Ardning-Frauenberg, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Opferung – Frauenberg an der Enns

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Wallfahrt:Jahrhundertealte Marienwallfahrt des Benediktinerstiftes Admont mit historisch weit über das obere Ennstal hinausreichendem Einzugsgebiet.
Status:Lebendige Wallfahrt mit traditionellen Fuß- und Gelöbniswallfahrten sowie einer jüngeren Monatswallfahrt um geistliche Berufungen.
Kultzentrum:Marianischer Gnadenort mit dem Gnadenbild im Hochaltar und der um 1410 datierten sogenannten Pilgermadonna hinter dem Hochaltar.
Hauptfest:Wallfahrtsjahr vom Gnadensonntag, dem zweiten Sonntag nach Ostern, bis zum Patrozinium Mariä Opferung am 21. November.
Besonderheit:Ursprungslegende vom durch die Enns herangetragenen und standortwählenden Marienbild; daneben reiche Heilungs-, Votiv- und Pilgerüberlieferung.
Ort:Frauenberg an der Enns bei Ardning, auf dem Kulm westlich des Stiftes Admont.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Frauenberg 1, 8904 Ardning.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View (Abzweigung Straße)
Web: Pfarre Frauenberg an der Enns
Öffnungszeiten:
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Ausführliche Beschreibung

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Außenansicht:

 Ardning, Frauenberg, Wallfahrtskirche Frauenberg an der Enns

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Innenraum:

 Ardning, Frauenberg, Wallfahrtskirche Frauenberg an der Enns

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Gnadenbild:

Gnadenbild, Ardning, Frauenberg, Wallfahrtskirche Frauenberg an der Enns

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Votivgaben aus Wachs - Schutzmantelmadonna:

Schutzmatelmadonna, Votivgaben, Ardning, Frauenberg, Wallfahrtskirche Frauenberg an der Enns

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Ausführliche Beschreibung

Auf dem rund 130 Meter über dem Talboden aufragenden Kulm, weithin sichtbar über dem Ennstal und nur wenige Kilometer westlich des Benediktinerstiftes Admont, erhebt sich die Pfarr- und Wallfahrtskirche Frauenberg an der Enns, deren Geschichte seit dem frühen 15. Jahrhundert eng mit dem Admonter Kloster, einer jahrhundertealten Marienwallfahrt und einem außergewöhnlich reichen Bestand religiöser Überlieferungen verbunden ist. Der Wallfahrtsort erreichte während des 18. Jahrhunderts eine Blüte, in der nach den Angaben des Stiftes Admont bis zu 60.000 Pilger jährlich gezählt wurden; eine große Pilgerherberge, der umfangreiche Pfarrhof, mehrere verehrte Marienbilder, Votivbräuche und bis heute bestehende Wallfahrten lassen noch erkennen, welche Bedeutung Frauenberg weit über das obere Ennstal hinaus besaß.

Die Wallfahrt ist nicht erloschen. Frauenberg wird von der Diözese Graz-Seckau weiterhin ausdrücklich als beliebte und weithin bekannte Wallfahrtskirche bezeichnet, Pilgergruppen können eigene Wallfahrtsgottesdienste und Beichtgelegenheiten vereinbaren, und am ersten Donnerstag jedes Monats findet eine Wallfahrt um geistliche Berufungen mit Lichterprozession statt. Daneben bestehen ältere regionale und überregionale Pilgertraditionen fort, von denen einzelne, wie die gelobte Wallfahrt aus Windischgarsten, noch in der Gegenwart nachweisbar sind.

Die Ursprungslegende

Die geschichtlichen Anfänge der Marienwallfahrt liegen, wie das Stift Admont selbst ausdrücklich festhält, weitgehend im Dunkeln; die heute bekannte Ursprungserzählung wurde erst im 17. Jahrhundert schriftlich festgehalten und darf daher nicht als unmittelbarer Bericht über die Ereignisse des frühen 15. Jahrhunderts verstanden werden. Nach dieser Überlieferung führte die Enns im Frühjahr 1404 Hochwasser und trug eine geschnitzte hölzerne Marienstatue mit sich, die sich im Gestrüpp am Fuß des Kulm verfing, wo in der folgenden Nacht eine auffällige Lichterscheinung ihre Anwesenheit verraten haben soll.

Nachdem Abt und Konvent von Admont das aufgefundene Marienbild in die Stiftskirche gebracht hatten, sei es am folgenden Tag verschwunden und neuerlich am Fuß des Kulm aufgefunden worden; dieser Vorgang habe sich noch zweimal wiederholt, bis man die beharrliche Rückkehr der Statue als göttlichen Hinweis auf den von Maria selbst erwählten Standort verstand und Abt Hartnid Gleusser zunächst eine hölzerne Kapelle auf dem Berg errichten ließ. Die Erzählung verbindet damit mehrere klassische Motive des Wallfahrtswesens: das durch eine Naturerscheinung aufgefundene Kultbild, das Lichtwunder und schließlich das standortwählende Gnadenbild, das sich menschlicher Verfügung entzieht und durch seine wunderbare Rückkehr selbst bestimmt, wo sein Heiligtum entstehen soll.

Die Enns als Trägerin des Gnadenbildes

Besonders bemerkenswert ist, dass die Enns in dieser Überlieferung nicht lediglich die landschaftliche Kulisse bildet, sondern selbst zum Handlungsträger der Legende wird. Das Hochwasser bringt die Marienstatue an den Fuß des Kulm, die nächtliche Lichterscheinung macht sie sichtbar, und ihre wiederholte Rückkehr legt schließlich den Standort des Heiligtums fest, wodurch Fluss, Berg und Kultbild in eine gemeinsame sakrale Ortsgeschichte eingebunden werden.

Gerade diese Verbindung zeigt exemplarisch, wie Naturraum innerhalb einer Wallfahrtslegende religiös gedeutet werden konnte: Ein gewöhnliches Hochwasser wird im Rückblick zum Transportmittel des Gnadenbildes, ein unscheinbarer Fundplatz erhält durch das Lichtwunder eine besondere Qualität, und der zunächst unpraktisch erscheinende Berg wird durch den wiederholten Standortwillen Mariens zum unverrückbaren Mittelpunkt des Kultes.

Die erste Kirche

Ältere Darstellungen nennen bereits 1403 die Gründung einer Kapelle, während die Ursprungssage das entscheidende Ereignis in das Jahr 1404 verlegt. Historisch sicherer wird der Ort am 9. Juni 1410 fassbar, als im Zusammenhang mit der Grundsteinlegung des gotischen Neubaues die Kirche auf dem Kulm erstmals urkundlich erwähnt wird. 1420 begegnet erstmals die Bezeichnung "Unser Frawnperg", 1423 gründete Abt Georg Lueger eine Fronleichnamsbruderschaft, und im selben Jahr war der Chor vollendet und geweiht; eine weitere Weihe erfolgte 1447 durch den Lavantiner Bischof Theobald Schweinpeck, wobei das Patrozinium Mariä Opferung festgelegt wurde.

Der Wallfahrtsort war damit bereits während des 15. Jahrhunderts institutionell gefestigt. Das Stift Admont berichtet von einem bald einsetzenden Zustrom von Pilgern und von Wundergeschehen, während die Pfarre selbst spätestens im frühen 16. Jahrhundert urkundlich nachweisbar ist und seither kontinuierlich von Benediktinern des Stiftes Admont betreut wird.

Reformation und barocke Wiederbelebung

Während der Reformationszeit verlor die Wallfahrt erheblich an Bedeutung und soll zeitweise weitgehend verödet gewesen sein; im Zuge der Gegenreformation wurde der Frauenberg jedoch erneut zu einem bedeutenden Marienheiligtum, wobei die Wiederbelebung des Kultes von umfangreichen Baumaßnahmen begleitet wurde. 1648 entstand durch Christoph Paumgartner ein neuer Hochaltar, dessen Gehäuse im heutigen Hochaltar weiterverwendet wurde, nach 1682 erfolgten eine barocke Erweiterung des Langhauses, eine erhebliche Vergrößerung des Pfarrhofes und der Ausbau der gesamten Anlage unter den Admonter Äbten Urban Weber und Adalbert Heuffler von Rasen und Hohenbühel; die erneuerte Kirche wurde am 2. Juli 1687 geweiht.

Eine ältere Überlieferung bringt diesen Neubau zusätzlich mit einem Gelübde des Abtes Adalbert Heuffler während der Türkenbedrohung von 1683 in Verbindung. Da die heutige Darstellung des Stiftes Admont diesen Gelübdecharakter nicht ausdrücklich übernimmt, sollte diese Nachricht als ältere Tradition und nicht als vollständig gesicherte Bauursache verstanden werden.

Die Marienbilder des Frauenberges

Für das Verständnis der Wallfahrt ist eine genaue Unterscheidung der verschiedenen Marienbilder notwendig, denn Frauenberg besitzt mehrere mittelalterliche Bildwerke, die im Verlauf der Jahrhunderte unterschiedliche kultische Funktionen erhielten.

Im Zentrum des Hochaltares steht nach der heutigen Beschreibung des Stiftes Admont die gotische Skulptur der Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind, die ausdrücklich als das eigentliche Gnadenbild der Wallfahrtskirche bezeichnet wird. Gustav Gugitz beschreibt sie als gekrönte hölzerne Marienfigur beziehungsweise Brustbild aus der Zeit um 1420 bis 1430, bei der das ebenfalls gekrönte nackte Jesuskind quer auf den Armen Mariens liegt, in einer Hand einen Apfel hält und mit der anderen nach dem Mantel der Mutter greift. Die Figur wurde mit kostbaren Gewändern bekleidet, wodurch sie äußerlich den Eindruck einer stehenden Statue erhielt; nach Gugitz war sie früher in der Kirche zwischen zwei Hirschgeweihen aufgehängt.

Bis 1786 befand sich der Gnadenaltar in einer Seitenkapelle, dem heutigen Kreuzaltar; in diesem Jahr wurde der Gnadenkult auf den Hochaltar übertragen. Die heutige Stiftsbeschreibung bestätigt, dass der Kreuzaltar bis 1786 als Gnadenaltar diente und das eigentliche Gnadenbild heute den Mittelpunkt des Hochaltares bildet.

Die Pilgermadonna hinter dem Hochaltar

Neben diesem Gnadenbild befindet sich hinter dem Hochaltar eine zweite Marienstatue, die für die Wallfahrt mindestens ebenso interessant ist. Gustav Gugitz hielt sie möglicherweise für den älteren und ursprünglichen Kultgegenstand und berichtete, dass sie zu seiner Zeit wieder eine besonders starke Verehrung genoss. Er beschreibt eine gekrönte stehende Madonna mit Zepter in der rechten Hand und dem unbekrönten Jesuskind auf dem linken Arm, das mit beiden Händen den Reichsapfel hält.

Die heutige Forschung des Stiftes Admont bezeichnet diese Figur als "Pilgermadonna", datiert sie um 1410 und damit als älteste erhaltene Skulptur der Wallfahrtskirche. Seit der jüngeren Innenrenovierung steht sie wieder hinter dem Hochaltar, also an jenem Platz, der mit einem alten Frauenberger Wallfahrtsbrauch verbunden ist.

Damit begegnen am Frauenberg zwei kultisch bedeutsame Marienbilder unmittelbar nebeneinander: das eigentliche Gnadenbild im Hochaltar und die ältere Pilgermadonna dahinter. Ob letztere tatsächlich, wie Gugitz vermutete, der ursprünglichere Kultgegenstand war, lässt sich aus den derzeit greifbaren Quellen nicht abschließend entscheiden; gerade diese Unsicherheit ist jedoch selbst ein Hinweis darauf, wie komplex sich die Kultgeschichte über mehrere Jahrhunderte entwickelt hat.

Die Altarumschreitung

Die Stellung der Pilgermadonna hinter dem Hochaltar erklärt sich aus einer alten Frauenberger Wallfahrtstradition, nach der die Pilger den Hochaltar umschreiten. Das Stift Admont weist ausdrücklich darauf hin, dass die heutige Aufstellung der Statue diese überlieferte Bewegungsform wieder ermöglicht.

Volkskundlich ist dieser Brauch besonders bedeutend, weil sich darin zeigt, dass Wallfahrt nicht allein aus dem Betrachten eines Gnadenbildes oder dem Sprechen bestimmter Gebete bestand, sondern den Körper des Pilgers und seine Bewegung im sakralen Raum einbezog. Der Gnadenbereich wird nicht nur frontal aufgesucht, sondern umrundet, wodurch der Pilger gleichsam in eine engere räumliche Beziehung zum Kultbild tritt und die besondere Heiligkeit des Altarbereiches körperlich nachvollzieht.

Der geheilte Stelzengänger

Gustav Gugitz überliefert außerdem eine ältere Wundererzählung, nach der der eigentliche Aufschwung der Wallfahrt mit einem körperlich schwer behinderten Mann verbunden wurde, der sich auf Stelzen beziehungsweise Gehhilfen fortbewegte und mit kindlichem Vertrauen zur Gottesmutter auf den Frauenberg gekommen sei. Sooft er Maria gegrüßt habe, soll sie ihm gedankt und schließlich Gesundheit versprochen haben, bis der Mann seine Stelzen ablegen konnte und gesund fortging.

Unabhängig davon, ob sich hinter dieser Erzählung ein historisch rekonstruierbares Ereignis verbirgt, entspricht sie einem für Wallfahrtsorte typischen Mirakelschema, bei dem eine spektakuläre Heilung den Ruf des Gnadenbildes verbreitet. Besonders eindrucksvoll ist dabei die weggeworfene beziehungsweise zurückgelassene Gehhilfe, denn Krücken, Stelzen und andere Hilfsmittel wurden an zahlreichen Gnadenorten geradezu zu sichtbaren Trophäen der Heilung und konnten nachfolgenden Pilgern als materieller Beweis einer bereits erfahrenen Hilfe erscheinen.

Pest und bäuerliche Anliegen

Gugitz nennt für Frauenberg mehrere historische Wallfahrtsmotive, die weit über eine allgemein gehaltene Marienverehrung hinausreichen. Besonders während der Pestgefahr von 1675 wurde der Frauenberg als Zufluchtsort aufgesucht, daneben dominierten bäuerliche Anliegen und wirtschaftliche Notsituationen.

Solche Wallfahrtsmotive gehören unmittelbar zur sozialen Wirklichkeit der frühneuzeitlichen Bevölkerung. Krankheit von Menschen und Tieren, Missernte, Verlust von Arbeitskraft oder wirtschaftliche Not konnten für einen bäuerlichen Haushalt eine existenzielle Bedrohung bedeuten, gegen die neben den verfügbaren praktischen Maßnahmen auch religiöse Hilfe gesucht wurde. Die Wallfahrt verband dabei individuelles Gebet mit Gelübde, Beichte, Opfer und gemeinschaftlichem Pilgerweg.

Die Holzknechte des Ennstales

Besonders bemerkenswert ist Gugitz' Hinweis auf die wirtschaftlichen Sorgen der Holzknechte des Ennstales, die ebenfalls zu den überlieferten Wallfahrtsmotiven gehörten. Damit tritt neben die bäuerliche Bevölkerung eine weitere konkrete Berufsgruppe, deren Leben von schwerer körperlicher Arbeit, Unfallgefahr, schwankendem Einkommen und existenzieller Unsicherheit geprägt war.

Der Frauenberg war somit kein Gnadenort mit nur einer eng begrenzten Heilindikation, sondern ein religiöses Zentrum, an dem sehr unterschiedliche soziale Gruppen ihre alltäglichen Gefährdungen vor die Gottesmutter brachten. Gerade solche berufsbezogenen Anliegen sind für die volkskundliche Betrachtung wertvoll, weil sie erkennen lassen, wie eng Frömmigkeit und Arbeitswelt miteinander verbunden waren.

Das Spanschneiden

Eine besonders eigenartige Form religiöser Heilpraxis berichtet Gugitz von einer weiteren Marienstatue, die sich im ersten Stock des ehemaligen Vikariatshauses befunden habe. Von dieser Figur sollen sich Bauern kleine Holzspäne abgeschnitten und als Mittel gegen Zahnweh und Kolik mitgenommen haben.

Das sogenannte Spanschneiden gehört zu jenen materiell besonders unmittelbaren Formen der Volksfrömmigkeit, bei denen nicht lediglich ein Bild betrachtet oder berührt wird, sondern kleinste Teile eines als heilig oder heilkräftig angesehenen Gegenstandes mitgenommen werden. Dem Holzspan wurde dabei offenbar eine übertragbare Kraft zugeschrieben, die auch außerhalb des Gnadenortes wirksam bleiben sollte.

Aus konservatorischer Sicht führte eine solche Praxis naturgemäß zur Beschädigung des verehrten Gegenstandes; volkskundlich ist sie jedoch ausgesprochen aufschlussreich, weil sich in ihr die Vorstellung zeigt, dass die sakrale Qualität eines Kultobjektes materiell teilbar und in den häuslichen Lebensbereich übertragbar sei.

Beichte und religiöse Gewissensvorstellung

Eine weitere bei Gugitz überlieferte Vorstellung betrifft die Beichte. Wer in einer früheren Beichte bewusst etwas verschwiegen habe, sollte am Frauenberg innerlich dazu gedrängt beziehungsweise genötigt werden, das Verheimlichte doch noch auszusprechen.

Diese Überlieferung weist auf eine weitere wichtige Funktion größerer Wallfahrtsorte hin. Wallfahrt bedeutete nicht nur Bitte um körperliche Heilung oder materielle Hilfe, sondern konnte mit Gewissenserforschung, Beichte und religiöser Neuorientierung verbunden sein. Der Gnadenort wurde dadurch zugleich zu einem Platz moralischer und seelischer Reinigung, an dem die besondere Gegenwart Mariens den Pilger dazu bewegen sollte, eine unvollständig oder unehrlich abgelegte Beichte zu korrigieren.

Die Schutzmantelmadonna

Zu den bedeutenden mittelalterlichen Bildwerken Frauenbergs gehört außerdem eine um 1420/30 entstandene Schutzmantelmadonna. Das Original befindet sich heute im Landesmuseum Joanneum in Graz, während in der Kerzenkapelle der Wallfahrtskirche eine Kopie aufgestellt ist.

Das Motiv der Schutzmantelmadonna veranschaulicht die Vorstellung Mariens als Fürsprecherin und Beschützerin besonders unmittelbar, indem Menschen unterschiedlichen Standes unter ihrem weit ausgebreiteten Mantel Zuflucht finden. Gerade an einem Wallfahrtsort, an dem bäuerliche Not, Krankheit, Pest, wirtschaftliche Sorgen und gefährliche Arbeit zu den überlieferten Anliegen gehörten, besitzt diese Bildidee eine besondere inhaltliche Nähe zur religiösen Lebenswelt der Pilger.

Die große Wallfahrtsblüte

Im 18. Jahrhundert erreichte Frauenberg seine größte Bedeutung. Abt Antonius II. von Mainersberg ließ 1724 eine große Pilgerherberge errichten, die ausdrücklich der Aufnahme der Wallfahrer diente; 1740 schuf der Admonter Stiftsbildhauer Josef Stammel einen neuen Gnadenaltar, während nach den Angaben des Stiftes zeitweise bis zu 60.000 Pilger jährlich gezählt wurden.

Ein solcher Zustrom setzt eine umfangreiche Organisation voraus, denn Wallfahrer benötigten nicht lediglich einen Kirchenraum, sondern Beichtgelegenheiten, Gottesdienste, Unterkunft, Verpflegung, Möglichkeiten zur Rast und vielfach auch zum Erwerb religiöser Gegenstände. Die bis heute erhaltene Pilgerherberge ist deshalb nicht nur ein bemerkenswertes historisches Gebäude, sondern ein materielles Zeugnis dafür, welche Dimensionen das Wallfahrtswesen am Frauenberg einst angenommen hatte.

Wallfahrtsinfrastruktur und Devotionalienkultur

Frauenberg gehört zu jenen Wallfahrtsorten, an denen sich die materielle Infrastruktur des Pilgerwesens ungewöhnlich deutlich nachvollziehen lässt. Neben Kirche und Gnadenaltar bestanden die große Pilgerherberge, der ausgedehnte Pfarrhof, Beichtmöglichkeiten und unterschiedliche kultische Bewegungsräume; heute ergänzen Kerzenkapelle, Wallfahrtsladen, Fürbittgarten und Fürbittkapelle dieses Ensemble.

Im historischen Pfarrhof befindet sich weiterhin ein Wallfahrtsladen; selbst Fenster des älteren Pfarrhofbaues von 1640 wurden dort im Zuge der Restaurierung freigelegt. Damit ist die Versorgung mit religiösen Andenken und Devotionalien auch heute räumlich unmittelbar mit dem alten Wallfahrtskomplex verbunden.

Solche Verkaufsstellen sind nicht lediglich touristische Nebeneinrichtungen. Rosenkränze, Kerzen, Medaillen, Andachtsbilder, Wachsvotive und andere kleine Gegenstände ermöglichten es den Pilgern, eine materielle Erinnerung vom Heiligtum nach Hause mitzunehmen und damit die Verbindung zum Gnadenort auch im Alltag fortzuführen.

Wachsvotive und Kerzenkapelle

In der Kerzenkapelle wird bis heute eine traditionelle Form materieller Votivfrömmigkeit gepflegt, indem Wachsvotive mit persönlichen Anliegen verbunden und bei der Schutzmantelmadonna niedergelegt werden können.

Wachs gehörte über Jahrhunderte zu den charakteristischen Materialien des Wallfahrtswesens, wobei neben einfachen Kerzen plastische Darstellungen von Körperteilen, Menschen oder Tieren geopfert werden konnten. Die Form der Gabe verwies vielfach unmittelbar auf das Anliegen des Pilgers, sodass ein Wachsvotiv zugleich Bitte, Dank und bildliche Darstellung einer körperlichen oder wirtschaftlichen Notlage sein konnte.

Dass eine solche Praxis am Frauenberg nicht lediglich museal dokumentiert, sondern weiterhin ausgeübt wird, gehört zu den volkskundlich besonders bemerkenswerten Kontinuitäten des Wallfahrtsortes.

Das traditionelle Wallfahrtsjahr

Das Frauenberger Wallfahrtsjahr wird traditionell am sogenannten Gnadensonntag, dem zweiten Sonntag nach Ostern, eröffnet und mit dem Patroziniumsfest Mariä Opferung am 21. November beschlossen. Neben zahlreichen Einzelpilgern bestehen lokale Traditionsprozessionen und Fußwallfahrten aus der weiteren Umgebung sowie alte Wallfahrtsbeziehungen nach Oberösterreich. Als Herkunftsorte werden unter anderem Admont, Hall bei Admont, Ardning, Gaishorn, Liezen und St. Gallen sowie auf oberösterreichischer Seite Lambach, Viechtwang, Spital am Pyhrn, Hinterstoder, Windischgarsten und Pfarren des Stiftes Schlierbach genannt.

Nicht jede dieser Verbindungen muss in jedem Jahr in identischer Form stattfinden; die Aufzählung zeigt jedoch das bemerkenswert weite historische Einzugsgebiet des Frauenberges, das insbesondere über den Pyhrn hinweg tief nach Oberösterreich reichte.

Die Windischgarstner Gelöbniswallfahrt

Eine dieser alten Beziehungen lässt sich bis heute besonders deutlich verfolgen. Die jährliche Wallfahrt aus Windischgarsten führt ihren Ursprung auf einen verheerenden Marktbrand des Jahres 1728 zurück, nach dem die Bürgerschaft gelobt haben soll, jährlich am letzten Sonntag vor Pfingsten nach Frauenberg zu wallfahren. Diese Gelöbniswallfahrt wird weiterhin durchgeführt, und in der Frauenberger Wallfahrtskirche befindet sich ein historisches Votivbild, das an das zugrunde liegende Ereignis erinnert.

Damit besitzt Frauenberg ein besonders schönes Beispiel dafür, wie eine einmalige kollektive Katastrophe zu einer jahrhundertelang weitergegebenen religiösen Verpflichtung werden konnte. Aus dem Gelübde einer gefährdeten Gemeinschaft entstand ein wiederkehrender Pilgerbrauch, durch den nicht nur der Dank für die erhoffte Hilfe, sondern auch die Erinnerung an das historische Unglück über Generationen bewahrt wurde.

Die Wallfahrt um geistliche Berufungen

Zu den jüngeren Kultschichten gehört die seit 2018 bestehende Monatswallfahrt um geistliche Berufungen, die jeweils am ersten Donnerstag des Monats stattfindet. Sie verbindet Eucharistiefeier, Gebet und Beichtgelegenheit mit einer Lichterprozession zur Fürbittkapelle und hat sich mittlerweile als regelmäßiger Bestandteil des religiösen Lebens am Frauenberg etabliert. Die Diözese Graz-Seckau führt diese Monatswallfahrt ausdrücklich in den Gottesdienstzeiten; auch das Stift Admont dokumentiert die regelmäßigen Lichterprozessionen.

Diese Monatswallfahrt darf nicht mit der historischen Frauenberger Wallfahrt gleichgesetzt werden, sondern stellt eine jüngere Erweiterung des alten Gnadenortes dar. Gerade darin zeigt sich jedoch die Wandlungsfähigkeit lebendiger Wallfahrtsstätten, die neue religiöse Anliegen aufnehmen können, ohne ihre älteren Kultformen vollständig zu verdrängen.

Die Wallfahrt heute

Frauenberg an der Enns ist bis heute eine lebendige Wallfahrtskirche. Pilgergruppen können nach Voranmeldung eigene Wallfahrtsgottesdienste feiern und Beichtgelegenheit in Anspruch nehmen, während regelmäßige Monatswallfahrten und verschiedene traditionelle Fußwallfahrten zeigen, dass der Ort nicht lediglich den historischen Titel einer Wallfahrtskirche bewahrt, sondern weiterhin tatsächlich als Pilgerziel genutzt wird.

Dabei liegen mehrere historische Schichten nebeneinander: das mittelalterliche Marienheiligtum und seine unterschiedlichen Kultbilder, die frühneuzeitliche Wiederbelebung, die große barocke Pilgerbewegung, alte Gelöbniswallfahrten, Votiv- und Devotionalienkultur sowie die jüngeren Monatswallfahrten. Gerade diese Überlagerung macht Frauenberg religionsgeschichtlich und volkskundlich besonders aussagekräftig.

Volkskundliche Bedeutung

Frauenberg an der Enns gehört zu den reichsten Wallfahrtsorten der Obersteiermark, weil sich hier nicht lediglich die Geschichte einer verehrten Marienstatue, sondern ein ganzes System religiöser Handlungen, materieller Zeugnisse und sozialer Beziehungen beobachten lässt. Die Ursprungssage verbindet Hochwasser, Lichterscheinung und das standortwählende Bild zu einer Erklärung der sakralen Topographie, während zwei unterschiedliche Marienstatuen die komplexe Entwicklung des eigentlichen Kultzentrums erkennen lassen.

Mit dem geheilten Stelzengänger begegnet die klassische Wunderheilung, mit Pest und bäuerlichen Sorgen die kollektive und wirtschaftliche Not, mit den Holzknechten eine konkrete Berufsgruppe und mit dem Spanschneiden eine ausgesprochen körpernahe Form materieller Heilfrömmigkeit. Die Vorstellung, am Frauenberg könne eine verschwiegene Sünde nicht verborgen bleiben, erweitert den Gnadenort darüber hinaus um eine moralisch-seelsorgliche Dimension, während Altarumschreitung, Wachsvotive und Schutzmantelmadonna zeigen, wie stark die religiöse Erfahrung durch Bewegung, Berührung und materielle Zeichen geprägt war.

Die große Pilgerherberge von 1724, der heutige Wallfahrtsladen, die Kerzenkapelle und die fortbestehenden Pilgerwege machen zugleich sichtbar, dass Wallfahrt niemals nur innerhalb des Kirchenraumes stattfand. Sie benötigte Unterkunft, Versorgung, Devotionalien, Beichte, Wege und Versammlungsräume und schuf dadurch eine eigene religiöse Infrastruktur, die den gesamten Frauenberg prägte.

Gerade diese Verbindung von Legende, Gnadenbild, Heilungsüberlieferung, Votivbrauch, Berufs- und Gemeinschaftswallfahrt sowie bis heute lebendiger Pilgerpraxis macht Frauenberg an der Enns zu einem besonders anschaulichen Beispiel dafür, wie sich ein Wallfahrtsort über mehr als sechs Jahrhunderte verändern und dennoch seine religiöse Identität bewahren konnte.

Literatur und Quellen

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Wien 1956.

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark.

- Stift Admont: Geschichte der Pfarre und Wallfahrtskirche Frauenberg an der Enns.

- Stift Admont: Architektur und Ausstattung der Wallfahrtskirche Frauenberg an der Enns.

- Diözese Graz-Seckau: Pfarre Frauenberg an der Enns.

- Überlieferungen und Dokumentationen zu den traditionellen Wallfahrten nach Frauenberg an der Enns.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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