| Wallfahrt: | Alpine Wallfahrt, deren 1660 errichtete Kirche ursprünglich der Seelsorge für Hirten und Senner auf der Hochalm diente und später zunehmend von der Marienverehrung geprägt wurde. |
| Status: | Lebendige saisonale Bergwallfahrt mit mehreren traditionellen Hochalmtagen und Prozessionen. |
| Kultzentrum: | Hochalmmuttergottes aus dem 18. Jahrhundert, die den Sommer in der Hochalmkirche und den Winter traditionell beim Kühbergerhof verbringt. |
| Hauptfest: | Maria Schnee am 5. August; daneben bestehen weitere traditionelle Hochalmtage und Wetterprozessionen. |
| Besonderheit: | Der jahreszeitliche Ortswechsel der Marienstatue verbindet Tal und Alm; die Kirche liegt auf 1.822 Metern Seehöhe und gilt als höchstgelegene Wallfahrtskirche der Ostalpen. |
| Ort: | Seckauer Hochalm oberhalb von Seckau, auf 1.822 Metern Seehöhe. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Seckauer Hochalm, 8732 Seckau. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre Seckau |
| • | Öffnungszeiten: Das Kircheninnere ist nicht regelmäßig allgemein geöffnet. Die Hochalmkirche wird nur zur Feier der heiligen Messen geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Ansichtskarte Seckau, Wallfahrtskirche Maria Schnee auf der Hochalm im Jahr 1923:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
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Die Wallfahrtskirche Maria Schnee auf der Hochalm steht weithin sichtbar auf einem östlichen Ausläufer der Seckauer Alpen oberhalb von Seckau. Die in 1.822 Metern Seehöhe gelegene Bergkirche gilt als höchstgelegene Wallfahrtskirche der Ostalpen. Ihre Entstehung ist eng mit der Almwirtschaft verbunden: Das Gotteshaus sollte Hirten und Sennern während ihres sommerlichen Aufenthaltes auf der Hochalm einen Ort für Gottesdienst und Gebet bieten.
Initiator des Kirchenbaues war der Seckauer Stiftsdekan Paul Auer. Nach einer kirchlichen Darstellung begann der Bau am 10. Mai 1660; bereits am 2. Juli 1660 wurde die Kirche geweiht. Die Benediktinerabtei Seckau nennt dabei sowohl Maria Schnee als auch den hl. Hieronymus, der als Viehpatron verehrt wurde. In älteren Bezeichnungen erscheint das Gotteshaus entsprechend als "S. Hieronymus Kirchlein auf der Alm".
Die ursprüngliche Funktion der Kirche war damit zunächst stark von der Alm- und Viehwirtschaft geprägt. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts rückte die Marienverehrung immer stärker in den Mittelpunkt. Nach der Aufhebung des alten Seckauer Stiftes im Jahr 1782 setzte sich schließlich die Bezeichnung "Maria Schnee auf der Hochalpe" beziehungsweise "Maria Schnee auf der Hochalm" durch.
Zentrum der Marienverehrung ist die sogenannte Hochalmmuttergottes, eine Marienstatue aus dem 18. Jahrhundert. Während der Sommermonate befindet sie sich in der Hochalmkirche; den Winter verbringt die Statue traditionell beim Kühbergerhof, dessen Besitzer über Generationen eng mit der Betreuung des Kirchleins verbunden waren.
Ein besonders bemerkenswerter Brauch ist die Verbindung der Statue mit der Fronleichnamsprozession in Seckau. Die Hochalmmuttergottes wird mit Blumen geschmückt und durch den Ort getragen, bevor sie für die sommerliche Wallfahrtszeit wieder auf die Hochalm gebracht wird. Dieser jahreszeitliche Ortswechsel des Kultbildes verbindet Tal und Alm in besonderer Weise miteinander.
Das Patrozinium Maria Schnee bezieht sich auf die Legende von der römischen Basilika Santa Maria Maggiore. Nach der Überlieferung fiel am 5. August des Jahres 358 auf dem Esquilin in Rom mitten im Sommer Schnee und bezeichnete damit den Platz, an dem eine Marienkirche errichtet werden sollte. Der 5. August wird deshalb als Fest Maria Schnee begangen.
Daneben besteht auf der Seckauer Hochalm eine eigene lokale Sage. Danach sei die Alm wegen des leichtfertigen Lebens ihrer Bewohner unfruchtbar geworden und vom Vieh gemieden worden. Eines Sommers sei so viel Schnee gefallen, dass er den ganzen Sommer über liegen geblieben sei. Um den Himmel zu versöhnen, hätten die Bauern eine Kirche zu Ehren Mariens erbaut; danach sei die Alm wieder fruchtbar geworden und das Vieh habe dort wieder gut gedeihen können. Diese Erzählung ist als örtliche Gründungs- und Erklärungssage vom historisch belegten Kirchenbau des Jahres 1660 zu unterscheiden.
Gustav Gugitz schreibt 1956: Maria Schnee wurde als Hieronimikirche erbaut zu dem Zwecke, dass die auf den Bergen zerstreuten Hirten Gelegenheit hätten, wenigstens zu gewissen Zeiten die hl. Messe zu hören. Der Erbauer war der Probst Max Ernst Freih. von Gleispach.
Legende bei Gustav Gugitz 1956:
Als die hl. Maria noch auf Erden wandelte, kam sie auch in das Alpenland um Seckau. In einer Almhütte, hoch oben unter dem Gipfel des Zinken rastete sie ein wenig nach der langen Wanderung. Sie war müde und die Schwaigerin labte sie mit Milch und Butter. Als sie gekräftigt weiter wandern wollte, schenkte man ihr noch einen Striezel Butter. Im Weiterwandern kam die Muttergottes dann an die Stelle, an der jetzt das Kirchlein von Maria Schnee steht. Im Abwärtsschreiten gegen die Flanderhube im Feistritzgraben trat sie auf einen Stein und glitt aus. Noch heute sind an diesem Stein die Spuren ihrer Füße zu sehen, wie sie sich auf dem Stein festgestemmt hatten. Beim Ausgleiten entfiel ihr aber auch der Butterstriezel und drückte sein Mal auf einen anderen Stein ein. Nahe dieser Stelle erbauten später fromme Hände die Kirche Maria Schnee.
Auch nach der Aufhebung des Stiftes Seckau blieb die Hochalm ein religiöses Ziel. Im 19. Jahrhundert erlebte die Wallfahrt eine bemerkenswerte Wiederbelebung.
Zur 200-Jahr-Feier im Jahr 1860 gelang es Pfarrer Adalbert Janisch, eine außergewöhnlich große Pilgerschar zu mobilisieren. Nach der Überlieferung der Abtei kamen rund 15.000 Wallfahrer auf die Hochalm. Papst Pius IX. gewährte den Hochalmpilgern aus diesem Anlass einen vollkommenen Ablass.
Auch Erzherzog Johann besuchte die Hochalm mehrfach, unter anderem 1810 und 1825. Zu dieser Zeit befand sich das Kirchlein allerdings in schlechtem baulichem Zustand.
Eine besonders interessante Tradition ist die Wetterprozession auf die Hochalm. Die Seckauer Pfarrchronik berichtet für den 2. Juli 1892, dass die Bewohner der Gebiete Führer und Schweigerruth ihre Wetterprozession von nun an auf die Hochalm führen würden. Die Prozessionsroute beginnt beim Schwaigerkreuz und hat sich bis in die Gegenwart erhalten.
Damit verbindet sich die Hochalmwallfahrt mit einem alten volksreligiösen Anliegen bäuerlicher Gesellschaften: der Bitte um günstiges Wetter, Schutz der Felder und Almen sowie gutes Gedeihen des Viehs.
Die Wallfahrt ist lebendig und regelmäßig gepflegt. Die Benediktinerabtei Seckau nennt mehrere traditionelle Hochalmtage:
Am ersten Hochalmsonntag führt außerdem frühmorgens eine Prozession vom Schwaigerkreuz zur Kirche. Die aktuellen kirchlichen Veröffentlichungen laden ausdrücklich zur Wallfahrt zur Hochalm-Muttergottes ein.
Daneben liegt die Hochalmkirche an überregionalen Pilgerwegen, darunter am Mariazeller Gründerweg und an der Romea Strata.
Der kleine Kirchenraum ist einfach gehalten und entspricht damit seinem Charakter als hochgelegene Berg- und Wallfahrtskirche. Über dem Altar befindet sich die Hochalmmuttergottes aus dem 18. Jahrhundert. Zur weiteren Ausstattung gehören barocke Figuren aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie Votivbilder des 19. Jahrhunderts.
Gerade diese Votivbilder sind für die Wallfahrtsgeschichte bedeutsam, da sie konkrete Zeugnisse von Bitte und Dank der Pilger darstellen.
1904 wurde die Kirche grundlegend saniert und erhielt den charakteristischen viereckigen Turm mit Zeltdach. Weitere umfangreiche Renovierungen erfolgten zum 300-jährigen Bestehen 1960 und zur 350-Jahr-Feier 2010.
Maria Schnee auf der Hochalm ist ein besonders anschauliches Beispiel einer alpinen Wallfahrt, deren Wurzeln unmittelbar in der Lebens- und Arbeitswelt der Almwirtschaft liegen.
Der ursprüngliche Viehpatron Hieronymus verweist auf Hirten, Senner und Viehzucht; später überlagerte die Marienverehrung diese ältere Schutzfunktion. Hinzu kommen Wetterprozessionen, Votivbilder, Ablässe und festgelegte Wallfahrtstage.
Besonders charakteristisch ist der jahreszeitliche Rhythmus des Gnadenbildes: Im Winter befindet sich die Hochalmmuttergottes im Tal beim Kühbergerhof, zur Wallfahrtszeit kehrt sie auf die Hochalm zurück. Die blumengeschmückte Statue bei der Fronleichnamsprozession und ihr anschließender Weg hinauf zum Bergheiligtum verbinden die religiöse Gemeinschaft im Tal mit der saisonalen Almwelt.
Maria Schnee vereinigt damit in ungewöhnlich geschlossener Form Almwirtschaft, Viehschutz, Wettersegen, Marienverehrung, Prozession und Bergwallfahrt.
Die Kirche ist ein hochalpines Wanderziel. Außerhalb der Hochalmtage kann beim Kühbergerhof geparkt werden; von dort beträgt die Gehzeit ungefähr zwei Stunden. An den Tagen mit Hochalmmessen ist eine Zufahrt auf eigene Gefahr bis zum sogenannten Schroateck beziehungsweise zur Wetterlärche möglich; von dort ist etwa eine Stunde zu Fuß zurückzulegen.
- Erich Linhardt: "Die Wallfahrtskirchen Maria Schnee, Maria Schönanger und Maria Freienstein", in: Begegnungen. Zeitschrift der Katholischen Lehrer- und Erziehergemeinschaft, 2/2018, S. 20–24; Maria Schnee S. 22–23. Der Beitrag enthält Geschichte, Ausstattung, Wallfahrt und Hinweise auf die Votivbilder.
- Johannes Gartner: 350 Jahre Hochalmkirche "Maria Schnee". Auszüge daraus werden von der Benediktinerabtei Seckau in ihrer historischen Darstellung der Hochalmkirche wiedergegeben.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz), Wien 1982.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956. S. 192 - 193.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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