| Wallfahrt: | Seit Jahrhunderten bestehender Marienwallfahrtsort mit älterem bäuerlichem Kultprofil; historische Anliegen waren insbesondere agrarische Belange und die Abwehr von Tierkrankheiten. |
| Status: | Lebendige Pfarr- und Wallfahrtskirche; neben den gewöhnlichen Gottesdiensten finden regelmäßig Monatswallfahrten mit Prozession statt. |
| Kultzentrum: | Etwa 40 Zentimeter hohe spätmittelalterliche Pietà aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. |
| Hauptfest: | Patrozinium Maria zu den Sieben Schmerzen am 15. September; zusätzlich Monatswallfahrten am 13. |
| Besonderheit: | Ursprungslegende um ein Reh, drei Bergbauern und die wiederholte wunderbare Rückkehr der Pietà an den heutigen Kirchenstandort. |
| Ort: | Frauenberg, Sankt Marein im Mürztal. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Frauenberg 5, 8641 Sankt Marein im Mürztal. Die Kirche liegt in rund 940 Metern Seehöhe auf dem Frauenberg oberhalb des Mürztales und ist über eine Straße erreichbar. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Web: Pfarre Maria Rehkogel |
| • | Öffnungszeiten: täglich frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Pilgermadonna: In der Kirchenmitte befindet sich die Madonna auf der Säule, auch Pilgermadonna genannt, entstanden um 1662 und 1773 neu aufgestellt.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
In eindrucksvoller Höhenlage auf einem Bergrücken der Fischbacher Alpen, südöstlich von Kapfenberg und hoch über dem Mürztal, steht im Ort Frauenberg die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Rehkogel, deren Patrozinium den Sieben Schmerzen Mariens gilt. Mittelpunkt des seit Jahrhunderten bestehenden Gnadenortes ist eine nur etwa 40 Zentimeter hohe spätmittelalterliche Pietà aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, deren Auffindung mehrere Wallfahrtslegenden mit einem Reh und drei Bauern verbinden. Die ältere Wallfahrt besaß nach Gustav Gugitz einen ausgesprochen bäuerlichen Charakter und wurde insbesondere in agrarischen Anliegen sowie zur Abwehr von Tierkrankheiten aufgesucht, während der Ort bis heute als lebendige Wallfahrtsstätte fortbesteht und durch regelmäßige Marienwallfahrten eine zusätzliche jüngere Kultschicht erhalten hat.
Die Bezeichnung "Rehkogel" ist untrennbar mit der Ursprungslegende verbunden, die zugleich in der bildlichen Ausstattung des Hochaltares weiterlebt: Unterhalb der Pietà befinden sich ein Reh und jene drei Bauern, deren Begegnung mit dem Gnadenbild die Überlieferung an den heutigen Standort der Kirche bindet.
Die ältere Überlieferung kennt unterschiedliche Fassungen der Entstehungslegende, deren gemeinsames Motiv das wunderbare Auffinden eines Vesperbildes in Verbindung mit einem Reh bildet. Nach einer Version soll ein gejagtes und erschöpftes Reh in der Nähe eines Baumes Schutz gesucht haben; in dessen Höhlung sei anschließend das Vesperbild entdeckt worden. Gustav Gugitz überliefert diese Fassung in knapper Form und verbindet damit die Vorstellung eines Fundortes, der zunächst durch ein Kruzifix bezeichnet und im Jahr 1354 durch eine Kapelle ausgezeichnet worden sein soll.
Eine ausführlichere, bis heute von der Pfarre erzählte Variante nennt drei Bergbauern, Gruber, Schwamberger und Trummer, die auf der Anhöhe regelmäßig zum Gebet zusammengekommen seien und dort wenigstens ein Andachtskreuz errichten wollten. Einer der Bauern habe eines Tages an ihrem Gebetsplatz einen friedlich grasenden Rehbock entdeckt und unmittelbar daneben eine Pietà im Gras gefunden. Die drei Männer betrachteten dies als Zeichen und beschlossen, an dieser Stelle eine Kirche zu errichten.
Der zuständige Pfarrer von St. Lorenzen im Mürztal hielt den abgelegenen Bergplatz jedoch für ungeeignet und ließ das Marienbild in den stärker besiedelten Talbereich der Graschnitz übertragen. Der Legende zufolge kehrte die Pietà jedoch immer wieder auf den Berg zurück, wobei man dort auch das Reh erneut antraf; neunmal soll sich dieser Vorgang wiederholt haben, bis die Rückkehr des Bildes schließlich als unmissverständlicher göttlicher Standortwille anerkannt und die Kirche am heutigen Platz errichtet wurde.
Diese Erzählung gehört zu einem im Wallfahrtswesen weit verbreiteten Legendentypus, bei dem ein Gnadenbild den von Menschen gewählten Aufstellungsort verweigert und auf wunderbare Weise an seinen Fundplatz zurückkehrt. Der wiederholte Ortswechsel legitimiert dadurch nicht nur die Verehrung des Bildes, sondern erklärt zugleich, weshalb ein aus praktischer Sicht ungünstiger oder abgelegener Standort dennoch als unverrückbar und heilig angesehen wurde.
Bemerkenswert ist die zentrale Rolle des Rehes, das nicht lediglich zufälliges Beiwerk der Legende bleibt, sondern dem Wallfahrtsort seinen Namen gegeben und sogar Eingang in die bildliche Darstellung des Kultes gefunden hat. Der Name Rehkogel erscheint urkundlich erstmals 1488/89, während die Legende das Tier wesentlich weiter in die Vergangenheit zurückführt.
In der einen Erzählung führt das flüchtende oder erschöpfte Reh die Menschen gleichsam zum verborgenen Gnadenbild, in der anderen steht es friedlich neben der aufgefundenen Pietà und erscheint auch bei deren wunderbarer Rückkehr wieder am ursprünglichen Ort. Das Tier wird damit zum Zeichen, durch das die sakrale Bedeutung des Platzes erkannt werden kann.
Eine vorchristliche oder mythologische Deutung des Rehmotivs wäre ohne weitere Quellen allerdings nicht gerechtfertigt. Für die Wallfahrtsüberlieferung genügt die Funktion des Tieres als wunderbares Hinweiszeichen, das den Fund des Gnadenbildes und den gewünschten Standort der Kirche bestätigt.
Nach der Tradition wurde bereits 1354 am Fundort eine Kapelle errichtet; Gustav Gugitz erwähnt darüber hinaus, dass diese Kapelle noch 1376 genannt worden sei. Auch die heutige Pfarrgeschichte führt die erste Kapelle auf die Zeit um 1354 zurück, formuliert dabei jedoch vorsichtig, dass hier eine solche Kapelle errichtet worden sein "soll".
Die an der nordwestlichen Langhauswand angebrachte Jahreszahl 1354 wird mit der Lage dieser älteren Kapelle in Verbindung gebracht. Damit dürfte der heutige Kirchenbau einen wesentlich älteren Andachtsplatz überlagern beziehungsweise in sich aufgenommen haben.
Die sichere schriftliche Geschichte des Namens setzt später ein. 1434 ist Admonter Besitz im Bereich des heutigen Pfarrhauses nachweisbar, während die Bezeichnung Rehkogel selbst 1488/89 urkundlich erscheint.
Die kleine mittelalterliche Kapelle wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts durch einen wesentlich größeren spätgotischen Kirchenbau ersetzt. Zwischen 1489 und 1496 entstand das heutige gotische Langhaus; nach Gustav Gugitz wurde der Bau durch die Unterstützung einer Bäckerzunft ermöglicht.
Der Rat der Stadt Bruck an der Mur verpflichtete für die Planung einen Steinmetzen aus Braunau am Inn, wodurch sich auch die deutliche salzburgisch-bayerische Prägung des spätgotischen Baues erklärt. Besonders charakteristisch ist das reich entwickelte Rippengewölbe des Langhauses mit seinen achtseitigen Rautensternen, eine Gewölbefiguration, die auch in der Stadtpfarrkirche von Braunau begegnet.
Der spätgotische Kern wurde während der folgenden Jahrhunderte wiederholt erweitert und dem wachsenden Wallfahrtsbetrieb angepasst. Zwischen 1682 und 1688 entstand die Musikempore mit den anschließenden Kapellenemporen, deren reich geschnitzte Brüstungen mit Akanthuswerk bereits in die barocke Ausstattungsepoche weisen. 1769 wurde der ältere Chor geöffnet und durch einen wesentlich großzügigeren spätbarocken Chorbau erweitert, wodurch die Kirche ihre heutige räumliche Gestalt erhielt.
Für die Geschichte der Seelsorge bestehen in den Quellen unterschiedliche Angaben. Gustav Gugitz berichtet, dass die Wallfahrtskirche von 1598 bis 1733 durch Jesuiten in Millstatt versehen worden sei. Die heutige Pfarrgeschichte setzt den maßgeblichen Einfluss der Jesuiten dagegen bereits 1577 an und bezeichnet ausdrücklich die Grazer Jesuiten als Träger der Seelsorge.
Unabhängig von dieser noch näher zu klärenden chronologischen beziehungsweise institutionellen Differenz ist der Einfluss des Jesuitenordens auf die spätere Ausstattung der Kirche deutlich erkennbar. Nach der heutigen Pfarrgeschichte fällt die besonders reiche künstlerische Ausgestaltung zwischen 1769 und 1779 in diese Tradition; wesentlich gefördert wurde sie durch Wolf Jakob von Fraydenegg-Monzello vom nahe gelegenen Schloss Nechelheim.
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens blieb Maria Rehkogel zunächst Filialkirche von St. Lorenzen im Mürztal, wurde 1801 zum Vikariat und schließlich 1892 zum Sitz einer selbständigen Pfarre erhoben.
Das eigentliche Kultzentrum der Wallfahrt ist die spätgotische beziehungsweise noch dem 14. Jahrhundert angehörende Pietà, ein etwa 40 Zentimeter hohes, aus Holz geschnitztes Vesperbild. Maria hält den Leichnam Christi auf ihren Knien, wobei der waagrecht gelagerte Körper des Sohnes von der Gottesmutter gestützt wird und ihr von Schmerz gezeichnetes Antlitz dem toten Christus zugeneigt ist.
Nach Gustav Gugitz wurde das Gnadenbild am 7. Mai 1662 auf den Hochaltar übertragen. Heute nimmt die Pietà im monumentalen spätbarocken Hochaltar den Platz ein, der bei einem gewöhnlichen Altar einem gemalten Altarblatt zukäme.
Unterhalb der Gnadenstatue erscheinen das Reh und die drei Bauern und verbinden dadurch die eigentliche mittelalterliche Pietà unmittelbar mit der Gründungslegende des Wallfahrtsortes. Kultbild und Legende sind damit nicht nur erzählerisch, sondern auch bildlich zu einer Einheit verbunden.
Der heutige Hochaltar wurde 1773 unter maßgeblicher Beteiligung des bedeutenden Grazer Bildhauers Veit Königer geschaffen, unterstützt vom Kunsttischler Johann Kerner und dem Vergolder Franz Xaver Karcher. Die spätgotische Pietà bildet dabei den zentralen Blickpunkt des gesamten Altaraufbaues, während eine Gottvatergruppe im Auszug und die barocke Architektur den älteren Kultgegenstand in eine monumentale Inszenierung einbinden.
Bemerkenswert sind die seitlich aufgestellten Figuren der bedeutenden Jesuitenheiligen Ignatius von Loyola und Franz Xaver, die zugleich an jene Ordensgemeinschaft erinnern, welche die Geschichte und Ausstattung des Wallfahrtsortes über längere Zeit wesentlich mitbestimmte.
Die barocke Umgestaltung beseitigte das alte Gnadenbild somit nicht, sondern rückte es noch stärker in das Zentrum des Kirchenraumes. Gerade diese Integration mittelalterlicher Kultobjekte in repräsentative Barockaltäre ist für viele alte Wallfahrtsorte charakteristisch: Der Kultgegenstand blieb unverändert, während seine architektonische und theologische Inszenierung den Vorstellungen einer späteren Epoche angepasst wurde.
Gustav Gugitz nennt als hauptsächliche Anliegen der historischen Wallfahrt agrarische Belange und die Abwehr von Tierkrankheiten.
Damit zeigt Maria Rehkogel ein deutlich bäuerliches Kultprofil, das sich bereits mit der Gründungslegende verbindet. Drei Bergbauern stehen am Beginn der Überlieferung, ein wildes Tier führt zum Gnadenbild, und später wenden sich bäuerliche Wallfahrer mit ihren Sorgen um Vieh und wirtschaftliche Existenz an die Schmerzhafte Muttergottes.
Gerade Krankheiten des Viehs konnten für einen bäuerlichen Haushalt schwerwiegende Folgen besitzen, weil Rinder, Pferde und andere Nutztiere nicht lediglich Besitz, sondern Arbeitskraft, Nahrungsgrundlage und wesentlicher Bestandteil der wirtschaftlichen Existenz waren. Die Bitte um Schutz der Tiere gehört deshalb zu den zentralen Themen ländlicher Wallfahrtsfrömmigkeit.
Die Verehrung der Pietà erweitert diesen agrarischen Zusammenhang zugleich um ein allgemeineres religiöses Motiv. Die Schmerzhafte Muttergottes, die den toten Sohn auf ihrem Schoß hält, wurde zur Fürsprecherin in Krankheit, Verlust, Trauer und existenzieller Not, sodass sich die Wallfahrt keineswegs auf Viehkrankheiten allein beschränkt haben muss.
Zum Wallfahrtsort gehören bis heute Votivbilder, die von persönlichen Anliegen und als erhört verstandenen Bitten der Wallfahrer Zeugnis ablegen. Solche Votive sind für die Geschichte eines Gnadenortes besonders aufschlussreich, weil sie neben der in Büchern überlieferten Wallfahrtslegende die konkreten Sorgen der Menschen sichtbar machen.
Während Gugitz das ältere Wallfahrtsprofil zusammenfassend mit agrarischen Anliegen und Tierkrankheiten beschreibt, kann der erhaltene Votivbestand wesentlich differenzierter zeigen, aus welchen Lebenssituationen heraus Maria Rehkogel tatsächlich aufgesucht wurde. Krankheit, Unfall, familiäre Not und bäuerliche Existenzsorgen konnten nebeneinanderstehen und verweisen auf die große Bandbreite religiöser Hilfserwartung.
Die Votivbilder sind daher nicht bloß dekorative Ausstattung, sondern materielle Quellen zur Sozial- und Frömmigkeitsgeschichte des Wallfahrtsortes.
Auch die Verbreitung des Rehkogler Kultes durch gedruckte Andachtsbilder lässt sich nachweisen. Aus dem 19. Jahrhundert hat sich ein koloriertes Andachtsbild erhalten, das die Pietà zusammen mit dem Reh und dem mit der Fundlegende verbundenen Baum zeigt und damit die wesentlichen Elemente der örtlichen Wallfahrt in einem kleinen, transportablen Bild zusammenfasst.
Solche Andachtsbilder waren ein wichtiger Bestandteil der Wallfahrtskultur. Sie konnten nach dem Besuch des Gnadenortes mit nach Hause genommen, in Gebetbüchern aufbewahrt oder im Wohnbereich angebracht werden und machten das Gnadenbild damit auch außerhalb der Kirche gegenwärtig.
Für Maria Rehkogel ist diese Form der Devotionalienkultur besonders interessant, weil nicht lediglich eine allgemeine Darstellung der Schmerzensmutter verbreitet wurde, sondern das örtlich charakteristische Ensemble aus Pietà, Reh und Fundlegende. Das Wallfahrtsandenken transportierte damit zugleich das Bild des Gnadenortes und seine Geschichte.
Die weithin sichtbare Höhenlage des Heiligtums gehört wesentlich zu seinem Erscheinungsbild. Der Weg auf den Frauenberg führte die Wallfahrer aus dem besiedelten Mürztal hinauf zu einem abgelegenen Gnadenort, dessen exponierte Lage bereits in der Gründungslegende thematisiert wird: Gerade weil der zuständige Pfarrer den Platz für zu entlegen hielt, sollte das Bild nach der Überlieferung ins Tal gebracht werden, kehrte jedoch immer wieder auf den Berg zurück.
Die Abgeschiedenheit erscheint damit nicht als zufälliger Nachteil, sondern wird durch die Legende selbst religiös legitimiert. Der schwieriger erreichbare Bergplatz ist gerade jener Ort, den das Gnadenbild nach dem Verständnis der Überlieferung selbst gewählt hat.
Auch die historische Erwähnung eines Wirtes "am Rechkhogl" im 16. Jahrhundert verdient unter dem Gesichtspunkt der Wallfahrtsinfrastruktur Beachtung. Ob und in welchem Ausmaß das dortige Wirtshaus unmittelbar vom Pilgerverkehr lebte, lässt sich aus der bloßen Nennung nicht ableiten; grundsätzlich gehörten Einkehr, Versorgung und Unterkunft jedoch zu den notwendigen Begleiterscheinungen größerer Wallfahrtsorte.
Die historische Wallfahrt zur Pietà hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts um eine weitere marianische Kultform erweitert. Maria Rehkogel gehört heute zu den steirischen Wallfahrtsorten, an denen am 13. des Monats sogenannte Fatima- beziehungsweise Monatswallfahrten mit Rosenkranz und Prozession stattfinden.
Diese Form darf nicht einfach mit der mittelalterlichen beziehungsweise frühneuzeitlichen Rehkogelwallfahrt gleichgesetzt werden. Sie stellt vielmehr eine jüngere Kultschicht dar, die sich über den älteren Gnadenort gelegt hat, ohne dessen Pietàverehrung zu verdrängen.
Die in der Steiermark verbreiteten "13.-Wallfahrten" erhielten seit den 1970er-Jahren starken Auftrieb und verbanden eine Reihe bereits bestehender Marienwallfahrtsorte zu einer neuen Form regelmäßiger Monatswallfahrt. Maria Rehkogel zeigt dadurch besonders anschaulich, wie ein alter Gnadenort neue Frömmigkeitsformen aufnehmen und dennoch sein historisches Kultzentrum bewahren kann.
Maria Rehkogel ist eine lebendige Wallfahrt und zugleich eine reguläre Pfarrkirche. Das Patrozinium gilt Maria zu den Sieben Schmerzen, deren Fest am 15. September begangen wird; die mittelalterliche Pietà steht weiterhin im Zentrum des Hochaltares und damit auch im Mittelpunkt der religiösen Identität des Ortes.
Neben den gewöhnlichen Gottesdiensten finden regelmäßig Monatswallfahrten mit Prozession statt, sodass Maria Rehkogel nicht lediglich die Erinnerung an einen früheren Pilgerort bewahrt, sondern weiterhin tatsächlich als Wallfahrtskirche genutzt wird.
Dabei hat sich das Kultprofil im Laufe der Jahrhunderte erkennbar verändert. Die ältere bäuerliche Wallfahrt mit ihren agrarischen Anliegen und der Bitte um Schutz vor Tierkrankheiten gehört einer anderen Lebenswelt an als die heutige Fatimafrömmigkeit; beide Schichten sind jedoch Teile derselben langen Geschichte des Gnadenortes.
Maria Rehkogel gehört zu jenen Wallfahrtsorten, deren Entwicklung sich besonders anschaulich aus dem Zusammenwirken von Legende, Kultbild, Landschaft, bäuerlicher Lebenswelt und materieller Frömmigkeit erschließen lässt. Eine mittelalterliche Pietà bildet das dauerhafte Zentrum, während das Reh und die drei Bauern eine lokal unverwechselbare Ursprungserzählung schaffen, durch welche das Gnadenbild zugleich seinen Namen und seinen Standort erhält.
Die neunfache Rückkehr der Pietà gehört zum verbreiteten Motiv des standortwählenden Gnadenbildes, während das Reh als übernatürliches Hinweiszeichen den heiligen Ort sichtbar macht. Die späteren agrarischen Wallfahrtsmotive führen diese bäuerliche Grundierung weiter, und Votivbilder dokumentieren die konkreten Sorgen jener Menschen, die in Notlagen Hilfe suchten.
Gedruckte Andachtsbilder trugen das Bild der Rehkogler Gnadenmutter aus der Kirche hinaus und machten aus dem lokalen Kult ein transportables religiöses Zeichen, während die heutigen Monatswallfahrten zeigen, dass der Ort neue marianische Frömmigkeitsformen aufnehmen konnte.
Gerade diese Überlagerung verschiedener Zeiten macht Maria Rehkogel volkskundlich besonders interessant: Der mittelalterliche Pietäkult, die frühneuzeitliche bäuerliche Wallfahrt, barocke Jesuitenfrömmigkeit, Votivwesen und Devotionalienkultur sowie die moderne Fatimawallfahrt bestehen nicht als voneinander getrennte Episoden, sondern bilden gemeinsam die religiöse Biographie eines bis heute lebendigen Gnadenortes.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Wien 1956.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark.
- Pfarre Frauenberg-Rehkogel: Geschichte und Ausstattung der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Rehkogel.
- Diözese Graz-Seckau: Pfarre Frauenberg-Rehkogel.
- Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien: Andachtsbild "St. Maria Rehkugel im Märtztal, in Steyermark", 19. Jahrhundert, Sammlung Gustav Gugitz.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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