lebendige, heute vor allem regionale Marienwallfahrt; traditionelle Fußwallfahrten über die Berge führen weiterhin nach Wildalpen.
Kultzentrum:Gemaltes Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes "Maria im Thal" von 1669 im Hochaltar.
Hauptfest:Ein einzelner heutiger Hauptwallfahrtstag wird in der bestehenden Dokumentation nicht genannt.
Besonderheit:Kirchenpatronin ist die hl. Barbara, Wallfahrtsziel dagegen die Schmerzhafte Muttergottes; ein Wallfahrtslied von 1739 und ein Antependium von 1724 dokumentieren den frühen Kult.
Ort:Wildalpen an einem historischen Pilgerweg aus dem Ennstal nach Mariazell.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Wildalpen 1, 8924 Wildalpen.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Wildalpen
Öffnungszeiten: regelmäßige Gottesdienstzeiten, sonst keine veröffentlichten Öffnungszeiten.
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Ausführliche Beschreibung

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Entstehung der Wallfahrt

Die Ursprünge der Wildalpener Wallfahrt führen in das 17. Jahrhundert zurück und stehen zugleich mit der örtlichen Eisenverarbeitung und den Hammerwerken in Verbindung. Der Werksverweser Amand Winterl ließ im Jahr 1669 ein Bild der Schmerzhaften Muttergottes malen und im sogenannten "Thal" aufstellen. Ein Nachkomme der Familie errichtete später eine Kapelle über dem Bild.

Dieses zunächst offenbar recht schlichte Andachtsbild gewann bald den Ruf eines Gnadenbildes. Berichte über Gebetserhörungen verbreiteten sich und machten die Kapelle nach der örtlichen Pfarrgeschichte schon innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit zu einer Wallfahrtsstätte. Förderlich war die Lage Wildalpens an einem bereits viel begangenen Pilgerweg aus dem Ennstal nach Mariazell.

Damit entstand hier ein interessanter Zwischen- und eigenständiger Gnadenort an einem Fernwallfahrtsweg: Pilger zogen durch Wildalpen nach Mariazell, gleichzeitig entwickelte sich die Wildalpener Gnadenmutter selbst zum Ziel eigener Wallfahrten.

Von der Kapelle zur Pfarr- und Wallfahrtskirche

Parallel dazu wuchs durch Hammerwerke, Holzarbeit und Eisenverarbeitung die Bevölkerung Wildalpens. Ab 1674 wurde über die Errichtung einer der hl. Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, geweihten Kapelle verhandelt. 1675 gestattete das Salzburger Konsistorium dort die Messfeier; Anfang 1676 wurde der erste Gottesdienst gefeiert.

Der Bau der heutigen großen Kirche begann mit der Grundsteinlegung am 20. August 1728. Am 7. Oktober 1731 wurde das Gotteshaus geweiht. Bei dieser Gelegenheit wurde das Gnadenbild in einer feierlichen Prozession von der älteren Kapelle in die neue Kirche übertragen. Bereits während des Kirchenbaues wurde Wildalpen zur selbständigen Pfarre erhoben.

Darin liegt auch die Erklärung für die scheinbar widersprüchliche Bezeichnung: Kirchenpatronin ist die hl. Barbara – Wallfahrtsziel ist die Schmerzhafte Muttergottes.

Das Gnadenbild "Maria im Thal"

Das historische Gnadenbild ist kein plastisches Vesperbild, sondern ein Gemälde einer Pietà, also Maria mit dem vom Kreuz genommenen Christus. Dieses gemalte Gnadenbild befindet sich heute im Hochaltar, eingefügt in eine reiche spätbarocke Rahmung. Zentrum der Wallfahrt ist das gemalte Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes "Maria im Thal" am Hochaltar.

In derselben Kirche befindet sich außerdem eine Pietà von beziehungsweise nach Josef Thaddäus Stammel. Die offizielle Pfarrbeschreibung nennt sie in der Benediktkapelle; andere kunsthistorische Beschreibungen verorten die Stammel-Pietà am rechten Seitenaltar. Sie ist jedoch nicht mit dem ursprünglichen Wildalpener Gnadenbild von 1669 gleichzusetzen.

Wunder und Gebetserhörungen

Eine Untersuchung zum Wallfahrtswesen der Eisenwurzen zitiert den Wildalpener Kirchenführer von Johann Tomaschek: Der damalige Pfarrer P. Vitalis Böck berichtete 1740, dass allein innerhalb eines Jahres zwölf Gebetserhörungen verzeichnet worden seien.

Die Bittsteller kamen keineswegs nur aus Wildalpen. Genannt werden Eisenerz, Aflenz, Rottenmann und Schladming, aber auch Hollenstein und Göstling jenseits der heutigen steirisch-niederösterreichischen Landesgrenze. Auch die Wildalpener Pfarrgeschichte bestätigt dieses erstaunlich große Einzugsgebiet.

Die Wallfahrt war damit ein typischer Eisenwurzen-Kult, der historische Landesgrenzen überschritt und die obersteirischen Bergbau- und Hammerwerksgebiete mit dem niederösterreichischen Ybbstal verband.

Das Antependium von 1724

Im Heimatmuseum Wildalpen befindet sich ein Antependium aus dem Jahr 1724, das aus der Kapelle "Maria im Thal" stammt. Das etwa 2,5 Meter breite Bild zeigt Wallfahrer, die sich dem Wildalpener Gnadenbild nähern.

Das Antependium ist ein besonders wertvolles Zeugnis der frühen Wildalpener Wallfahrt. Es stammt noch aus der Zeit vor dem Bau der heutigen Kirche und dokumentiert bildlich, dass bereits die ältere Gnadenkapelle von Wallfahrern aufgesucht wurde.

Das Wildalpener Wallfahrtslied

Die Verehrung der "Maria im Thal" brachte sogar ein eigenes Wallfahrtslied hervor.

Bereits 1739 erschien beim Steyrer Drucker Johann Jakob Jahn ein Flugblatt mit dem "Lied von der heiligen Maria im Thal zu Wildalpen". Anton Schlossar nahm das aus 31 Strophen bestehende Lied später in seine Deutschen Volkslieder aus der Steiermark von 1881 auf.

Wallfahrt und Wirtschaftswelt

Auch die Entstehung des Gnadenortes ist volkskundlich bemerkenswert. Auftraggeber des Bildes war kein Geistlicher, sondern ein Werksverweser aus dem Umfeld der Eisenwirtschaft. Wildalpen war damals von Hammerwerken, Holzknechten, Köhlern und der Holzkohlenproduktion für die Eisenverarbeitung geprägt.

Wallfahrt, Arbeitswelt und Bergbaukultur sind deshalb hier besonders eng miteinander verbunden. Die Kirchenpatronin Barbara repräsentiert gewissermaßen die Arbeitswelt der Bergleute und Hüttenleute, während die Schmerzhafte Muttergottes das persönliche Gnaden- und Wallfahrtszentrum bildete.

Kunstgeschichte

Die zwischen 1728 und 1731 errichtete Barockkirche gehört nach der örtlichen Pfarrgeschichte zu den bedeutenden Kirchenbauten des 18. Jahrhunderts in der Region. Charakteristisch ist der weiträumige Saalbau mit zwei gegenüberliegenden Seitenkapellen; Kirche und Pfarrhof bilden eine außergewöhnlich geschlossene bauliche Einheit.

Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung ist der umfangreiche Passionszyklus der Lederwasch-Malerfamilie aus den Jahren 1784/85. Die Gewölbefresken führen vom Ölberg über Geißelung, Dornenkrönung, Ecce Homo und Kreuztragung bis zur Kreuzigung und schaffen damit einen direkten ikonographischen Bezug zum Vesperbild der Schmerzhaften Muttergottes auf dem Hochaltar.

Die gesamte Kirche ist bildlich auf das Leiden Christi ausgerichtet, dessen Endpunkt gewissermaßen das Gnadenbild der Mutter mit ihrem toten Sohn bildet.

Wallfahrt heute

Aus dem Lamingtal beziehungsweise aus dem Raum Tragöß werden weiterhin traditionelle Fußwallfahrten über die Berge nach Wildalpen durchgeführt. Es gibt auch sonst eine lebendige, heute vor allem regionale Marienwallfahrt; organisierte Fußwallfahrten führen weiterhin zur Wildalpener Gnadenmutter.

Literatur und Quellen

- Johann Tomaschek: Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Wildalpen im Salzatal Obersteiermark, Salzburg 1995. Dieses Werk wird auch in einer wissenschaftlichen Untersuchung des Wallfahrtswesens der Eisenwurzen als zentrale Wildalpen-Literatur verwendet.

- Adolf Grabner: Geschichte der Gemeinde Wildalpen, Wildalpen 1960; erweiterte Ausgabe Wildalpen 1986.

- Kurt Woisetschläger / Peter Krenn: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz), Wien 1982, Wildalpen, Pfarrkirche hl. Barbara, S. 617–618.

- Anton Schlossar: Deutsche Volkslieder aus der Steiermark, Innsbruck 1881, Nr. 14: Lied von der heiligen Maria "Maria im Thal zu Wildalpen".

- Josef Hasitschka: "Das Lied von der heiligen Maria im Thal zu Wildalpen", in: Mitteilungen der Korrespondentinnen und Korrespondenten der Historischen Landeskommission für Steiermark 15, Graz 2024, S. 61–66.

- Norbert Allmer: "Einsiedler und Einsiedlerinnen in der Steiermark 1600–1782", dort auch zu Wildalpen und der Eremitin Anna Maria Oswald, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts am Wallfahrtsort lebte.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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