| Wallfahrt: | Alte Grazer Marienwallfahrt zur Schutzmantelmadonna von Straßgang, über Jahrhunderte Ziel regionaler Pilger. |
| Status: | Lebendige regionale Marienwallfahrt mit jahrhundertealter Gnadenbildverehrung und heutiger monatlicher 13er-Wallfahrt. |
| Kultzentrum: | Spätgotische Schutzmantelmadonna, die als Straßganger Gnadenmutter verehrt und im barocken Hochaltar bewahrt wird. |
| Hauptfest: | Monatliche 13er-Wallfahrt; Straßgang ist außerdem in die Grazer Stadtwallfahrt eingebunden. |
| Besonderheit: | Das spätgotische Gnadenbild blieb trotz barocker Umgestaltung Mittelpunkt des Hochaltares und der Wallfahrt. |
| Ort: | Graz-Straßgang am Nordosthang des Florianiberges. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Florianibergstraße 15, 8054 Graz. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Graz-Straßgang |
| • | Öffnungszeiten: tagsüber geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria im Elend zu Straßgang liegt weithin sichtbar am Nordosthang des Florianiberges im Südwesten von Graz. Sie gehört zu den ältesten Pfarrkirchen der Steiermark und wurde über Jahrhunderte zugleich als Marienwallfahrtsort aufgesucht. Mittelpunkt der Wallfahrt ist die spätgotische Straßganger Gnadenmutter, eine monumentale Schutzmantelmadonna, die auch im barocken Hochaltar ihren zentralen Platz behalten hat. Die Wallfahrt ist bis heute lebendig.
Der Name ist heute leicht misszuverstehen. "Elend" bedeutete ursprünglich nicht nur Not oder Jammer. Das mittelhochdeutsche ellende und althochdeutsche elilenti bezeichneten zunächst das fremde Land, die Fremde oder Verbannung. "Maria im Elend" ist daher Maria in der Fremde beziehungsweise im Exil und bezieht sich auf die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten.
Die Bezeichnung verbindet sich zugleich mit der späteren Frömmigkeit der Sieben Schmerzen Mariens, zu denen die Flucht nach Ägypten gerechnet wird. Eine Besonderheit von Straßgang ist jedoch, dass die heutige Pfarre als Patrozinium ausdrücklich Maria im Elend am 15. August und damit den Großen Frauentag beziehungsweise Mariä Himmelfahrt führt. Ältere und sekundäre Darstellungen nennen dagegen teilweise den 15. September als Bezugstag der Schmerzensmutter.
Der Kirchenplatz besitzt eine sehr alte Geschichte. Bereits im 10. Jahrhundert bestand hier nach der Pfarrüberlieferung eine Kirche, zunächst unter dem Patrozinium des hl. Georg. 1055 gelangte sie an das Erzbistum Salzburg; 1074 wurden St. Georg und St. Martin mit ihren Besitzungen dem neu gegründeten Benediktinerstift Admont übertragen.
Unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg entstand zwischen etwa 1130 und 1140 ein romanischer Neubau als Marienkirche. Um 1140 wurde der Pfarrsitz von Feldkirchen nach Straßgang verlegt. Straßgang wurde damit Mutter- und Hauptpfarre eines großen Gebietes südlich und westlich von Graz. Die heutige Pfarre zählt deshalb zu den ältesten Pfarrgründungen der Steiermark.
Die mittelalterliche Bedeutung des Platzes zeigt sich auch im benachbarten spätgotischen Pfarrhof und in der alten Wehrmauer. In die Außenmauern der Kirche sind zudem römerzeitliche Grab- beziehungsweise Reliefsteine eingemauert, die auf die wesentlich ältere Besiedlung des Gebietes hinweisen.
Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche wesentlich erweitert und erhielt ihr gotisches Presbyterium. Eine ältere Überlieferung bringt die Erneuerung von 1460/1461 mit den Brüdern Hans und Georg von Gradner in Verbindung und deutet sie als Dankstiftung für einen Sieg gegen die Türken. Diese Angabe erscheint bereits in einer Darstellung der Wallfahrt von 1916, sollte aber wegen ihres großen zeitlichen Abstandes zum Ereignis mit entsprechender Vorsicht behandelt werden.
Entscheidend für die Wallfahrt wurde wenig später die Ausstattung des Hochaltares. Für 1519 ist die Weihe eines spätgotischen Hochaltares nachweisbar, in dessen Zentrum sich bereits die ungefähr gleichzeitig entstandene Schutzmantelmadonna befand. Damit ist der heutige Kultgegenstand seit mehr als fünf Jahrhunderten an prominenter Stelle in der Straßganger Kirche nachweisbar.
Die Schutzmantelmadonna von Straßgang zählt nach Einschätzung des Grazer Diözesanmuseums neben den verwandten Darstellungen auf dem Frauenberg bei Admont und in Ptujska Gora zu den bedeutendsten erhaltenen Beispielen dieses Bildtypus im steirischen Raum.
Maria erscheint mit weit ausgebreitetem Mantel. Unter ihrem Schutz finden sich auf der einen Seite Vertreter des geistlichen Standes – Papst, Kardinal, Bischof und Ordensgeistliche –, auf der anderen Vertreter der weltlichen Ordnung vom Kaiser und König bis zum einfachen Volk. In späteren Beschreibungen werden einzelne Figuren als Papst Pius II. und Kaiser Friedrich III. gedeutet.
Die Schutzmantelikonographie greift einen mittelalterlichen Rechtsbrauch auf. Wer unter den Mantel einer hochgestellten Person genommen wurde, erhielt Schutz. Auf Maria übertragen wurde daraus ein machtvolles religiöses Bild: Maria schützt die Menschen vor dem göttlichen Gericht und tritt als Fürsprecherin und Mutter der Barmherzigkeit auf.
Gerade für eine Wallfahrt ist dieses Bildmotiv außerordentlich geeignet. Anders als ein auf ein einzelnes Anliegen spezialisiertes Gnadenbild vermittelt die Schutzmantelmadonna eine umfassende Botschaft: Unter ihrem Mantel finden Menschen aller gesellschaftlichen Stände und mit unterschiedlichsten Nöten Zuflucht.
Der heutige prächtige Hochaltar wurde 1727/1728 vom Grazer Bildhauer Johann Jacob Schoy geschaffen. Bemerkenswert ist, dass das spätgotische Gnadenbild nicht durch eine barocke Darstellung ersetzt wurde. Es blieb vielmehr Mittelpunkt des neuen Altars. Die Barockisierung umgab damit den bereits bestehenden Kultgegenstand mit einem neuen monumentalen Rahmen.
Über der Gnadenmutter erscheint die Heilige Dreifaltigkeit. Vergoldete Reliefplatten zeigen die Patrone jener Kirchen, die ursprünglich zur großen Straßganger Mutterpfarre gehörten. So wird im Hochaltar nicht nur die Marienwallfahrt, sondern zugleich die historische Stellung Straßgangs als kirchliches Zentrum des Grazer Feldes sichtbar.
Besonders wertvoll für die Wallfahrtsvolkskunde ist der alte Straßganger Wallfahrtsweg. Fritz Popelka konnte nachweisen, dass die Straßganger Straße im 17. Jahrhundert ein bedeutender Pilgerweg war.
1625 ließ eine Erzherzogin Maria den Weg vom sogenannten Lindenkreuz aus mit sieben Wegsäulen ausstatten, die auf beiden Seiten bemalte Zinntafeln trugen. Die hochadelige Stifterin soll selbst jeden Samstag zum "gnadenwirkenden Bild Maria im Elend" nach Straßgang gepilgert sein.
Die sieben Säulen blieben nicht unbeachtet. Sie wurden 1666 erneuert, 1696 vom Hofkammermaler Franz Steinpichler neu bemalt und 1727 nochmals auf Kosten der Hofkammer renoviert. Das zeigt, dass hier kein bloßer Fußweg zu einer Pfarrkirche bestand, sondern ein bewusst gestalteter sakraler Wallfahrtsweg von Graz zum Gnadenort Straßgang.
Diese Verbindung zwischen Stadt und Wallfahrtskirche ist bemerkenswert. Straßgang lag damals noch deutlich außerhalb des dicht verbauten Graz. Die Wallfahrt führte die Pilger aus der Stadt hinaus über die Straßganger Straße und schließlich hinauf zur Kirche auf dem Florianiberg.
Die starke Nutzung der Kirche führte auch zu baulichen Veränderungen. 1674 wurden an das Langhaus Seitenkapellen und eine Sakristei angebaut; als Baumeister wird Johannes Pozzo genannt. Der barocke Dachreiter beziehungsweise Turmaufbau geht auf Johann Georg Stengg zurück.
Neben dem Hochaltar von Johann Jacob Schoy besitzt die Kirche einen Mutter-Anna-Altar sowie Seitenkapellen mit Altären des hl. Franz von Paola und des hl. Antonius von Padua. Die Kanzel mit Darstellungen von Glaube, Hoffnung und Liebe wurde 1773 von Jakob Peyer geschaffen. Die liturgische Neuordnung des Altarraumes erfolgte 1990 nach einem Entwurf von Jörg Uitz.
Dass die Straßganger Gnadenmutter weit über den unmittelbaren Kirchenraum hinaus verehrt wurde, lässt sich auch durch Andachtsgraphik nachweisen.
Solche kleinen Druckwerke sind volkskundlich höchst aufschlussreich. Sie ermöglichten es den Wallfahrern, das Gnadenbild gewissermaßen mit nach Hause zu nehmen und die Verehrung außerhalb des eigentlichen Wallfahrtsortes fortzusetzen.
Eine Beschreibung der Wallfahrt aus dem Jahr 1916 bezeichnet Maria im Elend als "altbekannte Gnadenstätte" und berichtet, das Volk habe in mannigfaltigen Schicksalsschlägen bei Maria Zuflucht gesucht. Eine spezifische Spezialisierung etwa ausschließlich auf Augen-, Kinder- oder Viehkrankheiten lässt sich daraus nicht erkennen.
Das passt hervorragend zum Motiv der Schutzmantelmadonna: Der Kultgegenstand verspricht nicht Hilfe für eine einzige genau bestimmte Notlage, sondern umfassenden Schutz, Fürsprache und Zuflucht.
Der historische Wallfahrtsbetrieb ging im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts zurück, erlosch aber nicht. Eine neue Belebung erhielt Straßgang durch die 13er-Wallfahrt, die auf die Marienerscheinungen von Fatima zurückgeht.
Die steirische 13er-Tradition nahm 1974 in Maria Straßengel einen wichtigen Ausgangspunkt und verbreitete sich anschließend auf mehrere steirische Wallfahrtsorte, darunter Graz-Straßgang. Die Diözese zählt Straßgang ausdrücklich zu den drei Grazer Wallfahrtskirchen, die diese Tradition pflegen.
Heute wird an jedem 13. des Monats zur Straßganger Muttergottes gewallfahrtet. Die Feier beginnt üblicherweise beim Bad Straßgang mit einer Rosenkranzprozession hinauf zur Kirche. Es folgen die Heilige Messe für die Wallfahrer und anschließend eine Lichterprozession um die Pfarrkirche.
Damit ergibt sich eine Kontinuität: Der barocke Wallfahrtsweg ist verschwunden beziehungsweise nur noch historisch erschließbar, aber das rituelle Gehen zur erhöht gelegenen Gnadenkirche ist weiterhin Bestandteil der Wallfahrt.
Straßgang ist darüber hinaus in die heutige Grazer Stadtwallfahrt eingebunden. Diese wird seit 2017 abwechselnd in jenen drei Grazer Kirchen gefeiert, welche die 13er-Wallfahrt pflegen: Mariatrost, Straßgang und Münzgraben.
Lebendige regionale Marienwallfahrt mit jahrhundertealter Gnadenbildverehrung und heutiger monatlicher 13er-Wallfahrt.
Die Pfarre schreibt selbst, dass seit Jahrhunderten Tausende Menschen zur Straßganger Muttergottes gepilgert seien. Die heutige Form verbindet diese ältere Tradition mit Rosenkranz, Prozession, Wallfahrermesse und Lichterprozession.
Besonders bemerkenswert erscheint die Schutzmantelmadonna. Unter ihrem Mantel stehen geistliche und weltliche Gesellschaft nebeneinander. Das Gnadenbild entwirft damit gewissermaßen ein spätmittelalterliches Bild der gesamten christlichen Gesellschaft unter dem Schutz Mariens. Gerade an einem alten kirchlichen Zentrum wie Straßgang erhielt diese Darstellung eine zusätzliche Bedeutung.
Auch der historische Pilgerweg gehört zu den seltenen gut greifbaren Beispielen einer sakralisierten Wegstrecke im Umfeld von Graz. Die sieben Bildsäulen machten bereits den Weg zum Heiligtum zum Bestandteil der Andacht. Zusammen mit den überlieferten Samstagswallfahrten ergibt sich ein eindrucksvolles Bild frühneuzeitlicher Marienfrömmigkeit.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956.
- Alois Kölbl / Wiltraud Resch: Wege zu Gott. Die Kirchen und die Synagoge von Graz, 2., erweiterte und ergänzte Auflage, Graz 2004, S. 218–222.
- Horst Schweigert: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Graz, Wien 1979.
- Fritz Popelka: "Die räumliche Entwicklung der Grazer Vorstädte bis zum 19. Jahrhundert", in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 37. (Straßganger Wallfahrtsweg, sieben Wegsäulen, Samstagswallfahrt). Online bereitgestellt:
https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg37_Fritz-POPELKA-Die-räumliche-Entwicklung-der-Grazer-Vorstädte-bis-zum-19.-Jahrhundert.pdf
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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