Weißkirchen in Steiermark, Wallfahrtskirche Maria Buch

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Marienwallfahrt, deren Verehrung bis ins Mittelalter zurückreicht; bis heute Ziel von Fuß- und Sternwallfahrten, Wallfahrermessen und Prozessionen.
Status:Lebendige Wallfahrt mit Wallfahrtssaison, 13er-Wallfahrten, Lichterprozessionen und traditionellen Fußwallfahrten.
Kultzentrum:Spätgotische Marienstatue als Gnadenbild der Wallfahrtskirche.
Hauptfest:"Großer Frauentag" am 15. August, dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt.
Besonderheit:Neben dem Gnadenbild gehören Wachsopfer, Türkenkerzen und die Sage von der Pulverkerze zur ausgeprägten Wallfahrtsüberlieferung.
Ort:Maria Buch im oberen Murtal südöstlich von Judenburg, Marktgemeinde Weißkirchen in Steiermark.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Wallfahrtskirche Maria Buch, Maria Buch 1, 8750 Weißkirchen in Steiermark.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Judenburg-St. Nikolaus
Öffnungszeiten: täglich von 8.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.
Kirchenführungen können nach Vereinbarung durchgeführt werden.
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Ausführliche Beschreibung

Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Maria Buch bei Weißkirchen gehört zu den bedeutenden historischen Marienwallfahrtsorten der Obersteiermark. Die Marienverehrung reicht bis ins Mittelalter zurück; im Mittelpunkt der Wallfahrt steht eine spätgotische Marienstatue. Bis heute ist Maria Buch Ziel regelmäßiger Fuß- und Sternwallfahrten, Wallfahrermessen und Prozessionen. Einen Höhepunkt des Wallfahrtsjahres bildet der "Große Frauentag" am 15. August.

Lage

Maria Buch liegt im oberen Murtal südöstlich von Judenburg am Fuß des Liechtensteinberges. Der Kirchweiler gehört heute zur Marktgemeinde Weißkirchen in Steiermark.

Die mächtige spätgotische Wallfahrtskirche ist von einem Friedhof mit Umfassungsmauer umgeben. Ihre Größe und aufwendige Ausstattung zeugen von der einst überregionalen Bedeutung des Wallfahrtsortes.

Geschichte

Der Ortsname Buch ist bereits im frühen Mittelalter belegt. Im Jahr 924 erscheint der Ort als "Puoche". In einem Admonter Güterverzeichnis aus der Zeit zwischen 1074 und 1087 wird bereits eine Kirche zu Buch genannt.

Die Marienverehrung in Maria Buch ist seit dem 12. beziehungsweise 13. Jahrhundert nachweisbar. Damit gehört der Ort zu den ältesten marianischen Kultstätten der Steiermark.

Mit dem Bau der heutigen spätgotischen Kirche wurde um 1455 begonnen. Während eines Einfalls osmanischer Streifscharen im Jahr 1480 wurde das Gotteshaus beschädigt. Der mächtige Kirchturm entstand zwischen 1509 und 1524.

Im Jahr 1753 wurde in Maria Buch ein eigenes Kuratbenefizium errichtet. Bis zur Aufhebung des Jesuitenordens 1773 waren Jesuiten in der Betreuung des Wallfahrtsortes tätig.

Eine umfassende Restaurierung der Kirche erfolgte in den Jahren 1968 bis 1970.

Die Gründungslegende

Mit der Errichtung der spätgotischen Kirche verbindet sich eine Gründungslegende um Kaiserin Eleonore von Portugal, die Gemahlin Kaiser Friedrichs III.

Der Überlieferung zufolge nahm die Kaiserin in der Burgkapelle von Judenburg an einem Gottesdienst teil. Ein ritterlicher Verehrer soll dabei heimlich einen Brief in ihr Gebetbuch gelegt haben. Bei einer späteren Jagd verlor Eleonore dieses Buch.

Da sie befürchtete, der darin befindliche Brief könne gefunden und ihre eheliche Treue dadurch in Zweifel gezogen werden, gelobte sie der Gottesmutter den Bau einer Kirche, wenn das Buch unversehrt wiedergefunden werde.

Schließlich soll ein Jagdhund durch sein Bellen jene Stelle angezeigt haben, an der das Gebetbuch lag. Die Kaiserin habe daraufhin ihr Gelübde erfüllt und den Bau einer Marienkirche veranlasst.

Diese Erzählung ist als Gründungslegende zu verstehen und nicht als historisch gesicherter Bericht. Sie gehörte jedoch spätestens im 19. Jahrhundert fest zur Wallfahrtsüberlieferung von Maria Buch.

Ein um 1880 entstandenes Andachtsbild zeigt ausdrücklich die Ursprungslegende mit Kaiserin Eleonore, den Jägern, dem Jagdhund und dem wiedergefundenen Gebetbuch. Die Legende war damit Bestandteil der gedruckten Wallfahrtsikonographie des Gnadenortes.

Das Gnadenbild

Das Zentrum der Wallfahrt bildet eine spätgotische Marienstatue aus der Zeit um 1480.

Die Gottesmutter ist mit dem Jesuskind dargestellt und steht auf einer Mondsichel. Die Figur befindet sich heute im Zentrum des Hochaltares und wird von einem Baldachin und der reichen barocken Altarausstattung umgeben.

Das Gnadenbild entstand damit ungefähr in jener Zeit, in der auch der spätgotische Kirchenbau seine Gestalt erhielt.

Kunstgeschichte

Maria Buch ist eine großzügige dreischiffige spätgotische Hallenkirche. Das Langhaus wird von achteckigen Pfeilern getragen. Für Teile der Architektur wurde der örtlich vorkommende Maria-Bucher Kalksinter verwendet.

Das Netzrippengewölbe und die hoch aufragenden Pfeiler verleihen dem Innenraum eine geschlossene und monumentale Wirkung.

Der monumentale Hochaltar entstand 1651 und ist ein Werk von Michael Hönel, Sebastian Maß und Adam Niederl. Zwischen reich geschmückten Säulen bildet die ältere spätgotische Marienstatue das kultische Zentrum des Altares.

Zur Ausstattung gehören außerdem der Anna-Altar von 1695 und der 1702 von Franz Camerlander geschaffene Sebastian-Altar.

Die barocke Kanzel aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts trägt einen Engel mit Kreuz von Balthasar Prandtstätter. Auch die Engel im Chor, die Herzen in den Händen halten, werden diesem Künstler zugeschrieben.

Von besonderer Bedeutung ist außerdem ein überlebensgroßer spätgotischer Kruzifixus aus der Zeit um 1500/1510.

Die Orgel wurde 1853 von Friedrich Wagner erbaut. Eine erhaltene Glocke trägt bereits die Jahreszahl 1454 und nennt Hans Mitter als Glockengießer.

Die Wallfahrt

Maria Buch entwickelte sich bereits früh zu einem bedeutenden regionalen Wallfahrtsort.

Aufzeichnungen des Judenburger Dechants Joseph Moog aus dem Jahr 1767 berichten von zahlreichen Prozessionen und Wallfahrten aus den umliegenden Orten. Manche Gemeinden kamen mehrmals im Jahr nach Maria Buch.

Besondere Bedeutung besaß der 15. August, das Hochfest Mariä Himmelfahrt. Dieser Tag entwickelte sich zum zentralen Wallfahrtstag des Gnadenortes und wird bis heute als "Großer Frauentag" begangen.

Wallfahrt bedeutete dabei nicht allein Teilnahme an der Messe und Verehrung des Gnadenbildes. Prozessionen, Fußmärsche, Votivgaben, Kerzenopfer und später auch Jahrmarkt und Wallfahrtsandenken gehörten zum religiösen und gesellschaftlichen Umfeld des Gnadenortes.

Wachsopfer und Votivbrauch

Wachs spielte in Maria Buch eine besondere Rolle.

Bereits seit 1523 ist für Wallfahrer aus Judenburg eine mit Wachs umwickelte Stange als Opfergabe überliefert. Damit lässt sich das Wachsopfer in Maria Buch über Jahrhunderte zurückverfolgen.

Wachs war als Votivmaterial besonders verbreitet, da es einerseits für die Herstellung von Altarkerzen benötigt wurde, andererseits aber auch als symbolisches Opfer dargebracht werden konnte.

Diese Tradition bildet den Hintergrund für eines der auffälligsten volkskundlichen Zeugnisse der Wallfahrtskirche: die sogenannten Türkenkerzen.

Die Türkenkerzen

Rechts und links des Hochaltares stehen insgesamt sechs große Votivkerzen, die als "Türkenkerzen" bezeichnet werden.

Mit ihnen verbindet sich eine Sage, die den tatsächlichen osmanischen Einfall von 1480 mit einer wunderbaren Rettung der Wallfahrtskirche verknüpft.

Der Überlieferung zufolge hätten osmanische Angreifer versucht, die Kirche durch eine als Opfergabe getarnte Kerze zu zerstören. Im Inneren der Kerze sei Schießpulver verborgen gewesen. Die List sei jedoch rechtzeitig entdeckt worden, sodass die Kirche vor der Vernichtung bewahrt werden konnte.

Historisch lässt sich diese Geschichte nicht belegen.

Der osmanische Überfall auf Maria Buch im Jahr 1480 ist zwar tatsächlich nachweisbar, die heute vorhandenen Türkenkerzen entstanden jedoch erst rund zweihundert Jahre später.

Kirchenrechnungen belegen, dass die Kerzen im Jahr 1682 angefertigt wurden. Sie wurden in Kapfenberg gegossen und anschließend von einem Maler aus Bruck an der Mur mit Mariendarstellungen und Rosengirlanden verziert. Jede dieser Kerzen wog ungefähr neun Kilogramm.

Ihr Entstehungsjahr ist bemerkenswert: 1682 standen neuerliche kriegerische Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich unmittelbar bevor. Im folgenden Jahr kam es zur zweiten Belagerung Wiens.

Die Kerzen waren daher ursprünglich wohl Votiv- und Fürbittgaben in einer aktuellen Bedrohungssituation. Erst später wurde ihre Entstehung mit dem viel älteren Überfall von 1480 verbunden.

Die Sage von der Pulverkerze

Die Erzählung von einer mit Schießpulver gefüllten Opferkerze ist kein ausschließlich in Maria Buch vorkommendes Motiv.

Der Wiener Volkskundler Leopold Schmidt untersuchte diese Überlieferung bereits 1950 und konnte verwandte Erzählungen an mehreren innerösterreichischen Wallfahrtsorten nachweisen. Das Motiv begegnet unter anderem bei St. Benedikten bei Knittelfeld, Maria Rast bei Maribor sowie an weiteren Orten in Kärnten und im Lungau.

Schmidt ordnete die Erzählung daher als Wanderlegende ein.

Volkskundlich lässt sich in Maria Buch besonders anschaulich beobachten, wie sich ein historisches Ereignis, vorhandene Votivgegenstände und eine wandernde Sage miteinander verbinden konnten.

Der osmanische Überfall von 1480 war historisch real. Die großen Kerzen entstanden jedoch 1682 in einer neuen Phase der Türkenangst. Die Geschichte von der mit Pulver gefüllten Kerze verband später beide Ereignisse zu einer einzigen dramatischen Ursprungserzählung.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Buch gehört zu den volkskundlich besonders ergiebigen Wallfahrtsorten der Steiermark.

Mehrere religiöse und erzählerische Schichten überlagern sich hier:

Eine mittelalterliche Marienverehrung und ein spätgotisches Gnadenbild bilden den kultischen Mittelpunkt. Hinzu kommen eine Gründungslegende um Kaiserin Eleonore, historische Fußwallfahrten, Wachsopfer und monumentale Votivkerzen.

Die Türkenkerzen zeigen beispielhaft, wie sich historische Erinnerung und Sage verändern können. Ein reales Ereignis des Jahres 1480, Votivgaben aus dem Jahr 1682 und eine später hinzugekommene Wanderlegende wurden im kollektiven Gedächtnis miteinander verschmolzen.

Auch die Geschichte vom verlorenen Gebetbuch der Kaiserin zeigt typische Elemente einer Wallfahrtsgründungslegende: Gefahr, Gelübde, wunderbare Wiederauffindung und Stiftung eines Heiligtums.

Dass diese Legende im 19. Jahrhundert auf gedruckten Andachtsbildern verbreitet wurde, zeigt zugleich, dass Erzählungen über die Entstehung eines Wallfahrtsortes Bestandteil der religiösen Selbstdarstellung und der Wallfahrtspropaganda waren.

Von besonderer Bedeutung ist schließlich die Kontinuität der Wallfahrt. Maria Buch ist keine lediglich historisch erinnerte Gnadenstätte, sondern bis heute Ziel organisierter Wallfahrten.

Wallfahrt heute

Die Wallfahrt nach Maria Buch ist bis heute lebendig.

Während der Wallfahrtssaison finden jeweils am 13. des Monats Rosenkranz und Wallfahrermesse statt. Von Mai bis Oktober wird anschließend eine Lichterprozession abgehalten.

Die Pilgersaison wird mit einer Sternwallfahrt eröffnet. Fußwallfahrer kommen dabei aus verschiedenen Orten des Murtales nach Maria Buch.

Auch die traditionelle Fußwallfahrt am 1. Mai wird weiterhin durchgeführt. Pilgergruppen aus mehreren Pfarren treffen dabei in der Wallfahrtskirche zusammen.

Den Höhepunkt des Wallfahrtsjahres bildet der "Große Frauentag" am 15. August, dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt. An diesem Tag kommen zahlreiche Wallfahrer nach Maria Buch. Mehrere Gottesdienste werden gefeiert, gleichzeitig findet der traditionelle Jahrmarkt mit Verkaufsständen statt.

Damit hat sich in Maria Buch die alte Verbindung von Wallfahrt, kirchlichem Fest und Jahrmarkt bis in die Gegenwart erhalten.

Die Kirche wird außerdem regelmäßig für Gottesdienste genutzt.

Literatur und Quellen

- Johann Andritsch: Maria Buch. Kirchen- und Ortsgeschichte. Judenburg 1992.

- Karl Pötscher: Wallfahrtskirche Maria Buch. Kirchenführer, herausgegeben vom Kuratbenefizium Maria Buch, Judenburg, o. J.

- Leopold Schmidt: "Die Legende von der mit Pulver gefüllten Kerze. Zu einem Türkenmotiv der innerösterreichischen Wallfahrten." In: Blätter für Heimatkunde, 24. Jahrgang, Heft 3, Graz 1950, S. 75–80.

- Franz Brauner: "Die Türkenkerzen von Mariabuch." In: Was die Heimat erzählt. Steirische Heimathefte. Judenburg und Umgebung – Knittelfeld und Umgebung, Heft 5, 1950, S. 43–44.

- Gustav Gugitz: "Das Türkenmotiv in den Gnadenstätten der Ostmark." In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, 1944/45.

- Viktor Jabornik: 94 Sagen aus den Bezirken Judenburg, Knittelfeld, Obdach und Oberzeiring. Judenburg 1931.

- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Steiermark (ohne Graz). Wien 1982, S. 275–277, Abschnitt Maria Buch, Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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