St. Peter-Freienstein, Wallfahrtskirche Maria Sieben Schmerzen auf Freienstein

Schnellüberblick
Wallfahrt:Seit dem 17. Jahrhundert bestehende Marienwallfahrt zu Maria in ihren Sieben Schmerzen innerhalb der Ruinen der ehemaligen Burg Freienstein.
Status:Lebendige Wallfahrt; die Kirche wird während der Wallfahrtssaison weiterhin von Pilgern und Besuchern aufgesucht.
Kultzentrum:Verehrung der Schmerzhaften Muttergottes beziehungsweise Maria in ihren Sieben Schmerzen; ein davon getrenntes einzelnes Gnadenbild wird in der bestehenden Dokumentation nicht ausgewiesen.
Hauptfest:Das Patrozinium gilt den Sieben Schmerzen Mariens; ein einzelner heutiger Hauptwallfahrtstag wird in der bestehenden Dokumentation nicht genannt.
Besonderheit:Wallfahrtskirche innerhalb einer mittelalterlichen Burganlage; ein gedrucktes Mirakelbuch von 1682 und spätere Mirakelbilder belegen eine frühe ausgeprägte Gnadenüberlieferung.
Ort:Freiensteinfelsen hoch über St. Peter-Freienstein im Vordernbergertal.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Freiensteinweg 7, 8792 St. Peter-Freienstein.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View (Blick vom Tal)
Web: Pfarre St. Peter-Freienstein
Öffnungszeiten: meistens Samstag, Sonntag, Feiertage jeweils am Nachmittag. Bei weiter Anreise am Pfarramt erkundigen.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

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Außenansicht:

Wallfahrtskirche St. Peter am Freienstein

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Hoch über St. Peter-Freienstein erhebt sich auf einem steil aus dem Vordernbergertal aufragenden Felsen die Wallfahrtskirche Maria Sieben Schmerzen auf Freienstein, deren außergewöhnliche Lage unmittelbar aus ihrer Vorgeschichte hervorgegangen ist: Das barocke Heiligtum wurde nicht auf einem bis dahin unbebauten Platz, sondern innerhalb der Reste der mittelalterlichen Burg Leoben, später Freienstein genannt, errichtet, deren Ringmauern und bauliche Strukturen den Wallfahrtsbezirk bis heute prägen. Die Verbindung eines ehemaligen Herrschafts- und Gerichtsplatzes mit einer seit dem 17. Jahrhundert bestehenden Marienwallfahrt, einer reichen Mirakelüberlieferung und einer Sage von Spuk, Erlösung und Kirchenstiftung macht Maria Freienstein zu einem der volkskundlich bemerkenswertesten kleineren Wallfahrtsorte der Obersteiermark.

Die Wallfahrt ist nicht erloschen. Maria Freienstein wird weiterhin als Wallfahrtskirche und als Ziel von Pilgern und Besuchern genutzt, wobei die besondere Verehrung Maria in ihren Sieben Schmerzen gilt, deren eigenes Leiden innerhalb der barocken Frömmigkeit als unmittelbare Entsprechung zu den vielfältigen Krankheiten, Ängsten und existenziellen Nöten der Hilfesuchenden verstanden werden konnte.

Die Burg Freienstein

Die Kirche steht genau an jener Stelle, an der sich einst die mittelalterliche Burg Leoben befand, die später nach Freienstein benannt wurde. Der weithin sichtbare Felsen über dem Vordernbergertal bildete einen bedeutenden mittelalterlichen Herrschaftspunkt; die erhaltene Ringmauer lässt die Dimensionen der ehemaligen Burganlage noch erkennen. Zum Aufgabenbereich des dortigen Burgvogtes gehörten neben Verwaltung, Steuer- und Zolleinhebung auch Aufgaben der Gerichtsbarkeit, wodurch der Platz über Jahrhunderte nicht nur politische, sondern auch rechtliche Herrschaft repräsentierte.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Burg bereits weitgehend verfallen und wurde aufgegeben. Damit blieb über dem Tal ein mächtiger, ruinöser und zunehmend funktionsloser Herrschaftsplatz zurück, um den sich in der späteren Volksüberlieferung Vorstellungen von Spuk und unerlösten Seelen entwickelten. Gerade diese Transformation von der verlassenen Burg zum marianischen Gnadenort bildet einen wesentlichen Schlüssel zum Verständnis der späteren Wallfahrtskirche.

Die Jesuiten und die "Befriedung" der Burgruine

Im Jahr 1660 wurde erstmals an die Leobener Jesuiten die Bitte herangetragen, die Ruinen der alten Burg zu "befrieden". Diese bemerkenswerte Formulierung steht in auffälliger Nähe zu jener später überlieferten Sage, nach der es auf Freienstein nach dem Untergang der Burg gespukt habe, darf jedoch nicht so verstanden werden, als würde eine historische Quelle ein tatsächliches Spukgeschehen bestätigen. Vielmehr verweist sie auf die Vorstellung, einen verlassenen und offenbar als unheimlich empfundenen Ort durch christliche Sakralisierung neu zu ordnen.

Auf dem ehemaligen Burgareal begann daraufhin der Bau einer der Gottesmutter geweihten Kirche. Der Kirchenbau entstand im Wesentlichen während der 1660er-Jahre, die feierliche Weihe der Wallfahrtskirche zu Ehren der Sieben Schmerzen Mariens erfolgte am 17. Februar 1718. Der ehemalige weltliche Herrschaftssitz erhielt damit eine vollkommen neue Funktion und wurde von einem Burg- und Gerichtsplatz zu einem Ort marianischer Fürbitte und Wallfahrt.

Die Sage von Freienstein

Die volkstümliche Überlieferung erklärt diese Umwandlung wesentlich dramatischer. Nach einer von Hans von der Sann veröffentlichten Sage sollen die letzten Besitzer der Burg ihre Untertanen bedrückt, großes Unrecht begangen und beträchtliche Reichtümer angehäuft haben. Nach dem Tod des letzten Burgherrn verfiel die Burg, doch zwischen ihren Ruinen begann es zu spuken: In der Nacht erschien den auf der Straße unterhalb des Burgfelsens fahrenden Fuhrleuten eine gespenstische Mauer, die ihnen den Weg versperrte, während vom Felsen der klagende Ruf "Hans, wo bist Du?" erscholl.

Eines Nachts kam ein fremder Schlossherr mit seinem Hofnarren Hans an Freienstein vorbei. Als wiederum die geisterhafte Mauer erschien und der Ruf nach Hans ertönte, antwortete der Narr, stieg zur Burgruine hinauf und fand dort beim zerfallenen Schlosstor ein kleines schwarzes Männlein auf einer schweren eisernen Kiste sitzen. Das Wesen bat Hans, ihm beim Heben der Kiste zu helfen; der Narr verweigerte jedoch seine Unterstützung und forderte das Männlein schließlich auf: "Hilf Dir selbst."

Gerade diese Antwort bewirkte nach der Sage dessen Erlösung, worauf der Geist verschwand und Hans den in der Kiste enthaltenen Schatz erhielt. Weder er noch seine Herrschaft wollten das unheimliche Vermögen behalten, weshalb das Geld schließlich den Jesuiten übergeben worden sein soll, die damit auf den Ruinen der Burg eine Kirche zu Ehren der Gottesmutter errichteten.

Historisch ist der Kirchenbau durch die Übernahme und religiöse Neuordnung des Burgplatzes unabhängig von dieser Sage erklärbar; volkskundlich bildet die Erzählung jedoch eine außerordentlich anschauliche nachträgliche Deutung desselben Vorganges. Schuldhaft erworbener Reichtum, ein unerlöster Geist, nächtlicher Spuk und ein verborgener Schatz werden durch Erlösung und Übergabe des Vermögens an eine geistliche Gemeinschaft in eine neue Ordnung überführt, während der Bau der Marienkirche den belasteten weltlichen Herrschaftsort endgültig in einen christlichen Gnadenplatz verwandelt.

Maria in ihren Sieben Schmerzen

Das Patrozinium der Wallfahrtskirche gilt den Sieben Schmerzen Mariens. Die traditionelle Andacht erinnert an jene Stationen des Lebens Mariens, in denen sie mit Leiden, Verlust und Tod ihres Sohnes verbunden ist, wobei sich innerhalb der barocken Frömmigkeit gerade aus der Vorstellung der selbst leidenden Gottesmutter ihre besondere Nähe zu Menschen in eigener Not ergab.

Maria erschien damit nicht nur als ferne himmlische Herrscherin, sondern zugleich als Mutter, die Angst, Verlust und Schmerz selbst erfahren hatte und gerade deshalb als verständnisvolle Fürsprecherin in unterschiedlichsten menschlichen Bedrängnissen angerufen werden konnte. Die außergewöhnlich breite Palette der in Freienstein dokumentierten Mirakel bestätigt, dass der Gnadenort keine eng begrenzte Spezialisierung auf eine einzelne Krankheit oder Gefahr entwickelte, sondern bei sehr unterschiedlichen Formen körperlicher, sozialer und moralischer Not aufgesucht wurde.

Das Fastentuch

Eine besondere bildliche Ausprägung dieser Schmerzensfrömmigkeit besitzt das während der Fastenzeit verwendete Gemälde der Schmerzhaften Muttergottes. Während die traditionelle Darstellung der Sieben Schmerzen Maria häufig mit sieben Schwertern zeigt, die ihr Herz durchbohren, erscheint sie hier mit einem einzigen Schwert im Herzen, einer ikonographischen Verdichtung des gleichen Grundgedankens.

Das Motiv vergegenwärtigt die Schmerzensmutter damit nicht nur im Patrozinium der Kirche, sondern innerhalb des Kirchenjahres immer wieder neu und verbindet den Marienkult eng mit der Betrachtung der Passion Christi.

Das Mirakelbuch von 1682

Für die Geschichte der Wallfahrt besitzt ein bereits 1682 gedrucktes Mirakelbuch besondere Bedeutung, das heute im Steiermärkischen Landesarchiv verwahrt wird. Damit ist die Überlieferung von Gebetserhörungen bereits wenige Jahrzehnte nach der Errichtung der Wallfahrtskirche schriftlich greifbar und erlaubt grundsätzlich einen unmittelbaren Einblick in die Sorgen und Erwartungen jener Menschen, die Maria Freienstein während der frühen Blütezeit des Gnadenortes aufsuchten.

Mirakelbücher waren nicht lediglich Sammlungen ungewöhnlicher Wundergeschichten, sondern wichtige Medien des Wallfahrtswesens. Die schriftliche Aufzeichnung einer als wunderbar verstandenen Heilung oder Rettung bewahrte eine individuelle Erfahrung, machte sie anderen Menschen zugänglich und stärkte damit zugleich den Ruf des Gnadenortes. Jede überlieferte Gebetserhörung konnte für spätere Pilger zum Hinweis werden, dass die angerufene Gottesmutter bereits in vergleichbarer Not Hilfe erwiesen habe.

Die Mirakelbilder

Besonders eindrucksvoll wird diese Wunderüberlieferung durch eine Reihe von Mirakelbildern sichtbar gemacht, die um 1717 entstanden und bis heute zu den bemerkenswertesten Zeugnissen der Freiensteiner Wallfahrt gehören. Überliefert sind dabei sehr unterschiedliche Notsituationen, darunter Bauunfälle, Pestepidemien, schwere Geschwüre und andere Krankheiten, Epilepsie sowie sogar Fälle im Zusammenhang mit Meineid.

Gerade für die volkskundliche Betrachtung besitzen diese Bilder hohen Quellenwert, weil sie die abstrakte Vorstellung eines "Gnadenortes" in die konkrete Lebenswirklichkeit der Menschen zurückführen. Krankheit und Unfall stehen neben Seuchenangst und moralischer Schuld; körperliche Gefährdung, gesellschaftliche Existenz und Gewissensnot konnten gleichermaßen Anlass sein, die Muttergottes von Freienstein um Hilfe zu bitten.

Mirakelbilder und Mirakelbuch gehören deshalb zusammen. Während das Buch außergewöhnliche Ereignisse sprachlich fixierte, übersetzten die Bilder einen Teil dieser Überlieferung in eine unmittelbar verständliche visuelle Form, die auch für jene Wallfahrer zugänglich war, die selbst kaum oder gar nicht lesen konnten.

Meineid als Wallfahrtsanliegen

Besonders auffällig ist innerhalb dieser Überlieferung der Meineid. Aus heutiger Sicht erscheint er zunächst ungewöhnlich neben Epilepsie, Pest oder schweren körperlichen Leiden, doch innerhalb der frühneuzeitlichen religiösen Vorstellungswelt bestand zwischen körperlichem Wohlergehen, Gewissen und göttlicher Ordnung keine scharfe Trennung.

Ein falscher Schwur war nicht bloß ein juristisches Vergehen, sondern eine schwere religiöse Verfehlung, bei der Gott selbst zum Zeugen einer Unwahrheit angerufen worden war. Dass auch solche Fälle in der Freiensteiner Mirakelüberlieferung begegnen, zeigt die Bedeutung des Wallfahrtsortes nicht nur als Stätte körperlicher Hilfe, sondern ebenso als Ort moralischer und seelischer Zuflucht.

Die Wallfahrer

Menschen unterschiedlicher sozialer Stellung suchten Maria Freienstein auf und wandten sich in Krankheit, Gefahr und anderer Bedrängnis an die Schmerzhafte Muttergottes, wodurch die Wallfahrt zumindest in ihrem religiösen Anspruch gesellschaftliche Grenzen überschritt.

Gerade darin lag eine wesentliche soziale Funktion traditioneller Gnadenorte. Vor dem Kultbild konnten sehr unterschiedliche menschliche Nöte nebeneinanderstehen, und der gesellschaftliche Rang eines Wallfahrers bedeutete grundsätzlich keinen privilegierteren Zugang zur erhofften himmlischen Hilfe als jener des einfachen Pilgers, der den steilen Weg zum Heiligtum zu Fuß zurücklegte.

Der Kirchenraum

Die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstandene Kirche erhielt eine qualitätvolle barocke Ausstattung. Der Hochaltar stammt im Wesentlichen aus der Frühzeit des Kirchenbaues, während wenig später auch die Kanzel entstand; die weitere bildliche Ausstattung führt den Marienkult der Sieben Schmerzen mit der Passion Christi zusammen.

Diese Ausstattung darf nicht allein als dekorativer Schmuck verstanden werden. In einer Wallfahrtskirche bildeten Altar, Gemälde, Predigt und Mirakeldarstellungen ein religiöses Kommunikationssystem, das dem Pilger die Bedeutung des Gnadenortes erklärte, die Leiden Mariens vergegenwärtigte und anhand bereits erfolgter Gebetserhörungen das Vertrauen in ihre Fürsprache stärken konnte.

Wallfahrt in einer ehemaligen Burg

Die besondere räumliche Situation von Maria Freienstein unterscheidet den Ort deutlich von einer gewöhnlichen Dorf-, Feld- oder Bergwallfahrt. Der Pilger steigt aus dem Tal auf einen steilen Felsen hinauf, durchquert die erhaltenen Strukturen der ehemaligen Burg und gelangt erst innerhalb dieses ummauerten Bezirkes zur Kirche. Die mittelalterliche Befestigung wurde damit nicht vollständig beseitigt, sondern in den späteren Wallfahrtsraum integriert.

Diese räumliche Abfolge verleiht dem Besuch eine besondere Dramaturgie. Der Weg führt aus dem alltäglichen Verkehrsraum des Tales hinauf, über Brücke und Tor in einen abgeschlossenen Bezirk und schließlich zum Heiligtum. Was ursprünglich den Zugang zu einem weltlichen Herrschaftssitz bildete, wurde dadurch zum Zugangsweg eines marianischen Gnadenortes.

Die "Einsiedelei"

Zum erhaltenen Ensemble gehört das ehemalige Torhaus der Burg, das heute als "Einsiedelei" bezeichnet wird. Es bildet gemeinsam mit Ringmauer, Brücke, Kirche und weiteren Teilen des ehemaligen Burgareals einen räumlich geschlossenen Komplex.

Die Bezeichnung "Einsiedelei" verweist auf eine religiöse Nachgeschichte des ehemaligen Burgtores, doch sollte ohne zusätzliche historische Quellen nicht angenommen werden, dass seine heutige Funktion unverändert auf eine jahrhundertelange Einsiedlertradition zurückgeht. Sicher ist hingegen, dass Torhaus, Befestigung, Aufstiegsweg und Kirche bis heute einen zusammenhängenden Wallfahrtsraum bilden.

Wallfahrtsinfrastruktur

Maria Freienstein bietet ein ungewöhnliches Beispiel historischer Wallfahrtsinfrastruktur, weil bereits die ehemalige Burganlage die räumliche Organisation des späteren Pilgerortes vorgab. Aufstiegsweg, Mauern, Brücke und Tor strukturieren die Annäherung an die Kirche, während die sogenannte Einsiedelei einen zusätzlichen Aufenthalts- und Begegnungsort bildet.

Anders als bei großen Wallfahrtszentren mit ausgedehnten Pilgerherbergen, Gasthäusern und Devotionalienzeilen entstand hier ein kompakter, durch die Topographie des Burgfelsens bestimmter Wallfahrtsbezirk. Gerade diese räumliche Geschlossenheit macht Freienstein besonders anschaulich, weil sich der Übergang vom profanen Talraum zum sakralen Heiligtum noch unmittelbar nachvollziehen lässt.

Die Heilig-Grab-Kapelle

Zum Gesamtkomplex gehört außerdem eine Heilig-Grab-Kapelle, wodurch die für Maria Freienstein zentrale Passionsfrömmigkeit auch außerhalb des eigentlichen Kirchenraumes fortgesetzt wird.

Die Verbindung von Schmerzhafter Muttergottes und Heiligem Grab ist inhaltlich besonders eng, weil beide Formen der Frömmigkeit auf Leiden, Tod und Trauer um Christus ausgerichtet sind. Die Wallfahrtsanlage besaß damit mehrere religiöse Bezugspunkte, die den Pilger zur Betrachtung des Passionsgeschehens anleiten konnten.

Der Wallfahrtsort und die Eisenstraße

Maria Freienstein liegt hoch über dem Vordernbergertal, dessen Geschichte über Jahrhunderte durch Erzabbau, Eisengewinnung, Eisenverarbeitung und den damit verbundenen Verkehr bestimmt wurde. Der Gnadenort befand sich damit mitten in einer Landschaft, deren soziale und wirtschaftliche Struktur wesentlich durch Bergbau und Montanwesen geprägt war.

Ob einzelne Berufsgruppen dieser Montanwirtschaft innerhalb der historischen Wallfahrt besonders stark vertreten waren, lässt sich aus den bislang greifbaren Quellen nicht ausreichend bestimmen. Gerade eine zukünftige Auswertung des Mirakelbuches könnte jedoch erkennen lassen, in welchem Ausmaß Bergleute, Hüttenarbeiter, Fuhrleute oder andere mit der Eisenwirtschaft verbundene Menschen unter den Freiensteiner Wallfahrern vertreten waren.

Switbert Lobisser auf Maria Freienstein

Eine jüngere kunstgeschichtliche Episode verbindet die Wallfahrtskirche mit dem Kärntner Maler und Holzschneider Switbert Lobisser. Im Jahr 1926 wurde er mit der Gestaltung eines Kapellenbildes beauftragt und schuf den "Gang Marias übers Gebirge". Das Fresko wurde später vollständig zerstört und gehört daher heute nicht mehr zur erhaltenen Ausstattung.

Für die eigentliche Wallfahrtsgeschichte besitzt dieses Werk zwar geringere Bedeutung als Mirakelbilder und Schmerzensmutterkult, es zeigt jedoch, dass der Wallfahrtsort auch im 20. Jahrhundert künstlerisch weitergestaltet und mit zeitgenössischen Formen religiöser Bildkunst verbunden wurde.

Erhaltung des Wallfahrtsortes

In jüngerer Zeit wurde Maria Freienstein umfassend saniert und restauriert, wobei die Erhaltung des gesamten Ensembles angesichts der exponierten Lage und der ungewöhnlichen Verbindung von mittelalterlicher Burgsubstanz mit barocker Wallfahrtskirche eine besondere Herausforderung darstellt.

Gerade die erhaltene Geschlossenheit des Komplexes ist für die kulturhistorische Wirkung entscheidend, denn nicht allein die Kirche, sondern auch Burgmauer, Tor, Brücke und Aufstiegsweg tragen zur besonderen Gestalt des Wallfahrtsortes bei.

Die Wallfahrt heute

Maria Sieben Schmerzen auf Freienstein ist als lebendige Wallfahrt einzustufen. Die Kirche wird weiterhin als Wallfahrtskirche genutzt und während der Wallfahrtssaison von Pilgern und anderen Besuchern aufgesucht, wobei sich die Formen und die Intensität des Wallfahrens gegenüber der barocken Blütezeit selbstverständlich verändert haben.

Gerade bei Maria Freienstein ist die Kontinuität des Gnadenortes bemerkenswert, weil die Wallfahrt nicht auf einem mittelalterlichen Marienheiligtum aufbaute, sondern im 17. Jahrhundert bewusst innerhalb einer bereits ruinösen Burganlage geschaffen wurde. Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich dennoch eine ausgeprägte Mirakeltradition, die bereits 1682 in einem gedruckten Mirakelbuch und wenige Jahrzehnte später in einer eigenen Folge von Mirakelbildern greifbar wird.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Freienstein gehört zu jenen Wallfahrtsorten, deren Bedeutung erst aus dem Zusammenwirken von Landschaft, Geschichte, Legende und religiöser Praxis vollständig verständlich wird. Eine mittelalterliche Burg, die einst Herrschaft und Gerichtsbarkeit verkörperte, verfällt und wird in der späteren Volksüberlieferung zu einem von Spuk erfüllten Angstort; die Erlösung einer unruhigen Seele, die Preisgabe eines belasteten Schatzes und dessen Übergabe an die Jesuiten erklären in der Sage, wie aus diesem Ort schließlich ein Marienheiligtum werden konnte.

Parallel zu dieser legendarischen Deutung ist die historische Sakralisierung des Burgplatzes seit der Mitte des 17. Jahrhunderts fassbar. Mit der Bitte um "Befriedung" der Ruine, dem Kirchenbau und der Verehrung der Sieben Schmerzen Mariens erhielt der Ort eine neue religiöse Ordnung, während das bereits 1682 gedruckte Mirakelbuch und die um 1717 entstandenen Mirakelbilder zeigen, wie rasch sich ein ausgeprägter Gnadenkult entwickelte.

Besonders die Vielfalt der Mirakel macht deutlich, weshalb die Schmerzhafte Muttergottes hier eine so umfassende Fürsprecherfunktion übernehmen konnte. Bauunfall, Pest, schwere Krankheit, Epilepsie und selbst Meineid gehören unterschiedlichen Bereichen menschlicher Erfahrung an und werden dennoch unter demselben religiösen Schutz zusammengeführt.

Maria Freienstein ist damit nicht nur eine bemerkenswerte barocke Wallfahrtskirche innerhalb einer mittelalterlichen Burganlage, sondern ein selten anschauliches Beispiel dafür, wie ein ehemaliger Herrschafts- und Angstort durch Legende, Sakralisierung und Wallfahrt eine vollständig neue religiöse Identität erhalten konnte.

Literatur und Quellen

Literatur zur Wallfahrt:

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark.

- Ebner, Herwig: Burgen und Schlösser im Mürztal und Leoben. Wien 1965.

- Mirakelbuch von Maria Freienstein, gedruckt 1682; Steiermärkisches Landesarchiv.

- Sann, Hans von der: "Sage von Freienstein". In: Sagen aus der grünen Mark. Graz 1911. Sage online bereitgestellt auf SAGEN.at:
https://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/steiermark/sann/sagevonfreienstein.html

- Pfarre St. Peter-Freienstein / Seelsorgeraum an der Eisenstraße: Dokumentation zur Wallfahrtskirche Maria Sieben Schmerzen auf Freienstein.

- Marktgemeinde St. Peter-Freienstein: Orts- und Kirchengeschichte.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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