| Wallfahrt: | Historische Marienwallfahrt, deren ausgeprägter Gnadenbildkult besonders seit der Barockzeit fassbar ist; ein eigenes Wallfahrtsbüchlein erschien 1861. |
| Status: | Die Diözese bezeichnet die Frauenkirche weiterhin als alte Wallfahrtskirche; Gruppen können nach Voranmeldung Andachten und Gottesdienste feiern. |
| Kultzentrum: | Spätgotische Pernegger Madonna, um 1510-1515 datiert, im um 1740 geschaffenen Gnadenaltar. |
| Hauptfest: | In der bestehenden Dokumentation wird kein einzelner heutiger Hauptwallfahrtstag genannt. |
| Besonderheit: | Der Pernegger Gnadenaltar wurde zum Vorbild späterer steirischer Gnadenaltäre; Wallfahrtsbüchlein und Andachtsgraphik von 1861 belegen die Kultverbreitung. |
| Ort: | Frauenkirche am Fuß des Schlossberges in Pernegg an der Mur. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Pernegg 7, 8132 Pernegg an der Mur. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Pernegg |
| • | Öffnungszeiten: keine Öffnungszeiten angegeben. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die sogenannte Frauenkirche von Pernegg, auch Maria Pernegg und in historischen bzw. denkmalpflegerischen Bezeichnungen Klein-Mariazell genannt, liegt am Fuß des Schlossberges unmittelbar unterhalb von Schloss und Burgruine Pernegg. (Die Frauenkirche wird in älteren und amtlichen Bezeichnungen gelegentlich auch als "Klein-Mariazell" bezeichnet; sie ist nicht mit dem Wallfahrtsort Klein-Mariazell bei Altenmarkt an der Triesting in Niederösterreich zu verwechseln). Sie ist keine Pfarrkirche, sondern seit jeher Filialkirche der dem hl. Maximilian geweihten Pfarrkirche von Kirchdorf. In ihrer Größe, ihrer reichen Ausstattung und besonders durch ihre Wallfahrt übertrifft sie jedoch die eigentliche Pfarrkirche an Bedeutung deutlich. Der Historiker und Volkskundler Günther Jontes zählt Pernegg zusammen mit Straßengel, Mariatrost und Straßgang zu den bemerkenswerten Marienwallfahrtsheiligtümern entlang des Murtales zwischen Bruck und Graz.
Am Ort der heutigen Kirche bestand zunächst eine einfache Marienkapelle, die mit dem Adelsgeschlecht der Herren von Pernegg verbunden war. Nach den örtlichen Überlieferungen ließ Wilhelm von Pernegg diese Kapelle errichten; als erster Bau wird das Jahr 1439 genannt. Bartholomä von Pernegg ließ die Kapelle zwischen 1448 und 1461 zu der noch heute im Wesentlichen erhaltenen großen spätgotischen Kirche erweitern.
Die Dimensionen des Bauwerks sind für eine bloße Filialkirche ungewöhnlich. Die Frauenkirche ist eine stattliche dreischiffige spätgotische Hallenkirche, deren Langhaus durch sechs achteckige Pfeiler gegliedert wird. Besonders charakteristisch ist der ungewöhnlich schlanke, hohe und fünfgeschossige Westturm. Ferdinand Krauss beschreibt die Kirche bereits 1892 als gegenüber der Pfarrkirche ausgesprochen imposanten Bau und hebt auch das reich gegliederte gotische Westportal hervor.
Das gotische Raumgefüge blieb grundsätzlich erhalten, doch wurde das Innere im 18. Jahrhundert stark verändert. Bereits um 1740 entstand der bedeutende barocke Gnadenaltar. In den Jahren 1774–1775 erfolgte eine weitgehende barocke Neugestaltung des Innenraumes. Dabei wurden unter anderem Teile der gotischen Gewölberippen entfernt, um größere Flächen für die neue malerische Ausstattung zu gewinnen. Die farbenprächtigen Gewölbemalereien stammen von Joseph Adam Ritter von Mölk, einem der bedeutenden österreichischen Freskomaler des Spätbarock. Als Architekt der Barockisierung wird vermutlich Josef Hueber angenommen.
Damit besitzt die Frauenkirche heute einen reizvollen Doppelcharakter: Äußerlich erscheint sie weitgehend als monumentale spätgotische Kirche, während das Innere durch die Ausstattung des Barock geprägt wird.
Zentrum der Wallfahrt ist die auf dem Hochaltar verehrte Pernegger Madonna, eine spätgotische Holzfigur der Gottesmutter mit dem Jesuskind.
Die kunsthistorische Forschung setzt die Figur ungefähr 1510–1515 an. Bei ihrer Aufstellung im neu geschaffenen Gnadenaltar um 1740 wurde die Statue offenbar überarbeitet und das Gewand seitlich ergänzt. Gustav Gugitz setzt die eigentliche Verehrung der Statue als Gnadenbild in die Barockzeit.
Kirche und Marienverehrung sind älter als der nachweisbare Gnadenbildkult in seiner späteren Wallfahrtsform. Man sollte daher nicht automatisch behaupten, die heutige Pernegger Madonna sei bereits seit der Errichtung der Kirche 1461 als wundertätiges Gnadenbild verehrt worden.
Der 1740 errichtete Gnadenaltar ist auch kunstgeschichtlich bemerkenswert. Sein halbkreisförmiger Aufbau mit vier Säulen konzentriert die Architektur auf die Mittelnische mit dem Gnadenbild, das unter einem Baldachin mit zurückgeschlagenem Vorhang erscheint. Dieser Pernegger Altar wurde sogar zum Vorbild für spätere steirische Gnadenaltäre, unter anderem in Preding und Eibiswald.
Spätestens in der Barockzeit entwickelte sich um die Pernegger Madonna ein ausgeprägter Gnadenkult. Ein besonders eindrucksvoller Beleg für die Bedeutung der Wallfahrt ist ein eigenes, 122 Seiten starkes Wallfahrtsbüchlein von 1861:
Die Wallfahrt nach Maria Pernegg zur vierten Secular-Feier im Jahre 1861. Mit einem kurzen Berichte über die Entstehung der Kirche und den entsprechenden Gebeten.
Es erschien zur Vierhundertjahrfeier der Kirche und enthält neben Gebeten auch zwei Bildtafeln – eine Ansicht der Wallfahrtskirche und eine Darstellung des Gnadenbildes.
Ein erhaltenes Wallfahrtsandenken von 1861 zeigt das Gnadenbild auf Wolken, begleitet von knienden Engeln, darunter Darstellungen des "Ursprungs" und der Kirche. Damit ist auch eine eigene Pernegger Wallfahrtsgraphik des 19. Jahrhunderts nachgewiesen.
Interessant ist außerdem, dass die Wallfahrt keineswegs nur Vergangenheit ist. Aus Frohnleiten ist beispielsweise eine über Jahrzehnte gepflegte Fußwallfahrt nach Pernegg dokumentiert. Ein Pfarrbericht beschreibt die Wallfahrt ausdrücklich mit dem Ziel der Frauenkirche und einer dort gefeierten Wallfahrermesse. Nach einer Unterbrechung wurde diese Fußwallfahrt später wieder aufgenommen.
Heute spricht auch die Diözese weiterhin von der "alten Wallfahrtskirche". Gruppen können nach Voranmeldung Andachten und Gottesdienste in der Frauenkirche feiern.
Volkskundlich ist Maria Pernegg interessant, weil sich mehrere Entwicklungsschichten erkennen lassen: eine spätmittelalterliche adelige Marienstiftung, ein späterer barocker Gnadenbildkult, die monumentale Inszenierung der Madonna am Gnadenaltar, Wallfahrtsgraphik und Andachtsbücher des 19. Jahrhunderts sowie organisierte Fußwallfahrten, die bis in jüngere Zeit fortgeführt beziehungsweise wiederbelebt wurden.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956, S. 219–220.
- Walter Plesnicar (Hrsg.): 500 Jahre Frauenkirche Pernegg 1461–1961, Pernegg 1961. Darin u. a. Karl Klaminger: Die Frauenkirche zu Pernegg.
- [Anonym]: Die Wallfahrt nach Maria Pernegg zur vierten Secular-Feier im Jahre 1861. Mit einem kurzen Berichte über die Entstehung der Kirche und den entsprechenden Gebeten, Bruck 1861. Exemplar UB Graz, Sign. Grazer Drucke I 750846.
- Ferdinand Krauss: Die eherne Mark. Eine Wanderung durch das steirische Oberland, Bd. 1, Graz 1892, S. 222 ff.
- Herbert Beck: "Mittelalterliche Skulpturen in Barockaltären", in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 108 (1968), S. 209–293; zum Pernegger Gnadenaltar und Gnadenbild besonders um S. 259–260.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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