Graz, Karmelitenkloster Maria Schnee – Kloster- und Wallfahrtskirche Maria Schnee

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Marienwallfahrt, die aus einer älteren Waldkapelle mit einem als gnadenreich verehrten Marienbild hervorging.
Status:Die historische populäre Wallfahrt ist stark zurückgegangen; die Kirche dient heute vor allem als Klosterkirche der Karmeliten.
Kultzentrum:Seit dem 16. Jahrhundert verehrtes Marienbild, das ältere Darstellungen mit dem römischen Gnadenbild von Santa Maria Maggiore in Verbindung brachten.
Hauptfest:Patrozinium Maria Schnee; die ältere Wallfahrt besitzt heute keine vergleichbare regelmäßige Massenwallfahrt mehr.
Besonderheit:Die Wallfahrt ist älter als das heutige Karmelitenkloster und entwickelte sich aus einem privaten Waldheiligtum zu einer Rokokokirche.
Ort:Grabenstraße am Fuß des Reinerkogels im Grazer Bezirk Geidorf.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Grabenstraße 144, 8010 Graz.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Karmelitenkonvent Maria Schnee
Öffnungszeiten: regelmäßig zu den öffentlichen Gottesdiensten und zur monatlichen Wallfahrt; darüber hinaus keine verlässlich veröffentlichten allgemeinen Öffnungszeiten.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Kloster- und Wallfahrtskirche Maria Schnee liegt etwas verborgen am Fuß des Reinerkogels im Grazer Stadtbezirk Geidorf. Sie befindet sich innerhalb des heutigen Karmelitenklosters in der Grabenstraße und geht auf eine wesentlich ältere Marienkultstätte zurück. Ein Marienbild wurde hier bereits im 16. Jahrhundert verehrt; im 18. Jahrhundert entstand an Stelle der älteren Waldkapelle die heutige Kirche. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gehört das Heiligtum den Unbeschuhten Karmeliten. Die historische Wallfahrt verlor zwar ihre frühere Bedeutung, wird aber bis heute in erneuerter Form weitergeführt.

Die Waldkapelle Maria Schnee

Die älteste Überlieferung führt in das Jahr 1553. In der späteren Literatur wird für dieses Jahr eine Waldkapelle mit einem als gnadenreich verehrten Marienbild genannt. Arnold Luschin-Ebengreuth berichtete 1925 unter Berufung auf den Grazer Topographen Joseph August Kumar, die Kapelle sei 1553 von den Wechselherren Oliviziani errichtet worden und habe ein Marienbild enthalten, das "im Ruf der Gnadentätigkeit" gestanden habe. Da diese konkrete Gründungsangabe auf einer wesentlich späteren Überlieferung beruht, sollte sie nicht als unmittelbar urkundlich gesicherte Nachricht behandelt werden.

Sicher ist jedoch, dass das hohe Alter des Heiligtums bereits im frühen 19. Jahrhundert bekannt war. Albert Johann Polsterer schrieb 1827 in seiner Beschreibung von Graz:

"Das kleine Kirchlein zu Maria Schnee, am Fuße des Rosenberges, enthält ein gnadenreiches Marienbild, und war schon im Jahre 1553 als eine Kapelle bekannt."

Diese bemerkenswert frühe Beschreibung bestätigt jedenfalls, dass das Marienbild noch vor der Übernahme durch die Karmeliten als Gnadenbild angesehen wurde.

Das Gnadenbild

Seit dem 16. Jahrhundert wird in Maria Schnee ein Marienbild verehrt. Ältere Darstellungen betrachteten es als Nachbildung beziehungsweise Ableitung des berühmten Marienbildes der römischen Basilika Santa Maria Maggiore. Neuere Beschreibungen formulieren diese Identifizierung zurückhaltender; die Vorstellung einer unmittelbaren Kopie des römischen Gnadenbildes gilt nicht als zweifelsfrei gesichert.

Das Bild befindet sich heute im Zentrum des Hochaltares und wird von Engeln getragen. Es bildet damit weiterhin den optischen und kultischen Mittelpunkt der Kirche. Die seitlichen Figuren des Hochaltares zeigen Anna und Joachim, die Eltern Mariens.

Gerade für die Wallfahrtsgeschichte ist bedeutsam, dass Polsterer das Bild 1827 ausdrücklich als "gnadenreiches Marienbild" bezeichnete. Der Gnadencharakter ist damit nicht erst eine spätere Zuschreibung aus der Zeit des Karmelitenklosters.

Maria Schnee und Santa Maria Maggiore

Das Patrozinium Maria Schnee verweist auf die römische Basilika Santa Maria Maggiore.

Nach der alten Legende erschienen Maria sowohl einem römischen Patrizier als auch Papst Liberius im Traum und kündigte an, jene Stelle durch Schnee zu kennzeichnen, an der ihr eine Kirche errichtet werden sollte. Am Morgen des 5. August soll mitten im römischen Sommer Schnee auf dem Esquilin gelegen haben; Papst Liberius habe darin den Grundriss der Kirche abgesteckt. Die päpstliche Basilika selbst führt diese Überlieferung ausdrücklich als Tradition und weist zugleich darauf hin, dass vom angeblichen Bau des Liberius keine baulichen Reste erhalten sind.

Der 5. August wurde dadurch zum Fest der Weihe von Santa Maria Maggiore beziehungsweise Unserer Lieben Frau vom Schnee. Bis heute wird in der römischen Basilika der legendäre Schneefall symbolisch durch herabfallende weiße Blütenblätter dargestellt.

Die Grazer Maria-Schnee-Verehrung gehört somit in einen weit verbreiteten Kultzusammenhang, in dem Bilder und Kirchen auf das römische Marienheiligtum Bezug nehmen.

Vom Waldheiligtum zur Kirche

Für die Mitte des 18. Jahrhunderts werden die Nachrichten wesentlich genauer. 1755 wurde eine Messerlaubnis für die ältere Kapelle erteilt. Der wohlhabende Grazer Kaufmann Franz Xaver Mayr ließ das Heiligtum anschließend wesentlich erweitern beziehungsweise durch die heutige Kirche ersetzen.

Bei den Baudaten bestehen geringfügige Unterschiede zwischen den Quellen. Die heutige Diözesanübersicht nennt 1759 als Errichtungsjahr der Kirche. Die ältere Grazer Überlieferung bei Polsterer und Luschin-Ebengreuth nennt dagegen 1765 als Jahr des Neubaues beziehungsweise der Umgestaltung; 1770 wurde Maria Schnee als Kirche geweiht. Für eine quellenkritische Darstellung ist daher am sinnvollsten, von einer Errichtung beziehungsweise grundlegenden Erneuerung zwischen der Mitte der 1750er Jahre und 1770 zu sprechen.

Mayr stiftete zugleich einen eigenen Priester für das Heiligtum. Polsterer nennt als Geistlichen Joseph Fruhmann. Die Kirche war damit nicht bloß eine private Andachtskapelle, sondern besaß eine eigene regelmäßige liturgische Betreuung.

Architektur und Ausstattung

Die heutige Kirche ist ein verhältnismäßig kleiner, zweijochiger Rokokobau mit Apsis. Ihre mit 1770 bezeichnete Fassade wird dem bedeutenden Grazer Barockbaumeister Joseph Hueber zugeschrieben.

Der Hochaltar birgt das historische Gnadenbild. Die seitlichen Figuren stellen Anna und Joachim dar. Die beiden Seitenaltäre entstanden um 1770 in der Werkstatt Veit Königers. Die Kanzel mit Empiredekor wird in die Zeit zwischen etwa 1810 und 1820 datiert. Zahlreiche Apostel- und Heiligenbilder ergänzen die Ausstattung.

Der heutige neubarocke Tabernakel enthält ein Abendmahlsrelief von Erwin Huber. Von ihm stammt außerdem ein Sandsteinrelief mit Christus und Engeln im Klosterhof.

Maria Schnee vor den Karmeliten

Besonders interessant ist, dass die Wallfahrt wesentlich älter ist als das heutige Kloster. Das Heiligtum war zunächst eine eigenständige Marienkultstätte auf einem privaten Landgut.

Nach dem Tod Franz Xaver Mayrs wechselten Kirche und Anwesen mehrfach den Besitzer. Luschin-Ebengreuth nennt für 1813 bis 1828 Ignaz und Theresia Schrefl, danach Dr. Franz Bayer. Noch Polsterers Stadtbeschreibung von 1827 nennt Maria Schnee ausdrücklich als kleines Kirchlein mit einem gnadenreichen Marienbild.

Auch eine Lithographie von Joseph Franz Kaiser aus der Zeit um 1830 zeigt "Maria Schnee bei Graz". Das Heiligtum war damit bereits vor Errichtung des Karmelitenklosters ein bekannter topographischer Bezugspunkt im Grazer Umland.

Die Karmeliten in Graz

Die Unbeschuhten Karmeliten waren bereits 1628 erstmals nach Graz gekommen und besaßen ihr ursprüngliches Kloster am heutigen Karmeliterplatz. Dieses wurde im Zuge der josephinischen Reformen 1789 aufgehoben.

Im 19. Jahrhundert kam es zur Wiedererrichtung des Ordens in Graz. Zunächst hatten auch die Karmelitinnen Interesse an Maria Schnee gezeigt, errichteten schließlich aber weiter südlich in der Grabenstraße ihren eigenen Konvent St. Josef. Das Anwesen Maria Schnee gelangte an die Karmeliten. 1844 bezogen sie Kirche und Gebäude in der Grabenstraße und gründeten hier ihren neuen Grazer Konvent.

Damit änderte sich der Charakter des Ortes grundlegend: Aus der außerhalb der Stadt gelegenen alten Wallfahrtskirche wurde zugleich die Klosterkirche des Teresianischen Karmels.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der vorhandene Gebäudekomplex erweitert. Georg Hauberrisser der Ältere war an der Umgestaltung beteiligt; später entstand der heutige mehrgeschossige Klosterbau.

Wallfahrt heute

In einigen kunsthistorischen Darstellungen wird Maria Schnee als "ehemalige Wallfahrtskirche" bezeichnet. Das trifft insofern zu, als die historische populäre Wallfahrt im Laufe der Zeit stark zurückging und die Kirche seit dem 19. Jahrhundert vor allem Klosterkirche wurde.

Für den gegenwärtigen Status ist diese Bezeichnung jedoch nicht mehr vollständig ausreichend. Der Karmelitenkonvent selbst führt ausdrücklich eine:

"Wallfahrt nach Maria Schnee"

durch. Sie findet am ersten Freitag jedes Monats statt und verbindet Beichtgelegenheit, Rosenkranz, Heilige Messe mit Vesper und Eucharistische Anbetung. Als besonderes Anliegen nennt der Orden das Gebet um geistliche Berufungen und für die Anliegen der Wohltäter.

Damit besteht heute eine interessante Kontinuität mit verändertem Inhalt: Die ursprüngliche Gnadenbildwallfahrt ist nicht mehr als große regionale Volkswallfahrt greifbar, der Ort wird jedoch von den Karmeliten wieder beziehungsweise weiterhin ausdrücklich als lebendiger, jedoch kleiner und stark klösterlich geprägter Wallfahrtsort gepflegt.

Volkskundliche Bedeutung

Am Anfang steht eine Waldkapelle des 16. Jahrhunderts mit einem bereits früh als gnadenreich angesehenen Marienbild. Im 18. Jahrhundert führte die fortdauernde Verehrung zur Errichtung eines größeren Gotteshauses und zur Stiftung eines eigenen Priesters. Im 19. Jahrhundert wurde aus dem ehemaligen Wallfahrtsheiligtum eine Klosterkirche der Karmeliten, ohne dass die Erinnerung an das Gnadenbild und die Wallfahrt vollständig verschwand.

Hinzu kommt der überregionale Maria-Schnee-Kult, der das Grazer Heiligtum symbolisch mit Santa Maria Maggiore in Rom verbindet. Das lokale Bild wurde lange als Nachbildung des römischen Gnadenbildes verstanden; selbst wenn diese kunsthistorische Ableitung heute nicht mehr ohne Vorbehalt übernommen werden kann, gehört die Vorstellung der Verbindung mit Rom zur historischen Bedeutung des Heiligtums.

Interessant ist der Bedeutungswandel der Wallfahrt. Aus einer volkstümlichen Gnadenbildverehrung entwickelte sich ein karmelitisch geprägter Gebets- und Wallfahrtsort. Die heutige monatliche Wallfahrt um geistliche Berufungen zeigt, dass ein jahrhundertealter Wallfahrtsplatz neue Anliegen aufnehmen kann und dadurch seine religiöse Funktion trotz tiefgreifender Veränderungen bewahrt.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956.

- Joseph August Kumar: Mahlerische Streifzüge in den Umgebungen der Hauptstadt Grätz, Graz 1815.
(Kumar bildet eine der Grundlagen für die später überlieferte Nachricht von der Errichtung der Kapelle durch die Wechselherren Oliviziani.)
Online von der Universität Graz bereitgestellt:
https://unipub.uni-graz.at/obvugrsosalk/download/pdf/5427055

- Albert Johann Polsterer: Gräz und seine Umgebungen, historisch-topographisch-statistisch dargestellt. Ein Versuch, Graz 1827.

- Arnold Luschin-Ebengreuth: "Einiges vom Rosenberg", in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 21, 1925. Online bereitgestellt:
https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg21_Arnold-LUSCHIN-EBENGREUTH-Einiges-vom-Rosenberg-1.pdf

- Horst Schweigert: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Graz, Wien 1979, S. 128–129.

- Alois Kölbl / Wiltraud Resch: Wege zu Gott. Die Kirchen und die Synagoge von Graz, 2., erweiterte und ergänzte Auflage, Graz 2004, S. 135–136.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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