| Wallfahrt: | Mittelalterliche Marienwallfahrt zu Unserer Lieben Hausfrau von Seckau; ein päpstlicher Ablass von 1332 belegt den Kult außergewöhnlich früh. |
| Status: | Lebendige Marienwallfahrt mit Monatswallfahrt an jedem ersten Samstag, Rosenkranzprozession, Gebet vor dem Gnadenbild und Wallfahrermesse. |
| Kultzentrum: | Nur etwa 22 Zentimeter hohes romanisches Steinrelief der thronenden Gottesmutter mit dem Jesuskind, auch "Ursprungsbild" genannt. |
| Hauptfest: | Monatswallfahrt an jedem ersten Samstag; historisch war der Mittwoch nach Pfingsten als "hübscher Mittwoch" besonders bedeutend. |
| Besonderheit: | Gründungslegende vom im Baum gefundenen Bildstein, sehr früher Ablassbeleg und historisches Wachsopfer verbinden Legende, institutionelle Wallfahrt und Votivbrauch. |
| Ort: | Benediktinerabtei Seckau. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Basilika der Abtei Seckau, Marienplatz 1, 8732 Seckau. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Benediktinerabtei Seckau |
| • | Öffnungszeiten: Die Basilika und die Gnadenkapelle werden regelmäßig für Gottesdienste, Gebet und Wallfahrten genutzt. Für eine gezielte Besichtigung und insbesondere für Führungen durch Basilika und Kloster empfiehlt sich eine vorherige Information bei der Abtei Seckau. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Ansichtskarte Benediktiner Abtei in Seckau in der Steiermark 1930er Jahre:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
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Die Basilika Mariä Himmelfahrt der Benediktinerabtei Seckau zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten der Steiermark. Im Mittelpunkt einer bis ins Mittelalter zurückreichenden Marienwallfahrt steht das Seckauer Gnadenbild, traditionell "Unsere Liebe Hausfrau von Seckau" oder "Ursprungsbild" genannt. Das kleine romanische Relief einer thronenden Gottesmutter mit dem Jesuskind gehört zu den ältesten verehrten Marienbildern der Steiermark. Seine Verehrung ist spätestens seit dem frühen 14. Jahrhundert urkundlich nachweisbar.
Bis heute besteht in Seckau eine lebendige Marienwallfahrt. An jedem ersten Samstag im Monat findet eine eigene Monatswallfahrt mit Rosenkranzprozession, Gebet vor dem Gnadenbild und Wallfahrermesse statt.
Adalram von Waldeck gründete 1140 bei St. Marein bei Knittelfeld ein Augustiner-Chorherrenstift. Bereits 1142 wurde die Gemeinschaft auf die Seckauer Hochfläche verlegt. Papst Innozenz II. bestätigte die Übertragung 1143.
Die romanische Stiftskirche entstand in den folgenden Jahrzehnten und wurde am 16. September 1164 durch den seligen Hartmann von Brixen geweiht.
Im Jahr 1218 wurde Seckau zum Sitz eines Salzburger Suffraganbistums erhoben. Die Stiftskirche war damit zugleich Kathedralkirche des Bistums Seckau. Nach einem schweren Brand im Jahr 1259 wurde der Bau in den folgenden Jahrhunderten mehrfach verändert und erweitert.
Kaiser Joseph II. hob das Augustiner-Chorherrenstift 1782 auf. Der Bischofssitz wurde nach Graz verlegt, Teile der Klosteranlage verfielen oder wurden abgetragen.
1883 übernahmen Benediktiner der Beuroner Kongregation das ehemalige Chorherrenstift und begründeten das klösterliche Leben in Seckau neu. 1930 erhielt die Abteikirche den Rang einer Basilica minor.
Das Seckauer Gnadenbild ist ein nur etwa 22 Zentimeter hohes und 10,5 Zentimeter breites Steinrelief.
Es zeigt Maria frontal auf einem Thron sitzend. Auf ihrem Schoß sitzt das ebenfalls frontal dargestellte Jesuskind. Der Bildtyp entspricht der byzantinischen Nikopoia, der thronenden Gottesmutter als königlicher Trägerin Christi.
In der älteren Literatur wird das Relief als Arbeit aus grauem Marmor beschrieben; andere kunsthistorische Beschreibungen sprechen von einem alabasterartigen Stein. Auch die Datierung schwankt zwischen dem ausgehenden 12. Jahrhundert und dem frühen beziehungsweise zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts.
Eine Entstehung im Umkreis einer venezianischen Werkstatt nach byzantinischem Vorbild gilt als wahrscheinlich. Über den tatsächlichen Weg des Reliefs nach Seckau ist keine urkundliche Nachricht erhalten.
Die Seckauer Haustradition verbindet das Gnadenbild unmittelbar mit der Gründung des Klosters.
Der Legende zufolge jagte Stifter Adalram im Jahr 1142 in den ausgedehnten Wäldern der Seckauer Hochfläche einem Hirsch nach. Erschöpft legte er sich schließlich unter einem Baum nieder.
Dort soll ihm Maria mit dem Jesuskind in hellem Licht erschienen sein. Gleichzeitig habe er die Worte gehört:
"Hic secca!" – "Fälle hier!"
Adalram berichtete dem Propst von seiner Erscheinung. Als der bezeichnete Baum gefällt wurde, fand man der Überlieferung zufolge darin ein steinernes Marienbild.
Dieser wunderbare Fund wurde als himmlisches Zeichen verstanden, das Kloster von seinem ursprünglichen Standort bei St. Marein auf die Seckauer Hochfläche zu übertragen. Das aufgefundene Marienbild sei das noch heute verehrte "Ursprungsbild".
Historisch ist diese Auffindungsgeschichte nicht nachweisbar. Sie gehört zur späteren Seckauer Gründungsüberlieferung.
Volkskundlich verbindet die Legende mehrere typische Motive einer Kultortgründung: eine Erscheinung, einen von der Gottesmutter bestimmten Ort, die wunderbare Auffindung eines Bildes und die Stiftung beziehungsweise Verlegung eines Heiligtums.
Ein außergewöhnlich früher und eindeutiger Nachweis der Seckauer Marienwallfahrt stammt aus dem Jahr 1332.
Papst Johannes XXII. gewährte am 17. Dezember 1332 in Avignon Gläubigen, die das Seckauer Marienheiligtum besuchten und bestimmte religiöse Handlungen vollzogen, einen Ablass.
Die Verehrung des Gnadenbildes muss zu diesem Zeitpunkt bereits fest etabliert gewesen sein. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich Seckau zu einem bedeutenden steirischen Wallfahrtsort. In seiner regionalen Bedeutung wurde es neben anderen großen Marienheiligtümern wie Mariazell und Straßengel genannt.
Besonders bedeutend war der Wallfahrtstag am Mittwoch nach Pfingsten.
Der wichtigste mittelalterliche Wallfahrtstermin wurde als "hübscher Mittwoch" bezeichnet. Gemeint war der Mittwoch nach Pfingsten.
An diesem Tag zogen Prozessionen aus zahlreichen Pfarren des oberen Murtales und der Umgebung nach Seckau, um "Unsere Liebe Hausfrau" zu verehren.
Eine Handschrift aus dem Jahr 1345 nennt mindestens 16 Kirchen, deren Gemeinden beziehungsweise Zechmeister jährlich Wachs nach Seckau bringen mussten.
Genannt werden unter anderem St. Michael an der Liesing, St. Stephan ob Leoben, Kraubath, St. Margarethen bei Knittelfeld, Lobming, Weißkirchen, Fohnsdorf, Gaal, Knittelfeld, Kobenz und St. Marein.
Die Wallfahrt nach Seckau war damit keine ausschließlich individuelle Pilgerbewegung, sondern ein fest organisiertes regionales Wallfahrtssystem.
Von besonderer volkskundlicher Bedeutung ist der mit dem "hübschen Mittwoch" verbundene Wachsbrauch.
Die Zechmeister der beteiligten Pfarren brachten Wachs als Opfergabe nach Seckau. Die historische Vorschrift bestimmte ausdrücklich, dass dieses Wachs zur Herstellung beziehungsweise Unterhaltung von Lichtern und Kerzen zu Lob und Ehre Unserer Lieben Frau verwendet werden sollte.
Das Wachsopfer verband somit die Herkunftspfarre unmittelbar mit dem Seckauer Gnadenort.
Auch die Aufnahme der Zechmeister war geregelt. Der Seckauer Küster hatte ihnen unter anderem Wein, Käse und Brot zu reichen; weitere Bestimmungen regelten Leistungen und Gegengaben zwischen Seckau und den beteiligten Pfarren.
Damit wird mittelalterliche Wallfahrt in Seckau außergewöhnlich konkret greifbar: Prozession, Wachsopfer, Zechmeister, Bewirtung und festgelegte gegenseitige Verpflichtungen bildeten Teile eines institutionell organisierten Wallfahrtsbrauches.
Eine weitere Schicht der Seckauer Marienverehrung entwickelte sich im Zusammenhang mit den osmanischen Einfällen des 15. Jahrhunderts.
Im August 1480 verwüsteten osmanische Streifscharen Teile des oberen Murtales. Auch die Umgebung von Seckau war betroffen.
Eine spätere Überlieferung erzählt, ein dichter Nebel habe das Stift vor den Angreifern verborgen und dadurch vor der Zerstörung bewahrt. Diese wunderbare Rettung gehört jedoch zur späteren Erinnerungskultur und ist nicht als historisch belegtes Ereignis zu verstehen.
Propst Johannes Dürnberger ließ 1486 zur Erinnerung an die überstandene Gefahr einen Mariä-Opferungsaltar errichten. Gleichzeitig wurde eine Marienbruderschaft gegründet.
Die Mitglieder stellten sich unter den besonderen Schutz der Gottesmutter und baten um Frieden sowie um Bewahrung vor weiteren feindlichen Einfällen.
Der Altar wurde 1489 durch Bischof Matthias Scheit geweiht.
Die Verehrung des Seckauer Gnadenbildes verband sich damit verstärkt mit der Vorstellung Marias als Schutzpatronin in Zeiten existenzieller Bedrohung.
Das Seckauer Gnadenbild befand sich im Lauf der Jahrhunderte an verschiedenen Stellen innerhalb des Klosters und der Kirche.
Zeitweise war es im Kapitelsaal aufgestellt, der wegen des verehrten Bildes auch als "Ursprungskapelle" bezeichnet wurde.
Nach der Aufhebung des Chorherrenstiftes kam das Gnadenbild 1789 auf den Hochaltar.
Nach der Wiederbesiedlung Seckaus durch die Benediktiner wurde es im ausgehenden 19. Jahrhundert in die Bischofskapelle übertragen.
In den frühen 1950er Jahren gestaltete Bruder Bernward Schmid OSB die Fassung beziehungsweise Rahmung des Gnadenbildes neu. 1954 erhielt das Ursprungsbild einen Platz in der heutigen Gnadenkapelle.
Die Kapelle verbindet die Verehrung Marias mit ihrer Funktion als Sakramentskapelle. Das Gnadenbild befindet sich über dem Tabernakel.
Mit der Seckauer Marienverehrung ist bis heute der alte Gruß verbunden:
"Sei gegrüßt, du Hoffnung mein, Jesus und Maria rein."
Die Formel wird auf Propst Johannes Dürnberger zurückgeführt und lebt in Kloster und Pfarre weiter.
Die Seckauer Basilika gehört zu den bedeutendsten romanischen Kirchenbauten Österreichs.
Der monumentale romanische Kirchenbau wurde über Jahrhunderte hinweg erweitert und künstlerisch neu gestaltet. Das spätgotische Netzrippengewölbe, die romanische Kreuzigungsgruppe aus dem frühen 13. Jahrhundert, das Habsburger-Mausoleum und zahlreiche weitere Kunstwerke dokumentieren die lange Geschichte des ehemaligen Chorherrenstiftes und Bischofssitzes.
Von besonderer Bedeutung für die Kunst des 20. Jahrhunderts ist die von Herbert Boeckl zwischen 1952 und 1960 geschaffene "Seckauer Apokalypse" in der Engelkapelle.
Für die Geschichte der Wallfahrt ist jedoch vor allem das kleine romanische Gnadenbild entscheidend. Trotz der monumentalen Architektur und der Vielzahl bedeutender Kunstwerke blieb dieses unscheinbare Relief über Jahrhunderte Mittelpunkt einer eigenen Marienverehrung.
Die Wallfahrt zu Unserer Lieben Hausfrau von Seckau kann in der Entwicklung über viele Jahrhunderte anhand konkreter Quellen verfolgt werden.
Auf der einen Seite steht die Gründungslegende vom wunderbar aufgefundenen Gnadenbild. Der im Baum gefundene Bildstein bezeichnet den Platz gleichsam als von Maria selbst ausgewählten sakralen Ort.
Auf der anderen Seite steht mit dem päpstlichen Ablass von 1332 bereits ein außergewöhnlich früher historischer Nachweis der Wallfahrt.
Besonders wertvoll ist die Überlieferung des "hübschen Mittwochs". Mindestens 16 Kirchen waren in ein jährliches System von Prozessionen und Wachsopfern eingebunden. Wallfahrt erscheint hier nicht als spontane individuelle Frömmigkeit, sondern als fest organisierte religiöse Handlung zwischen Gemeinden, Zechen und dem zentralen Gnadenort.
Das Wachsopfer war zugleich eine materielle Verbindung zwischen den Herkunftspfarren und dem Seckauer Heiligtum. Das geopferte Wachs wurde in Licht verwandelt und vor dem Gnadenbild beziehungsweise zu Ehren der Gottesmutter verbrannt.
Die Marienbruderschaft des späten 15. Jahrhunderts und die Erinnerung an die Osmanengefahr erweiterten diese mittelalterliche Wallfahrtstradition um die Vorstellung Marias als Schutzpatronin der Gemeinschaft.
In Seckau überlagern sich damit mehrere Funktionen des Gnadenbildes: Maria als himmlische Gründerin des Ortes, als Ziel regionaler Wallfahrten, als Empfängerin von Wachsopfern und als Fürsprecherin in Zeiten von Krieg und Gefahr.
Die Wallfahrt zu Unserer Lieben Hausfrau von Seckau ist bis heute lebendig.
An jedem ersten Samstag des Monats findet eine eigene Monatswallfahrt statt. Sie beginnt mit einer Rosenkranzprozession mit Kerzen durch den Kreuzgang. Anschließend wird vor dem Gnadenbild ein Weihegebet gesprochen; danach folgt die Wallfahrermesse in der Basilika. Auch Beichtgelegenheit wird angeboten.
Die Gnadenkapelle ist darüber hinaus fest in das regelmäßige religiöse Leben der Abtei eingebunden. Dort werden Rosenkranzgebete und Gottesdienste gefeiert.
Seckau ist damit nicht nur ein historischer Gnadenort, sondern weiterhin ein aktiver Marienwallfahrtsort.
Die Wallfahrt zur Basilika und zum Gnadenbild "Unsere Liebe Hausfrau von Seckau" ist von der ebenfalls von Seckau ausgehenden Wallfahrt zu Maria Schnee auf der Seckauer Hochalm zu unterscheiden. Es handelt sich um zwei eigenständige Wallfahrtstraditionen.
- Benno Roth: "Unsere Liebe Hausfrau". Die Seckauer "Nikopoia". Geschichte des Seckauer Gnadenbildes. In: Jahresbericht des Abteigymnasiums Seckau 1953/54, S. 1–13.
- Benno Roth: Seckau. Geschichte und Kultur 1164–1964. Zur 800-Jahr-Feier der Weihe der Basilika. Wien/München 1964.
- Benno Roth: Seckau. Der Dom im Gebirge. Kunsttopographie vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Graz–Wien–Köln 1983.
- Benno Roth: "Der Hochaltar der Seckauer Basilika im Wandel der Jahrhunderte." In: Jahresbericht des Abteigymnasiums Seckau 1954/55, S. 1–16.
- Norbert Allmer: "Seckau 1140–1782." In: Die ehemaligen Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich und Südtirol.
- Kurt Woisetschläger, Peter Krenn: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Steiermark (ohne Graz). Wien 1982, Abschnitt Seckau.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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