Maria Lankowitz, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung

Schnellüberblick
Wallfahrt:Bedeutende historische Marienwallfahrt am Fuß der Stubalpe, seit Jahrhunderten mit dem Franziskanerkloster verbunden.
Status:Lebendige Marienwallfahrt mit Gruppen- und Fußwallfahrten, Bittprozessionen und Fatimafeiern am 13. von Mai bis Oktober.
Kultzentrum:Kleine mittelalterliche, später überarbeitete thronende Muttergottes mit dem Jesuskind über dem Tabernakel des Hochaltares.
Hauptfest:Patrozinium Mariä Heimsuchung am 2. Juli; von Mai bis Oktober zusätzlich Fatimafeier am 13. des Monats.
Besonderheit:Die Gründungslegende verbindet die Gnadenmutter mit ihrer Auffindung in einem Dornbusch nach einem Türkeneinfall und mit knienden Rindern.
Ort:Maria Lankowitz westlich von Köflach.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Franziskanerplatz 1a, 8591 Maria Lankowitz.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Wallfahrtskirche Maria Lankowitz
Öffnungszeiten: regelmäßig zu Gottesdiensten und Wallfahrten; für eine sichere Besichtigung außerhalb der Gottesdienstzeiten empfiehlt sich eine Anfrage bei der Pfarre.
Direkt zum Inhalt
Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.

Foto von Wallfahrtskirche einsenden

Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.

Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Lankowitz liegt am Fuß der Stubalpe westlich von Köflach. Sie ist dem Fest Mariä Heimsuchung geweiht und bildet gemeinsam mit dem unmittelbar angeschlossenen Franziskanerkloster einen der bedeutendsten historischen Marienwallfahrtsorte der Steiermark. Mittelpunkt der Wallfahrt ist eine kleine gotische Marienstatue, die als Gnadenmutter von Maria Lankowitz verehrt wird. Die Wallfahrt ist bis heute lebendig und wird von den Franziskanern betreut.

Geschichte

Der Ort Lankowitz wird 1415 erstmals urkundlich erwähnt. Einen entscheidenden Aufschwung erhielt der Platz in der Mitte des 15. Jahrhunderts durch Ritter Georg Gradner. Mit Unterstützung Kaiser Friedrichs III. entstanden Kirche und Franziskanerkloster. Die ältere Kirche dürfte ab etwa 1446 errichtet worden sein; das Franziskanerkloster wurde 1455 gegründet, die Kirche 1468 geweiht. Mit der Stiftung ist auch die Überlieferung verbunden, dass Georg Gradner dem Franziskanerprediger Johannes von Capestrano begegnet sei und dieser die Errichtung eines Marienheiligtums und Klosters angeregt habe.

Das heutige Klostergebäude entstand überwiegend zwischen 1656 und 1665. Die mittelalterliche Kirche wurde schließlich durch einen größeren Neubau ersetzt: Von 1678 bis 1681 errichtete der Baumeister Jakob Schmerlaib die heutige Wallfahrtskirche; 1684 erfolgte die Weihe unter dem Patrozinium Mariä Heimsuchung. Zwei Seitenkapellen wurden 1712 angebaut.

Das Gnadenbild

Über dem Tabernakel des Hochaltares befindet sich das eigentliche Ziel der Wallfahrt: eine kleine geschnitzte thronende Muttergottes mit dem Jesuskind. Die Figur ist mittelalterlichen Ursprungs und wurde später überarbeitet beziehungsweise überschnitzt. Sie wird bis heute als wundertätige Gnadenmutter von Maria Lankowitz verehrt.

Zum Kult des Gnadenbildes gehört auch das Bekleiden der Statue. In der Schatzkammer werden zahlreiche Gewänder beziehungsweise Umhänge für die Muttergottes verwahrt, die entsprechend den liturgischen Anlässen gewechselt werden. Damit hat sich in Maria Lankowitz eine klassische Form barocker Gnadenbildfrömmigkeit bis in die Gegenwart erhalten.

Die Legende von der Ankunft der Gnadenmutter

Nach der überlieferten Gründungslegende befand sich die Marienstatue ursprünglich in der Pfarrkirche des Dorfes Werth im damaligen Westungarn, unweit von Radkersburg. Bei einem Türkeneinfall soll sie 1426 geraubt, ihres Schmuckes beraubt und in einen Dornbusch geworfen worden sein. Sieben Jahre später habe ein Hirte bemerkt, dass mehrere Rinder vor diesem Dornbusch knieten. Im Gestrüpp fand er die verschollene Marienfigur.

Die Statue ließ sich der Erzählung nach zwar aus dem Busch heben, aber nicht zur Dorfkirche zurückbringen. Deshalb wurde sie auf einen von zwei Ochsen gezogenen Karren gesetzt. Die Tiere seien ohne Führung drei Tage und drei Nächte über Mur, Kainach und Gradenbach gezogen und schließlich in Lankowitz unter einer Linde bei einem Kreuz stehen geblieben. Dort wurde das Bild aufgestellt. Nachdem sich Gebetserhörungen und wunderbare Heilungen ereignet hätten, sei zunächst eine hölzerne Kapelle und schließlich die Wallfahrtskirche errichtet worden.

Volkskundlich gehört diese Erzählung zum verbreiteten Typus der Ortswahllegende: Ein Gnadenbild bestimmt selbst den Platz seiner Verehrung. Besonders typisch sind dabei die Motive der knienden Tiere, der Unbeweglichkeit des heiligen Bildes und des führerlosen Tiergespanns. Der schließlich gewählte Ort erscheint dadurch nicht als menschliche Entscheidung, sondern als übernatürlich bestimmter Heiligtumsplatz.

Wallfahrtslegende und historische Überlieferung

Die Legende setzt die wundersame Ankunft des Gnadenbildes auf 1433. Sie ist jedoch nicht mit einem zeitgenössischen historischen Bericht gleichzusetzen. Der Ort Lankowitz ist bereits 1415 urkundlich belegt, während die umfangreiche schriftliche Ausgestaltung der Gnaden- und Mirakeltradition erst aus späterer Zeit greifbar wird. Die Ochsen- und Türkenlegende ist deshalb als Wallfahrts- und Gründungsüberlieferung zu behandeln, nicht als gesicherter Bericht über die tatsächliche Herkunft der Statue.

Mirakel und das "Marianische Jahr-Buch"

Außergewöhnlich ergiebig ist Maria Lankowitz durch seine historische Mirakelliteratur. Der Franziskaner Conrad Hietling verfasste das umfangreiche Marianische Jahr-Buch, das sich ausdrücklich mit dem "Wunder-Gnaden-Bildlein Mariae zu Lankowitz" und den dort gewährten Gnaden beschäftigt. Der Kulturhistoriker Carlos Watzka hat diese Quelle ausgewertet und verweist auf 499 darin enthaltene Mirakelberichte.

Die Berichte umfassen Heilungen unterschiedlichster Krankheiten und Notsituationen. Bemerkenswert sind auch zahlreiche Fälle psychischer Erkrankungen beziehungsweise damaliger Vorstellungen von "Verwirrung", "Narrheit" oder "Verlust der Vernunft". In einem von Watzka behandelten Mirakel wurde ein bereits seit Wochen als verstandesberaubt geltender Mann gefesselt vor den Gnadenaltar gebracht und soll dort plötzlich seine Besinnung wiedererlangt haben. Für die historische Volksmedizin und Wallfahrtsforschung stellt das Lankowitzer Mirakelbuch daher eine ungewöhnlich reiche Quelle dar.

Damit ist Maria Lankowitz einer jener steirischen Wallfahrtsorte, für die nicht lediglich vereinzelte Wundererzählungen, sondern ein umfangreicher gedruckter Mirakelbestand überliefert ist.

Die Wallfahrt aus Obdach

Eine der bedeutendsten bis heute erhaltenen Traditionen ist die Fußwallfahrt aus Obdach über die Stubalpe nach Maria Lankowitz. Sie wird seit 1690 durchgeführt. Anlass ihrer Entstehung war nach der Pfarrüberlieferung eine schwere Trockenheit mit drohendem beziehungsweise eingetretenem Ernteausfall. Die Wallfahrt besitzt damit ursprünglich den Charakter einer klassischen Bitt- und Wetterwallfahrt.

Der Pilgerweg führt über die Stubalpe und umfasst auf einer Strecke von rund 38 Kilometern unter anderem das Wallfahrerbründl, das Alte Almhaus und den Bereich des Salzstiegls. Der Einzug und die religiösen Abschlussfeiern zeigen bis heute Elemente traditioneller gemeinschaftlicher Fußwallfahrt.

Auch aus anderen Orten und Pfarren des Bezirkes ziehen Pilger nach Maria Lankowitz. Das Patrozinium Mariä Heimsuchung am 2. Juli wird mit einem großen Gottesdienst und einer Prozession begangen.

Wallfahrt heute

Maria Lankowitz ist eine lebendige Marienwallfahrt. Neben den traditionellen Gruppen- und Fußwallfahrten werden regelmäßig Gottesdienste für Pilgergruppen angeboten. Von Mai bis Oktober findet außerdem am 13. jedes Monats eine Fatimafeier mit Rosenkranz und Lichterprozession statt. Die Kirche wird weiterhin ausdrücklich als Ziel von Bittprozessionen und Wallfahrten geführt.

Bemerkenswert ist auch die Fortsetzung des Votivgedankens. Die Wallfahrtsseelsorge berichtet weiterhin von Dank für erhörte Anliegen; an die Stelle älterer materieller Votivgaben treten heute teilweise Geldspenden, doch werden auch weiterhin bildliche Dankgaben gestiftet.

Kunstgeschichte und Wallfahrtsensemble

Der barocke Hochaltar mit dem Gnadenbild beherrscht den Kirchenraum. Zur Ausstattung gehören weitere Altäre, ein Reliquienschrein mit Gebeinen des hl. Clemens und eine Rokokokanzel, die Philipp Jakob Straub zugeschrieben wird. Die Wand- und Deckenmalereien stammen von Felix Barazutti; jüngere Kreuzweg- und Wandbilder schuf der Maria-Lankowitzer Künstler Toni Hafner.

Auch der Außenraum gehört zum Wallfahrtsensemble. Die Antoniuskapelle und die Kirchhofmauer entstanden 1660/61. Entlang der Zufahrtsstraße stehen acht barocke Heiligenfiguren aus Sandstein, überwiegend der Werkstatt Johann Jacob Schoys zugeschrieben. Kirchhof, Kapellen, Figurenweg, Kirche und Kloster bilden dadurch eine geschlossene historische Wallfahrtslandschaft.

Volkskundliche Bedeutung

Besonders bedeutend ist das Marianische Jahr-Buch. Durch seine große Zahl von Mirakelberichten ermöglicht es Einblicke in Krankheit und Heilung, persönliche Krisen, religiöse Deutungsmuster und die Erwartungen, mit denen Menschen in der Frühen Neuzeit einen Gnadenort aufsuchten. Maria Lankowitz ist deshalb nicht nur kunst- und kirchengeschichtlich, sondern auch für die Volksmedizin-, Mirakel- und Wallfahrtsforschung sehr bedeutsam.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956.

- Conrad Hietling OFM: Marianisches Jahr-Buch, in welchem gehandelt wird, was betrift das Wunder-Gnaden-Bildlein Mariae zu Lankowitz in Unter-Steyermark gelegen, Wien 1713.

- Carlos Watzka: "Mehr als bloß Exorzismus. Zugänge der katholischen Kirche zu psychisch Kranken in der Frühen Neuzeit", mit umfangreicher Auswertung des Lankowitzer Marianischen Jahr-Buchs und seiner Mirakelberichte.

- Kurt Woisetschläger / Peter Krenn: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz), Wien 1982, Maria Lankowitz, S. 279–280.

- Franz Attems / Johannes Koren: Kirchen und Stifte der Steiermark, Innsbruck 1988, S. 78–79.

- Ernst Lasnik: Geschichte, Kunst, Wandern. Ein Führer durch den Bezirk Voitsberg, Voitsberg 1984.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at