| Wallfahrt: | Seit dem 17. Jahrhundert sicher nachweisbare Marienwallfahrt zur "Himmelsbergerin" auf dem Stradener Himmelsberg. |
| Status: | Lebendige Wallfahrt mit Monatswallfahrten am 13., Lichterprozessionen und organisierten Pilgergruppen. |
| Kultzentrum: | Spätgotische Marienstatue der "Himmelsbergerin" aus der Zeit um 1520 im Zentrum des Hochaltares. |
| Hauptfest: | Mariä Himmelfahrt am 15. August; zusätzlich Monatswallfahrten am 13. |
| Besonderheit: | Der starke historische Pilgerzustrom prägte eine ungewöhnlich dichte Sakrallandschaft mit mehreren Kirchen auf und am Himmelsberg. |
| Ort: | Straden auf dem weithin sichtbaren Himmelsberg in der Südoststeiermark. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria am Himmelsberg, Straden 1, 8345 Straden. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Straden |
| • | Öffnungszeiten: Der Kirchenbezirk auf dem Himmelsberg ist frei zugänglich. Die Kirchen sind tagsüber geöffnet. Für eine gezielte Innenbesichtigung, eine Gruppenwallfahrt oder eine Kirchenführung empfiehlt sich eine vorherige Kontaktaufnahme mit der Pfarre. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Wir haben leider keine weiteren Fotos der Wallfahrtskirche - Haben Sie Fotos?
Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria am Himmelsberg in Straden gehört zu den bedeutenden historischen Marienwallfahrtsorten der Südoststeiermark. Mittelpunkt der Verehrung ist die spätgotische Marienstatue der sogenannten "Himmelsbergerin", die um 1520 entstanden ist und bis heute im Zentrum des Hochaltares steht. Die Wallfahrt zu Maria am Himmelsberg ist seit dem 17. Jahrhundert sicher nachweisbar und besteht in veränderter Form bis in die Gegenwart fort.
Straden besitzt darüber hinaus eine ungewöhnlich dichte Sakrallandschaft. Auf und am Himmelsberg stehen mehrere Kirchen in unmittelbarer Nachbarschaft: die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria am Himmelsberg, die Sebastianikirche, die Kirche zur Schmerzhaften Muttergottes und die Florianikirche. Dieses Ensemble prägt das Ortsbild weithin sichtbar und erinnert zugleich an die einst außerordentliche kirchliche Bedeutung Stradens als Mittelpunkt einer großen Pfarre und als stark besuchter Wallfahrtsort.
Straden liegt auf einer markanten Anhöhe in der Südoststeiermark. Der weithin sichtbare Kirchenberg wird traditionell als Himmelsberg bezeichnet und beherrscht die umgebende Landschaft.
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche bildet das Zentrum des Kirchenensembles. Das Patrozinium ist Mariä Himmelfahrt, gefeiert am 15. August.
Straden gehört zu den ältesten kirchlichen Zentren der Südoststeiermark.
Bereits im Jahr 1188 wird mit "Henricus de Merin" ein Pfarrer genannt. Die damalige Großpfarre umfasste ein wesentlich größeres Gebiet als die heutige Pfarre; auch zahlreiche später selbständig gewordene Pfarren der Umgebung gehörten ursprünglich zu diesem kirchlichen Zentrum.
Die mittelalterliche Marienkirche ist damit wesentlich älter als die sicher nachweisbare Wallfahrt.
Aus der frühen Existenz der Kirche darf jedoch nicht automatisch auf eine ebenso frühe Wallfahrt geschlossen werden. Der organisierte Wallfahrtsbetrieb zu Maria am Himmelsberg lässt sich nach dem derzeitigen Quellenstand erst ab dem 17. Jahrhundert eindeutig fassen.
Mit der Entstehung der Kirche verbindet sich eine klassische Wallfahrts- und Ortswahllegende.
Nach der Überlieferung wollte ein Graf aus Dank für eine wundersame Rettung eine Marienkirche auf dem Stradnerkogel errichten. Dort ließ er zunächst ein Marienbild aufstellen. Über Nacht verschwand das Bild jedoch und wurde an jener Stelle wiedergefunden, an der heute die Kirche steht.
Man brachte es zurück auf den ursprünglich vorgesehenen Platz, doch am nächsten Morgen befand es sich erneut am späteren Kirchenstandort.
Nachdem sich dieser Vorgang dreimal wiederholt hatte, deutete man ihn als Zeichen dafür, dass Maria selbst den Platz ihres Heiligtums gewählt habe.
Das Motiv des zurückkehrenden oder ortsweisenden Kultbildes begegnet an zahlreichen Wallfahrtsorten. Der Standort des Heiligtums erscheint darin nicht als Ergebnis menschlicher Planung, sondern als unmittelbarer Ausdruck des Willens der verehrten Heiligen beziehungsweise der Gottesmutter.
Die Legende ist jedoch von der Geschichte des heute erhaltenen Gnadenbildes zu unterscheiden. Die Marienkirche bestand bereits im Mittelalter, während die heutige "Himmelsbergerin" erst um 1520 geschaffen wurde. Das Marienbild der Gründungslegende kann daher nicht ohne Weiteres mit der erhaltenen spätgotischen Gnadenstatue gleichgesetzt werden.
Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die ältere Kirchenanlage durch einen Brand schwer beschädigt.
In den folgenden Jahrzehnten entstand eine größere spätgotische Kirche, deren wesentliche Bauphase ungefähr in die Zeit zwischen 1480 und 1525 fällt.
Aus dieser Epoche stammt auch die Marienstatue, die später zum Mittelpunkt der Wallfahrt wurde.
Der Kirchenbezirk war zugleich befestigt. Hohe Wehrmauern verwandelten den Kirchberg in einen Tabor, der der Bevölkerung in Zeiten kriegerischer Bedrohung als Zufluchtsort dienen konnte.
Damit besaß der Himmelsberg eine doppelte Schutzfunktion: Die befestigte Anlage bot ganz real Schutz vor feindlichen Angriffen, während Maria zugleich als himmlische Schutz- und Fürsprecherin angerufen wurde.
Das eigentliche Gnadenbild der Wallfahrt ist eine spätgotische Marienstatue mit dem Jesuskind aus der Zeit um 1520.
Im Volksmund wird sie bis heute liebevoll als "Himmelsbergerin" bezeichnet.
Maria erscheint gekrönt und mit Zepter; auch das Jesuskind trägt eine Krone und hält den Reichsapfel. Die Darstellung verbindet die vertraute Mutter-Kind-Beziehung mit der Vorstellung Mariens als Himmelskönigin.
Das mittelalterliche Kultbild blieb auch bei späteren Veränderungen des Kirchenraumes erhalten.
Als die Kirche im Barock neu ausgestattet wurde, ersetzte man die ältere Statue nicht, sondern rückte sie noch stärker in den Mittelpunkt.
Damit zeigt Straden ein für viele Wallfahrtskirchen charakteristisches Muster: Ein älteres Gnadenbild überlebt mehrere Bau- und Stilepochen und erhält durch spätere Architektur und Ausstattung eine immer monumentalere Inszenierung.
Ab dem 17. Jahrhundert ist die Wallfahrt zu Maria am Himmelsberg sicher nachweisbar. Der Pilgerzustrom erreichte offenbar beträchtliche Ausmaße. Gleichzeitig wuchs auch die Bevölkerung der großen Pfarre, sodass der vorhandene Kirchenraum zunehmend nicht mehr ausreichte.
Die starke kirchliche Nutzung des Himmelsberges und der Wallfahrtsbetrieb trugen dazu bei, dass in Straden ein ungewöhnliches Ensemble mehrerer Sakralbauten entstand.
Neben der Pfarrkirche wurden weitere Kirchen errichtet beziehungsweise erweitert, darunter die Florianikirche.
Der heutige Stradener Kirchenberg ist deshalb nicht nur ein kunsthistorisch bemerkenswertes Ensemble, sondern zugleich ein bauliches Zeugnis der einstigen Bedeutung des kirchlichen Zentrums und der Wallfahrt.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Pfarrkirche wesentlich erweitert.
Seitliche Anbauten und Emporen vergrößerten den Raum und schufen jene großzügigere Gestalt, die das Gotteshaus bis heute prägt.
Die mittelalterliche Kirche erhielt damit eine neue barocke Raumwirkung, ohne dass ihr älterer Kern und vor allem das Gnadenbild aufgegeben wurden.
Gerade die Erweiterung einer älteren Kirche ist für bedeutende Wallfahrtsorte typisch: Mit zunehmendem Pilgerzustrom musste zusätzlicher Platz geschaffen werden, ohne den historisch gewachsenen Gnadenort selbst zu verlassen.
Der monumentale Hochaltar entstand im 18. Jahrhundert und ist vollständig auf die "Himmelsbergerin" ausgerichtet.
Die spätgotische Marienstatue steht im Zentrum einer barocken Inszenierung aus Säulen, Engeln, Wolken und Strahlen. Damit wird das ältere Kultbild zum visuellen Mittelpunkt des gesamten Kirchenraumes.
Zu den flankierenden Heiligen gehören Petrus und Paulus sowie die beiden eng mit der Rosenkranzfrömmigkeit verbundenen Heiligen Dominikus und Katharina von Siena.
Diese Ausstattung stellt die Verehrung der Himmelsbergerin in den größeren Zusammenhang barocker Marien- und Rosenkranzfrömmigkeit.
Auch hier zeigt sich, wie ein mittelalterliches Gnadenbild im Barock nicht verdrängt, sondern durch eine neue künstlerische Umgebung religiös und optisch gesteigert wurde.
Im Bereich des historischen Kirchenbezirks haben sich kleine biedermeierliche Verkaufsläden erhalten. Sie erinnern daran, dass große Wallfahrten und Kirchenfeste nicht nur religiöse, sondern auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Ereignisse waren. Wo zahlreiche Pilger zusammenkamen, entstanden Möglichkeiten zum Verkauf von Waren, zur Verpflegung und zum gesellschaftlichen Austausch.
Welche Waren in den Stradener Läden im Einzelnen angeboten wurden, lässt sich nicht für jede Zeit sicher feststellen. Ihre unmittelbare Nähe zum großen Kirchenbezirk ist jedoch ein anschauliches Zeugnis jener wirtschaftlichen Begleiterscheinungen, die mit großen religiösen Festen und Wallfahrtsansammlungen verbunden waren.
Ein weiteres bemerkenswertes Sachzeugnis der Stradener Frömmigkeitsgeschichte ist eine historische Prozessionsfahne.
Auf einer Seite erscheint die Himmelsbergerin, auf der anderen werden mehrere für Straden wichtige Schutz- und Kultgestalten dargestellt, darunter der hl. Sebastian, der hl. Florian und die Schmerzhafte Muttergottes.
Die Fahne verbindet damit bildlich jene Heiligen und Marienverehrungen, die sich in den verschiedenen Kirchen des Stradener Himmelsberges wiederfinden.
Prozessionsfahnen waren sichtbare Zeichen der religiösen Gemeinschaft. Sie begleiteten Bittgänge, Prozessionen und Wallfahrten und machten die Zugehörigkeit einer Gruppe oder eines Ortes auch nach außen erkennbar.
Die religiöse Funktion des Gnadenbildes beschränkte sich nicht auf organisierte Wallfahrten. In Zeiten großer Not wurde die Himmelsbergerin auch als örtliches Schutz- und Hoffnungsbild angerufen.
Besonders deutlich zeigt sich dies in den Erinnerungen an die schweren Kämpfe gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Straden lag unmittelbar im Kampfgebiet, Gebäude wurden zerstört und auch der Kirchturm schwer getroffen.
Aus dieser Zeit sind Erinnerungen an Gebete und Hilferufe zur Himmelsbergerin überliefert. Das Gnadenbild wurde damit in einer existenziellen Krisensituation zu einem religiösen Bezugspunkt der gesamten Bevölkerung.
Volkskundlich zeigt sich daran, dass die Bedeutung eines Wallfahrtsbildes weit über den eigentlichen Pilgerbetrieb hinausreichen kann. In Zeiten von Krieg, Krankheit oder anderer kollektiver Bedrohung wird ein örtliches Gnadenbild häufig zum besonderen Schutzbild eines ganzen Ortes.
Die Himmelsbergerin gehört zu jener großen Gruppe spätmittelalterlicher Marienbilder, deren Bedeutung weit über ihren künstlerischen Wert hinausging. Für die Pilger war die Statue nicht bloß eine Darstellung Mariens, sondern ein besonderes Gnadenbild, vor dem Bitten und Dank ausgesprochen wurden.
Der Gnadenort verband dabei mehrere religiöse Vorstellungen miteinander: Maria als Mutter des göttlichen Kindes, als Himmelskönigin, als Fürsprecherin und als Schutzgestalt der örtlichen Bevölkerung.
Das Bild wurde dadurch zum Zentrum einer persönlichen ebenso wie gemeinschaftlichen Frömmigkeit.
Ein eigenes Stradener Mirakelbuch konnte bislang nicht sicher nachgewiesen werden.
Auch ein größerer geschlossener historischer Bestand an Votivbildern oder Votivgaben ist derzeit nicht dokumentiert.
Aus der Bezeichnung der Himmelsbergerin als Gnadenbild und aus dem sicher belegten Wallfahrtsbetrieb darf ein solches Mirakel- oder Votivwesen nicht automatisch abgeleitet werden.
Die Gründungslegende vom dreimal zurückkehrenden Marienbild gehört zum klassischen Typus der Ortswahllegenden. Maria selbst bestimmt darin den Platz ihres Heiligtums.
Davon zu unterscheiden ist die erhaltene spätgotische Gnadenstatue der Himmelsbergerin, die erst wesentlich später entstand und seit dem 17. Jahrhundert sicher als Mittelpunkt einer Wallfahrt nachweisbar ist.
Der starke Pilgerzustrom wirkte sich auf die gesamte Sakrallandschaft Stradens aus. Kirchen wurden erweitert, zusätzliche Gotteshäuser entstanden, und im Bereich des Kirchenbezirks entwickelte sich jene Infrastruktur, die große religiöse Zusammenkünfte begleitete.
Die erhaltenen Verkaufsläden erinnern an die wirtschaftliche Seite solcher Feste, während Prozessionsfahnen und das Gnadenbild selbst die materiellen Zeugnisse der religiösen Praxis darstellen.
Besonders eindrucksvoll ist die fortdauernde Funktion der Himmelsbergerin als Schutzbild. Selbst in den Kriegsereignissen des 20. Jahrhunderts wandten sich Menschen in ihrer Not an die Stradener Gottesmutter.
Die Wallfahrt zu Maria am Himmelsberg ist bis heute lebendig.
Regelmäßig finden Monatswallfahrten am 13. mit Lichterprozession statt. Darüber hinaus kommen weiterhin organisierte Pilgergruppen nach Straden.
Einen besonderen Höhepunkt bildet das Patrozinium Mariä Himmelfahrt am 15. August, das mit feierlichen Gottesdiensten begangen wird.
Die Himmelsbergerin besitzt damit weiterhin eine über das gewöhnliche Pfarrleben hinausgehende religiöse Bedeutung.
- Gottfried Allmer / Christa Schillinger-Prassl: Straden. Die Kirchen am Stradener Himmelsberg. Straden 2022.
- Gottfried Allmer / Christa Schillinger-Prassl: Straden, Steiermark. Die Kirchen am Stradener "Himmelsberg". Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 481, Salzburg 2008.
- Christa Schillinger-Prassl: Geschichtliche Darstellungen zur Pfarre Straden und zur Wallfahrt Maria am Himmelsberg.
- Marktgemeinde Straden (Hg.): Straden. Straden 1999.
- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz). Abschnitt Straden, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in der Steiermark | |
| Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt |
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
© www.SAGEN.at