| Wallfahrt: | Bedeutende historische Marienwallfahrt mit überregionalem Einzugsgebiet; das Mirakelbuch von 1694 bis 1781 verzeichnet 657 als Gebetserhörungen verstandene Ereignisse. |
| Status: | Lebendige Wallfahrt mit regelmäßig ankommenden Fußwallfahrergruppen; besonders traditionsreich ist die seit 1771 bestehende Wallfahrt aus Draßmarkt. |
| Kultzentrum: | Gotische Gnadenstatue der Schmerzhaften Mutter aus der Zeit um 1520; daneben bildet die Brunnkapelle mit ihrer Quelle einen zweiten religiösen Bezugspunkt. |
| Hauptfest: | Ein einzelner heutiger Hauptwallfahrtstag wird in der bestehenden Dokumentation nicht hervorgehoben. |
| Besonderheit: | Fundlegende im Haselstrauch, umfangreiches Mirakelbuch, Heilquelle und bis heute bestehende überregionale Fußwallfahrten verbinden mehrere klassische Formen der Wallfahrtskultur. |
| Ort: | Pinggau in der nördlichen Oststeiermark. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Kirchenplatz 1, 8243 Pinggau. Unmittelbar bei der Kirche befindet sich die historische Brunnkapelle. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Pinggau Maria Hasel |
| • | Öffnungszeiten: tagsüber für Besucher und Pilger frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Gnadenbild: Andachtsgegenstand: Gotisches Vesperbild (ca. 1520), Christus nach rechts, aber herabgesunken zu den Füßen Marias, rechts Johannes, hl. Maria Magdalena (2. Viertel des 16. Jahrhunderts). Das Bild wurde im Volksmund nach dem Auffindungsort "Maria Hasel". "Haselmutter" oder auch "Maria Pingga" genannt.

Bildquelle: von der Pfarre Pinggau für SAGEN.at zur Verfügung gestellt
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Mutter in Pinggau, im Volksmund seit Jahrhunderten "Maria Hasel" genannt, gehört zu den bedeutenden historischen Wallfahrtsorten der nördlichen Oststeiermark und besitzt durch ihre Lage nahe der Grenzen zu Niederösterreich und dem Burgenland ein Einzugsgebiet, das von alters her weit über die nähere Umgebung hinausreichte. Im Mittelpunkt des Gnadenortes steht eine gotische Marienstatue aus der Zeit um 1520, während die Entstehungslegende von Hirten berichtet, die in den Auen der Pinka in einem Haselstrauch ein Marienbild gefunden und zunächst an dieser Stelle verehrt hätten, ehe es wegen des zunehmenden Zustromes in die nahe Kirche übertragen worden sei. Aus dem Fundort im Haselgebüsch entstand die volkstümliche Bezeichnung "Maria Hasel", daneben war auch der Name "Maria Pingga" gebräuchlich.
Die Wallfahrt erlebte insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert eine starke Blüte. Einen außergewöhnlich dichten Einblick in die religiösen Anliegen der Pilger vermittelt das zwischen 1694 und 1781 geführte Pinggauer Mirakelbuch, in dem 657 als Gebetserhörungen verstandene Ereignisse nach Krankheiten, Verletzungen und Unfällen aufgezeichnet wurden. Die Verbindung der großen Wallfahrtskirche mit der unmittelbar benachbarten Brunnkapelle und ihrer Quelle, der umfangreiche historische Pilgerzustrom sowie bis heute bestehende Fußwallfahrten machen Maria Hasel zu einem volkskundlich besonders vielschichtigen Gnadenort, an dem Kultbild, Heilwasser, Gelübde, Votivwesen und überregionale Pilgertraditionen miteinander verbunden sind.
Wie bei vielen alten Wallfahrtsorten lässt sich auch der Beginn der Pinggauer Marienverehrung nicht unmittelbar aus der Legende als historische Tatsache ableiten. Nach der überlieferten Erzählung weideten Hirten ihr Vieh in den Auen der Pinka und entdeckten in einem Haselgebüsch ein Marienbild beziehungsweise eine Marienstatue, die zunächst unmittelbar am Fundort zur Verehrung aufgestellt wurde. Als immer mehr Menschen zu dem Bild kamen, soll man es schließlich in die benachbarte Kirche übertragen haben; die Erinnerung an den Haselstrauch blieb jedoch im Namen des Gnadenortes erhalten, der fortan "Maria Hasel" genannt wurde. Die heutige Pfarrüberlieferung verweist darauf, dass diese Fundlegende auch in einem Deckenfresko der Kirche dargestellt wurde.
Volkskundlich gehört diese Erzählung zum weit verbreiteten Typus der Fundlegenden, mit denen erklärt wird, weshalb ein bestimmtes Kultbild gerade an einem bestimmten Ort besondere Verehrung erlangte. Der Haselstrauch wird dabei zum landschaftlichen Kennzeichen des Gnadenortes und gibt ihm einen unverwechselbaren Namen, ohne dass daraus ohne weitere Quellen eine ältere oder gar vorchristliche religiöse Bedeutung der Hasel abgeleitet werden dürfte.
Die Kirche selbst ist wesentlich älter als der sicher nachweisbare neuzeitliche Wallfahrtsbetrieb. Bereits 1377 erscheint eine Marienkirche in Pinggau urkundlich als "unser lieben Frau in der Pinkha", womit zwar ein mittelalterlicher Marienkult, nicht jedoch ohne weiteres die spätere Wallfahrt zu Maria Hasel bewiesen ist. Der Historische Verein Wechselland bezeichnet die Wallfahrt nach Pinggau seit 1617 als sicher belegbar und hält eine noch weiter zurückreichende mittelalterliche Wallfahrt für wahrscheinlich. Damit empfiehlt es sich, zwischen der bereits im 14. Jahrhundert bestehenden Marienkirche und der erst später eindeutig fassbaren Wallfahrt zu unterscheiden.
Auch das heute erhaltene Gnadenbild gehört nicht zur frühesten Bauphase der Kirche. Die gotische Gnadenstatue wird um 1520 datiert und stellt das einzige erhaltene Stück der mittelalterlichen Innenausstattung dar. Erst im Zusammenwirken von älterer Marienkirche, spätgotischem Kultbild und zunehmendem Pilgerzustrom entwickelte sich jene Wallfahrtsstätte, die während der Barockzeit weit über die Region hinaus bekannt wurde.
Das religiöse Zentrum von Maria Hasel bildet die gotische Gnadenstatue aus der Zeit um 1520. Mit ihr verbindet sich die lokale Fundüberlieferung, auch wenn die Legende selbstverständlich nicht als historische Beschreibung der tatsächlichen Entstehung oder Auffindung des Kunstwerkes verstanden werden kann.
Gerade diese Verbindung eines konkreten Kultbildes mit einer einfachen, leicht erinnerbaren Fundgeschichte dürfte jedoch wesentlich zur Identität des Wallfahrtsortes beigetragen haben. Der Name Maria Hasel bezeichnet nicht irgendeine allgemeine Marienverehrung, sondern eine lokal bestimmte Gnadenmutter, deren Geschichte mit der Landschaft an der Pinka und dem Haselstrauch verbunden wurde, wodurch Bild, Ort und Legende zu einer religiösen Einheit verschmolzen.
Besonders während des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelte sich Pinggau zu einem bedeutenden Wallfahrtszentrum der nördlichen Oststeiermark. Die vorhandene Kirche erwies sich dem zunehmenden religiösen und liturgischen Anspruch entsprechend als erweiterungsbedürftig und wurde von 1703 bis 1706 vergrößert und barockisiert; aus dieser Epoche stammen auch wesentliche Teile jener Ausstattung, die das heutige Erscheinungsbild des Innenraumes bestimmt.
Der Ausbau einer älteren gotischen Kirche zu einem repräsentativen barocken Wallfahrtsraum ist nicht allein kunstgeschichtlich zu verstehen. Wie an zahlreichen bedeutenden Gnadenorten reagierte die Architektur auf Veränderungen des Kultes, auf neue liturgische Anforderungen und auf einen wachsenden Pilgerzustrom, sodass Baugeschichte und Wallfahrtsgeschichte eng miteinander verbunden bleiben.
Eine außergewöhnlich wertvolle Quelle zur Geschichte der Wallfahrt ist das sogenannte Pinggauer Mirakelbuch, das zwischen 1694 und 1781 geführt wurde und insgesamt 657 Gebetserhörungen verzeichnet. Genannt werden insbesondere Krankheiten, Verletzungen und Unfälle, aus deren glücklichem Ausgang die Betroffenen eine besondere Hilfe der in Pinggau angerufenen Gottesmutter erkannten.
Solche Mirakelbücher gehören zu den wichtigsten Quellen traditioneller Wallfahrtskultur, weil sie über die allgemeine Aussage hinausgehen, Menschen seien in "Not und Krankheit" zu einem Gnadenort gekommen. In ihnen werden konkrete Fälle gesammelt, die zugleich den Ruf des Heiligtums stärkten, denn jede aufgezeichnete Gebetserhörung konnte späteren Pilgern als Beweis dafür erscheinen, dass die Gottesmutter an diesem Ort bereits anderen Menschen geholfen hatte.
Das Mirakelbuch besaß daher nicht nur dokumentarischen Charakter, sondern war selbst Bestandteil der religiösen Kommunikation eines Wallfahrtsortes: Aus individueller Erfahrung entstand schriftlich bewahrte Erinnerung, aus dieser Erinnerung wiederum Vertrauen in die besondere Wirksamkeit des Gnadenortes.
Unmittelbar neben der Wallfahrtskirche steht die Brunnkapelle, die von der Diözese mit dem Jahr 1696 angegeben wird und damit genau aus jener Zeit stammt, in der sich Maria Hasel zu einem bedeutenden Wallfahrtszentrum entwickelte. Durch die Verbindung mit einer Quelle erhielt der Gnadenort neben dem Kultbild in der Kirche einen zweiten religiösen Bezugspunkt, sodass sich die Wallfahrt räumlich nicht auf den Kirchenraum allein beschränkte.
Quelle und Brunnkapelle gehören zur religiösen Topographie von Maria Hasel ebenso wie Kirche, Gnadenbild und Kirchplatz. Der Wallfahrer konnte vor dem Gnadenbild beten und zugleich das Wasser der Quelle aufsuchen, wodurch sich bildliche Marienverehrung und religiöse Heilvorstellung miteinander verbanden.
Der Quelle bei der Brunnkapelle wurde traditionell heilende beziehungsweise hilfreiche Wirkung zugeschrieben, und sie blieb über Generationen ein besonderer Anziehungspunkt für Pilger. Ältere volkskundliche Darstellungen verbinden das Wasser insbesondere mit körperlichen Leiden und berichten von einer intensiven Verwendung innerhalb der Wallfahrt.
Medizinische Wirkung und religiöse Zuschreibung sind dabei selbstverständlich auseinanderzuhalten. Für die volkskundliche Betrachtung ist entscheidend, dass das Wasser nicht als gewöhnliche Quelle angesehen wurde, sondern innerhalb des Gnadenortes eine religiöse Bedeutung erhielt, sodass seine Verwendung mit Gebet, Hoffnung auf Heilung und dem Besuch der Wallfahrtskirche verbunden war.
Gerade die Kombination von Gnadenbild und Quelle gehört zu den charakteristischen Erscheinungsformen mitteleuropäischer Wallfahrtskultur. Das Kultbild verkörpert die angerufene himmlische Fürsprecherin, während das Wasser eine unmittelbar körperlich erfahrbare Handlung ermöglicht, indem es berührt, getrunken oder mit nach Hause genommen werden kann.
Zu einem Gnadenort von der Bedeutung Maria Hasels gehörte naturgemäß ein umfangreiches Votivwesen. Dankgaben und Votivtafeln machten persönliche Notsituationen sichtbar und dokumentierten die Überzeugung, durch die Fürsprache der Gottesmutter Hilfe erfahren zu haben.
Ältere Beschreibungen der Brunnkapelle berichten von einem ehemals außerordentlich reichen Bestand an Votivgaben und Tafeln, von dem ein erheblicher Teil im 20. Jahrhundert entfernt wurde. Da einzelne besonders bemerkenswerte Formen dieses Votivwesens bislang nur in sekundärer Überlieferung greifbar sind, sollten sie ohne zusätzliche quellenmäßige Absicherung nicht überinterpretiert werden. Sicher ist jedoch, dass die materielle Dankkultur einen wesentlichen Bestandteil des historischen Wallfahrtsortes bildete.
Zu den eindrucksvollsten Beispielen für die überregionale Wirkung Maria Hasels gehört die bis heute bestehende Fußwallfahrt aus Draßmarkt im heutigen Burgenland. Ihr Ursprung reicht in das Jahr 1771 zurück und steht nach der Überlieferung des Pinggauer Mirakelbuches mit einer schweren Viehseuche in Verbindung, die die Bevölkerung des damals zu Ungarn gehörenden Ortes bedrohte.
Rund hundert Menschen sollen sich damals auf den Weg nach Pinggau gemacht und die Gottesmutter um Hilfe gebeten haben. Nachdem die Gefahr überwunden worden war, wurde die Wallfahrt als jährlich zu erfüllendes Gelöbnis weitergeführt. Das steirische Sonntagsblatt verweist ausdrücklich auf einen entsprechenden Eintrag im Mirakelbuch und auf die bis in die Gegenwart fortgesetzte Tradition.
Volkskundlich handelt es sich um ein klassisches Beispiel einer gelobten Gemeinschaftswallfahrt, bei der nicht die individuelle Krankheit eines einzelnen Menschen, sondern eine kollektive Bedrohung den Ausgangspunkt bildet. Eine Viehseuche gefährdete in einer bäuerlich geprägten Gesellschaft nicht nur einzelne Tiere, sondern die wirtschaftliche Existenz ganzer Familien und Ortschaften, weshalb das gemeinsame Gelübde eine ebenso soziale wie religiöse Handlung darstellte.
Das Besondere an Draßmarkt ist die außergewöhnliche Kontinuität dieser Verpflichtung: Die einmal in einer existenziellen Krise versprochene Wallfahrt wurde nicht nach wenigen Jahren vergessen, sondern entwickelte sich zu einem gemeinschaftlichen Erinnerungsbrauch, der über Generationen weitergegeben wurde und bis heute Menschen aus dem Burgenland mit Maria Hasel verbindet.
Die Draßmarkter stehen dabei nicht allein. Bis heute kommen regelmäßig mehrere organisierte Fußwallfahrergruppen nach Pinggau, besonders aus Niederösterreich und dem Burgenland, womit sich das historische Einzugsgebiet des Gnadenortes im Grenzraum der Oststeiermark weiterhin erkennen lässt. Die gegenwärtige Diözesanseite nennt zwölf jährlich zu Fuß kommende Gruppen und hebt die seit 1771 bestehende Tradition der Draßmarkter ausdrücklich hervor.
Maria Hasel besitzt damit einen für regionale Wallfahrtsorte bemerkenswert großen geographischen Wirkungsraum. Historische Landesgrenzen waren für solche religiösen Beziehungen von geringerer Bedeutung als gewachsene Wege, verwandtschaftliche und wirtschaftliche Kontakte sowie gemeinschaftliche Gelöbnisse, sodass der Wallfahrtsort gleichermaßen Menschen aus der Steiermark, aus Niederösterreich und aus dem früher westungarischen, heute burgenländischen Raum anzog.
Die Draßmarkter Viehseuchenwallfahrt macht zugleich sichtbar, wie stark traditionelle Wallfahrt in die konkreten wirtschaftlichen Lebensbedingungen der Bevölkerung eingebettet war. Krankheit eines Menschen, Verlust eines Kindes, Unfall oder Verletzung waren ebenso mögliche Anlässe wie die Gefährdung des Viehbestandes, der für bäuerliche Haushalte Kapital, Nahrungsgrundlage und Arbeitskraft zugleich darstellte.
Die im Mirakelbuch aufgezeichneten Krankheiten und Unglücksfälle sowie die Viehseuche von Draßmarkt zeigen daher unterschiedliche Seiten derselben religiösen Grundhaltung: Wo menschliche Möglichkeiten zur Bewältigung einer Krise als unzureichend empfunden wurden, verband man praktische Maßnahmen mit Gebet, Gelübde und Wallfahrt und hoffte auf zusätzliche himmlische Hilfe.
Die starke Entwicklung der Wallfahrt während der Barockzeit fand ihren sichtbaren Ausdruck in der Vergrößerung und Neugestaltung der Kirche zwischen 1703 und 1706. Der gotische Kern blieb dabei erhalten, wurde jedoch in einen repräsentativen barocken Kirchenraum überführt, dessen Ausstattung dem bedeutenden Gnadenort angemessen war. Die Fresken werden dem Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhofer zugeschrieben, während um 1725 die reich gestaltete Barockkanzel entstand.
Besondere kunsthistorische Bedeutung besitzen die monumentalen Darstellungen der Kreuzigung und der Kreuzabnahme, wobei die Kreuzabnahme nach einer Komposition von Peter Paul Rubens gestaltet wurde. Die Diözese bezeichnet dieses Ensemble als Kunstwerk von nationaler Bedeutung.
Die reiche Ausstattung darf jedoch nicht vom älteren Kern des Wallfahrtskultes ablenken. Im Zentrum der religiösen Identität blieb die gotische Gnadenstatue stehen, wodurch ein mittelalterliches Kultbild in einen hochbarocken Sakralraum eingebettet wurde und die verschiedenen Entwicklungsschichten des Wallfahrtsortes bis heute nebeneinander sichtbar bleiben.
Maria Hasel zeigt besonders deutlich, dass ein großer Wallfahrtsort aus wesentlich mehr bestand als Kirche und Gnadenbild. Die Brunnkapelle mit der Quelle bildete einen zusätzlichen religiösen Handlungspunkt, der Kirchplatz musste größere Gruppen aufnehmen, Beichte und Gottesdienst gehörten wesentlich zur Pilgerpraxis, und die überregionalen Wallfahrtswege verbanden Pinggau mit zahlreichen Herkunftsorten.
Mit dem wachsenden Pilgerzustrom entstanden damit praktische Anforderungen an Seelsorge, Versorgung und Aufenthalt, die einen Wallfahrtsort zugleich zu einem sozialen und wirtschaftlichen Mittelpunkt machen konnten. Gerade für Maria Hasel wäre deshalb eine weitere Untersuchung historischer Gasthäuser, Devotionalienverkäufer, Wachszieher, Andenkenbilder und anderer Einrichtungen besonders lohnend, denn solche unscheinbaren Zeugnisse zeigen, wie Wallfahrt im Alltag tatsächlich organisiert wurde.
Maria Hasel ist keine erloschene historische Wallfahrt, sondern bis heute ein tatsächlich aufgesuchter Gnadenort. Die Kirche wird von der Diözese weiterhin ausdrücklich als Wallfahrtsort geführt, und regelmäßig kommen organisierte Gruppen zu Fuß nach Pinggau; besonders bemerkenswert ist dabei die seit 1771 bestehende Tradition der Draßmarkter aus dem Burgenland. Auch gegenwärtige Fußwallfahrten des Seelsorgeraumes führen nach Maria Hasel und schließen dort mit einer Wallfahrermesse ab.
Damit besitzt Pinggau eine bemerkenswerte Kontinuität, denn die heutige Wallfahrt ist nicht lediglich eine moderne Wiederbelebung eines längst verschwundenen Brauches, sondern steht in Verbindung mit jahrhundertealten Pilgerbeziehungen, die sich an einzelnen Herkunftsorten bis in die Gegenwart erhalten haben.
Maria Hasel gehört zu den besonders ergiebigen Wallfahrtsorten der Steiermark, weil sich hier nahezu alle wesentlichen Elemente historischer Wallfahrtskultur in ungewöhnlicher Dichte begegnen. Eine Fundlegende erklärt die besondere Heiligkeit des Ortes und gibt ihm mit dem Haselstrauch seinen volkstümlichen Namen; eine gotische Gnadenstatue bildet den bildlichen Mittelpunkt, während die Brunnkapelle mit ihrer Quelle eine zweite, körperlich erfahrbare Form religiöser Hoffnung erschließt.
Das Mirakelbuch mit seinen 657 Gebetserhörungen dokumentiert über fast neun Jahrzehnte hinweg konkrete menschliche Notlagen und macht sichtbar, wie der Ruf eines Gnadenortes durch immer neue Erzählungen von erfahrener Hilfe entstehen und wachsen konnte. Das historische Votivwesen übersetzte solche Erfahrungen wiederum in materielle Zeichen, während Gemeinschaftswallfahrten wie jene aus Draßmarkt die individuelle Frömmigkeit zu einer über Generationen weitergegebenen Verpflichtung ganzer Ortschaften erweiterten.
Gerade die Verbindung von Gnadenbild, Heilquelle, Mirakelüberlieferung, Votivwesen und bis heute bestehenden Fußwallfahrten macht Maria Hasel zu einem Gnadenort, an dem historische Wallfahrtsfrömmigkeit nicht lediglich museal überliefert ist, sondern in veränderter Form weiterhin gelebt wird.
- ausführliche Informationen zur Wallfahrtskirche Maria Hasel von der Pfarre Pinggau auf SAGEN.at
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch.
- Pinggauer Mirakelbuch, 1694–1781.
- Pfarre Pinggau – Maria Hasel / Seelsorgeraum Vorau: Geschichte der Pfarr- und Wallfahrtskirche.
- Diözese Graz-Seckau: Pfarre Pinggau.
- Marktgemeinde Pinggau: Kirche und Religion – Maria Hasel.
- Historischer Verein Wechselland: Darstellung zur Wallfahrtsgeschichte des Wechsellandes.
- Sonntagsblatt Steiermark: Überlieferung und Fortbestand der Draßmarkter Wallfahrt nach Maria Hasel.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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