Sankt Veit am Vogau, Pfarr- und Wallfahrtskirche hl. Veit

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Marienwallfahrt zu einer 1638 aufgestellten Kopie des römischen Gnadenbildes aus Santa Maria Maggiore; das Kirchenpatrozinium selbst gilt dem hl. Veit.
Status:Der regelmäßige Wallfahrtsbetrieb zum Mariengnadenbild kam im ausgehenden 18. Jahrhundert weitgehend zum Erliegen; das Bild ist erhalten und die Kirche wird weiterhin als Pfarr- und Wallfahrtskirche bezeichnet.
Kultzentrum:Barocke Kopie der Marienikone aus Santa Maria Maggiore im Bereich des Tabernakels des Hochaltares.
Hauptfest:Patrozinium des hl. Veit am 15. Juni; die historische Wallfahrt galt dagegen dem Mariengnadenbild.
Besonderheit:Der Gnadenbildkult wurde gezielt von einem berühmten römischen Vorbild übernommen und prägte im 17. und 18. Jahrhundert auch die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes.
Ort:Sankt Veit am Vogau in der Südsteiermark.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Pfarr- und Wallfahrtskirche hl. Veit, Am Kirchplatz 5, 8423 Sankt Veit in der Südsteiermark.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Sankt Veit am Vogau
Öffnungszeiten: keine Angaben veröffentlicht. Für eine gezielte Innenbesichtigung empfiehlt sich daher eine vorherige Anfrage bei der Pfarre.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarrkirche von Sankt Veit am Vogau in der heutigen Gemeinde Sankt Veit in der Südsteiermark ist ein historisch bedeutender Wallfahrtsort, dessen eigentliche Wallfahrt nicht dem Kirchenpatron hl. Veit, sondern einem Mariengnadenbild galt. Im Jahr 1638 wurde in der damaligen Kirche eine Kopie des berühmten römischen Marienbildes aus Santa Maria Maggiore aufgestellt. Dieses Bild entwickelte sich zum Mittelpunkt einer regional bedeutsamen Marienwallfahrt und zog zahlreiche Pilger nach Sankt Veit.

Der Wallfahrtsbetrieb erreichte im 17. und 18. Jahrhundert eine solche Bedeutung, dass er nicht nur das religiöse Leben, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes beeinflusste. Bäckereien, Gasthäuser und Hersteller von Votivgaben lebten teilweise von den Pilgern. Die heutige monumentale spätbarocke Kirche entstand schließlich auch vor dem Hintergrund dieser großen Wallfahrtsfrequenz. Im Zuge der josephinischen Reformen kam der regelmäßige Wallfahrtsbetrieb im ausgehenden 18. Jahrhundert jedoch weitgehend zum Erliegen. Das historische Gnadenbild ist bis heute erhalten, und das Gotteshaus wird weiterhin als Pfarr- und Wallfahrtskirche bezeichnet.

Das Patrozinium der Kirche gilt dem hl. Veit, dessen Fest am 15. Juni gefeiert wird. Die historische Wallfahrt richtete sich dagegen an ein Mariengnadenbild, das sich am Hochaltar befindet.

Diese Doppelstruktur ist für die Geschichte des Gotteshauses besonders charakteristisch: Der hl. Veit ist Kirchenpatron, Maria war das eigentliche Ziel der historischen Pilger.

Die alte Pfarre Sankt Veit

Sankt Veit gehört zu den alten kirchlichen Zentren der südlichen Steiermark.

Ein Pfarrer von "Vogan" wird bereits 1163 erwähnt, und eine Kirche ist für das Jahr 1202 urkundlich belegt. Das Veitspatrozinium reicht damit weit in das Mittelalter zurück.

Aus dem hohen Alter der Kirche darf jedoch noch keine mittelalterliche Wallfahrt abgeleitet werden. Die konkrete Geschichte der Marienwallfahrt lässt sich nach dem derzeit bekannten Quellenstand erst ab dem 17. Jahrhundert sicher eingrenzen.

Das Mariengnadenbild von 1638

Den entscheidenden Impuls für die Entstehung der Wallfahrt gab eine Stiftung aus dem Jahr 1638.

Nach dem Tod des Freiherrn Georg Gabriel Stübich von Spielfeld wurde in der Pfarrkirche ein neuer Altar errichtet. Eine erhaltene Inschrift erinnert an diese Stiftung und nennt neben Gott auch Maria, den Erzengel Gabriel und den hl. Georg.

Mit Unterstützung der Grazer Jesuiten gelangte eine Kopie eines berühmten römischen Mariengnadenbildes nach Sankt Veit. Sie wurde in den Altar aufgenommen und entwickelte sich zum Mittelpunkt einer neuen regionalen Wallfahrt.

Damit entstand der Gnadenort nicht aus einer Erscheinungslegende oder einem wundersam aufgefundenen Bild. Vielmehr wurde ein bereits bestehender und international bedeutender Marienkult bewusst nach Sankt Veit übertragen.

Das Vorbild in Santa Maria Maggiore

Das Vorbild des Sankt Veiter Gnadenbildes befindet sich in der päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore in Rom.

Gemeint ist die berühmte Marienikone Salus Populi Romani, die in der Cappella Paolina verehrt wird. Sie gehört zu den bedeutendsten Marienbildern Roms.

Die Jesuiten spielten bei der Verbreitung von Kopien dieses Bildes eine wichtige Rolle. Seit der frühen Neuzeit gelangten Nachbildungen der römischen Ikone in zahlreiche Länder Europas und darüber hinaus.

Damit steht die Kirche in einem weit über die Steiermark hinausreichenden Netzwerk frühneuzeitlicher Marienfrömmigkeit.

Gegenreformation und Wallfahrt

Die Entstehung der Wallfahrt fällt in die Zeit der Gegenreformation.

Nach den religiösen Konflikten des 16. Jahrhunderts wurde die katholische Frömmigkeit in der Steiermark im 17. Jahrhundert intensiv gefördert. Besonders die Marienverehrung spielte dabei eine wichtige Rolle.

Die Übertragung eines berühmten römischen Gnadenbildes nach Sankt Veit war daher nicht nur eine private Stiftung, sondern entsprach zugleich den religiösen Vorstellungen und Zielsetzungen der damaligen katholischen Reformbewegung.

Die Wallfahrt entwickelte sich damit in einem Umfeld, in dem Marienverehrung, Rosenkranzfrömmigkeit, Jesuitenmission und Wallfahrt eng miteinander verbunden waren.

Eine Wallfahrt verändert den Ort

Der Erfolg der Wallfahrt hatte auch erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf Sankt Veit.

Nach der örtlichen historischen Überlieferung kamen so viele Pilger, dass sich im Ort zwei Bäckereien und vier Gasthäuser etablieren konnten. Auch Künstler und Handwerker, die Votivgaben für Wallfahrer herstellten, fanden durch den Pilgerbetrieb Arbeit.

Damit wird ein für große Wallfahrtsorte typischer Zusammenhang sichtbar. Pilger mussten verpflegt und teilweise auch untergebracht werden. Sie kauften religiöse Andenken, ließen Votivgaben anfertigen und brachten Geld in den Ort. Die Wallfahrt wirkte deshalb nicht nur auf Kirche und Frömmigkeit, sondern auf das gesamte wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben.

Sankt Veit ist damit ein besonders anschauliches Beispiel für eine frühneuzeitliche Wallfahrtsökonomie.

Votivgaben

Für Sankt Veit ist eine historische Votivpraxis ausdrücklich überliefert. Der Wallfahrtsbetrieb bot Künstlern und Handwerkern Arbeit, die verschiedene Votivgaben für Pilger herstellten. Solche Gegenstände konnten als Bitte um Hilfe, in Erfüllung eines Gelübdes oder als Dank für eine als Gebetserhörung verstandene Rettung gestiftet werden.

Ein größerer geschlossener historischer Bestand an Votivbildern oder Votivgaben konnte bislang jedoch nicht sicher nachgewiesen werden. Ebenso ist derzeit kein eigenes Mirakelbuch bekannt.

Der große Kirchenneubau

Im 18. Jahrhundert wurde die bisherige Kirche den Anforderungen der großen Pfarre und des Wallfahrtsbetriebes zunehmend nicht mehr gerecht.

Unter Pfarrer und Dechant Johann Franz Freitag, der seit 1733 in Sankt Veit wirkte, wurde daher ein großer Neubau vorbereitet. Auch die Einnahmen und Spenden der Wallfahrer dürften zur Finanzierung beigetragen haben.

Die heutige Kirche entstand in der Mitte des 18. Jahrhunderts nach Plänen des bedeutenden steirischen Barockbaumeisters Joseph Hueber.

Der Bau entwickelte sich zu einer der größten spätbarocken Kirchen der südöstlichen Steiermark.

Wie beim Weizberg lässt sich damit auch in Sankt Veit die Größe des heutigen Gotteshauses zumindest teilweise aus der früheren Wallfahrtsfrequenz erklären. Die monumentale Kirche ist selbst ein materielles Zeugnis jener Zeit, in der große Pilgergruppen nach Sankt Veit kamen.

Joseph Hueber und die Barockkirche

Joseph Hueber gehört zu den bedeutenden steirischen Kirchenbaumeistern des 18. Jahrhunderts.

Mit seinen großen Kirchenbauten schuf er weithin sichtbare religiöse Orientierungspunkte in der Landschaft. Auch Sankt Veit besitzt eine monumentale Doppelturmfassade, die das Ortsbild bis heute beherrscht.

Der großzügige Kirchenraum verbindet barocke Repräsentation mit den praktischen Anforderungen einer großen Pfarr- und Wallfahrtskirche.

Damit steht Sankt Veit in enger kunstgeschichtlicher Beziehung zu anderen bedeutenden spätbarocken Kirchenbauten der Steiermark.

Der Hochaltar: hl. Veit und Mariengnadenbild

Die besondere religiöse Doppelstruktur der Kirche lässt sich am Hochaltar besonders deutlich erkennen.

Das große Hochaltarbild zeigt das Martyrium des hl. Veit und wurde 1752 von Franz Xaver Palko geschaffen. Der Kirchenpatron beherrscht damit das große Altarbild und verweist auf das traditionelle Patrozinium der Pfarrkirche.

Das historische Mariengnadenbild befindet sich dagegen im Bereich des Tabernakels.

Damit stehen am Hochaltar gleichsam zwei verschiedene religiöse Ebenen nebeneinander: der hl. Veit als Patron der Pfarrkirche und Maria als Mittelpunkt der historischen Wallfahrt.

Das barocke Gnadenbild ist die bis heute erhaltene Kopie der römischen Marienikone aus Santa Maria Maggiore.

Josef Schokotnigg und Veit Königer

Zur hochwertigen barocken Ausstattung der Kirche gehören Arbeiten bedeutender steirischer Bildhauer.

Die plastische Ausstattung des Hochaltares enthält Werke von Josef Schokotnigg.

Große Teile der übrigen Ausstattung entstanden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Umfeld beziehungsweise in der Werkstatt Veit Königers. Dazu gehören unter anderem Altäre, die Kanzel sowie eine eindrucksvolle Folge der zwölf Apostel und weitere Heiligenfiguren.

Damit besitzt Sankt Veit neben seiner wallfahrtsgeschichtlichen Bedeutung auch einen kunsthistorisch bemerkenswerten barocken Kirchenraum.

Die historische Orgel

Auch die Orgel besitzt eine ungewöhnliche Geschichte.

Das Instrument beziehungsweise sein historischer Kern stammt aus dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts und wird stilistisch mit der Orgelbauerfamilie Egedacher in Verbindung gebracht.

Ursprünglich wurde die Orgel für die Stiftskirche St. Lambrecht geschaffen. Später gelangte sie nach Mariazell und schließlich 1753 nach Sankt Veit am Vogau.

Damit besitzt die Kirche eine weitere Verbindung zu einem bedeutenden Wallfahrtszentrum der Steiermark.

Während das Mariengnadenbild seine religiöse Herkunft in Rom hat, führte der Weg der historischen Orgel über Mariazell nach Sankt Veit.

Die Fresken von Felix Barazutti

Eine völlig neue malerische Ausstattung erhielt die Kirche im frühen 20. Jahrhundert.

Der aus Friaul stammende Maler Felix Barazutti schuf zwischen 1914 und 1921 ein umfangreiches neobarockes Freskenprogramm. Die Bilder behandeln unter anderem die Eucharistie, das Martyrium des hl. Veit und die eucharistische Frömmigkeit Papst Pius' X.

Eine besonders ungewöhnliche Darstellung findet sich im Hintergrund eines der Fresken: Dort erscheint Karl Marx.

Die Darstellung gehört nicht zur eigentlichen Wallfahrtsgeschichte, ist jedoch ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie zeitgenössische gesellschaftliche und politische Vorstellungen in kirchliche Bildprogramme des frühen 20. Jahrhunderts aufgenommen wurden.

Josephinismus und Ende der großen Wallfahrt

Die große Wallfahrtszeit endete im ausgehenden 18. Jahrhundert. Im Zuge der Reformen Kaiser Josephs II. wurden Wallfahrten, Prozessionen und zahlreiche Formen barocker Volksfrömmigkeit stark eingeschränkt. Auch in Sankt Veit kam der regelmäßige Wallfahrtsbetrieb dadurch weitgehend zum Erliegen.

Bemerkenswert ist, dass die neue monumentale Kirche erst am 15. September 1790 feierlich geweiht wurde.

Zu diesem Zeitpunkt war die große Wallfahrtsblüte, die wesentlich zur Entstehung des Baues beigetragen hatte, bereits vorbei.

Die riesige Barockkirche blieb damit als dauerhaftes Zeugnis einer Wallfahrt bestehen, deren frühere Bedeutung sich im 19. und 20. Jahrhundert nicht mehr in vergleichbarer Form erneuerte.

Volkskundliche Bedeutung

Anders als viele Gnadenorte entstand die historische Wallfahrt nicht durch eine Erscheinung, eine Auffindungslegende oder eine lokale Heilquelle. Der Kult wurde vielmehr gezielt von einem bereits berühmten Gnadenbild übernommen.

Eine Kopie der römischen Salus Populi Romani gelangte mit Unterstützung der Jesuiten nach Sankt Veit und wurde dort zum Zentrum einer eigenständigen regionalen Wallfahrt.

Besonders aufschlussreich sind die wirtschaftlichen Folgen der Wallfahrt. Bäckereien, Gasthäuser und Votivhandwerker lebten vom Pilgerstrom. Damit zeigt sich sehr deutlich, dass Wallfahrt nicht ausschließlich ein religiöser Vorgang war, sondern auch das soziale und wirtschaftliche Gefüge eines Ortes verändern konnte.

Die heutige Kirche ist selbst das eindrucksvollste materielle Zeugnis dieser Entwicklung.

Wallfahrt heute

Historisch ist Sankt Veit am Vogau eindeutig als Wallfahrtsort belegt.

Der regelmäßige Wallfahrtsbetrieb zum Mariengnadenbild kam jedoch im ausgehenden 18. Jahrhundert im Zuge der josephinischen Reformen weitgehend zum Erliegen.

Das Gnadenbild ist bis heute erhalten, und die Kirche wird weiterhin als Pfarr- und Wallfahrtskirche bezeichnet. Eine regelmäßig organisierte heutige Zielwallfahrt zum historischen Marienbild lässt sich jedoch derzeit nicht nachweisen.

Literatur und Quellen

- Alexander Dobaj: "Immer schon Wallfahrten zum Gnadenbild." In: PfarrBLICK. Pfarrblatt für die Pfarren St. Veit am Vogau und Straß, Oktober–November 2020, S. 8–9.

- Franz Attems / Johannes Koren: Kirchen und Stifte der Steiermark. Innsbruck 1988, S. 84–85.

- Heimo Kaindl / Alois Kölbl / Johannes Rauchenberger (Hg.): Last & Inspiration. 800 Jahre – 8 Fragen. Wien 2018.

- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz). Abschnitt Sankt Veit am Vogau, Pfarrkirche und Pfarrhof.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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