Oppenberg, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt

Schnellüberblick
Wallfahrt:Alte regionale Marienwallfahrt mit seit 1403 nachweisbarer Fußwallfahrt aus Irdning und Donnersbach.
Status:Lebendige Wallfahrt; von Mai bis September finden am 13. des Monats Prozession beziehungsweise Rosenkranz und Wallfahrermesse statt, daneben bestehen die alten Fußwallfahrten fort.
Kultzentrum:Überarbeitete beziehungsweise überschnitzte Muttergottes mit dem Jesuskind am Hochaltar, in der lokalen Forschung als spätgotische Madonna bezeichnet.
Hauptfest:Mariä Geburt am 8. September; zusätzlich 13er-Wallfahrten von Mai bis September.
Besonderheit:Die Kirche entwickelte sich von einem ursprünglichen Michaelspatrozinium zum Marienheiligtum; ein außergewöhnliches Votivbild dokumentiert Krankheit, Fürbitte und Dank im 19. Jahrhundert.
Ort:Oppenberg im Gemeindegebiet von Rottenmann, auf rund 1.000 Metern Seehöhe.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Oppenberg 46, 8786 Rottenmann.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarre Oppenberg
Öffnungszeiten: jedenfalls zu Gottesdiensten und Wallfahrten; außerhalb dieser Zeiten keine verlässlich veröffentlichten Öffnungszeiten – gegebenenfalls bei der Pfarre Oppenberg nachfragen.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt liegt auf rund 1.000 Metern Seehöhe im abgelegenen Oppenberger Tal, heute Gemeindegebiet von Rottenmann. Ein bemerkenswertester alter Marienwallfahrtsort des mittleren Ennstales. Besonders interessant ist, dass ihre Geschichte zunächst offenbar gar nicht als Marienkirche begann: Die von der Pfarre veröffentlichte, auf Forschungen von Dieter Vörös beruhende Darstellung setzt den Beginn eines romanischen Kirchenbaues um 1170 an und nennt als ursprüngliches Patrozinium den Erzengel Michael. Die erste schriftlich gesicherte Erwähnung der Pfarrkirche erfolgt 1403.

Von der Michaelskirche zum Marienheiligtum

Nach der von der Pfarre wiedergegebenen Baugeschichte soll Markgräfin Kunigunde um 1170 den Bau einer romanischen Kapelle beziehungsweise Kirche begonnen haben; um 1190 sei der Bau vollendet und mit Wandmalereien ausgestattet worden. Reste dieser frühen beziehungsweise frühgotischen Malereien haben sich oberhalb des später eingezogenen Gewölbes erhalten. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde Oppenberg von der Mutterpfarre Irdning gelöst und zum selbständigen Vikariat. In diesem Zusammenhang wurde die Kirche der Jungfrau Maria geweiht und das Patrozinium Mariä Geburt begründet.

Für die Wallfahrtsgeschichte ist 1403 besonders wichtig. Kirchliche Darstellungen nennen dieses Jahr als ersten urkundlichen Nachweis der Wallfahrt aus Irdning und Donnersbach nach Oppenberg. Diese Pilgertradition wird bis heute fortgeführt. Oppenberg besitzt damit eine über sechs Jahrhunderte nachweisbare regionale Fußwallfahrt.

Das Patroziniumsfest der Kirche ist Mariä Geburt am 8. September, weshalb die traditionellen Fußwallfahrten besonders mit diesem Termin verbunden sind.

Das Gnadenbild

Das eigentliche Gnadenbild der Wallfahrt befindet sich auf dem Hochaltar und stellt die Gottesmutter mit dem Jesuskind dar. Die ältere barocke Hochaltaranlage wurde 1787 von Johann Fortschegger umgestaltet, ausdrücklich um ein neues Gnadenbild aufzunehmen. Der Dehio beschreibt die Figur als überarbeitete beziehungsweise "überschnitzte" Muttergottes; eine lokale Untersuchung bezeichnet sie als spätgotische Madonna. Damit dürfte ein älteres Marienbild erst in seiner späteren Aufstellung und Überarbeitung die heute sichtbare Gestalt und ausgeprägte Funktion als Gnadenbild erhalten haben.

Kunstgeschichtlich herausragend: der Dreikönigsschrein

Fast noch berühmter als das Gnadenbild ist heute der spätgotische Dreikönigsschrein in der südlichen Seitenkapelle. Er gehörte ursprünglich zu einem Flügelaltar und zeigt mit rund dreißig teilweise vollplastischen Figuren den Zug und die Anbetung der Heiligen Drei Könige.

Die Gruppe wird dem Münchner Bildhauer Erasmus Grasser zugeschrieben und entstand um 1500 beziehungsweise um 1505. Kaiser Maximilian I. förderte den spätgotischen Ausbau der Kirche und soll Grasser mit der Erweiterung des Chores und dem neuen Altar beauftragt haben. In der Darstellung des knienden Königs Melchior wird sogar Maximilian selbst gesehen – gewissermaßen in "ewiger Anbetung" vor Maria und dem Christuskind.

Der Dreikönigsschrein wurde wegen seiner außergewöhnlichen kunsthistorischen Qualität mehrfach restauriert und ausgestellt. Er ist jedoch nicht mit dem eigentlichen Gnadenbild der Marienwallfahrt gleichzusetzen. Die Pfarre selbst nennt ihn heute als besonderen kunstgeschichtlichen Anziehungspunkt der Kirche.

Ein außergewöhnliches Votivbild: "Das Mirakel von Fischern"

Volkskundlich beachtlich ist ein erhaltenes Votiv- beziehungsweise Gedächtnisbild von 1868.

Die Oppenberger Gastwirtin Elisabeth Wöhrer musste am 17. November 1868 wegen einer schweren Erkrankung operiert werden. Die Operation wurde nicht in einem Krankenhaus, sondern in einem Bauernhaus in Fischern vorgenommen. Nach der auf dem Votivbild überlieferten Erzählung versagte die Betäubung. Elisabeth Wöhrer rief daraufhin die Oppenberger Gnadenmutter um Hilfe an; gleichzeitig feierten ihre Angehörigen in der Kirche von Oppenberg eine Messe und beteten für sie. Nach der Überlieferung verschwanden ihre Schmerzen so plötzlich, dass die Operation ohne die vorgesehenen Männer, die die Patientin hätten festhalten sollen, durchgeführt werden konnte.

Ihr Ehemann Benedikt Wöhrer ließ daraufhin beim Öblarner Maler Paul Madl ein großes Votivbild anfertigen. Es zeigt sowohl das Gnadenbild der Oppenberger Madonna als auch die betende Familie und die Operation selbst. Die ausführliche Inschrift deutet das Ereignis ausdrücklich als Hilfe der "mächtigen Gnadenmutter". Das Bild hängt in einer Seitenkapelle der Kirche.

Das ist volkskundlich außergewöhnlich wertvoll: es ist nicht nur ein klassisches Marienvotiv, sondern zugleich eine erstaunlich detaillierte Darstellung einer medizinischen Operation im 19. Jahrhundert, einschließlich Instrumenten, Ärzten und häuslicher Umgebung.

Prozessionsweg

Auch außerhalb der Kirche hat sich eine Spur der Wallfahrt erhalten. Entlang der Straße von Rottenmann nach Oppenberg stehen sechs spätbarocke beziehungsweise frühneuzeitliche Pfeilerbildstöcke, die vom Bundesdenkmalbestand als Teile eines ehemaligen Prozessionsweges zur Wallfahrtskirche Oppenberg angesprochen werden. Zwei dieser Bildstöcke stehen unter Denkmalschutz.

Damit lässt sich die historische Wallfahrt sogar in der Landschaft nachvollziehen: Die Annäherung an das Heiligtum erfolgte über einen durch religiöse Kleindenkmäler gegliederten Weg.

Wallfahrt heute

Es existiert eine lebendige regionale Marienwallfahrt mit jahrhundertelanger Fußwallfahrtstradition. Von Mai bis September findet jeweils am 13. des Monats ein Rosenkranzgebet beziehungsweise eine Prozession vom Schattnerhof zur Kirche mit anschließender Wallfahrermesse statt. Daneben werden die alten Fußwallfahrten aus dem Raum Irdning und Donnersbach weiterhin gepflegt und neuerdings auch in größere Sternwallfahrten eingebunden.

Volkskundliche Bedeutung

Oppenberg ist für die Wallfahrtsvolkskunde ausgesprochen interessant, weil sich mehrere Schichten überlagern: eine mittelalterliche Bergkirche, der Wechsel vom Michaels- zum Marienpatrozinium, seit dem frühen 15. Jahrhundert belegte Fußwallfahrten, ein später ausgestalteter Gnadenaltar, ein historischer Prozessionsweg und schließlich das außergewöhnliche Votivbild der Elisabeth Wöhrer.

Gerade das Votivbild macht Oppenberg zu einem hervorragenden Beispiel dafür, wie Krankheit, medizinische Behandlung, Fürbitte, Messopfer und Dankvotiv im 19. Jahrhundert miteinander verbunden wurden.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956.

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz), Wien 1982, Oppenberg, Pfarrkirche Mariä Geburt, S. 347–348.

- Dieter Vörös: Die Wallfahrtskirche Mariä Geburt in Oppenberg.

- Dieter Vörös: "Unkenntnis der Geschichte führt zu kunsthistorischen Fehleinschätzungen und Irrtümern. Eine Betrachtung der spätromanisch-frühgotischen Wandmalereien in der Michaelskirche in Oppenberg …", in: Blätter für Heimatkunde 95 (2021), Heft 1/2, S. 68–77.

- Harald Pirkenau: "Das Mirakel von Fischern", 2006; ausführliche Dokumentation des Votivbildes der Elisabeth Wöhrer und der Operation von 1868.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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