| Wallfahrt: | Junger marianischer Wallfahrts- und Andachtsort der Nachkriegszeit um die monumentale Madonnenstatue "Wölkart-Miaz" auf dem Wölkerkogel. |
| Status: | Lebendiger regionaler Marienwallfahrts- und Berggottesdienstort mit regelmäßig gefeierten Bergmessen. |
| Kultzentrum: | Monumentale Marienstatue unter freiem Himmel mit Freialtar; kein klassisches Gnadenbild im Sinn einer mittelalterlichen Wallfahrt. |
| Hauptfest: | Die Statue wurde am Großen Frauentag, dem 15. August 1954, feierlich geweiht; regelmäßig werden Bergmessen gefeiert. |
| Besonderheit: | Kein Kirchenbau, keine Gründungslegende und keine Heilquelle: Der Kultort entstand bewusst aus gemeinschaftlicher Arbeit und wiederkehrender liturgischer Nutzung. |
| Ort: | Wölkerkogel bei Maria Lankowitz. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Altes Almhaus, Kemetberg 60, 8591 Maria Lankowitz. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Maria Lankowitz |
| • | Öffnungszeiten: Die Madonnenstatue steht frei auf dem Wölkerkogel und ist daher grundsätzlich jederzeit zugänglich. Vom Alten Almhaus führt ein kurzer Fußweg über die Alm zur Statue. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die monumentale Marienstatue auf dem Wölkerkogel bei Maria Lankowitz gehört zu den jüngeren marianischen Wallfahrts- und Andachtsorten der Weststeiermark. Anders als bei den traditionellen Gnadenorten der Region steht hier weder eine Kirche noch eine Kapelle im Mittelpunkt, sondern eine unter freiem Himmel errichtete, weithin sichtbare Marienfigur mit Freialtar, die seit ihrer Aufstellung im Jahr 1954 zu einem festen religiösen Bezugspunkt der umliegenden Bevölkerung geworden ist.
Der Wölkerkogel ist damit kein Wallfahrtsort im klassischen Sinn eines mittelalterlichen oder barocken Gnadenheiligtums, sondern ein bewusst geschaffenes Marienheiligtum der Nachkriegszeit, das sich durch wiederkehrende Gottesdienste, Wallfahrten und die langfristige religiöse Aneignung des Ortes zu einem regional bedeutsamen Pilgerziel entwickelte. Besonders charakteristisch ist dabei die Verbindung von Marienfrömmigkeit, gemeinschaftlicher Aufbauarbeit, Berglandschaft und Friedenssymbolik.
Der Wölkerkogel, örtlich auch Wölkartkogel genannt, liegt im Gebiet von Maria Lankowitz in der Stubalpe und erreicht eine Höhe von rund 1700 Metern.
Die Madonnenstatue steht frei auf dem Gipfelbereich südlich des Alten Almhauses und ist von dort über die Almwiesen in kurzer Gehzeit erreichbar.
Durch ihre erhöhte Lage ist sie weithin sichtbar und zugleich in eine offene Berglandschaft eingebunden, die dem religiösen Ort einen ganz anderen Charakter verleiht als ein geschlossenes Kirchengebäude.
Der Aufstieg, der freie Himmel und der weite Blick über die Landschaft gehören wesentlich zur Wahrnehmung dieses Wallfahrtsortes.
Die Madonnenstatue wurde im Jahr 1954 errichtet, also in jenem Jahr, das Papst Pius XII. als Marianisches Jahr ausgerufen hatte.
Die Errichtung fällt damit in eine Zeit besonders intensiver katholischer Marienverehrung, in der Wallfahrten, marianische Feiern und öffentliche religiöse Zeichen in vielen Teilen Europas eine neue Bedeutung erhielten.
Für die Weststeiermark verband sich diese religiöse Stimmung mit einer Generation, deren Lebenswelt noch stark von Krieg, Nachkriegszeit, katholischer Jugendbewegung und gemeinschaftlichem Aufbau geprägt war.
Die Wölkart-Miaz ist deshalb nicht als Nachwirkung eines älteren lokalen Gnadenkultes zu verstehen, sondern als bewusste Neuschöpfung eines marianischen Ortes im 20. Jahrhundert.
Geschaffen wurde die Marienfigur vom weststeirischen Bildhauer Alfred Schlosser, der später mit zahlreichen religiösen Plastiken, Bildstöcken und Denkmälern das Erscheinungsbild der Region mitprägte.
An der Gestaltung war auch Franz Weiß beteiligt, dessen Werk ebenfalls stark von religiösen Themen und einer Verbindung von moderner Kunst mit volksnaher Frömmigkeit geprägt war.
Die Wölkart-Miaz gehört damit nicht nur zur Wallfahrtsgeschichte, sondern zugleich zur weststeirischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Gerade Alfred Schlossers Werk steht vielfach an der Grenze zwischen akademisch geschulter Plastik und einer bewusst verständlichen, volksnahen Bildsprache, wodurch seine religiösen Arbeiten eine starke regionale Wirkung entfalten konnten.
Die Madonnenstatue ist etwa drei Meter hoch und steht auf einem hohen, felsartig gestalteten Sockel.
Maria erscheint gekrönt und mit weit herabfallendem Mantel, wodurch sie ikonographisch an den Typus der Schutzmantelmadonna erinnert.
Die vergoldete Krone verstärkt den Eindruck der Himmelskönigin, während die exponierte Lage auf dem Berg der Figur eine weithin sichtbare Präsenz verleiht.
Gerade diese Verbindung von Monumentalität und Berglage ist für die Wirkung des Heiligtums entscheidend.
Maria steht hier nicht innerhalb einer architektonischen Begrenzung, sondern offen über der Landschaft. Ihre Schutzfunktion erhält dadurch beinahe räumliche Ausdehnung, als würde der Blick der Madonna die umliegenden Täler und Berge mit einschließen.
Diese Deutung ist als ikonographische und volkskundliche Interpretation zu verstehen; unabhängig davon zeigt die Anlage deutlich, dass die Figur bewusst als weithin sichtbares religiöses Zeichen in der Landschaft gedacht war.
Die Errichtung der Wölkart-Miaz war in hohem Maß ein Gemeinschaftsprojekt.
Mitglieder der katholischen Arbeiterjugend und der Landjugend des Dekanates Voitsberg beteiligten sich in großem Umfang an den Arbeiten. In den überlieferten Darstellungen ist von insgesamt rund 18.000 Arbeitsstunden die Rede.
Diese Zahl macht deutlich, dass die Statue nicht einfach als fertiges Kunstwerk auf den Berg gebracht wurde.
Baumaterial, Wasser und andere notwendige Dinge mussten unter schwierigen Bedingungen auf die Alm geschafft werden, und zahlreiche Helfer verbrachten über längere Zeiträume ihre freie Zeit mit dem Bau. Damit besitzt der Wölkerkogel eine starke sozialgeschichtliche Dimension.
Der religiöse Ort entstand nicht allein durch Auftrag, Finanzierung und künstlerische Gestaltung, sondern wesentlich durch gemeinschaftliche körperliche Arbeit.
In volkskundlicher Perspektive kann diese Leistung beinahe als kollektive Votivhandlung verstanden werden, wobei diese Deutung nicht als historisch verwendeter Begriff, sondern als Interpretation der Entstehungsgeschichte zu verstehen ist.
Die feierliche Weihe der Madonnenstatue fand am 15. August 1954, am Fest Mariä Himmelfahrt, statt.
Damit wurde bewusst einer der wichtigsten traditionellen Marienfeiertage des Jahres gewählt.
Zahlreiche Menschen nahmen an der Feier und der damit verbundenen Prozession teil, wodurch der neu geschaffene Ort von Beginn an nicht nur als Denkmal, sondern als religiöser Versammlungsplatz in Erscheinung trat.
Der Zeitpunkt war symbolisch besonders dicht.
Der Große Frauentag verband die jahrhundertealte kirchliche Marientradition mit dem modernen marianischen Aufbruch der Nachkriegszeit und der im selben Jahr besonders intensiv geförderten Marienverehrung.
Die Einweihungsfeier blieb kein einmaliges Ereignis. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Madonnenstatue zu einem regionalen Andachts- und Wallfahrtsziel, zu dem organisierte Gruppen aus Maria Lankowitz und anderen Orten aufstiegen.
Seit den 1970er Jahren werden regelmäßig Bergmessen gefeiert.
Damit entstand nach und nach eine stabile religiöse Tradition, die nicht auf einem historischen Wunderbericht oder einem alten Gnadenbild beruht, sondern auf wiederkehrender Nutzung des Ortes. Gerade darin liegt der besondere Charakter des Wölkerkogels.
Ein sakraler Ort kann nicht nur durch Legende oder jahrhundertealte Überlieferung entstehen, sondern ebenso durch wiederholte religiöse Handlung, gemeinschaftliche Erinnerung und dauerhafte lokale Bindung.
Die Bergmesse bildet bis heute einen wesentlichen Bestandteil des religiösen Lebens am Wölkerkogel. Der vorhandene Freialtar ermöglicht die Feier der Eucharistie unmittelbar neben der Madonnenstatue. Dadurch wird die offene Berglandschaft selbst zum liturgischen Raum.
Zwischen Kirche und Außenwelt besteht hier keine klare Grenze.
Der Himmel bildet gewissermaßen das Gewölbe, die Alm den Versammlungsraum, und die Wege zum Gipfel übernehmen jene Funktion, die bei traditionellen Wallfahrtsorten der Pilgerweg zur Kirche besitzt.
Diese Verbindung von Bergwanderung, körperlicher Anstrengung, Naturerfahrung und Gottesdienst verleiht dem Wölkerkogel eine eigene Form moderner Wallfahrtsfrömmigkeit.
Besonders charakteristisch ist die volkstümliche Benennung der Statue.
Neben offiziellen Bezeichnungen wie Wölkerkogel-Madonna oder Steinerne Miarz begegnen im regionalen Sprachgebrauch Formen wie "Wölkart-Miaz", "Wölkartmirzl" oder "Miarz". Solche vertraulichen Namensformen sind volkskundlich bemerkenswert.
Eine monumentale, hoch aufragende Marienfigur könnte leicht als distanziertes religiöses Denkmal wahrgenommen werden; durch die mundartliche Benennung wird sie dagegen sprachlich in die vertraute Lebenswelt der Bevölkerung aufgenommen. Die Verkleinerungs- und Koseformen mindern dabei keineswegs die religiöse Bedeutung. Im Gegenteil können sie Ausdruck einer besonders persönlichen Beziehung sein.
Die Madonna wird dadurch nicht nur als Kunstwerk oder offizielles Marienmonument bezeichnet, sondern als "unsere" vertraute Maria auf dem Berg.
Die Wölkart-Miaz unterscheidet sich grundlegend von klassischen Wallfahrtsorten. Es gibt keine mittelalterliche Gründungslegende, keine aufgefundene Statue, keine Erscheinung, keine Heilquelle und auch kein Mirakelbuch.
Ebenso sollte die Madonnenstatue nicht ohne gesicherten Nachweis als "Gnadenbild" bezeichnet werden.
Die religiöse Bedeutung des Ortes entstand vielmehr aus der bewussten Errichtung der Statue, ihrer feierlichen Weihe, den wiederkehrenden Gottesdiensten und der kontinuierlichen Nutzung durch Pilger und Gläubige.
Gerade das macht den Wölkerkogel für die Wallfahrtsforschung interessant.
Hier lässt sich beobachten, wie ein sakraler Ort praktisch ohne klassische Legendenbildung entstehen kann.
Nicht ein Wunder begründet den Kult, sondern gemeinschaftliches religiöses Handeln.
Die Madonnenstatue steht im Gemeindegebiet von Maria Lankowitz und damit in einer Landschaft, die seit Jahrhunderten stark von Marienwallfahrt geprägt ist.
Die große Wallfahrtskirche Maria Lankowitz mit ihrem historischen Gnadenbild bildet das bedeutendste traditionelle Marienheiligtum der unmittelbaren Umgebung.
Eine direkte kultische Abhängigkeit der Wölkart-Miaz vom Lankowitzer Gnadenbild lässt sich jedoch nicht nachweisen. Die Statue ist weder als Kopie dieses Gnadenbildes entstanden noch als Filialheiligtum der Wallfahrtskirche zu verstehen.
Dennoch besteht eine enge räumliche und kulturelle Nachbarschaft.
Die Wege über die Stubalpe waren schon lange Teil einer von Wallfahrten geprägten Landschaft, und von Maria Lankowitz selbst führten später auch organisierte Wallfahrten hinauf zur Madonnenstatue.
Der Wölkerkogel bildet damit eine jüngere marianische Schicht innerhalb einer wesentlich älteren religiösen Kulturlandschaft.
Die Entstehung der Wölkart-Miaz lässt sich auch als Ausdruck der katholischen Frömmigkeit der 1950er Jahre verstehen.
Die Generation, die an ihrem Bau beteiligt war, hatte Krieg, politische Unsicherheit und gesellschaftlichen Neubeginn erlebt.
Kirchliche Jugendbewegungen besaßen in dieser Zeit eine starke gemeinschaftsbildende Funktion, und religiöse Großprojekte konnten zugleich Glaubenszeugnis und Zeichen einer neuen gesellschaftlichen Ordnung sein.
Die Madonna auf dem Wölkerkogel steht daher nicht nur für Marienverehrung im engeren Sinn, sondern auch für eine bestimmte Epoche katholischer Sozial- und Jugendkultur.
Die gewaltige freiwillige Arbeitsleistung ihrer Errichtung ist dafür ein besonders anschauliches Zeugnis.
Der Wölkerkogel ist keine Wallfahrtskirche und keine Wallfahrtskapelle. Der Ort besitzt seinen sakralen Mittelpunkt ausschließlich in der monumentalen Madonnenstatue und im Freialtar. Damit gehört er zu jener Gruppe von Freiluftheiligtümern, bei denen Landschaft und religiöses Bildwerk gemeinsam den Kultort bilden.
Die Weite des Berges, die Sichtbarkeit der Statue, der körperliche Aufstieg und die Feier des Gottesdienstes unter freiem Himmel sind nicht bloß Begleitumstände, sondern wesentliche Bestandteile der religiösen Erfahrung.
Die Wölkart-Miaz ist volkskundlich vor allem deshalb von Bedeutung, weil sich an ihr die Entstehung eines neuen Wallfahrtsortes im 20. Jahrhundert außergewöhnlich klar beobachten lässt.
Es gibt weder Wundererzählung noch mittelalterliches Kultbild, weder Heilbrunnen noch barockes Votivwesen.
Stattdessen stehen am Anfang eine bewusst errichtete monumentale Marienfigur, gemeinschaftliche Arbeit katholischer Jugendgruppen und eine feierliche Weihe am Großen Frauentag.
Aus diesem zunächst neu geschaffenen religiösen Zeichen entwickelt sich durch wiederkehrende Bergmessen und Wallfahrten eine dauerhafte lokale Tradition.
Hinzu kommt die sprachliche Aneignung der Statue als "Wölkart-Miaz", wodurch das Monument aus der Sphäre eines offiziellen kirchlichen Denkmals in die vertraute regionale Kultur aufgenommen wird.
Auch die moderne Gesellschaft kann neue sakrale Orte hervorbringen, wenn religiöses Bild, Landschaft, gemeinschaftliche Erinnerung und wiederholte kultische Praxis dauerhaft miteinander verbunden werden.
Die Madonnenstatue auf dem Wölkerkogel ist bis heute ein lebendiger regionaler Marienwallfahrts- und Berggottesdienstort.
Regelmäßig werden Bergmessen gefeiert, und der Platz wird weiterhin von organisierten Gruppen sowie einzelnen Pilgern und Wanderern aufgesucht.
Dabei überschneiden sich religiöse Wallfahrt und Bergwanderung in besonderer Weise.
Der Wölkerkogel kann daher als lebendiger moderner Marienwallfahrtsort unter freiem Himmel mit monumentaler Madonnenstatue, Freialtar und regelmäßigem Berggottesdienst bezeichnet werden.
Eine Wallfahrtskirche oder Wallfahrtskapelle besteht dort nicht.
- Gertrude Vanek: Der weststeirische Bildhauer Alfred Schlosser. Anmerkungen zur Ikonographie einer volkstümlichen Bilderwelt der Gegenwart. Diplomarbeit, Institut für Volkskunde der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1998, besonders S. 203–205.
- Peter Weißnar / Hans Eck: Maria Lankowitz. Porträt einer Marktgemeinde. Maria Lankowitz 2015.
- Karl Salchinger: "60 Jahre Wölkart-Miaz." In: Voitsberger Pfarrblatt, Nr. 117, September/Oktober 2014.
- Ernst Reinhold Lasnik: 177 Weststeirische Kostbarkeiten. Ein Kunst- und Kulturführer durch die Lipizzanerheimat. Graz 2014.
- Walter Brunner / Erich Renhart: Steirische Kalvarienberge. Graz 1990.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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