Schöder, Wallfahrtskirche Maria Schöder

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Marienwallfahrt, seit dem 16. Jahrhundert belegt; besondere Bedeutung besitzt die Gelöbnis- und Pestwallfahrt aus Oberzeiring.
Status:Lebendige Wallfahrt; die nächtliche Fußwallfahrt aus Oberzeiring wird weiterhin in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai durchgeführt.
Kultzentrum:Spätgotische, um beziehungsweise nach 1470 entstandene Madonna mit dem Jesuskind auf der Mondsichel, im Hochaltar verehrt und historisch als wundertätiges Gnadenbild bezeichnet.
Hauptfest:Gelöbniswallfahrt am 1. Mai; Patrozinium Mariä Geburt am 8. September.
Besonderheit:Die gemeinschaftliche Pestwallfahrt aus Oberzeiring, historische Wallfahrtsgraphik und das Gnadenbild dokumentieren die langfristige Weitergabe eines kollektiven Gelübdes.
Ort:Schöder am Fuß des Sölkpasses.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Schöder, 8844 Schöder.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Schöder
Öffnungszeiten: täglich von 8:00 bis 18:00.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt, als Wallfahrtsstätte traditionell Maria Schöder genannt, steht am nördlichen Rand des Ortes Schöder am Fuß des Sölkpasses. Durch ihren weithin sichtbaren, mehr als 70 Meter hohen spitzen Kirchturm und ihre Lage an einem alten Alpenübergang wird Schöder auch als "Steirisches Heiligenblut" bezeichnet.

Der historische Kirchenbezirk mit Kirchhofmauer, den Resten des Karners und der nahe gelegenen Kalvarienbergkapelle bildet ein geschlossenes sakrales Ensemble. Die Kirche selbst steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

Eine ältere Kirche in Schöder dürfte bereits im Hochmittelalter bestanden haben. Bei den urkundlichen Datierungen ist allerdings etwas Vorsicht notwendig: Die heutige Diözesanübersicht nennt die Pfarrkirche erstmals 1234 und nochmals 1504, während die Gemeinde Schöder für die Kirche eine erste ausdrückliche Nennung im Jahr 1370 angibt. Schöder war lange Filiale der großen Mutterpfarre Ranten; erst 1858 wurde die selbständige Pfarre errichtet.

Nach einem schweren Brand wurde die Kirche im 15. und frühen 16. Jahrhundert wesentlich umgebaut und erweitert. Der heutige Bau ist im Kern eine spätgotische Anlage, die ungefähr zwischen 1470 und 1516 ihre prägende Gestalt erhielt.

Die besondere Marienverehrung ist älter als die bekannte Pestwallfahrt von Oberzeiring. Die Gemeinde Schöder bezeichnet den Ort ausdrücklich bereits seit dem 16. Jahrhundert als marianischen Wallfahrtsort. Stiftungen zugunsten der Marienkirche sind bereits seit dem 15. Jahrhundert überliefert.

Kunstgeschichte

Die spätgotische Kirche besitzt ein zweischiffiges Langhaus und einen eingezogenen Chor. Besonders bedeutend sind die Wandmalereien des sogenannten Meisters von Schöder, eines namentlich unbekannten Malers der Zeit um 1500. Werke seiner Hand beziehungsweise seines stilistischen Umfeldes finden sich auch in Hohentauern, Bad Gastein und anderen Kirchen des Ostalpenraumes. Charakteristisch ist eine stark konturierte, teilweise geradezu holzschnittartige Malweise.

Am Außenbau wurde bei Restaurierungsarbeiten eine um 1500 entstandene Schutzmantelmadonna des Meisters von Schöder freigelegt. Maria steht dabei in einem ornamentalen Rankenrahmen; Engel halten ihren weißen Schutzmantel über die unter ihr versammelten Menschen. Die Darstellung verbindet die Kirche auch bildlich unmittelbar mit der Vorstellung Marias als Schutz- und Fürbittfigur.

Der ursprünglich gotische Flügelaltar wurde 1674 abgebrochen. Der heutige spätbarocke Hochaltar entstand im 18. Jahrhundert. Er umschließt das eigentliche Zentrum der Wallfahrt: die gotische Gnadenstatue.

Das Gnadenbild "Maria Schöder"

Das Gnadenbild von Maria Schöder ist eine spätgotische, um beziehungsweise nach 1470 entstandene Darstellung der sitzenden Gottesmutter mit dem Jesuskind auf der Mondsichel. Heute befindet sich die Figur im Hochaltar.

Maria Schöder verfügte schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts über eigene Wallfahrtsandenken und eine über den unmittelbaren Ort hinaus verbreitete Gnadenbildikonographie.

Die Wallfahrt

Die marianische Wallfahrt nach Schöder ist älter als die heute bekannteste Gelöbniswallfahrt aus Oberzeiring. Bereits die Gemeindechronik bezeichnet Schöder seit dem 16. Jahrhundert als Wallfahrtsort. Besonders große Bedeutung erlangte jedoch die Pestwallfahrt der Bevölkerung von Oberzeiring.

Nach der überlieferten Tradition wütete zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Pest in Oberzeiring. Die Überlebenden beziehungsweise die Bewohner des Ortes gelobten, jedes Jahr am 1. Mai zu Fuß nach Maria Schöder zu wallfahren. Eine ausführliche Darstellung von Wolfgang Buchner verbindet das Gelübde ausdrücklich mit der Pest des Jahres 1715. Die nächtliche Wallfahrt führte über rund 30 Kilometer zur Schöderer Marienkirche.

Die Wallfahrt beginnt bis heute in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Die Pilger brechen um Mitternacht in Oberzeiring auf und erreichen Schöder am Morgen. Dass dieser Brauch keineswegs nur historische Erinnerung ist, bestätigen kirchliche Berichte aus jüngster Zeit ausdrücklich.

Die Schöderervögel

Volkskundlich herausragend ist der mit der Oberzeiringer Wallfahrt verbundene Brauch der Schöderervögel oder Zeiringer Vögel.

Es handelt sich um vogelartig geformtes Gebäck, also um ein klassisches Gebildbrot, das zur Wallfahrt am 1. Mai hergestellt und mitgenommen beziehungsweise erworben wird.

Die dazugehörige Überlieferung kennt verschiedene Fassungen. Nach einer gut dokumentierten Variante waren während der Pest in Oberzeiring auch die Vögel verstummt. Als die Wallfahrer auf ihrem Weg nach Schöder im Morgengrauen erstmals wieder Vogelgesang hörten, deuteten sie dies als Zeichen, dass die Notzeit vorüber sei. Zur Erinnerung daran wurden Vögel aus Teig gebacken und mit nach Hause genommen. Wolfgang Buchner beschreibt diese Tradition ausdrücklich als jährlich wiederkehrenden Bestandteil der Wallfahrt.

Eine weitere verbreitete Erzählvariante berichtet, dass die Oberzeiringer nach der Pest in Schöder lebende Vögel einfingen, um sie in ihre verödete Heimat mitzunehmen. Um dies künftig zu verhindern, hätten ihnen die Schöderer stattdessen Vögel aus Gebäck mitgegeben.

Beide Varianten erklären dasselbe ungewöhnliche Wallfahrtsgebäck. Die erste – Wiederkehr des Vogelgesangs als Zeichen des Endes der Pest – ist auch in jüngeren kirchlichen Darstellungen ausdrücklich überliefert.

Volkskundliche Bedeutung

Zum einen steht mit der spätgotischen Marienfigur ein historisch ausdrücklich als wundertätig bezeichnetes Gnadenbild im Zentrum. Der Gebetszettel des 19. Jahrhunderts zeigt, dass dazu eine eigene Wallfahrtsgraphik und Andachtsbildproduktion bestand.

Zum anderen ist die Oberzeiringer Wallfahrt ein klassisches Beispiel für eine Gelöbniswallfahrt aufgrund einer Seuchenerfahrung. Die Verpflichtung wird nicht individuell, sondern gemeinschaftlich übernommen und über Generationen weitergegeben. Dass die nächtliche Fußwallfahrt noch heute durchgeführt wird, macht Schöder zu einem seltenen Beispiel für die Kontinuität eines solchen frühneuzeitlichen Gelübdebrauches.

Besonders bemerkenswert ist schließlich die Verbindung mit dem Gebildbrot. Die Schöderervögel sind nicht bloß regionales Festgebäck, sondern besitzen innerhalb der Überlieferung eine konkrete Erinnerungsfunktion: Der Vogel steht für das wiederkehrende Leben nach der Seuche und wird in essbarer Form zum materiellen Erinnerungszeichen der Wallfahrt.

Wallfahrt, Pestgedächtnis, Gnadenbild, Legende und Gebildbrot sind hier volkskundlich interessante Anknüpfungspunkte.

Wallfahrt heute

Die Wallfahrt ist eindeutig lebendig. Die traditionelle Fußwallfahrt aus Oberzeiring wird weiterhin jährlich in der Nacht zum 1. Mai durchgeführt. Kirchliche Berichte dokumentieren sowohl die Pilgergruppen als auch die Feier in Maria Schöder. Das Wallfahrergebäck der Schöderervögel wird ebenfalls weiterhin angeboten.

Daneben ist die Kirche reguläre Pfarrkirche von Schöder mit regelmäßigen Gottesdiensten. Das Patrozinium ist Mariä Geburt am 8. September. Die Pfarre gehört zum Seelsorgeraum Murau und bildet einen Pfarrverband mit Ranten.

Literatur und Quellen

- Walter Brunner: Schöder. Festschrift zur 800-Jahr-Feier. Schöder 1981.

- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Steiermark (ohne Graz). Wien 1982, S. 503–505, Abschnitt Schöder, Pfarrkirche Maria Geburt.

- Wolfgang Buchner: Die Milchstraßenwand. Eine Wandmalerei mit Sonnenuhr. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 48, 1998. Der Abschnitt "Die gebackenen Vögel" behandelt ausdrücklich Pestgelübde, Wallfahrt und Schöderervögel.

- Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien: Gebetszettel "Geistlicher Marienbrif … Wallfahrt Maria Schöder / Wunderhätiges Gnadenbild Maria Schöder bei Murau in Obersteyer", Mitte 19. Jahrhundert, Inv.-Nr. AÖMV/13259. Online bereitgestellt:
https://sammlung.volkskundemuseum.at/sammlungen/content/titleinfo/243907

- Inge Carius: Gebildbrot. Brauchtum im Jahres- und Lebenslauf. Königstein 1986.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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