Öblarn, Sonnberg – Bergkreuzkapelle zur hl. Anna

Schnellüberblick
Wallfahrt:Traditionelle Bergwallfahrt zur hl. Anna, eng mit der historischen Bergbaulandschaft und älteren Heilwasserüberlieferungen des Walchentales verbunden.
Status:Lebendige sommerliche Bergwallfahrt mit Bergmesse am Annatag.
Kultzentrum:Bergkreuzkapelle zur hl. Anna; ein einzelnes Gnadenbild wird in der vorliegenden Dokumentation nicht als Mittelpunkt des Kultes bezeichnet.
Hauptfest:Annatag am 26. Juli.
Besonderheit:Votivbild von 1874 sowie seit 1912 geführte Kapellen- beziehungsweise Besucherbücher dokumentieren Wallfahrt, Bergbau- und Besuchsgeschichte.
Ort:Walchental, Sonnberg bei Öblarn, auf etwa 1.350 Metern Seehöhe.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Bergkreuzkapelle zur hl. Anna, Sonnberg 128a, Walchental, 8960 Öblarn.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarre Öblarn
Öffnungszeiten: Außenbereich und Wanderweg frei zugänglich; für eine Besichtigung des Kapelleninneren keine veröffentlichten Öffnungszeiten.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Bergkreuzkapelle zur hl. Anna liegt abgeschieden im Walchental in der Katastralgemeinde Sonnberg bei Öblarn auf etwa 1.350 Metern Seehöhe. Sie gehört zur Pfarre Öblarn und wird von dieser als Messkapelle betreut. Die Kapelle steht in engem Zusammenhang mit dem jahrhundertelang betriebenen Kupfer- und Silberbergbau in der Walchen, der die Geschichte Öblarns entscheidend prägte. Der heutige Öblarner Kupferweg führt vom Ort durch das ehemalige Bergbaugebiet und endet bei der Bergkreuzkapelle.

Geschichte und Bergbau

Die genaue Entstehungsgeschichte der Kapelle ist nicht vollständig geklärt. Eine dendrochronologische Untersuchung der Hölzer des steinernen Kapellenbaus soll eine Errichtung beziehungsweise zumindest die Herstellung des Dachstuhls um 1716 ergeben haben. Damit fällt der Bau in die Blütezeit des Stampferschen Bergbaues in der Walchen. Auf einer Grubenkarte von 1790 ist die Kapelle bereits dargestellt; auch der Franziszeische Kataster von 1824 verzeichnet sie mit Nebengebäuden.

Mit dem Bergbau ist auch das Patrozinium der hl. Anna verbunden. Anna wurde neben anderen Heiligen ebenfalls im bergmännischen Milieu verehrt. Für Öblarn ist jedenfalls bemerkenswert, dass sich gerade diese Anna-Verehrung nach dem Niedergang des Bergbaues zu einem dauerhaften religiösen Brauch entwickelte.

Die Bergkreuzkapelle darf nicht mit der tiefer im Walchental gelegenen Holzkapelle in der Walchen verwechselt werden. In dieser befindet sich ein großes geschnitztes Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Kapellen.

Heilwasser und ältere Kulttradition

Besonders interessant ist die Verbindung des Gebietes mit Quellen und Heilwasser. Das Walchental war bereits im 17. Jahrhundert wegen seiner Quellen und Bäder bekannt. Ob die Bergkreuzkapelle unmittelbar aus einem älteren Heilwasserkult hervorgegangen ist, lässt sich bislang nicht zweifelsfrei feststellen.

In der Überlieferung wird den Wasserquellen rund um die Bergkreuzkapelle eine besondere Wirkung zugeschrieben. Als historischer Hinweis wird häufig das sogenannte "Hausbüchl der Stampferin" herangezogen. Maria Elisabeth Stampfer berichtet darin für das Jahr 1690, dass sie "in die Walchen ins Bad" gereist sei. Das zeigt jedenfalls, dass die Walchen bereits vor Errichtung des heutigen Kapellenbaues als Ort einer Bad- beziehungsweise Heilwassernutzung bekannt war.

Gründungslegende

Nach einer örtlichen Überlieferung soll die Kapelle auf ein Gelübde eines Bergknappen zurückgehen. Ein Bergmann sei aus einer lebensbedrohlichen Situation im Bergwerk gerettet worden und habe aus Dankbarkeit eine Kapelle errichtet beziehungsweise gestiftet.

Wallfahrt am Annatag

Der wichtigste Wallfahrtstag ist der 26. Juli, das Fest der hl. Anna. An diesem Tag führt traditionell eine Wallfahrt zur hochgelegenen Kapelle, wo eine Bergmesse gefeiert wird.

Die Wallfahrer kommen beziehungsweise kamen nicht nur aus Öblarn und Niederöblarn, sondern auch über die Bergübergänge aus dem Raum Irdning, Donnersbach und Donnersbachwald sowie aus den Sölktälern. Neuere Darstellungen sprechen von einigen hundert Teilnehmern.

Damit besitzt die Wallfahrt einen interessanten Charakter als Bergwallfahrt über mehrere Talschaften hinweg. Die Kapelle ist nicht nur religiöses Ziel für das Öblarner Walchental, sondern liegt geradezu an einem historischen Übergangsraum zwischen Ennstal, Donnersbachtal und Sölktälern.

Votivwesen

Ein bemerkenswertes Zeugnis der Volksfrömmigkeit ist ein Votivbild von 1874, das nach der überlieferten Dokumentation für unfallfrei verlaufene Waldarbeit gestiftet wurde. Es gehört zu den frühesten greifbaren schriftlichen beziehungsweise materiellen Belegen für die katholische Andachtsnutzung der Kapelle.

Ein außergewöhnliches Quellenzeugnis: die Kapellenbücher

Eine Besonderheit der Bergkreuzkapelle sind die Besucher- beziehungsweise Kapellenbücher. Anlässlich baulicher Veränderungen und eines Festaktes im Jahr 1912 wurde ein Gästebuch aufgelegt, in das sich Wallfahrer, Wanderer und Besucher eintrugen. Diese Bücher sind erhalten geblieben und bilden damit ein außergewöhnliches serielles Zeugnis für mehr als ein Jahrhundert religiöser und touristischer Nutzung der Kapelle.

Die frühen Bände wurden sogar als Faksimile herausgegeben: Herwig Bachler (Hrsg.): Bergkreuzkapellenbuch 1912–1918, Band 1, 2021.

Die Kapelle als Kulturlandschaft

Zur Bergkreuzkapelle gehört nicht nur das kleine Gotteshaus selbst. Der gesamte Weg durch die Walchen verbindet:

Bergbau – historische Verkehrswege – Quellen – Kapelle – Votivwesen – Annafest – Bergwallfahrt.

Dadurch ist sie volkskundlich wesentlich interessanter, als ihre geringe Größe zunächst vermuten lässt.

Der Bund beschreibt den Öblarner Kupferweg heute als historischen Lehrpfad auf den Spuren des Bergbaues; sein Endpunkt ist ausdrücklich die Bergkreuzkapelle.

Volkskundliche Bedeutung

Die Bergkreuzkapelle ist ein besonders schönes Beispiel für die Verbindung von Arbeitswelt und Volksreligiosität. Ihre Geschichte ist untrennbar mit Bergbau, Waldarbeit und dem Leben in einer hochalpinen Wirtschaftslandschaft verbunden. Die Kapelle steht damit an der Schnittstelle zwischen Bergmannsfrömmigkeit, Votivwesen, Naturheiligtum und alpiner Wallfahrt.

Wallfahrtsstatus heute

Im Sommer besteht eine lebendige traditionelle Bergwallfahrt zur hl. Anna; Wallfahrt und Bergmesse am Annatag, dem 26. Juli.

Zugänglichkeit

Der Weg zur Kapelle ist frei zugänglich; aufgrund ihrer Lage auf rund 1.350 Metern handelt es sich allerdings um ein Wanderziel, nicht um eine mit dem Auto unmittelbar erreichbare Dorfkirche. Der Öblarner Kupferweg führt als Themen- und Wanderweg bis zur Bergkreuzkapelle.

Literatur und Quellen

- Maria Elisabeth Stampfer: Das Hausbüchl der Stampferin, Klagenfurt 1982, besonders S. 65 zur Badereise in die Walchen; Ausgabe nach der Edition von Gustav Hackl, Graz 1926.

- Herwig Bachler (Hrsg.): Bergkreuzkapellenbuch 1912–1918, Band 1, Books on Demand 2021.

- Herwig Bachler (Hrsg.): Bergkreuzkapellenbuch, Fortsetzungsband mit Eintragungen ab 1919, 2022.

- Marktgemeinde Öblarn: Gemeindezeitung, Sommer 2007, Bericht "Bergkreuzkapelle"; wichtiger Beleg für die alljährliche Wallfahrt am Annatag und die Sanierungsgeschichte.

- Pfarre Öblarn: Angaben zur Bergkreuzkapelle als Messkapelle zur hl. Anna.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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