| Wallfahrt: | Junger Marienwallfahrtsort der Nachkriegszeit; die Kirche wurde 1947-1950 als Dank für glückliche Heimkehr und zum Gedächtnis der Gefallenen errichtet. |
| Status: | Regelmäßige Gottesdienste finden weiterhin statt; eine eigenständige organisierte Wallfahrt ist derzeit jedoch nicht belegt. |
| Kultzentrum: | Maria-Schutz-Kapelle auf dem Moserpichl; ein einzelnes historisches Gnadenbild wird in der bestehenden Dokumentation nicht als Kultzentrum ausgewiesen. |
| Hauptfest: | Die Wallfahrtstermine sind in den herangezogenen Quellen derzeit nicht ausreichend dokumentiert. |
| Besonderheit: | Der Kirchenbau selbst besitzt den Charakter einer kollektiven Votiv- und Dankhandlung nach Krieg, Gefangenschaft und Heimkehr und dient zugleich als Kriegergedächtnisstätte. |
| Ort: | Moserpichl bei Rinegg, Gemeinde Ranten. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Rinegg 12b, 8844 Ranten. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre Ranten |
| • | Öffnungszeiten: beim Pfarramt nachfragen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Wir haben leider keine Fotos dieser Wallfahrtskirche - Haben Sie Fotos?
Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.
Die Wallfahrts- und Filialkirche Maria Schutz steht auf dem Moserpichl bei Rinegg in der Gemeinde Ranten, nordwestlich von Murau. Rinegg war bis 2014 eine selbständige Gemeinde und gehört seit der steirischen Gemeindestrukturreform zur Gemeinde Ranten. Die Kirche liegt abseits der größeren Siedlungen in landschaftlich hervorgehobener Lage.
Bemerkenswert ist, dass der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus in Rinegg wesentlich älter ist als die heutige Kirche. Nach der von Franz Hutter verfassten beziehungsweise mitverfassten Ortschronik bestand bereits zur Zeit Maria Theresias der Plan, in Rinegg eine Kirche zu errichten. Er wurde jedoch nicht verwirklicht. Die Bewohner mussten weiterhin nach Ranten oder Schöder zum Gottesdienst gehen.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Gedanke wieder aufgegriffen. Auf dem Moserpichl sollte eine Messkapelle entstehen, als Dank für die glückliche Heimkehr aus dem Krieg und zugleich zum Gedächtnis an die Gefallenen beider Weltkriege. Von 1947 bis 1950 wurde die Kirche errichtet; 1950 erfolgte die Weihe. Die heutige Diözesanübersicht nennt Maria Schutz ausdrücklich als 1950 errichtete Messkapelle der Pfarre Ranten.
Der Landeskonservator Friedrich Bouvier nennt als Urheber des Entwurfs einen Architekten Dollinger. Maria Schutz gehört damit zu den steirischen Kirchenneubauten der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Die Kirche ist ein bewusst schlicht gehaltener Sakralbau der Nachkriegszeit, dessen äußere Erscheinung jedoch stark an traditionelle ländliche Kirchenformen anknüpft. Ein steiles, mit Holzschindeln gedecktes Dach und der kleine Dachreiter mit geschwungener Haube verleihen dem Bau trotz seiner Entstehung nach 1945 beinahe den Charakter einer älteren Bergkirche.
Auch das Bundesdenkmalamt misst dem Bau entsprechende Bedeutung bei; die Filialkirche Maria Schutz steht unter Denkmalschutz.
Im Kirchenraum befindet sich ein Hochaltar; außerdem sind Wandmalereien mit Darstellungen der Gottesmutter mit dem Kind und des hl. Leonhard dokumentiert.
Maria Schutz besitzt keine jahrhundertealte Wallfahrtstradition, denn die Kirche selbst entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg.
Dennoch wurde das Gotteshaus schon verhältnismäßig früh als Wallfahrtskirche beziehungsweise Wallfahrtskapelle bezeichnet.
Hintergründe zur Wallfahrt, Wallfahrtsbrauchtum, Festtage etc. sind jedoch derzeit schlecht dokumentiert.
Der Kirchenbau selbst kann als eine Form kollektiver Votivhandlung verstanden werden. Nach Krieg, Gefangenschaft, Tod und Heimkehr errichtete die örtliche Gemeinschaft ein Gotteshaus, das ausdrücklich dem Dank für die Heimkehr der Überlebenden und dem Gedächtnis der Gefallenen gewidmet war. Der Name Maria Schutz bringt dieses Motiv zusätzlich auf den Punkt: Schutz in existenzieller Bedrohung, Bewahrung und Heimkehr.
Damit begegnet in Rinegg ein Phänomen, das für die Frömmigkeitsgeschichte nach 1945 charakteristisch ist: Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs wurden nicht nur in weltlichen Kriegerdenkmälern verarbeitet, sondern auch in religiösen Stiftungen, Kapellen, Gelöbnissen und Dankzeichen.
Maria Schutz vereinigt sogar beide Funktionen ausdrücklich: Messkapelle und Kriegergedächtnisstätte.
Eine hübsche zusätzliche Verbindung zur örtlichen Identität entstand später: Im 1989 verliehenen Wappen der damaligen Gemeinde Rinegg stand die Feuerlilie ausdrücklich auch für die Maria-Schutz-Kapelle. Das Gotteshaus war also bereits wenige Jahrzehnte nach seinem Bau zu einem Identitätssymbol der kleinen Gemeinde geworden.
Die Pfarre Ranten feiert weiterhin regelmäßig Gottesdienst in Rinegg. Auch Hochzeiten finden dort häufig statt.
Obwohl die Bezeichnung als Wallfahrtskirche weiterhin gebräuchlich ist, ist derzeit keine eigenständige, organisierte Wallfahrt belegt.
- Franz Hutter / G. Pichler: Chronik der Gemeinde Rinegg.
- Friedrich Bouvier: Jahresbericht 1997 des Landeskonservators für Steiermark. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Jg. 89/90.
- "60 Jahre Maria Schutz in Rinegg". In: Sonntagsblatt für Steiermark, Nr. 28, 11. Juli 2010.
- Ernst Bruckmüller (Hg.): Österreich-Lexikon, 3 Bände, 2004, Stichwort Rinegg: "Moderne Wallfahrtskirche ‚Maria Schutz' (Weihe 1950)."
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in der Steiermark | |
| Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt |
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
© www.SAGEN.at