| Wallfahrt: | Alpine Marien- und Heilquellenwallfahrt zu Maria Hilf unterhalb des Hochlantsch; Quelle, Felslandschaft und Kapelle bilden gemeinsam den Gnadenort. |
| Status: | Lebendige Wallfahrt mit Pilgern und Wallfahrergruppen; mehrmals im Jahr werden Gottesdienste gefeiert, besonders zu Marienfesten. |
| Kultzentrum: | Mariahilfbild in der Kapelle sowie das unmittelbar beim Heiligtum entspringende Wasser in den schüsselförmigen Felsvertiefungen. |
| Hauptfest: | Mehrere Gottesdienste im Jahreslauf, besonders im Zusammenhang mit Marienfesten; ein einzelner Hauptwallfahrtstag wird in der bestehenden Dokumentation nicht hervorgehoben. |
| Besonderheit: | Die Heilungslegende kann durch den Gebrauch derselben Quelle rituell nachvollzogen werden; die ausschließlich zu Fuß erreichbare Kapelle ist Teil einer ausgeprägten sakralen Berglandschaft. |
| Ort: | Lantsch, Breitenau am Hochlantsch, unterhalb der Felswände auf etwa 1.360 Metern Seehöhe. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Lantsch 22, 8614 Breitenau am Hochlantsch. Die Kapelle liegt unterhalb der Felswände des Hochlantsch in etwa 1.360 Metern Seehöhe und ist ausschließlich zu Fuß erreichbar. Vom Gasthaus "Steirischer Jockl" führen rund 198 Stufen zur Kapelle hinunter. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Breitenau am Hochlantsch |
| • | Öffnungszeiten: Der Wallfahrtsort ist vor allem während der wärmeren Jahreszeit erreichbar. Die Kapelle selbst ist insbesondere im Zusammenhang mit den dort gefeierten Gottesdiensten geöffnet; außerhalb der Gottesdienstzeiten ist ein Zugang zum Innenraum nicht immer gewährleistet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Unterhalb der mächtigen Felswände des Hochlantsch liegt in rund 1.360 Metern Seehöhe die Wallfahrtskapelle Maria Hilf in Schüsserlbrunn, einer der landschaftlich eindrucksvollsten Wallfahrtsorte der Steiermark. Das kleine hölzerne Kirchlein steht unmittelbar am Fuß der steil aufragenden Lantschmauern und ist ausschließlich zu Fuß erreichbar, wodurch sich der Besuch bis heute deutlich von Wallfahrtsorten unterscheidet, die unmittelbar an Straßen oder in geschlossenen Siedlungen liegen. Der beschwerliche Weg, die hochalpine Felslandschaft, eine unmittelbar beim Heiligtum entspringende Quelle, das Mariahilfbild und die mit dem Ort verbundenen Heilungslegenden bilden gemeinsam einen religiösen Erfahrungsraum, dessen Bedeutung weit über das eigentliche Kapellengebäude hinausreicht.
Schüsserlbrunn ist kein erloschener historischer Gnadenort, sondern bis heute Ziel von Pilgern und Wallfahrergruppen. Mehrmals im Jahr werden bei der Kapelle Gottesdienste gefeiert, besonders im Zusammenhang mit Marienfesten, und der Ort ist weiterhin fest in das religiöse Leben der Region eingebunden.
Schüsserlbrunn liegt unmittelbar unter den nördlichen Felsabbrüchen des Hochlantsch in einer Landschaft, deren Wirkung wesentlich zum Charakter des Wallfahrtsortes beiträgt. Über der Kapelle ragen die steilen Kalkwände auf, während sich unterhalb das Gelände zum Tal hin öffnet.
Die heutige Erreichbarkeit unterstreicht den besonderen Charakter des Ortes. Vom Bereich des Gasthauses "Steirischer Jockl" führt der Weg über eine lange Treppenanlage mit rund 198 Stufen zur Kapelle hinunter.
Damit muss sich auch der heutige Besucher dem Heiligtum körperlich annähern. Der Weg ist nicht bloß Verbindung zwischen Parkplatz beziehungsweise Wanderweg und Kirche, sondern kann innerhalb einer Wallfahrt selbst zum religiösen Vorgang werden, bei dem körperliche Anstrengung, Landschaftserfahrung und innere Sammlung ineinandergreifen.
Gerade bei abgelegenen Bergwallfahrten erhält das Gehen eine besondere Bedeutung, weil der Wallfahrtsort nicht beiläufig erreicht werden kann, sondern einen bewussten Aufbruch verlangt.
Der ungewöhnliche Name Schüsserlbrunn wird mit kleinen schüsselförmigen Vertiefungen im Felsen in Verbindung gebracht, in denen sich Quellwasser sammelt.
Diese natürlichen Felsschüsseln beziehungsweise "Schüsserln" gehören zum ältesten und charakteristischsten Bestandteil des Kultortes. Dem darin gesammelten Wasser wurde innerhalb der religiösen Überlieferung eine besondere Heilkraft zugeschrieben, wobei vor allem Augenleiden im Mittelpunkt standen.
Der Name bezeichnet damit nicht lediglich eine Quelle, sondern verbindet unmittelbar Landschaftsform und religiöse Funktion.
Das Wasser ist nicht von der Kapelle zu trennen. Felswand, Quelle und Kirchenbau bilden gemeinsam den Wallfahrtsort.
Die Verwendung des Schüsserlbrunner Wassers bei Augenleiden gehört zu einer im alpinen Wallfahrtswesen weit verbreiteten Form religiöser Heilpraxis. Pilger wuschen erkrankte Augen mit dem Wasser oder nahmen es mit nach Hause und verbanden diese Handlung mit Gebet und der Anrufung Mariens.
Eine medizinische Wirksamkeit des Wassers ist davon selbstverständlich zu unterscheiden. Für die volkskundliche Betrachtung ist entscheidend, dass dem Wasser aufgrund der religiösen Überlieferung besondere Bedeutung zugeschrieben wurde und daraus ein wiederholbares Ritual entstand.
Wer nach Schüsserlbrunn kam, konnte dieselbe Handlung vollziehen, die bereits in der Ursprungslegende als Ursache einer wunderbaren Heilung erscheint.
Gerade diese Verbindung zwischen Legende und konkreter körperlicher Handlung gehört zu den charakteristischen Mechanismen traditioneller Heilwallfahrten.
Eine der bekanntesten Ursprungserzählungen berichtet von einer ungarischen Gräfin, deren Sohn blind gewesen sein soll.
Der Frau sei im Traum ein abgelegener Ort am Hochlantsch gezeigt worden. Daraufhin habe sie sich mit ihrem Kind auf den beschwerlichen Weg gemacht und schließlich Schüsserlbrunn erreicht, wo sie ein Marienbild und die mit Wasser gefüllten Vertiefungen im Felsen vorgefunden habe.
Nachdem sie mit diesem Wasser die Augen ihres Sohnes benetzt hatte, soll das Kind wieder sehen können.
Aus Dankbarkeit habe die Gräfin anschließend eine Kapelle errichten lassen.
Historisch lässt sich diese Erzählung nicht als Gründungsurkunde des Wallfahrtsortes verwenden. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, dass sie Herkunft und besondere Funktion von Schüsserlbrunn in einer geschlossenen religiösen Erzählung erklärt.
Traumweisung, beschwerlicher Weg, Auffinden des heiligen Ortes, Marienbild, Heilwasser und wunderbare Genesung greifen ineinander und begründen zugleich, weshalb spätere Pilger gerade mit Augenleiden nach Schüsserlbrunn kamen.
Volkskundlich ist besonders bemerkenswert, dass die Handlung der Legende von späteren Wallfahrern nachvollzogen werden konnte.
Die Gräfin findet den Ort, wendet das Wasser an den Augen ihres Kindes an und erlebt dessen Heilung. Der spätere Pilger konnte denselben Weg antreten, dieselbe Quelle aufsuchen und dasselbe Wasser verwenden.
Das einmalige Wunder der Legende wurde dadurch in ein wiederholbares religiöses Handlungsmuster übersetzt.
Gerade diese Möglichkeit, eine Ursprungserzählung körperlich nachzuvollziehen, verlieh Heilquellen innerhalb der Wallfahrtskultur eine besondere Überzeugungskraft.
Neben der Erzählung von der ungarischen Gräfin besteht eine zweite Überlieferung, die wesentlich stärker in der bäuerlichen Lebenswelt verankert ist.
Danach soll ein Rind von den Almen des Hochlantsch abgestürzt und zunächst verschwunden gewesen sein. Nach längerer Suche habe man das Tier schließlich überraschend unverletzt bei der Quelle gefunden; außerdem sei bei ihm ein Marienbild entdeckt worden.
Auch dieses Ereignis wurde als übernatürliches Zeichen gedeutet und mit der Entstehung beziehungsweise besonderen Bedeutung des Ortes verbunden.
Die beiden Legenden sollten nicht zu einer einzigen Ursprungsgeschichte verschmolzen werden. Sie stellen vielmehr unterschiedliche Deutungen desselben Gnadenortes dar.
Während die Geschichte von der Gräfin die Heilung menschlicher Krankheit, insbesondere der Augen, in den Mittelpunkt rückt, verbindet die Rinderlegende Schüsserlbrunn mit Viehwirtschaft und bäuerlicher Schutzfrömmigkeit.
In jüngeren Darstellungen wird gelegentlich behauptet, bereits im 14. Jahrhundert hätten Wallfahrten nach Schüsserlbrunn stattgefunden.
Eine solche frühe Datierung ist jedoch nicht ausreichend belegt. Selbst heutige regionale Darstellungen weisen darauf hin, dass entsprechende schriftliche Nachweise fehlen.
Sicherer lässt sich die Geschichte erst ab dem 18. Jahrhundert fassen. Nach der Pfarrüberlieferung bestand Schüsserlbrunn in der Mitte des 18. Jahrhunderts bereits als Andachtsstätte.
Auch Vorstellungen von einem noch älteren vorchristlichen Kultplatz sind quellenkritisch mit großer Vorsicht zu behandeln. Zwar wird gelegentlich erzählt, Bauern hätten dort bereits in vorchristlicher Zeit Tierfiguren oder andere Opfergaben für den Schutz ihres Viehs niedergelegt, ein archäologischer Nachweis für eine kontinuierliche vorchristliche Kultstätte ist jedoch nicht bekannt.
Die eindrucksvolle Felslandschaft allein genügt nicht, um eine solche Kultkontinuität anzunehmen.
Spätestens im 19. Jahrhundert ist Schüsserlbrunn eindeutig als lebendiger Wallfahrtsort dokumentiert.
Von besonderem Wert ist ein zeitgenössischer Bericht, der 1879 in der weit verbreiteten Zeitschrift "Die Gartenlaube" unter dem Titel "Die Wallfahrtscapelle ‚Schüsserlbrunn' am Hochlantsch in Steiermark" erschien.
Der Bericht entstand noch vor Errichtung der heutigen Kapelle und beschreibt ausdrücklich die im Sommer zahlreich kommenden Wallfahrer.
Damit liegt ein unmittelbarer zeitgenössischer Beleg vor, der den Wallfahrtscharakter nicht aus späteren Erinnerungen rekonstruiert, sondern die damals lebendige religiöse Praxis selbst beschreibt.
Besonders bemerkenswert ist die Beschreibung der damaligen Wallfahrtsinfrastruktur.
Nach dem Bericht von 1879 lebte bei der abgelegenen Kapelle über längere Zeit ein Einsiedler, der nicht nur das Heiligtum betreute, sondern auch Wanderer und Wallfahrer mit einfachen Erfrischungen versorgte.
Quellwasser und Brot gehörten zu jener bescheidenen Versorgung, die an einem abgelegenen Bergheiligtum von erheblicher praktischer Bedeutung sein konnte.
Der später dort lebende Mesner setzte diese Funktion fort und schenkte neben dem Quellwasser sogar Branntwein aus.
Diese Nachricht vermittelt einen seltenen unmittelbaren Einblick in die praktische Seite einer historischen Bergwallfahrt.
Gerade Schüsserlbrunn zeigt besonders deutlich, dass auch ein scheinbar abgeschiedener Gnadenort eine eigene Infrastruktur benötigte.
Wer den langen Fußweg auf sich nahm, musste trinken, sich ausruhen und gegebenenfalls verpflegen können. Gleichzeitig musste jemand die Kapelle betreuen, für Ordnung sorgen, Gottesdienste vorbereiten und den Wallfahrern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Der Einsiedler beziehungsweise Mesner erfüllte damit mehrere Funktionen zugleich: Er war religiöser Betreuer des Ortes, Hüter der Kapelle und Teil einer elementaren Versorgung der Pilger.
Diese Verbindung von Einsiedelei, Mesnerdienst und einfacher Bewirtung gehört zur materiellen Kultur der Wallfahrt und erweitert den Blick weit über Altar und Gnadenbild hinaus.
Die heutige hölzerne Wallfahrtskapelle wurde 1882 errichtet.
Sie ersetzte einen älteren Vorgängerbau, der bereits Mittelpunkt der im Bericht von 1879 beschriebenen Wallfahrt gewesen war.
Das Jahr 1882 bezeichnet daher nicht den Beginn des Kultes, sondern eine bauliche Erneuerung eines wesentlich älteren Wallfahrtsortes.
Der kleine Holzbau fügt sich ungewöhnlich eng in die Felslandschaft ein und erhält gerade durch seine bescheidene Größe einen besonderen Charakter. Im Verhältnis zu den mächtigen Felswänden des Hochlantsch erscheint die menschliche Architektur fast zurückgenommen, während die Landschaft selbst einen wesentlichen Teil der sakralen Wirkung übernimmt.
Die Kapelle ist Maria Hilf geweiht.
Im Mittelpunkt des Altares steht ein Mariahilfbild, womit Schüsserlbrunn in eine der bedeutendsten marianischen Bildtraditionen des Alpenraumes eingebunden ist.
Der Bildtypus "Maria Hilf" verbreitete sich seit der frühen Neuzeit in zahlreichen Kopien und Varianten über weite Teile Süddeutschlands, Österreichs und des Alpenraumes und entwickelte an zahlreichen Orten eigenständige lokale Gnadenkulte.
Es wäre daher nicht gerechtfertigt, die verschiedenen Ursprungslegenden unmittelbar auf das heute erhaltene Mariahilfbild zu beziehen, solange dessen Geschichte nicht genauer geklärt ist.
In der Kapelle befinden sich bis heute Votivbilder, die von Menschen als Dank für erfahrene oder erhoffte Hilfe gestiftet wurden.
Sie gehören zu den wichtigsten materiellen Zeugnissen der Wallfahrt, weil sie nicht nur allgemeine Marienverehrung dokumentieren, sondern konkrete menschliche Notsituationen sichtbar machen.
Gerade für Schüsserlbrunn wäre eine systematische Auswertung der erhaltenen Tafeln besonders aufschlussreich. Dabei ließe sich feststellen, ob Augenkrankheiten tatsächlich das dominierende Anliegen bildeten oder ob auch Unfälle, Viehnot, andere Krankheiten und Gefahren eine größere Rolle spielten.
Die Votivbilder können damit die legendarische Überlieferung ergänzen oder korrigieren.
Wo die Legende das ideale Ursprungswunder erzählt, zeigen Votivtafeln die tatsächlichen Sorgen jener Menschen, die den Wallfahrtsort über Generationen hinweg aufsuchten.
Die Lage unmittelbar unter den mächtigen Felswänden machte Schüsserlbrunn nicht nur landschaftlich eindrucksvoll, sondern auch gefährlich.
1951 wurde die Kapelle durch einen Felssturz schwer beschädigt.
Da weitere Steinschläge nicht ausgeschlossen werden konnten, entschloss man sich schließlich zu einer ungewöhnlichen Sicherungsmaßnahme: 1974 wurde das gesamte Kapellengebäude um ungefähr zehn Meter versetzt und auf einem neuen Fundament aufgestellt.
Damit wurde der Bau verändert, ohne den Wallfahrtsort selbst aufzugeben.
Diese Versetzung ist volkskundlich besonders interessant, weil sie zeigt, dass der eigentliche Gnadenort nicht mit dem Kirchengebäude allein identisch ist. Eine Kapelle kann versetzt werden.
Die Felswand, die Quelle und die natürlichen Schüsserln können dagegen nicht verlegt werden.
Der religiöse Ort besitzt damit eine räumliche Identität, die über die Architektur hinausgeht.
Schüsserlbrunn besteht aus einem Ensemble von Kapelle, Marienbild, Quelle, Felswand und Weg. Erst das Zusammenwirken dieser Elemente bildet den vollständigen Wallfahrtsort.
Die besondere Wirkung Schüsserlbrunns beruht wesentlich auf der Einbindung religiöser Vorstellungen in eine außergewöhnliche Landschaft.
Der hohe Fels, das austretende Wasser, die Abgeschiedenheit und der beschwerliche Zugang verleihen dem Ort Eigenschaften, die eine religiöse Deutung begünstigen konnten.
Dies bedeutet nicht, dass aus einer eindrucksvollen Naturerscheinung automatisch ein vorchristliches Heiligtum abzuleiten wäre.
Vielmehr zeigt sich, wie christliche Wallfahrtskultur vorhandene Landschaftselemente aufnehmen und in ein religiöses Deutungssystem integrieren konnte.
Der Fels wird zum Träger des Heilwassers, die Quelle zum Ort erhoffter Heilung und der beschwerliche Weg zum Bestandteil des Pilgererlebnisses.
Heute führt ein eigener Pfarrer-Kelz-Wallfahrtsweg von der Wallfahrtskirche St. Erhard in der Breitenau nach Schüsserlbrunn.
Der rund zwölf Kilometer lange Weg überwindet beträchtliche Höhenunterschiede und verbindet damit zwei religiöse Orte der Region.
Auch hier darf die heutige Wegführung nicht ohne weiteres als unveränderte Fortsetzung einer mittelalterlichen Wallfahrtsroute verstanden werden.
Sie zeigt jedoch, dass Schüsserlbrunn weiterhin in ein gegenwärtiges Pilgerwegenetz eingebunden ist und die Tradition des bewussten religiösen Gehens fortgeführt wird.
Schüsserlbrunn ist kein lediglich historisch erinnerter Wallfahrtsort.
Auch heute kommen Wallfahrer und Pilgergruppen zur Kapelle, und besonders im Zusammenhang mit Marienfesten werden Gottesdienste gefeiert.
Die Zahl der Besucher ist selbstverständlich nicht mit den großen nationalen Wallfahrtszentren vergleichbar, dennoch besitzt der Ort weiterhin eine erkennbare und organisierte religiöse Funktion.
Die Wallfahrt ist daher als lebendige Wallfahrt einzustufen.
Gerade der beschwerliche Zugang dürfte dazu beitragen, dass der Besuch seinen Charakter als bewusster religiöser Weg stärker bewahrt als bei manchem leicht erreichbaren Heiligtum.
Auch die heutige Infrastruktur trägt dem besonderen Charakter des abgelegenen Wallfahrtsortes Rechnung.
Das Gasthaus "Steirischer Jockl" bildet einen wichtigen Ausgangs- und Rastpunkt, von dem aus die lange Treppe zur Kapelle führt. Es übernimmt damit zumindest funktional einen Teil jener Versorgung, die der Bericht des 19. Jahrhunderts noch dem Einsiedler und Mesner zuschrieb.
Eine unmittelbare historische Kontinuität zwischen diesen Einrichtungen lässt sich daraus nicht ableiten.
Dennoch zeigt sich über die Jahrhunderte ein gleichbleibendes praktisches Problem: Wer zu einem abgelegenen Bergheiligtum pilgert, benötigt Möglichkeiten zu Rast, Verpflegung und Orientierung.
Wallfahrtsinfrastruktur verändert ihre Form, bleibt aber Bestandteil des Pilgerwesens.
Schüsserlbrunn gehört zu den besonders komplexen steirischen Wallfahrtsorten, weil religiöse Verehrung und Landschaft hier kaum voneinander getrennt werden können.
Das Mariahilfbild bildet den bildlichen Mittelpunkt des Kultes, während die Quelle in den schüsselförmigen Felsvertiefungen eine konkrete körperbezogene Heilfunktion besitzt. Die Legende von der ungarischen Gräfin und ihrem blinden Sohn erklärt diese Funktion, indem sie eine wunderbare Augenheilung an genau jenem Wasser erzählt, das spätere Pilger selbst verwenden konnten.
Die zweite Legende vom abgestürzten und unversehrt wiedergefundenen Rind erweitert den Kult um die bäuerliche Welt der Viehwirtschaft.
Votivbilder dokumentieren wiederum die tatsächlichen persönlichen Anliegen der Wallfahrer, während der Bericht von 1879 mit seinem Einsiedler, dem Mesner und der einfachen Versorgung mit Wasser, Brot und Branntwein einen seltenen Einblick in die materielle Infrastruktur einer abgelegenen historischen Bergwallfahrt ermöglicht.
Selbst die spätere Versetzung der Kapelle nach einem Felssturz macht deutlich, dass der eigentliche Gnadenort nicht auf ein Gebäude reduziert werden kann.
Kapelle, Marienbild, Heilwasser, Felsschüsseln, Hochlantsch und Pilgerweg bilden gemeinsam einen sakralen Landschaftsraum, dessen religiöse Bedeutung bis heute lebendig geblieben ist.
- Ausführliche Dokumentation zur Heilquelle Schüsserlbrunn auf SAGEN.at
- Die Wallfahrtscapelle "Schüsserlbrunn" am Hochlantsch in Steiermark. In: Die Gartenlaube, Heft 4, Leipzig 1879, S. 71–72.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark.
- Pfarrchronik Breitenau am Hochlantsch.
- Katholische Kirche Steiermark / Pfarre Breitenau: Dokumentation zur Mess- und Wallfahrtskapelle Maria Hilf in Schüsserlbrunn.
- Gemeinde Breitenau am Hochlantsch: Orts- und Wallfahrtsgeschichte.
- Tourismusverband Oststeiermark / Naturpark Almenland: Dokumentation zu Schüsserlbrunn und zum Pfarrer-Kelz-Wallfahrtsweg.
- ORF Steiermark: Dokumentationen zur Geschichte, den Wallfahrtslegenden und der Versetzung der Kapelle.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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