| Wallfahrt: | Lebendige regionale Bergwallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes mit einem Netz von Prozessionen aus den umliegenden Pfarren. |
| Status: | Lebendiger Wallfahrtsort mit eigener sommerlicher Wallfahrtssaison, regelmäßigen Gottesdiensten, Prozessionen und Wettermesse. |
| Kultzentrum: | Von Agnes Zechner gestiftete gemalte Pietà aus dem 18. Jahrhundert, heute im Hochaltar verehrt. |
| Hauptfest: | Großer Frauentag am 15. August; Kirchweihsonntag kurz danach und Gottesdienst zu Mariä Geburt am 8. September. |
| Besonderheit: | Der Engelsbrunnen am Wallfahrtsweg gilt in der örtlichen Überlieferung als hilfreich bei Augenleiden und ergänzt den Pietà-Kult um einen Heilwasserbrauch. |
| Ort: | Waldlichtung am Fuß der Grebenzen oberhalb von Sankt Lambrecht, rund 1.335 Meter Seehöhe. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Maria Schönanger, Ortsteil Schwarzenbach, 8813 Sankt Lambrecht. (1.335 m Seehöhe am Fuß des Grebenzen. Die Kirche ist sowohl über den Stationenweg von St. Lambrecht als auch von Zeutschach erreichbar; eine Zufahrt mit dem Auto ist ebenfalls möglich). |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Maria Schönanger im Seelsorgeraum St. Lambrecht |
| • | Öffnungszeiten: täglich 6:00 - 20:00. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Wallfahrtskirche Maria Schönanger, mit vollem Namen Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Muttergottes auf Maria Schönanger, liegt auf rund 1.335 Metern Seehöhe auf einer Waldlichtung am Fuß der Grebenzen oberhalb von Sankt Lambrecht. Das Bergheiligtum wird vom Benediktinerstift St. Lambrecht seelsorglich betreut und gehört als Filialkirche zur Pfarre St. Lambrecht. Maria Schönanger ist bis heute ein lebendiger regionaler Wallfahrtsort mit eigener Wallfahrtssaison, regelmäßigen Gottesdiensten und Prozessionen aus den umliegenden Pfarren.
Am Anfang der Wallfahrt stand kein Kirchenbau, sondern ein altes Holzkreuz auf dem "Schönen Anger". Wann dieses Kreuz aufgestellt wurde, ist nicht bekannt. In den 1730er-Jahren ließ eine Magd namens Agnes Zechner – Erich Linhardt schreibt den Familiennamen "Zeichner" – dort ein Muttergottesbild anbringen und für dieses eine kleine hölzerne Kapelle errichten. Die heutigen regionalen Darstellungen datieren diesen Vorgang meist in die Jahre 1736/1737.
Die Überlieferung ist bemerkenswert nüchtern: Es gibt zunächst keine spektakuläre mittelalterliche Gründungslegende, keine Erscheinung und keinen wunderbaren Bildfund. Eine Frau aus der bäuerlichen beziehungsweise dienenden Bevölkerung stiftete an einem bereits durch ein Kreuz bezeichneten Platz ein Marienbild und schuf ihm einen einfachen Schutzraum. Erst die anschließende Verehrung machte daraus einen Wallfahrtsort.
Gerade darin liegt volkskundlich eine Besonderheit von Maria Schönanger: Der Kult entstand gewissermaßen von unten. Nicht Kloster, Adel oder Landesfürst begründeten das Heiligtum, sondern eine Magd gab den entscheidenden Anstoß.
Das von Agnes Zechner gestiftete Gnadenbild ist eine gemalte Pietà, also eine Darstellung der Schmerzhaften Muttergottes mit dem Leichnam Christi. Das Bild stammt aus dem 18. Jahrhundert und steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Entstehung der Wallfahrt.
Damit erklärt sich auch das Patrozinium der Kirche als Schmerzhafte Muttergottes. Anders als bei Wallfahrten zu einer thronenden Madonna oder einer Maria-Hilf-Darstellung steht hier das Mitleiden Mariens mit dem toten Christus im Mittelpunkt. Die Pietà bot den Wallfahrern ein Identifikationsbild für eigenes Leiden, Krankheit, Trauer und andere persönliche Nöte.
Eine besonders schöne materielle Bestätigung dieses Kultes liefert die historische Wallfahrtsdevotionalie. Bei archäologischen Prospektionen wurde eine langovale Medaille gefunden, deren eine Seite eine Pietà mit der Umschrift "Hl. Maria bitt für uns", die andere die Kirche und den Hinweis auf die "Wallfahrt Schönanger bei St. Lambrecht" zeigt. Eine weitere Wallfahrtsmedaille trägt die Bezeichnung "S. Maria am Schönanger bei St. Lambrecht" und wiederum die Pietà.
Erich Linhardt beschreibt die weitere Entwicklung sehr anschaulich. Die kleine Kapelle lag zunächst ziemlich unbeachtet in der Einsamkeit des Bergsattels. Bald kamen jedoch immer mehr Menschen, beteten vor dem Marienbild und verstanden erfahrene Hilfe als Erhörung durch die Fürsprache der Gottesmutter. Berichte über angebliche Wunder verstärkten den Zulauf weiter. Linhardt bestätigt lediglich, dass die Überlieferung von Erhörungen und Wundern wesentlich zum Aufstieg des Wallfahrtsortes beitrug.
Der zunehmende Zustrom machte die erste kleine Kapelle bald unzureichend. 1777/1778 entstand ein größerer Kapellenbau. Interessant ist, dass die Quellen dessen Bauweise unterschiedlich beschreiben: Der Naturpark spricht von einer ersten steinernen Kapelle, während die Denkmaldokumentation das erhaltene beziehungsweise später umgenutzte Gebäude als 1777/78 errichtete Holzkapelle bezeichnet.
Dieser Vorgängerbau ist nicht völlig verschwunden. Nach Errichtung der heutigen Kirche wurde er profaniert und um 1865 zu einem Gasthaus umgebaut. Das Gebäude unmittelbar neben der Kirche ist daher selbst ein Relikt der älteren Wallfahrtsgeschichte.
Im frühen 19. Jahrhundert war selbst die größere Kapelle dem Wallfahrerzustrom nicht mehr gewachsen. Eine entscheidende Rolle spielte nun der St. Lambrechter Lebzelter Franz Schludermann. Als er die zunehmenden Pilgerzüge beobachtete, setzte er sich für einen größeren Kirchenbau ein. Zwischen 1828 und 1830 entstand die heutige Wallfahrtskirche; die feierliche Weihe erfolgte 1833.
Auch Schludermanns Beruf ist volkskundlich reizvoll. Lebzelter waren eng mit der Wallfahrtskultur verbunden: Lebkuchen, Wachs und Kerzen gehörten zu den klassischen Waren bei Wallfahrten, Jahrmärkten und Kirchweihen. Ob Schludermanns berufliche Tätigkeit unmittelbar mit dem Schönanger-Wallfahrtsbetrieb zusammenhing, lässt sich aus den bisher gefundenen Quellen nicht nachweisen.
Der heutige klassizistische Bau hat sein Erscheinungsbild des frühen 19. Jahrhunderts weitgehend bewahrt. Die Kirche besteht aus einem Saalraum mit Dreiachtelschluss; östlich schließt der Turm mit Spitzhelm an. Das Langhaus besitzt übereinander angeordnete Rundbogenfenster und wird von einem Walmdach abgeschlossen. Eine größere äußere Veränderung erfolgte 1966 durch eine Erweiterung in Form eines Umganges um das Turmgeschoss.
Den Innenraum beherrscht der neoromanische Hochaltar von 1874, in den das ältere Gnadenbild, die Pietà, aufgenommen wurde. Damit blieb der eigentliche Kultgegenstand auch nach mehreren Neubauten und Veränderungen stets Mittelpunkt des Heiligtums.
Zur Ausstattungsgeschichte gehört ferner: Nach der josephinischen Aufhebung des Stiftes St. Lambrecht 1786 wurde die Peterskirche profaniert. Ihr barocker Steinboden wurde nach Maria Schönanger übertragen. Damit gelangte sogar Bausubstanz aus dem alten Stiftsbereich in das Wallfahrtsheiligtum.
Von St. Lambrecht führt ein alter Wallfahrtsweg hinauf nach Schönanger. Der heutige Stationen- und Kreuzweg beginnt beim Stift und führt über rund 300 Höhenmeter zur Kirche. Ab dem Engelsbrunnen begleiten 14 Kreuzwegstationen den letzten Teil des Aufstiegs.
Der Kreuzweg wurde bereits in den 1830er-Jahren, also unmittelbar nach Errichtung der heutigen Wallfahrtskirche, angelegt. Die ursprünglichen Stationsbilder wurden um 1955 durch Keramikreliefs der St. Lambrechter Künstlerin Anna Heck ersetzt.
Der Weg ist damit nicht bloß eine moderne Wanderroute. Er gehört historisch zum sakralen Ensemble von Maria Schönanger. Der körperliche Aufstieg von St. Lambrecht zur abgelegenen Bergkirche und das abschnittsweise Beten des Kreuzweges bilden eine klassische Verbindung von Pilgerschaft, Landschaft und Passionsandacht.
Etwa auf halbem Weg zwischen St. Lambrecht und Maria Schönanger liegt auf ungefähr 1.160 Metern Seehöhe der Engelsbrunnen. Seinem Wasser wird in der örtlichen Überlieferung heilende Wirkung bei Augenleiden zugeschrieben. Pilger und Wanderer machen bis heute dort Halt.
Damit besitzt Maria Schönanger neben dem Gnadenbild eine zweite typische Erscheinung der Wallfahrtsvolkskunde: das heilkräftige Wasser.
Eine historisch belegte Verbindung zwischen bestimmten Mirakelberichten am Gnadenbild und dem Engelsbrunnen ist in den herangezogenen Quellen nicht nachweisbar. Daher ist zu unterscheiden: Die Pietà ist der eigentliche Kultgegenstand der Wallfahrtskirche; der Engelsbrunnen gehört als überlieferter Heilbrunnen zum Wallfahrtsweg.
Gerade die Spezialisierung auf Augenleiden entspricht einem weit verbreiteten volksmedizinischen Quellenbrauch: Das Wasser wird nicht bloß getrunken, sondern bei Augenquellen traditionell häufig unmittelbar zum Waschen beziehungsweise Benetzen der Augen verwendet.
Besonders eindrucksvoll ist der heutige Wallfahrtskalender. Maria Schönanger besitzt kein bloß nominelles Wallfahrtsprädikat, sondern ist Mittelpunkt eines ganzen regionalen Netzes von Prozessionen.
Die Wallfahrtsordnungen des Benediktinerstiftes nennen regelmäßig Prozessionen beziehungsweise Wallfahrten aus Mariahof, Karchau, Neumarkt, Scheifling, Ingolsthal, Laßnitz, Perchau und Zeutschach. Dazu kommen die Wettermesse von St. Lambrecht, das Erntedankfest sowie Gottesdienste am Großen Frauentag und an Maria Geburt.
Dass diese Orte über mehrere Jahre hinweg wiederkehrend erscheinen, ist für die Beurteilung wichtig: Es handelt sich um ein stabiles regionales Wallfahrtssystem.
Unter den regelmäßigen Feiern fällt besonders die Wettermesse von St. Lambrecht auf. Sie wird im Wallfahrtskalender ausdrücklich als solche bezeichnet.
Damit lebt in Schönanger eine der klassischen Funktionen ländlicher Wallfahrt fort: die Bitte um günstiges Wetter und Schutz der bäuerlichen Lebensgrundlage. Gerade bei einer auf 1.335 Metern gelegenen Bergwallfahrt in einer land- und almwirtschaftlich geprägten Region erhält dieser Brauch eine besondere Bedeutung.
Neben persönlicher Marienverehrung steht somit weiterhin eine gemeinschaftliche, agrarisch geprägte Frömmigkeit.
Der 15. August, der Große Frauentag, besitzt bis heute besondere Bedeutung. Kurz danach wird jährlich der Kirchweihsonntag mit Feldmesse und eucharistischer Prozession gefeiert. Auch am Fest Mariä Geburt am 8. September findet ein Gottesdienst statt.
Maria Schönanger verbindet damit Wallfahrt und Kirchweih, sommerlichen Bergaufenthalt und Prozession. Der zeitliche Schwerpunkt im Sommer ist zugleich durch die Höhenlage des Heiligtums bestimmt.
Die Wallfahrt besitzt sogar eine ausdrücklich bezeichnete Wallfahrtssaison. Sie wird am 1. Mai mit einem Eröffnungsgottesdienst begonnen; regelmäßig werden anschließend während der warmen Jahreszeit Gottesdienste gefeiert. Das Stift bezeichnet die Veranstaltungen selbst ausdrücklich als Wallfahrten nach Maria Schönanger.
Die Gottesdienstpläne zeigen zugleich einen ausgeprägten jahreszeitlichen Rhythmus. Maria Schönanger ist kein gewöhnlicher ganzjähriger Pfarrkirchenstandort, sondern ein saisonal intensiv genutztes Bergheiligtum.
Die Diözese hat für Maria Schönanger ausdrücklich einen Wallfahrtsseelsorger bestellt; diese Funktion besteht weiterhin und wird gegenwärtig von Altabt Benedikt Plank OSB wahrgenommen.
Maria Schönanger ist ein besonders anschauliches Beispiel für die Entstehung einer alpinen Volkswallfahrt im 18. Jahrhundert.
Erhaltene Wallfahrtsmedaillen dokumentieren die materielle Kultur der Wallfahrt. Die Pilger konnten die Pietà und das Bild der abgelegenen Bergkirche als kleines Andenken mitnehmen. Ein archäologischer Fund solcher Medaillen macht damit sogar die Bewegung von Wallfahrern durch die Landschaft greifbar.
Der Ausgangspunkt war weder eine große kirchliche Institution noch eine herrschaftliche Stiftung, sondern ein Kreuz in der Landschaft und die Initiative einer Magd. Aus dem gestifteten Pietà-Bild und einer kleinen Kapelle entwickelte sich durch Gebetserhörungen und Mirakelüberlieferungen eine Wallfahrt, deren wachsender Zustrom zweimal größere Bauwerke notwendig machte.
Der Engelsbrunnen ergänzt die marianische Wallfahrt um einen volksmedizinischen Aspekt, während die Wettermesse und die Prozessionen der umliegenden Pfarren Maria Schönanger fest in der bäuerlich geprägten Kulturlandschaft des oberen Murtales verankern.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956.
- Erich Linhardt: "Die Wallfahrtskirchen Maria Schnee, Maria Schönanger und Maria Freienstein", in: Begegnungen 2/2018, S. 20–24. Online bereitgestellt:
https://kle.graz-seckau.at/dl/nLMtJmMJknkmlJqx4KoJK/2018_Begegnungen_2_pdf
- Walter Brunner: St. Lambrecht. Geschichte einer Marktgemeinde, Marktgemeinde St. Lambrecht 2011.
- Kurt Woisetschläger / Peter Krenn: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz), Wien 1982.
- Bernhard Hebert: "Am ‚Betweg'", in: Blätter für Heimatkunde 84, 2010. (Wallfahrtsmedaillen von Maria Schönanger).
Online bereitgestellt:
https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/B_Jg84_Bernhard-HEBERT-Am-"Betweg".pdf
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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