| Wallfahrt: | Historische Marienwallfahrt, die bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts als bevorzugter Wallfahrtsort der weiteren Umgebung galt. |
| Status: | Lebendige regionale Wallfahrt; seit 1977 wird die Tradition durch die regelmäßige Monatswallfahrt am 13. bewusst erneuert. |
| Kultzentrum: | Gotische Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert im Hochaltar, 1784 barock überarbeitet. |
| Hauptfest: | Patrozinium Mariä Himmelfahrt am 15. August; zusätzlich Monatswallfahrt am 13. jedes Monats. |
| Besonderheit: | Votivbilder und Darstellungen von Plagen und Errettungen dokumentieren die Verehrung Mariens als Helferin in Krankheit, Not und Gefahr. |
| Ort: | Maria Lebing westlich des Hartberger Stadtzentrums. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Josef-Hallamayr-Straße 24, 8230 Hartberg. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Hartberg |
| • | Öffnungszeiten: zu Gottesdiensten und Wallfahrten; außerhalb dieser Zeiten keine verlässlich veröffentlichten regelmäßigen Öffnungszeiten. Kirchenführungen nach Ankündigung beziehungsweise Anmeldung möglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Immaculata-Fresko an der Westfassade der Wallfahrtskirche Maria Lebing bei Hartberg, Steiermark
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Der Kirchenraum der Wallfahrtskirche Maria Lebing bei Hartberg, Steiermark
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• Das Gnadenbild in der Wallfahrtskirche Maria Lebing bei Hartberg, Steiermark
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Die Wallfahrtskirche Maria Lebing liegt westlich des Hartberger Stadtzentrums unmittelbar beim Friedhof und der Lebinger Au. Das Gotteshaus ist der Vollendung Mariens beziehungsweise Mariä Himmelfahrt geweiht; das Patrozinium wird am 15. August gefeiert. Kirchlich bildet Maria Lebing ein eigenes Benefizium der Pfarre Hartberg. Die Diözese nennt als ältesten Bestand des Benefiziums das Jahr 1425, während die Kirche bereits 1409 genannt wird.
Der Ursprung der Kirche reicht in das frühe 15. Jahrhundert zurück. Nach der örtlichen Überlieferung und der Pfarrgeschichte wurde 1409 auf dem sogenannten "Lebern", einem römischen Grabhügelfeld, ein Kirchenbau errichtet. Das heutige gotische Hauptschiff geht im Kern auf diesen frühen Bau zurück. Eine 1721 angefertigte Gedenktafel berichtet, dass der Seckauer Bischof Friedrich II. von Perneck 1409 einen Altar zu Ehren der Heiligsten Dreifaltigkeit und der Gottesmutter Maria geweiht habe. Das Presbyterium wurde 1472 erweitert.
Der Ortsname Lebing beziehungsweise Lebern verweist damit möglicherweise unmittelbar auf die ältere Gräberlandschaft. Die Errichtung einer christlichen Kirche auf einem bereits seit der Römerzeit mit Tod und Bestattung verbundenen Gelände ist kulturgeschichtlich bemerkenswert – zumal Maria Lebing durch den heutigen Friedhof bis in die Gegenwart wieder eng mit Begräbnis und Totengedenken verbunden ist.
Während der Reformationszeit verfiel die Kirche zeitweise. Bereits 1617 wird sie jedoch wieder in gutem Zustand beschrieben. Im Zuge der Gegenreformation gewann die Marienverehrung erneut an Bedeutung.
Ein bedeutender Ausbau erfolgte nach einer Pestbedrohung. Die Bürger von Hartberg gelobten im Jahr 1679 eine Kapelle, nachdem die Stadt von der Seuche verschont geblieben war. Die südliche Pestkapelle wurde 1680–1682 an die Kirche angebaut. Ihr Altar erinnert ausdrücklich an dieses Gelübde; zu den dargestellten Pestheiligen gehören Sebastian, Rochus und Rosalia.
Dieser Teil der Kirche ist für die religiöse Volkskunde besonders bedeutend. Er verbindet Seuchenangst, Gelübde, Dankstiftung, Heiligenverehrung und Marienkult zu einem geschlossenen barocken Bildprogramm.
1772 schuf Josef Adam Mölck in der Pestkapelle ein außergewöhnliches Freskenprogramm. Leopold Kretzenbacher hat gerade diese Darstellungen ausführlich volkskundlich und ikonographisch untersucht.
Auf einem der Fresken erscheint Christus als strafender Weltenrichter, der ein Bündel von Blitzen gegen die sündige Menschheit schleudern will. Maria greift nach seinem Arm und hält ihn zurück. Sie erscheint damit nicht nur als bittende Fürsprecherin, sondern geradezu als aktiv eingreifende Retterin der Menschheit. Kretzenbacher bezeichnet diese Darstellung für die Steiermark als außergewöhnlich. Auf einem weiteren Bild treten Maria die klassischen Pestpatrone Sebastian, Rochus und Rosalia zur Seite.
Das Bildprogramm dokumentiert eindrucksvoll die frühneuzeitliche Vorstellung von Krankheit und Seuche als göttlicher Strafe und zugleich die Hoffnung auf Abwendung des Unheils durch die Fürbitte Mariens und der Pestheiligen.
Zentrum der Wallfahrt ist eine gotische Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert, die im Hochaltar steht. Sie wurde 1784 barock überarbeitet. Zwei Engel öffnen bildlich einen Vorhang und geben den Blick auf die königlich dargestellte Mutter mit dem Jesuskind frei; hinter ihr erscheint die strahlende Gottessonne. Die Gnadenstatue wird von Johannes dem Täufer und Josef sowie von Anna und Joachim begleitet.
Der monumentale barocke Hochaltar wurde nach dem Vorbild des Hochaltares der Stiftskirche Vorau gestaltet und wird wahrscheinlich Remigius Horner zugeschrieben. Die flankierenden lebensgroßen Figuren stammen aus dem Umfeld der barocken Ausstattung; mehrere Skulpturen wurden 1749 von Philipp Jakob Straub geschaffen.
Um die Lebinger Gnadenstatue haben sich mehrere Schutzlegenden gebildet.
Für das Jahr 1532 wird erzählt, türkische Soldaten seien in die gotische Kirche eingedrungen und hätten auch nach der Gnadenstatue gegriffen. Daraufhin seien Blick und Gebärde der Madonna derart zornig geworden, dass die Eindringlinge erschrocken aus der Kirche geflohen seien.
Eine ähnliche Überlieferung berichtet vom Kuruzzeneinfall 1704. Die Kuruzzen hätten die Türen eingeschlagen und versucht, die Gnadenstatue vom Altar zu reißen. In diesem Augenblick habe sich die Madonna gegen die Frevler geneigt. Die Männer seien darüber so erschrocken gewesen, dass sie das Gotteshaus unter Geschrei verlassen hätten. Die Kirche sei dadurch verschont geblieben, während das Benefiziatenhaus niedergebrannt worden sei. Die Pfarrbeschreibung nennt für die beiden Fassungen J. Freismuth beziehungsweise F. Hausmann als Gewährsleute.
Beide Erzählungen gehören zum verbreiteten Typus der Bildfrevel- und Schutzlegende: Ein sakrales Bild verteidigt sich selbst gegen Angreifer und beweist dadurch seine besondere Wirkmacht.
Maria Lebing entwickelte sich früh zu einem regional bedeutenden Marienwallfahrtsort. Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts galt die Kirche als bevorzugter beziehungsweise "Lieblingswallfahrtsort" der weiteren Umgebung. Votivbilder und Darstellungen von Plagen und Errettungen dokumentieren die Funktion der Gottesmutter als Helferin in Krankheit, Not und Gefahr.
Unter Kaiser Joseph II. geriet die Kirche in Gefahr. Im Zuge der josephinischen Einschränkungen von Wallfahrten und Nebenkirchen bestand 1788 sogar die Absicht, Maria Lebing zu schließen beziehungsweise abzutragen. Durch das Eintreten kirchlicher und weltlicher Verantwortlicher konnte die Kirche erhalten werden.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert verlor die traditionelle Wallfahrt an Bedeutung. Maria Lebing wurde zunehmend als Trauungskirche und durch die unmittelbare Nähe des Friedhofes als Kirche für Begräbnisgottesdienste genutzt.
Eine bemerkenswerte Wiederbelebung begann im Mai 1977 mit der Einführung der Monatswallfahrt. Seitdem kommen am 13. jedes Monats Wallfahrer nach Maria Lebing. Ursprünglich wurde vom alten Hartberger Krankenhaus aus auf dem Weg zur Kirche der Rosenkranz gebetet; anschließend wurde in Maria Lebing die Messe gefeiert. Später entwickelte sich die Form mit Gottesdienst und anschließender Lichterprozession. Christen aus dem gesamten ehemaligen Dekanat Hartberg beteiligten sich von Beginn an. Zum Abschluss der Prozession versammelten sich die Teilnehmer am Kirchplatz, sangen das Lourdeslied und empfingen den Segen.
Auch das Marienpatrozinium am 15. August wird weiterhin liturgisch begangen. Die Pfarre verbindet die Festmesse mit einer Kräutersegnung und der Bitte um Gesundheit und Heilkraft – eine bemerkenswerte Fortsetzung religiöser Heil- und Schutzvorstellungen in gegenwärtiger Form.
Der gotische Kirchenbau wurde im 18. Jahrhundert umfassend verändert. 1732/33 entstand nördlich eine weitere Seitenkapelle mit dem charakteristischen achteckigen Turm. Ab der Mitte des Jahrhunderts wurde der gotische Innenraum barockisiert; Gewölberippen und Wanddienste wurden entfernt, gotische Fenster verkleinert oder zugemauert. Die großflächigen neuen Wand- und Deckenflächen erhielten in den Jahren um 1770–1772 die Fresken Josef Adam Mölcks.
Mölcks Marienzyklus umfasst unter anderem die Vermählung und Himmelfahrt Mariens. Im Chorgewölbe erscheint Maria als Fürbitterin für Hartberg; unter ihr ist die Stadt dargestellt, über die ein Füllhorn mit Ähren und Trauben ausgeschüttet wird. Die Darstellung verbindet die himmlische Fürbitte Mariens unmittelbar mit Fruchtbarkeit, Ernährung und Wohlergehen der Stadtbevölkerung.
Die Kanzel stammt vom Grazer Bildhauer Mathias Leitner, die Orgel vom Grazer Orgelbauer Andreas Schwarz. Bei Restaurierungen 1988 wurden zugemauerte gotische Fenster, ein gotisches Sakramentshäuschen und eine Nische für eine Priesterbank wieder sichtbar gemacht.
Die überlieferten Votivbilder zeigen, dass die Gottesmutter von Maria Lebing bei Krankheit, Unglück und persönlichen Nöten angerufen wurde. Zusammen mit der Pestkapelle und den Schutzlegenden lassen sie die zentralen Funktionen des Wallfahrtsortes erkennen: Maria wurde als Fürsprecherin, Heilerin und Beschützerin vor kollektiven wie persönlichen Gefahren verehrt.
Auch die unmittelbare Umgebung der Kirche gehörte zur historischen Wallfahrtskultur. Der benachbarte Gasthof "Zur Lebing Au" führt seine Entstehung ausdrücklich auf seine Funktion als Labestation für Wallfahrer zurück. Damit hat sich sogar ein Stück der ehemaligen Wallfahrtsökonomie im Ortsbild erhalten.
Maria Lebing ist volkskundlich besonders ergiebig, weil hier mehrere Jahrhunderte religiöser Praxis unmittelbar aufeinanderliegen. Von besonderer Bedeutung ist die Verbindung von Maria mit dem Schutz vor Seuchen. Das Fresko, auf dem die Gottesmutter dem strafenden Christus in den Arm fällt, gehört zu den eindrucksvollsten steirischen Bildzeugnissen des volksreligiösen Gedankens der Fürbitte Mariens gegen göttliche Strafgerichte. Kretzenbacher hat gerade Maria Lebing deshalb als wichtiges Beispiel für die steirische Pestfrömmigkeit behandelt.
Lebendige regionale Wallfahrt. Die historische Wallfahrt hatte im 19. Jahrhundert stark an Bedeutung verloren, wurde aber seit 1977 durch die regelmäßigen Monatswallfahrten bewusst erneuert. Die Wallfahrt am 13. jedes Monats und weitere Prozessionen werden von der Diözese weiterhin ausdrücklich geführt.
Damit ist Maria Lebing ein schönes Beispiel dafür, dass eine Wallfahrt nach einer Phase des Niedergangs in neuer Form wiederbelebt werden kann.
- Heimo Kaindl / Alois Ruhri: Wallfahrtskirche Maria Lebing in Hartberg, Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 246, Salzburg 1994.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956.
- Leopold Kretzenbacher: "Maria schützt die Steiermark in Pest-Zeiten", in: Blätter für Heimatkunde 75, Graz 2001, insbesondere zu den Fresken der Pestkapelle von Maria Lebing.
- Elfriede Grabner: Krankheit und Heilen. Eine Kulturgeschichte der Volksmedizin in den Ostalpen, 2. Auflage, Wien 1997, S. 127 f.; mit Abbildung des Lebinger Freskos.
- Wilhelm Pannold: Josef Adam Mölck und sein Werk in der Steiermark, Innsbruck 1960.
- Kurt Woisetschläger / Peter Krenn: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz), Wien 1982.
- Fritz Posch: Geschichte des Verwaltungsbezirkes Hartberg, 2. historisch-topographischer Teil, Graz/Hartberg, 2. Auflage 1990; mit einschlägigen historischen Angaben zu Maria Lebing.
- 850 Jahre lebendige Pfarre Hartberg, Festschrift der Pfarre Hartberg; enthält ausführliche Abschnitte zu Kirche, Gnadenstatue und Monatswallfahrt.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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