Leibnitz, Wallfahrtskirche am Frauenberg bei Leibnitz

Schnellüberblick
Wallfahrt:Bedeutende historische Marienwallfahrt auf einem außergewöhnlich alten Sakralplatz oberhalb von Leibnitz.
Status:Lebendiger Wallfahrtsort mit regelmäßigen Monatswallfahrten, Prozessionen und den traditionellen Frauentagen.
Kultzentrum:Spätgotische Madonna mit dem Jesuskind als Gnadenbild der Wallfahrtskirche.
Hauptfest:Großer Frauentag am 15. August, zugleich Patrozinium Mariä Himmelfahrt; Kleiner Frauentag am 8. September; zusätzlich Monatswallfahrt am 13.
Besonderheit:Der Frauenberg besitzt eine außergewöhnlich lange religiöse Geschichte von vorgeschichtlichen und antiken Heiligtümern bis zur christlichen Marienwallfahrt.
Ort:Frauenberg bei Leibnitz.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Wallfahrtskirche am Frauenberg, Frauenberg 17, 8430 Seggauberg.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Leibnitz
Öffnungszeiten: tagsüber zugänglich.
Kirchenführungen können nach Vereinbarung durchgeführt werden.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Wallfahrtskirche am Frauenberg bei Leibnitz gehört zu den bedeutenden historischen Marienwallfahrtsorten der Steiermark. Ihr besonderer Reiz liegt nicht nur in der langen Geschichte der christlichen Marienverehrung, sondern auch in der außergewöhnlichen religiösen Vergangenheit des Berges selbst. Archäologische Funde belegen, dass der Frauenberg bereits in keltischer und römischer Zeit ein wichtiger Kultplatz war; in der Spätantike bestand hier zudem ein christlicher Sakralbau. Die spätere Marienkirche steht damit an einem Ort, der über viele Jahrhunderte hinweg immer wieder religiöse Bedeutung besaß.

Im Mittelpunkt der neuzeitlichen Wallfahrt steht eine spätgotische Madonna mit dem Jesuskind, die später barock überarbeitet und in den Hochaltar integriert wurde. Mit dem Gnadenbild verbindet sich eine Gründungslegende um Erhard von Polheim, der nach einem lebensgefährlichen Zweikampf die Stiftung einer Marienstatue gelobt haben soll. Über Jahrhunderte entwickelte sich Frauenberg zu einem der bedeutenderen Wallfahrtsorte der Steiermark. Bis heute bestehen regelmäßige Monatswallfahrten, Prozessionen und die beiden traditionellen Frauentage, an denen sich kirchliches Fest, Wallfahrt und Jahrmarkt miteinander verbinden.

Der Frauenberg erhebt sich südlich von Leibnitz in weithin sichtbarer Lage oberhalb des Leibnitzer Feldes. Die Wallfahrtskirche steht in unmittelbarer Nähe des archäologisch bedeutenden Tempelbezirks und des heutigen Tempelmuseums.

Das Patrozinium der Kirche lautet Mariä Aufnahme in den Himmel, also Mariä Himmelfahrt.

Ein außergewöhnlich alter Kultplatz

Der Frauenberg gehört zu den archäologisch bedeutendsten Sakralplätzen der Steiermark. Bereits in vorgeschichtlicher Zeit war der Berg besiedelt. In keltischer und später in römischer Zeit entwickelte sich hier ein bedeutendes Heiligtum, das mit der nahe gelegenen römischen Stadt Flavia Solva verbunden war.

Archäologische Ausgrabungen brachten verschiedene Heiligtümer und Votivfunde zutage. Besonders bemerkenswert sind zahlreiche Darstellungen weiblicher beziehungsweise mütterlicher Gottheiten, darunter mehrere kleine Votivstatuetten stillender Muttergöttinnen.

Auch für die Spätantike ist eine christliche Nutzung des Berges nachgewiesen. Fragmente von Chorschranken aus dem 5. Jahrhundert belegen die Existenz eines frühchristlichen Sakralbaues.

Damit lässt sich auf dem Frauenberg eine außergewöhnlich lange religiöse Nutzung feststellen: keltische und römische Kultplätze wurden von spätantiker christlicher Sakralarchitektur abgelöst, später folgte die mittelalterliche Marienkirche und schließlich die neuzeitliche Wallfahrt.

Eine direkte kultische Übertragung von einer bestimmten vorchristlichen Muttergottheit auf die christliche Gottesmutter Maria lässt sich daraus jedoch nicht beweisen. Bemerkenswert bleibt dennoch, dass der Frauenberg sowohl in der Antike als auch in der christlichen Epoche immer wieder mit weiblichen beziehungsweise mütterlichen Kultgestalten verbunden war.

Die mittelalterliche Marienkirche

Die erste sichere schriftliche Nennung einer Kirche auf dem Frauenberg stammt aus dem Jahr 1170. In einer Urkunde erscheint eine "ecclesia sanctae Mariae in monte", also eine Kirche der heiligen Maria auf dem Berg.

Damit ist die Marienverehrung am Frauenberg bereits für das Hochmittelalter eindeutig belegt. Ob zu diesem Zeitpunkt schon eine organisierte Wallfahrt im späteren Sinn bestand, lässt sich jedoch nicht sicher nachweisen.

Im Jahr 1335 wurde für die Kirche eine eigene Kaplanstelle gestiftet. Die ältere Bezeichnung "Unserer lieben Frauen Berg ob Leibnitz" weist deutlich auf die zentrale Stellung der Marienverehrung hin und erklärt zugleich die spätere Namensform Frauenberg.

Der spätgotische Neubau

Um 1520 wurde die ältere Kirche durch einen größeren spätgotischen Bau ersetzt. Als Bauherren traten die Herren von Polheim auf, die im Raum Seggauberg begütert waren.

Teile dieses spätgotischen Kirchenbaues sind noch heute erhalten, darunter Teile des Mauerwerks, Strebepfeiler und die unteren Geschosse des Turmes.

In dieselbe Zeit dürfte auch das später zum Gnadenbild gewordene spätgotische Marienbild gehören.

Die Polheim-Legende

Mit dem Gnadenbild verbindet sich eine Wallfahrtslegende um Erhard von Polheim.

Nach der Überlieferung musste er einen Zweikampf mit einem Türken bestehen. Vor dem Kampf habe er Maria um Hilfe angerufen und gelobt, im Falle seines Sieges eine Marienstatue anfertigen zu lassen.

Nachdem er den Kampf überlebt beziehungsweise gewonnen hatte, soll er sein Gelübde erfüllt und die später auf dem Frauenberg verehrte Marienstatue gestiftet haben.

Die Entstehungszeit der spätgotischen Figur passt grundsätzlich in die Zeit des Polheimischen Kirchenbaues. Der konkrete Zweikampf und das daraus abgeleitete Gelübde sind jedoch nicht als historisch gesicherte Tatsachen, sondern als Wallfahrtsüberlieferung zu verstehen.

Die Legende folgt einem klassischen Motiv des Wallfahrtswesens: In einer lebensbedrohlichen Situation wird ein Gelübde abgelegt, die Rettung anschließend als Hilfe Mariens verstanden und durch die Stiftung eines Kultbildes beantwortet.

Das Gnadenbild

Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht eine spätgotische Madonna mit dem Jesuskind.

Die Figur wurde später barock überarbeitet beziehungsweise überschnitzt und in die neuzeitliche Ausstattung der Kirche integriert. Trotz der umfangreichen Veränderungen des Kirchenraumes blieb das ältere Marienbild der religiöse Mittelpunkt des Wallfahrtsortes.

Im Hochaltar erhielt die Statue eine monumentale barocke Inszenierung. Damit begegnet auch am Frauenberg ein für Wallfahrtskirchen charakteristisches Phänomen: Ein älteres Gnadenbild wird bei späteren Umbauten nicht ersetzt, sondern durch neue Architektur und Ausstattung noch stärker hervorgehoben.

Dass die Marienfigur tatsächlich als Gnadenbild verstanden wurde, zeigt auch ein erhaltenes Andachtsbild des 19. Jahrhunderts. Es trägt die Bezeichnung:

"Wahre Abbildung des Marianischen Gnadenbilds auf dem Frauenberg ober Leibnitz."

Solche Wallfahrtsbilder wurden von Pilgern mitgenommen und ermöglichten es, das Bild des Gnadenortes auch im privaten Bereich gegenwärtig zu halten.

Brand und Wiederaufbau

Im Jahr 1604 wurde die Kirche durch einen schweren Brand beschädigt.

Unter Bischof Martin Brenner erfolgte der Wiederaufbau, und am 11. Oktober 1609 wurde das erneuerte Gotteshaus in Anwesenheit Erzherzog Ferdinands von Österreich erneut geweiht.

In den Jahren 1645 und 1646 erfolgte ein weiterer größerer Umbau. Der aus Mailand stammende und in Leibnitz tätige Baumeister Bartholomäus Montianus verlängerte den Kirchenbau nach Westen und bezog den Turm stärker in die Fassade ein.

Die beiden Westportale tragen bis heute die Jahreszahl 1646.

Der Turm wurde in den Jahren 1687/88 weiter erhöht. Der heute sichtbare Turmhelm entstand allerdings erst im 19. Jahrhundert.

Der Hochaltar

Im Jahr 1679 ließ Erzbischof Max Gandolf von Kuenburg einen neuen Hochaltar errichten.

Im Zentrum dieses Altares blieb die spätgotische Gnadenstatue erhalten. Der barocke Altar sollte das ältere Kultbild nicht verdrängen, sondern dessen Bedeutung steigern und es stärker in den Mittelpunkt des Kirchenraumes rücken. Das Tabernakel wurde später vom Grazer Bildhauer Jakob Peyer geschaffen.

Gerade die Verbindung des spätgotischen Kultbildes mit einer immer aufwendigeren barocken Ausstattung macht die lange Kontinuität der Marienverehrung besonders anschaulich.

Barocke Umgestaltung

Ab etwa 1760 wurde der Kirchenraum unter Beteiligung des bedeutenden Marburger Barockbaumeisters Johann Fuchs grundlegend umgestaltet.

Die spätgotische Architektur blieb teilweise erhalten, erhielt jedoch eine neue barocke Raumwirkung. Gewölbe, Chorbereich und Innenausstattung wurden so verändert, dass ein einheitlicher, stark auf das Gnadenbild bezogener Kirchenraum entstand.

Damit erhielt der Frauenberg jenes Erscheinungsbild, das die Wallfahrtskirche bis heute prägt.

Die Fresken

Eine besonders bedeutende künstlerische Ausgestaltung erfolgte in den Jahren 1767/68.

Joseph Sattler und sein Sohn schufen eine umfangreiche Freskenausstattung, die den gesamten Kirchenraum in eine illusionistische barocke Architektur verwandelt.

Wände und Gewölbe öffnen sich scheinbar in weite Räume und Himmelszonen. Insgesamt umfasst das Bildprogramm zahlreiche Szenen aus dem Leben Mariens.

Besonders eindrucksvoll ist die Gestaltung der Mittelkuppel, deren Bildfolge vom Leben der Gottesmutter bis zu ihrem Tod und ihrer Aufnahme in den Himmel führt. Damit nimmt die Freskenausstattung unmittelbar auf das Patrozinium Mariä Himmelfahrt Bezug.

Kirchenraum, Gnadenbild und Malerei bilden dadurch ein geschlossenes marianisches Gesamtkunstwerk.

Die Orgel

Auch die Orgel besitzt eine lange Geschichte.

Bereits 1619 wird ein Instrument in der Wallfahrtskirche erwähnt. Das heute erhaltene Werk geht im Kern auf eine 1741 vom Grazer Orgelbauer Cyriak Werner geschaffene Orgel zurück.

Im Jahr 1840 wurde sie durch Carl Schehl erweitert. Spätere Restaurierungen bewahrten wesentliche Teile des historischen Instrumentes.

Damit besitzt der Frauenberg neben dem Gnadenbild und der barocken Freskenausstattung auch ein bedeutendes Zeugnis historischer Kirchenmusik.

Großer und Kleiner Frauentag

Von besonderer volkskundlicher Bedeutung sind die beiden traditionellen Frauentage.

Der 15. August, Mariä Himmelfahrt, ist der Große Frauentag und zugleich das Patrozinium der Wallfahrtskirche.

An diesem Tag werden mehrere Gottesdienste gefeiert, und zahlreiche Gläubige kommen auf den Frauenberg.

Der 8. September, Mariä Geburt, wird als Kleiner Frauentag begangen.

Die volkstümlichen Bezeichnungen "Großer Frauentag" und "Kleiner Frauentag" sind für die traditionelle Marienfrömmigkeit besonders charakteristisch und verbinden den kirchlichen Festkalender unmittelbar mit regionalem Brauch.

Wallfahrt und Jahrmarkt

Bis heute besteht an beiden Frauentagen auch die alte Verbindung zwischen Wallfahrt und Markt.

Am 15. August und am 8. September wird am Frauenberg beziehungsweise im Umfeld traditionell ein Jahrmarkt abgehalten.

Große Wallfahrten waren nie ausschließlich religiöse Ereignisse. Sie boten zugleich Gelegenheit zum Handel, zum Austausch von Nachrichten, zum Treffen von Verwandten und Bekannten und zu vielfältigen gesellschaftlichen Kontakten.

Dass diese Verbindung am Frauenberg bis heute sichtbar geblieben ist, macht den Ort auch volkskundlich besonders wertvoll.

Ein ehemals großer Wallfahrtsort

Frauenberg gehörte früher zu den stärker besuchten Wallfahrtsorten der Steiermark.

Besonders an den Frauentagen kamen große Pilgergruppen aus der näheren und weiteren Umgebung.

Eine anschauliche Erinnerung an die Zeit vor der allgemeinen Motorisierung berichtet davon, dass an den Frauentagen selbst die Bahnverbindungen nach Leibnitz stark von Wallfahrern benutzt wurden und die Züge zeitweise mit Pilgern überfüllt waren.

Damit wurde die Eisenbahn selbst zu einem Teil der modernen Wallfahrtsinfrastruktur.

Die Art der Anreise veränderte sich, das Ziel und die religiöse Bedeutung des Gnadenortes blieben jedoch bestehen.

Maria als "Brotmutter"

Eine besonders interessante Form der Marienverehrung entwickelte sich während der Notzeiten des Zweiten Weltkrieges.

Viele Menschen kamen damals auf den Frauenberg, um bei der Gottesmutter Schutz und Hilfe zu suchen. In dieser Zeit wurde Maria auf dem Frauenberg auch als "Brotmutter" bezeichnet.

Diese volkstümliche Benennung verweist unmittelbar auf die existenziellen Sorgen der Menschen.

In Kriegs- und Mangelzeiten ging es nicht nur um abstrakten Schutz, sondern um Nahrung und tägliches Überleben. Maria wurde deshalb als Fürsprecherin angerufen, die das notwendige Brot und damit die Sicherung des Lebens erbitten sollte.

Die Bezeichnung "Brotmutter" zeigt besonders anschaulich, wie sich die konkrete Funktion eines Gnadenbildes an historische Lebensbedingungen anpassen konnte.

Josephinismus und Wiederbelebung

Auch die Wallfahrt auf den Frauenberg wurde durch die Reformen Kaiser Josephs II. beeinträchtigt.

Wallfahrten und Prozessionen wurden eingeschränkt, wodurch auch hier ältere Traditionen zeitweise an Bedeutung verloren. Nach dieser Phase nahmen die Wallfahrten jedoch wieder zu.

Der Frauenberg gehört damit zu jenen Gnadenorten, deren religiöse Bedeutung zwar zeitweise geschwächt, aber nie dauerhaft gebrochen wurde.

Monatswallfahrt

Heute bildet die regelmäßige Monatswallfahrt am 13. eine weitere wichtige Schicht des Wallfahrtslebens.

Die Pilger versammeln sich am frühen Abend beim Schlosskeller und ziehen von dort in Prozession mit Rosenkranzgebet zur Wallfahrtskirche. Anschließend wird die Wallfahrtsmesse gefeiert.

Damit verbindet sich die ältere Marienwallfahrt mit einer jüngeren Form regelmäßiger Monatsfrömmigkeit.

Auf dem Frauenberg überlagern sich dadurch verschiedene Formen der Marienverehrung: mittelalterliche Marienkirche, spätgotisches Gnadenbild, traditionelle Frauentage, barocke Wallfahrtsblüte, Maria als "Brotmutter" in den Notzeiten des 20. Jahrhunderts und heutige Monatswallfahrt.

Votivwesen

Ein umfangreicher Bestand neuzeitlicher Votivbilder oder ein eigenes Mirakelbuch konnte bislang nicht sicher nachgewiesen werden.

Die Existenz eines Gnadenbildes allein erlaubt keinen automatischen Schluss auf ein umfangreiches Mirakel- oder Votivwesen.

Ein wichtiger Sachbeleg für die Verbreitung des Kultes ist jedoch das erhaltene Andachtsbild des 19. Jahrhunderts mit der Bezeichnung "Wahre Abbildung des Marianischen Gnadenbilds auf dem Frauenberg ober Leibnitz".

Davon deutlich zu unterscheiden sind die zahlreichen antiken Votivfunde und Muttergöttinnenstatuetten des Tempelbezirks. Sie gehören zur vorchristlichen Kultgeschichte des Berges und dürfen nicht mit den Votivformen der späteren christlichen Marienwallfahrt vermengt werden.

Kultkontinuität

Die lange religiöse Geschichte des Frauenberges lädt zu Überlegungen über eine mögliche Kultkontinuität ein.

Auf demselben Berg begegnen keltische und römische Heiligtümer, Darstellungen weiblicher Muttergottheiten, spätantike christliche Architektur, eine mittelalterliche Marienkirche und schließlich eine bedeutende neuzeitliche Marienwallfahrt.

Es wäre jedoch wissenschaftlich nicht zulässig, daraus ohne weitere Belege eine direkte Entwicklung von einer bestimmten antiken Göttin zur christlichen Gottesmutter Maria abzuleiten.

Gesichert ist vielmehr eine außergewöhnlich lange religiöse Nutzung des Ortes.

Bemerkenswert bleibt, dass der Frauenberg sowohl in der Antike als auch in der christlichen Epoche immer wieder mit weiblichen beziehungsweise mütterlichen Kultgestalten verbunden war.

Gerade diese vorsichtige Unterscheidung macht die religiöse Geschichte des Frauenberges besonders interessant.

Volkskundliche Bedeutung

Der Frauenberg bei Leibnitz gehört zu jenen Wallfahrtsorten, an denen religiöse Traditionen unterschiedlicher Zeiten besonders deutlich aufeinandertreffen.

Das spätgotische Gnadenbild bildet seit Jahrhunderten den Mittelpunkt einer christlichen Marienwallfahrt. Seine religiöse Bedeutung wurde durch Wallfahrtsgraphik verbreitet, durch barocke Architektur gesteigert und durch neue Formen der Marienfrömmigkeit immer wieder aktualisiert.

Die beiden Frauentage verbinden Wallfahrt, Kirchenfest und Jahrmarkt bis in die Gegenwart. Die Bezeichnung Maria als "Brotmutter" zeigt, wie sich die Hoffnungen der Pilger in Zeiten gesellschaftlicher Not verändern konnten, ohne dass das Gnadenbild selbst seine zentrale Bedeutung verlor.

Auch die lange religiöse Geschichte des Berges ist volkskundlich bemerkenswert. Der Platz war bereits in vorchristlicher Zeit ein religiöses Zentrum, wurde in der Spätantike christlich genutzt und entwickelte sich im Mittelalter zu einem Marienheiligtum.

Eine direkte Kultübertragung lässt sich nicht beweisen, doch die wiederholte religiöse Nutzung desselben Ortes verweist auf eine außergewöhnlich langlebige sakrale Bedeutung des Frauenberges.

Frauenberg verbindet damit archäologischen Kultplatz, mittelalterliche Marienverehrung, spätgotisches Gnadenbild, barocke Wallfahrtskunst, traditionelle Frauentage, Kriegsfrömmigkeit und lebendige heutige Wallfahrt in besonders eindrucksvoller Weise.

Wallfahrt heute

Der Frauenberg ist bis heute ein lebendiger Wallfahrtsort.

Neben den regelmäßigen Sonntagsgottesdiensten findet jeden 13. des Monats eine Monatswallfahrt mit Prozession und Wallfahrtsmesse statt.

Von besonderer Bedeutung bleiben der Große Frauentag am 15. August und der Kleine Frauentag am 8. September, an denen sich kirchliche Feier, Wallfahrt und Jahrmarkt miteinander verbinden.

Auch organisierte Wallfahrergruppen kommen weiterhin auf den Frauenberg und können über die Pfarre eigene Gottesdienste und Andachten vereinbaren.

Die Wallfahrt kann daher als lebendige und traditionsreiche regionale Marienwallfahrt mit spätgotischem Gnadenbild, Monatswallfahrt, Prozessionen sowie Großem und Kleinem Frauentag bezeichnet werden.

Literatur und Quellen

- Gert Christian: Die Wallfahrtskirche Frauenberg bei Leibnitz. 3. Auflage, herausgegeben vom Verein zur Erhaltung der Wallfahrtskirche Frauenberg, 2005.

- Gert Christian / Heimo Kaindl / Bernhard Schrettle u. a.: Tempel und Kirche. Zur Kult- und Kulturgeschichte des Frauenberges bei Leibnitz. Seggauberg/Graz 2011.

- Gert Christian: "Die heutige Marienkirche am Frauenberg." In: Tempel und Kirche. Zur Kult- und Kulturgeschichte des Frauenberges bei Leibnitz. 2011.

- Manfred Lehner: "Zur Siedlungskontinuität am Frauenberg zwischen Antike und Mittelalter." In: Tempel und Kirche. Zur Kult- und Kulturgeschichte des Frauenberges bei Leibnitz. 2011, S. 49–60.

- Gert Christian: "Der Frauenberg bei Leibnitz. Ältester kontinuierlich genutzter Kultplatz der Steiermark?" Graz 2005.

- Gert Christian: "Die keltischen, gallo-römischen und römischen Kult- und Tempelanlagen am Frauenberg bei Leibnitz." In: Mitteilungsblatt der Korrespondenten der Historischen Landeskommission für Steiermark, Nr. 9, Graz 2007, S. 62–67.

- Bernhard Schrettle: Der römische Tempelbezirk auf dem Frauenberg bei Leibnitz.

- Franz Sauer: Wallfahrtskirche Frauenberg bei Leibnitz. 1989.

- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz). Abschnitt Frauenberg bei Leibnitz.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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