Graz, Pfarr-, Kloster- und Wallfahrtskirche Mariahilf

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Wallfahrt:Historische Grazer Stadtwallfahrt zum Gnadenbild Maria Hilf, der "Stadtmutter von Graz"; im 17. und 18. Jahrhundert gehörte Mariahilf zu den meistbesuchten Gnadenorten der Steiermark.
Status:Lebendige städtische Wallfahrt mit eigener Wallfahrermesse, Marienandachten, Lichterprozessionen, Wallfahrtsliedern und weiterhin ankommenden Pilgern.
Kultzentrum:Das 1611 signierte Gnadenbild Maria Hilf von Giovanni Pietro de Pomis.
Hauptfest:Mehrere Marienfeste des Kirchenjahres werden mit Lichterprozessionen begangen; außerdem wird regelmäßig eine Wallfahrermesse gefeiert.
Besonderheit:Ausgeprägtes Mirakel- und Votivwesen mit Pestgelübden, Kettenvotiven und großen städtischen Dank- und Bittprozessionen.
Ort:Mariahilferplatz in der Grazer Murvorstadt.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Mariahilferplatz 3, 8020 Graz.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Graz-Mariahilf
Öffnungszeiten: regelmäßig zugänglich.
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Ausführliche Beschreibung

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Graz, Pfarr-, Kloster- und Wallfahrtskirche Mariahilf, Blick vom Grazer Schloßberg:

Graz, Pfarr-, Kloster- und Wallfahrtskirche Mariahilf

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Gnadenbild Mariahilf - Stadtmutter von Graz (Peter de Pomis, 1611):

Gnadenbild Mariahilf - Stadtmutter von Graz (Peter de Pomis, 1611)

Bildquelle: Scan eines Andachtbildes 1950er Jahre, SAGEN.at

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr-, Kloster- und Wallfahrtskirche Mariahilf steht am rechten Murufer auf dem Mariahilferplatz in der ehemaligen Grazer Murvorstadt. Die Kirche gehört zum Kloster der Franziskaner-Minoriten und bewahrt mit dem Gnadenbild Maria Hilf, der sogenannten "Stadtmutter von Graz", eine der bekanntesten historischen Mariendarstellungen der Steiermark. In der Blütezeit des 17. und 18. Jahrhunderts gehörte Mariahilf neben Mariazell zu den meistbesuchten Wallfahrtsorten des Landes. Die Wallfahrt besteht bis heute fort; neben Einzelpilgern und Wallfahrergruppen wird regelmäßig eine eigene Wallfahrermesse gefeiert.

Die Minoriten in der Grazer Murvorstadt

Die Minoriten sind bereits seit dem 13. Jahrhundert in Graz nachweisbar. Nachdem sie 1515 ihr ursprüngliches Kloster im Bereich der heutigen Franziskanerkirche an die Observanten abgeben mussten, erhielten sie nach der Überlieferung 1525 von Seyfried von Eggenberg ein Sommerhaus am rechten Murufer als vorläufige Unterkunft. Dort befand sich bereits ein älteres "Frauenkirchlein".

Unter der Förderung des späteren Kaisers Ferdinand II., seiner Gemahlin Maria Anna von Bayern und besonders Hans Ulrich von Eggenberg entstand ab 1607 eine neue Kirche mit Kloster. Die Planung wird dem aus Oberitalien stammenden Hofmaler und Architekten Giovanni Pietro de Pomis zugeschrieben; die Bauleitung dürfte Pietro Valnegro übernommen haben. Am 29. Mai 1611 wurde die Kirche unter großer Beteiligung der Bevölkerung geweiht. De Pomis selbst wurde nach seinem Tod 1633 in Mariahilf bestattet.

Bemerkenswert ist die Orientierung des Baues: Die Kirche ist entgegen der traditionellen Ostung nach Westen gerichtet, wodurch ihre Schauseite der Stadt Graz zugewandt werden konnte. Kirche und Kloster waren im Wesentlichen bis 1636 vollendet.

Das Gnadenbild Maria Hilf

Das 1611 signierte Gnadenbild stammt ebenfalls von Giovanni Pietro de Pomis. Es befand sich zunächst nicht am heutigen Hochaltar, sondern offenbar in einer Kapelle beziehungsweise an einem Seitenaltar. Erst um 1700 erhielt es wegen des starken Zustroms der Wallfahrer seinen hervorgehobenen Platz am Hochaltar.

Das hochformatige Gemälde besteht aus einer himmlischen und einer irdischen Sphäre. Über einem Wolkenband erscheint Maria mit dem Jesuskind. Maria blickt auf das in ihrem Schoß ruhende Kind, während Christus den Blick in die Ferne richtet. Der untere Teil enthält weitere Figuren und nimmt unter anderem auf das Rosenwunder der hl. Elisabeth von Thüringen Bezug. De Pomis gab Elisabeth die Gesichtszüge Maria Annas von Bayern, der Gemahlin Ferdinands II.; außerdem erscheint die Franziskanerheilige Klara von Assisi mit der Monstranz.

In der eigentlichen Wallfahrtsikonographie wurde vor allem die obere Mariengruppe verselbständigt. Sie verbreitete sich in zahlreichen Kopien, Andachtsbildern und Votivbildern und wurde zur "Stadtmutter von Graz". Darstellungen dieser Grazer Madonna finden sich bis heute an Grazer Häusern. Wichtig ist dabei die Unterscheidung vom wesentlich weiter verbreiteten Mariahilf-Typus Lucas Cranachs: Das Grazer Mariahilfbild ist eine eigenständige Schöpfung von de Pomis.

Die Legende von Pietro de Pomis

Um die Entstehung des Gnadenbildes bildete sich früh eine ausführliche Legende. Guardian P. Cornelius Tortella soll im Gebet eine innere Vorstellung davon erhalten haben, wie die Gottesmutter darzustellen sei, und de Pomis mit der Ausführung beauftragt haben.

Als das Werk beinahe vollendet gewesen sei, habe der Maler einen wesentlich höheren Preis verlangt als ursprünglich vereinbart. Daraufhin sei de Pomis plötzlich erblindet. In seiner Verzweiflung habe er wiederholt "Maria hilf!" gerufen und gelobt, das Bild unentgeltlich zu vollenden, wenn er sein Augenlicht wiedererhalte. Am folgenden Morgen sei er wieder sehend geworden. Nach einer besonders ausgeprägten Fassung der Legende fand er zudem die Gesichter Mariens und des Jesuskindes bereits auf wunderbare Weise vollendet vor. Gustav Gugitz überliefert eine etwas zurückhaltendere Variante, nach der die beiden Gesichter nach der Erhörung bereits "engelschön" ausgeführt gewesen seien und de Pomis anschließend das Bild vollendet habe.

Die Erzählung ist als Entstehungs- und Gnadenbildlegende zu verstehen. Historisch gesichert sind Künstler, Datierung und Aufstellung des Bildes; die Erblindung und wunderbare Wiederherstellung des Augenlichtes gehören zur religiösen Überlieferung des Wallfahrtsortes.

Der Gefangene und die ersten Kettenvotive

Eine zweite frühe Mirakellegende verbindet das Gnadenbild mit den Türkenkriegen. Noch bevor das Gemälde öffentlich aufgestellt worden sei, habe sich ein Grazer Adeliger in osmanischer Gefangenschaft befunden. Nach seiner Anrufung Mariens seien seine Fesseln von Händen und Füßen gefallen und Maria habe ihn aus dem Gefängnis geführt. Zugleich habe sie ihm aufgetragen, nach Graz zurückzukehren und dort jenes Bild aufzusuchen, das ihrer Erscheinung entspreche.

Nach seiner Heimkehr besuchte der Mann zunächst ältere Wallfahrtsorte wie Mariazell und Maria Lankowitz, erkannte die ihm erschienene Gestalt jedoch erst in dem noch bei de Pomis befindlichen Grazer Mariahilfbild wieder. Am 15. Juni soll er seine Fesseln als Dankgabe in der Kirche aufgehängt haben. Noch im 18. Jahrhundert wurden diese Ketten in der Klosterschatzkammer verwahrt; später gingen sie verloren.

Damit begegnet in Graz-Mariahilf eine klassische Form des Kettenvotivs. Die Fesseln materialisierten die erfahrene Befreiung und wurden zugleich zum sichtbaren Beweis der erzählten Gebetserhörung. Derartige Kettenvotive sind auch aus anderen Marien- und Leonhardswallfahrten des Alpenraumes bekannt.

Pest und die Wallfahrt von 1680

Besondere Bedeutung gewann Mariahilf in Zeiten von Seuchen. Bereits für das 17. Jahrhundert überliefert das Mirakelbuch zahlreiche Pestgelübde und Votivgaben. Für 1634 wird beispielsweise ein großes Pestbild der Grazer Handelsherren genannt. Weitere Einzelpersonen stifteten Pestbilder oder gelobten Gebete und Messopfer für die vermeintlich gewährte Bewahrung vor der Seuche.

Die Quellen verdienen dabei eine bemerkenswerte quellenkritische Einschränkung. Bereits 1638 widersprach der Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer einer Legende, nach der die Pest unmittelbar aufgrund der bei Mariahilf gepflegten Frömmigkeit erloschen sei. Er wies darauf hin, dass die Seuche tatsächlich noch mehrere Wochen weitergewütet habe. Damit besitzen wir ausgerechnet aus dem 17. Jahrhundert selbst bereits ein Zeugnis kirchlicher Skepsis gegenüber einer zu schnellen Mirakeldeutung.

Den Höhepunkt bildete die Pest von 1680. Nach dem später von P. Melchior Michelitsch veröffentlichten Marianischen Gnadenschall gelobten Obrigkeit, Magistrat und Bürgerschaft von Graz eine große Dankprozession nach Mariahilf. Das Mirakelbuch behauptet, nach diesem Gelübde sei niemand mehr an der Pest gestorben. Zur anschließenden Prozession seien 19.048 Personen über die Murbrücke nach Mariahilf gezogen. Diese Zahl ist als Angabe der barocken Mirakelliteratur zu verstehen und nicht als moderne statistische Zählung; sie dokumentiert jedoch eindrucksvoll die Vorstellung von der außerordentlichen Größe der Wallfahrt.

Regen, Feuer, Wasser und andere Nöte

Das Gnadenbild entwickelte keine enge Spezialisierung auf eine einzige Krankheit. Im Marianischen Gnadenschall reicht das Spektrum der Anliegen von Pest und Viehseuchen über Überschwemmung, Dürre und Feuer bis zu Krankheiten, Erblindung, Lähmung, Taubheit, Verwundungen, Unfällen und Gefangenschaft. Maria Hilf wurde darüber hinaus als Beschützerin auf Reisen und sogar bei geschäftlichen Unternehmungen angerufen.

Besonders anschaulich ist die Überlieferung vom Brand in Wildon am 6. Jänner 1624. Nachdem ein großer Teil des Ortes abgebrannt war und Wassermangel die Brandbekämpfung erschwert hatte, wurde eine Wallfahrt nach Mariahilf gelobt. Der anschließend einsetzende Regen wurde als Gebetserhörung gedeutet und auf einer Votivtafel festgehalten.

Eine ähnlich gewaltige Bittprozession wird für das Dürrejahr 1697 überliefert. Nachdem eine Prozession zunächst nach St. Anna im Münzgraben gezogen war, wandte man sich schließlich nach Mariahilf. Das Mirakelbuch gibt die Zahl der Teilnehmer mit 19.447 Personen an und berichtet von anschließendem ergiebigem Regen. Auch hier ist die außergewöhnlich präzise Teilnehmerzahl als Teil der barocken Quellenüberlieferung zu behandeln.

Mirakelbuch und Gebetserhörungen

Eine der wichtigsten Quellen zur Wallfahrt ist der vom Grazer Minoriten P. Melchior Michelitsch herausgegebene Marianische Gnadenschall des Wunderthätigen Gnadenbildes Maria Hülf. Der 1739 erschienene Band sammelt die Geschichte des Gnadenbildes und zahlreiche angebliche Gebetserhörungen. Die späteren Wandmalereien der Schatzkammerkapelle griffen ausdrücklich auf dieses Werk zurück.

Hubert Moser wertete den Gnadenschall 1965 volkskundlich aus. Allein für die Jahre 1611 bis 1697 werden 68 Erhörungen in Krankheitsfällen genau angeführt. Der erste Band enthält insgesamt 448 Gebetserhörungen aus dem 17. und frühen 18. Jahrhundert. Davon entfallen nach Mosers Aufstellung 286 auf Graz, 76 auf die übrige Steiermark, 72 bleiben ohne Ortsangabe, acht betreffen Niederösterreich; weitere Fälle stammen aus Kärnten, Salzburg und Ungarn. Damit lässt sich auch das historische Einzugsgebiet des Gnadenortes außergewöhnlich gut erkennen.

Für die historische Volkskunde ist dieser Quellenbestand besonders wertvoll, weil er nicht nur außergewöhnliche Ereignisse schildert, sondern einen breiten Ausschnitt alltäglicher Ängste sichtbar macht: Krankheit, Geburt, Seuche, Feuer, Unwetter, Wassergefahr, Reise, Gefangenschaft und wirtschaftliche Sorgen.

Exorzismus und "Besessenheit"

Zu den im Mirakelbuch geschilderten Notlagen gehören auch Zustände, die damals als Besessenheit interpretiert wurden. Moser nennt beispielsweise den Wagenanstreicher Christian Sterber, der 1694 gegen seinen Widerstand in das Kloster gebracht worden sei und dort nach der damaligen Vorstellung von einem Dämon befreit worden sei.

Solche Berichte sind heute nicht als medizinische Diagnosen zu übernehmen. Volkskundlich zeigen sie vielmehr, wie psychische oder neurologische Auffälligkeiten in der frühneuzeitlichen Lebenswelt religiös erklärt und mit Wallfahrt, Exorzismus, Gelübde und Votivgabe verbunden werden konnten.

Votivgaben und Schatzkammer

Die Vielzahl der Gebetserhörungen schlug sich in einem umfangreichen Votivwesen nieder. Votivbilder, Silbervotive, Messstiftungen und andere Dankgaben wurden dem Gnadenbild übergeben. Noch im 18. Jahrhundert war der Bestand so umfangreich, dass 1769 bis 1771 eine eigene Schatzkammerkapelle im westlichen Kreuzgangtrakt geschaffen wurde. Die ursprünglichen Votivgaben haben sich dort leider nicht erhalten.

Dafür bewahrt die Schatzkammerkapelle gewissermaßen eine bildliche Zusammenfassung des verlorenen Mirakelwesens. Joseph Adam Ritter von Mölk schuf 1773 einen Zyklus von Wunderszenen, deren literarische Grundlage Michelitschs Marianischer Gnadenschall war. Die 15 Deckenbilder zeigen unter anderem den Brand von Pettau, eine Pestheilung in Graz und die Stadtmutter von Graz, die über der Stadt schwebt. Die Personifikation der Steiermark kniet mit Landeswappen und brennendem Herzen vor dem Gnadenbild.

Damit ist die Schatzkammerkapelle selbst zu einem außergewöhnlichen Denkmal des Votiv- und Mirakelwesens geworden: Die ursprünglichen Opfergaben sind verschwunden, ihre Geschichten wurden jedoch dauerhaft in Architektur und Malerei übertragen.

Vollkommener Ablass und Andachtsbilder

Papst Klemens XII. gewährte 1739 einen vollkommenen Ablass, woran ein Gemälde über dem Portal der Schatzkammerkapelle erinnert. Auf ihm erscheinen neben dem Papst die Stifter Ferdinand II. und Hans Ulrich von Eggenberg mit dem Bauplan der Kirche; über der Klosteranlage schwebt das Gnadenbild.

Die Verehrung wurde durch Andachtsgraphik weit verbreitet. Das Volkskundemuseum Wien besitzt mehrere historische Andachtsbilder der Grazer Mariahilf-Madonna. Auf Kupferstichen wird sie ausdrücklich als "gnadenreiche und wundertätige" Muttergottes bezeichnet; einzelne Blätter verweisen zudem auf den in Mariahilf zu gewinnenden vollkommenen Ablass. Die Blätter wurden nicht nur in Graz, sondern unter anderem auch in Augsburg hergestellt.

Die Sammlung des Volkskundemuseums enthält sogar Beichtzettel mit dem Grazer Gnadenbild, darunter ein Zeugnis der Osterbeichte von 1762 sowie ein späteres Exemplar mit Verwendung 1869. Solche unscheinbaren Druckwerke zeigen, wie weit das Gnadenbild über die eigentliche Wallfahrt hinaus in den religiösen Alltag eindrang.

Die "Stadtmutter von Graz"

Die Bezeichnung "Stadtmutter von Graz" bringt eine Besonderheit dieser Wallfahrt besonders gut zum Ausdruck. Anders als viele ländliche Gnadenorte war Mariahilf von Anfang an eng mit einer städtischen Gesellschaft verbunden. Obrigkeit, Adel, Bürger, Handwerker, Universität und einfaches Volk erscheinen gemeinsam in den Quellen zu Prozessionen und Votivgaben.

Gleichzeitig wurde das Bild durch Kopien aus dem Kirchenraum hinausgetragen. Die Grazer Mariahilf-Madonna schmückte Andachtsbilder, Votivtafeln und Hausfassaden und entwickelte sich dadurch zu einem religiösen Identifikationsbild der Stadt. Die Pfarre verwendet die Bezeichnung "Stadtmutter von Graz" bis heute.

Wallfahrtslied und Prozession

Zur Wallfahrtskultur gehört auch ein eigenes Mariahilferlied. Bereits ältere Quellen überliefern Wallfahrtsgesänge; auch heute wird das Mariahilferlied während des Marienmonats Mai sowie nach den Lichterprozessionen an Marienfesten gesungen.

Die heutigen Lichterprozessionen führen nach der Abendmesse mit Kreuz, Ministranten, Priester und Gläubigen durch den Kreuzgang. Dabei werden Marienlieder und eine Litanei gesungen; nach zwei Umgängen kehrt die Prozession in die Kirche zurück und endet mit dem Mariahilferlied. Solche Lichterprozessionen finden an mehreren Marienfesten des Kirchenjahres statt, darunter Mariä Lichtmess, Verkündigung des Herrn, Mariä Heimsuchung, Mariä Himmelfahrt, Mariä Geburt und das Fest der Unbefleckten Empfängnis.

Damit besitzt Mariahilf noch heute eine bemerkenswerte Kontinuität traditioneller Prozessions-, Lied- und Gnadenbildfrömmigkeit.

Baugeschichte und Hochaltar

Der ursprüngliche frühbarocke Bau von de Pomis besaß noch keine Doppelturmfassade. Die heutige monumentale Front entstand 1742 bis 1744 nach Plänen Joseph Huebers. Die Fassadenskulpturen werden Philipp Jakob Straub zugeschrieben. 1760 verlängerte Hueber die Seitenschiffe um ein Joch.

Bei einer tiefgreifenden Umgestaltung 1769 wurden die ursprüngliche Kuppel über dem Presbyterium und ältere Stuckdekoration entfernt. Aus dieser Phase stammt auch der heutige Hochaltar. Seitlich des Gnadenbildes stehen zwei Weihrauchengel, die Philipp Jakob Straub zugeschrieben werden.

Besonders kostbar ist der Silbertabernakel, den der Grazer Goldschmied Anton Römer 1773 nach einem Entwurf Veit Königers ausführte. Von Römer stammt auch der 1769 angefertigte silberne Rokokorahmen des Gnadenbildes. Über ihm steht die Anrufung:

"Virgo fidelis Maria succurre" – "Treue Jungfrau Maria, komm uns zu Hilfe."

Die barocke Innenausstattung wurde 1881 nochmals stark verändert; dabei verschwanden auch die Fresken Joseph Adam von Mölks im Kirchenraum. Die heutigen Deckenbilder stammen von Heinrich Schwach. Die Schatzkammerkapelle bewahrt dagegen weiterhin ihren bedeutenden barocken Mirakelzyklus.

Josephinismus und Pfarrkirche

1782 besuchte Papst Pius VI. auf seiner Reise nach Wien die Mariahilfkirche. Bereits im folgenden Jahr veränderten die josephinischen Kirchenreformen ihre Stellung grundlegend: Um der drohenden Klosteraufhebung zu entgehen, wurde Mariahilf 1783 zur Pfarrkirche erhoben. Der Wallfahrtsbetrieb erlitt durch die josephinischen Einschränkungen einen erheblichen Einbruch und erreichte die Größenordnung des 17. und 18. Jahrhunderts später nicht mehr. Die Minoriten konnten Kirche und Kloster jedoch behalten und betreuen sie bis heute.

Wallfahrt heute

Die Wallfahrt ist weiterhin lebendig. Besonders aussagekräftig ist, dass Mariahilf nicht lediglich aus historischen Gründen die Bezeichnung Wallfahrtskirche trägt: Die Pfarre hält regelmäßig eine ausdrücklich als Wallfahrermesse bezeichnete Messe um 10 Uhr und pflegt weiterhin Marienandachten, Lichterprozessionen, Wallfahrtslieder und die Verehrung des Gnadenbildes. Auch aktuelle diözesane Wallfahrten führen nach Graz-Mariahilf.

Die heutige Wallfahrt besitzt nicht mehr den Charakter der barocken Massenwallfahrt mit Zehntausenden Teilnehmern. Sie hat sich vielmehr zu einer städtischen Gnadenbild-, Gebets- und Beichtwallfahrt entwickelt. Die starke Beichtseelsorge der Minoriten gehört bis heute zum religiösen Profil des Ortes.

Volkskundliche Bedeutung

Von besonderem Wert ist der Marianische Gnadenschall. Durch die Hunderte darin aufgezeichneten Gebetserhörungen lässt sich ein ungewöhnlich breiter Ausschnitt frühneuzeitlicher Lebensängste nachvollziehen. Ebenso außergewöhnlich ist die Schatzkammerkapelle: Obwohl die ursprünglichen Votivgaben verloren gingen, bewahren ihre Wand- und Deckenbilder die Mirakelüberlieferung gleichsam als Votivbuch.

Mariahilf ist damit zugleich städtischer Wallfahrtsort und Erinnerungsort der Stadt Graz. In der "Stadtmutter" verdichteten sich persönliche Not und kollektive Krisenerfahrungen – Pest, Krieg, Feuer, Dürre und Gefangenschaft – zu einem über Jahrhunderte wirksamen religiösen Schutzbild.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956, S. 146–147.

- Melchior Michelitsch OFMConv.: Marianischer Gnadenschall des Wunderthätigen Gnadenbildes Maria Hülf, welches zu Grätz in Steyermarckt bey denen … Minoriten …, Graz 1739.

- Hubert Moser: "Die Wallfahrtskirche Mariahilf in Graz. Ein Zentrum der Volksfrömmigkeit im 17. Jahrhundert", in: Blätter für Heimatkunde 39, 1965, S. 165–174. Online bereitgestellt:
https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/B_Jg39_Hubert-MOSER-Die-Wallfahrtskirche-Mariahilf-in-Graz.pdf

- P. Ansgar M. Brehm OFMConv.: Mariahilf Graz/Stmk. Mariahilf, Wallfahrts-, Kloster- und Pfarrkirche der Minoriten in Graz, Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 18, Salzburg 1961.

- Horst Schweigert: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Graz, Wien 1979, S. 158–164.

- Alois Kölbl / Wiltraud Resch: Wege zu Gott. Die Kirchen und die Synagoge von Graz, 2., erw. Auflage, Graz 2004, S. 141–145.

- Gottfried Biedermann / Walter Brunner (Hg.): Geschichte der Stadt Graz, Bd. 3: Kirche – Bildung – Kultur, Graz 2003.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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