St. Anna am Aigen, Pfarr- und Wallfahrtskirche hl. Anna

Schnellüberblick
Wallfahrt:Traditionsreiche regionale Anna-Wallfahrt zur Pfarr- und Wallfahrtskirche auf dem Annaberg.
Status:Lebendige Wallfahrt; rund um das Annafest werden eigene Wallfahrermessen für Pilger aus benachbarten Pfarren gefeiert.
Kultzentrum:Verehrung der hl. Anna, besonders die Hochaltargruppe "Anna lehrt Maria lesen"; ein davon getrenntes wundertätiges Gnadenbild wird in den Quellen nicht genannt.
Hauptfest:Annatag am 26. Juli mit dem jährlich begangenen Mutter-Anna-Kirtag.
Besonderheit:Wallfahrt und jahrmarktartiger Kirtag sind am Annafest bis heute eng miteinander verbunden.
Ort:St. Anna am Aigen auf dem Höhenrücken des Annaberges.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Kirchplatz 1, 8354 St. Anna am Aigen.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Pfarre St. Anna am Aigen
Öffnungszeiten: zu Gottesdiensten und Wallfahrten; außerhalb dieser Zeiten keine verlässlich veröffentlichten regelmäßigen Öffnungszeiten.
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St. Anna am Aigen mit Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Anna am Aigen , weithin sichtbar auf dem Höhenrücken des Annaberges in der südöstlichen Steiermark

St. Anna am Aigen mit Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Anna am Aigen, Steiermark

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Anna am Aigen steht weithin sichtbar auf dem Höhenrücken des Annaberges in der südöstlichen Steiermark. Das Patrozinium gilt der hl. Anna, der Mutter Mariens; ihr Fest wird am 26. Juli begangen. Die Kirche ist Mittelpunkt einer traditionsreichen regionalen Anna-Wallfahrt und zugleich Pfarrkirche der 1788 errichteten Pfarre St. Anna am Aigen.

Die ältere Anna-Kapelle

Der heutige Kirchenbau besitzt einen wesentlich älteren Vorgänger. Eine Anna-Kapelle wird bereits 1545 urkundlich genannt. Ihre Grundmauern kamen 1933 bei der Anlage der Gruft für Kardinal Andreas Frühwirth wieder zum Vorschein; die Kapelle befand sich ungefähr im Bereich zwischen dem heutigen Hochaltar und dem Volksaltar.

Die Bewohner der umliegenden Siedlungen mussten ursprünglich weite Wege zu ihren Pfarrkirchen in Straden, Klöch und Trautmannsdorf zurücklegen. Der Wunsch nach regelmäßiger Messfeier in der Anna-Kapelle führte dazu, dass St. Anna zunächst Filiale der Pfarre Klöch wurde. Damit erfüllte die Kapelle zunächst vor allem eine seelsorgliche Funktion für die verstreute Bevölkerung der Weinbau- und Grenzregion.

Zerstörung durch die Kuruzzen und Neubau

Im Jahr 1706 wurde die Anna-Kapelle bei einem Kuruzzeneinfall schwer beschädigt beziehungsweise zerstört. Die Bevölkerung entschloss sich daraufhin zum Bau eines wesentlich größeren Gotteshauses. Entscheidende Unterstützung leistete der Klöcher Pfarrer Johann Georg Schilli, der einen erheblichen Betrag aus seinem Privatvermögen für den Neubau zur Verfügung stellte.

Die neue Kirche war bereits 1712 fertiggestellt. Wegen der aufwendigen und kostspieligen Innenausstattung konnte sie jedoch erst am 21. April 1717 durch Fürstbischof Joseph Dominikus Graf von Lamberg feierlich geweiht werden.

Der Wiederaufbau ist auch vor dem Hintergrund der unsicheren Grenzlage zu verstehen. Ein steirisches Landtagsprotokoll von 1952 berichtet, Kirche und Pfarrhof seien nach dem Kuruzzeneinfall mit einer teilweise bis zu sieben Meter hohen, mit Schießscharten versehenen Mauer umgeben worden. Teile der alten Ummauerung prägen den Kirchenbezirk noch heute.

Von der Filialkirche zur Pfarrkirche

St. Anna wurde 1769 Lokalkaplanei und im Zuge der josephinischen Pfarrregulierung 1788 zur selbständigen Pfarre erhoben. Damit erhielt eine ursprünglich aus einer örtlichen Anna-Kapelle hervorgegangene Andachts- und Wallfahrtsstätte zugleich die Funktion einer regulären Pfarrkirche.

Der Hochaltar und die hl. Anna

Die bedeutende spätbarocke Ausstattung entstand um 1780 in der Werkstatt des Grazer Bildhauers Veit Königer. Besonders hervorzuheben ist der Hochaltar. In seiner Baldachinnische befindet sich die Figurengruppe "Anna lehrt Maria lesen": Die hl. Anna erscheint als Lehrerin ihrer Tochter Maria.

Dieses Motiv gehört zu den charakteristischen Darstellungsformen der neuzeitlichen Anna-Verehrung. Im Unterschied zur verbreiteten Anna selbdritt, bei der Anna gemeinsam mit Maria und dem Jesuskind erscheint, wird hier Anna als Erzieherin und Vermittlerin des Glaubens dargestellt.

Die zugänglichen kirchlichen und kunsthistorischen Quellen nennen für St. Anna am Aigen kein davon getrenntes wundertätiges Gnadenbild. Der kultische Mittelpunkt der Kirche ist vielmehr die hl. Anna selbst und besonders ihre Darstellung am Hochaltar. Für die Einordnung der Wallfahrt ist diese Unterscheidung wichtig: Es handelt sich offenbar primär um eine Heiligen- und Patroziniumswallfahrt, nicht um eine klassische Gnadenbildwallfahrt.

Weitere Ausstattung

Auch die übrige Ausstattung stammt weitgehend aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Die Seitenaltäre zeigen die Heiligen Augustinus und Ulrich; am rechten Seitenaltar befindet sich außerdem eine Statuette der Maria Immaculata. Die Kanzel ist mit farbig gefassten Evangelistenreliefs geschmückt, das Taufbeckengehäuse mit einer Darstellung der Taufe Christi bekrönt. Im rechten Kirchenschiff befindet sich ein Dreifaltigkeitsbild in einem Laub- und Bandelwerkrahmen aus der Zeit um 1730.

Die Kirche besitzt einen dreischiffigen, vierjochigen Innenraum mit Kreuzgratgewölben. Der nördlich vorgestellte Turm ist rund 37 Meter hoch. Von den ursprünglich vier im Jahr 1716 gegossenen Glocken blieb nur die große Annaglocke erhalten; die übrigen wurden während der Weltkriege abgeliefert.

Die Anna-Wallfahrt

Der wichtigste Wallfahrtstermin ist bis heute der Annatag am 26. Juli. Die Marktgemeinde beschreibt St. Anna als regional bedeutenden Wallfahrtsort, zu dem am Festtag zahlreiche Menschen aus den umliegenden Ortschaften kommen.

Die Wallfahrt besitzt weiterhin eine konkrete kirchliche Organisationsform. Rund um das Annafest werden eigene Wallfahrermessen für Pilger aus Klöch und Tieschen sowie aus Kapfenstein gefeiert. Damit ist der Wallfahrtscharakter nicht lediglich historisch überliefert, sondern wird in den benachbarten Pfarren noch praktisch ausgeübt.

Mutter-Anna-Kirtag

Religiöse Wallfahrt und weltliches Fest sind in St. Anna am Aigen besonders eng miteinander verbunden. Am 26. Juli findet der Mutter-Anna-Kirtag statt. Die Gemeinde beschreibt das Annafest ausdrücklich als Tag, an dem sich mit den Wallfahrern zugleich ein jahrmarktartiges Treiben im ganzen Ort entwickelt. Der Kirtag wird weiterhin jährlich veranstaltet.

Der Kirtag ist nicht bloß ein profanes Begleitprogramm, sondern historisch ein typischer Bestandteil der Wallfahrtskultur. Große kirchliche Festtage brachten Menschen aus mehreren Orten zusammen; Händler, Wirte und Schausteller nutzten diesen periodischen Zustrom, sodass sich Wallfahrt und Jahrmarkt gegenseitig verstärkten.

Anna-Verehrung und Volksfrömmigkeit

Die hl. Anna gehörte besonders seit dem Spätmittelalter zu den populären Heiligen Mitteleuropas. Als Mutter Mariens wurde sie vor allem im Zusammenhang mit Familie, Ehe, Schwangerschaft, Geburt und Kindersegen angerufen; zugleich galt sie als Vorbild der Mütter und Großmütter.

Für St. Anna am Aigen ist derzeit allerdings nicht ausreichend belegt, welche einzelnen dieser Anliegen historisch im Mittelpunkt der Wallfahrt standen. Eine Übertragung allgemeiner Anna-Bräuche auf den konkreten Ort wäre daher ohne zusätzliche Quelle zu spekulativ.

Sicher nachweisbar ist dagegen die starke regionale Bindung an den Annatag, die überörtliche Teilnahme benachbarter Pfarren und die bis heute bestehende Verbindung mit dem Mutter-Anna-Kirtag.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956.

- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Steiermark (ohne Graz), Wien 1982, St. Anna am Aigen, Pfarrkirche, S. 412–413.

- 200 Jahre Pfarre St. Anna am Aigen. Die heutige Pfarrhomepage übernimmt daraus ihre historische Darstellung, unter anderem zur alten Kapelle, zum Neubau und zur Pfarrgründung.

- Pfarre St. Anna am Aigen: historische und kunstgeschichtliche Darstellung der Pfarrkirche sowie laufende Pfarrblätter und Gottesdienstordnungen mit den Wallfahrermessen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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