| Wallfahrt: | Junger Marienwallfahrtsort der Nachkriegszeit, entstanden aus persönlichem Dank, Kriegsgelübde und der Fatimafrömmigkeit. |
| Status: | Lebendiger Marienwallfahrtsort mit dem 13. jedes Monats als zentralem Wallfahrtstermin. |
| Kultzentrum: | Fatimastatue, deren Anschaffung am Beginn der gesamten Entstehungsgeschichte der Kapelle stand. |
| Hauptfest: | Wallfahrt am 13. jedes Monats; die Kapelle wurde am 15. August 1977 feierlich eingeweiht. |
| Besonderheit: | Grundsteinlegung 1955 unmittelbar nach dem österreichischen Staatsvertrag; Friedensfrömmigkeit, Unterkirche und Lourdesgrotte bilden weitere Kultschichten. |
| Ort: | Bierbaum-Trössing in der Gemeinde Gnas. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Wallfahrtsort Maria Fatima, Trössing 80, 8342 Gnas. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Bierbaum und Gemeinschaft Maria, Königin des Friedens |
| • | Öffnungszeiten: Die Fatimakapelle ist täglich von Montag bis Sonntag von 08:00 bis 19:00 Uhr geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Fatimakapelle Bierbaum-Trössing, heute als Wallfahrtsort Maria Fatima bezeichnet, gehört zu den jüngeren Marienwallfahrtsorten der Steiermark. Anders als bei mittelalterlichen oder barocken Gnadenorten lässt sich ihre Entstehung außergewöhnlich genau nachvollziehen. Ausgangspunkt waren persönliche Dankbarkeit, ein im Krieg abgelegtes Gelübde und die Erfahrung der wiedergewonnenen Freiheit Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Geschichte begann mit dem Wunsch einer Familie, aus Dank für das Überleben eines schwer erkrankten Kindes eine Kapelle für eine Fatimastatue zu errichten. Franz Sommer, selbst Kriegsteilnehmer und Heimkehrer, übernahm die Leitung des Baues, weil er sich an ein während des Krieges abgelegtes Gelübde gebunden fühlte. Die Grundsteinlegung erfolgte im Mai 1955, unmittelbar nach Abschluss des österreichischen Staatsvertrages. Aus der zunächst privaten Friedens- und Dankkapelle entwickelte sich nach und nach ein regelmäßig besuchter Wallfahrtsort mit Monatswallfahrten, Beichtkapellen, Unterkirche, Lourdesgrotte und eigener klösterlicher Wallfahrtsseelsorge.
Die Fatimakapelle entstand an der früheren Gemeindegrenze zwischen Bierbaum am Auersbach und Trössing. Daraus erklärt sich die bis heute gebräuchliche Bezeichnung Bierbaum-Trössing.
Heute liegt der Wallfahrtsort in Trössing und gehört zur Gemeinde Gnas.
Die Anlage umfasst die eigentliche Fatimakapelle, eine Unterkirche beziehungsweise Krypta, eine Lourdesgrotte, Beichtkapellen und weitere Einrichtungen für Pilger.
Am Anfang der Wallfahrtsgeschichte stand das Schicksal der Familie Kamper aus Bierbaum.
Der Kaufmann Franz Kamper hatte einen kleinen Sohn namens Helmut, der schwer an Diabetes erkrankte. Die Familie verstand das Überleben des Kindes als besondere Hilfe und Fürsprache Mariens.
Aus Dankbarkeit erwarb Kamper eine Fatimastatue und fasste den Entschluss, für sie eine eigene Kapelle errichten zu lassen.
Damit besitzt die Entstehung des späteren Wallfahrtsortes bereits in ihrem Ursprung einen deutlich votiven Charakter.
Nicht ein wundersam aufgefundenes Bild oder eine Erscheinungslegende stand am Anfang, sondern eine persönliche Erfahrung, die als Gebetserhörung gedeutet und durch eine konkrete religiöse Stiftung beantwortet wurde.
Eine zweite persönliche Geschichte verband sich unmittelbar mit dem geplanten Kapellenbau.
Der aus der Gegend stammende Franz Sommer hatte während des Zweiten Weltkrieges schwere Kampferfahrungen gemacht. In einer lebensbedrohlichen Situation legte er ein Gelübde ab: Sollte er den Krieg überleben, wolle er künftig eine an ihn herangetragene gute Bitte nicht abschlagen.
Sommer wurde schwer verwundet, überlebte und kehrte nach Kriegsende nach Hause zurück.
Als später jemand gesucht wurde, der die Verantwortung für den geplanten Bau der Fatimakapelle übernehmen sollte, erinnerte sich Sommer an sein Gelübde und erklärte sich zur Mitarbeit bereit.
Damit trafen zwei persönliche religiöse Erfahrungen zusammen:
Dank für das Überleben eines schwer kranken Kindes und das Kriegsgelübde eines heimgekehrten Soldaten.
Aus dieser Verbindung entstand der konkrete Bauimpuls.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 22. Mai 1955, nur wenige Tage nach der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages.
Franz Sommer selbst bezeichnete die wiedergewonnene Freiheit Österreichs ausdrücklich als zusätzlichen Anstoß für den Kapellenbau. Die Fatimakapelle erhielt dadurch von Beginn an nicht nur einen marianischen, sondern auch einen friedens- und zeitgeschichtlichen Charakter.
Der Bau konnte als mehrfacher Dank verstanden werden:
für das Überleben des Kindes, für die Heimkehr aus dem Krieg und für die wiedererlangte Freiheit Österreichs.
Damit wurde die Kapelle zugleich zu einem religiösen Erinnerungszeichen der österreichischen Nachkriegszeit.
Die Verbindung mit Fatima war in diesem Zusammenhang besonders naheliegend. Die Botschaft von Fatima wurde im katholischen Österreich der Nachkriegszeit eng mit Gebet um Frieden und Freiheit verbunden.
Die Grundsteinlegung am 22. Mai 1955 wurde vom damaligen Bierbaumer Pfarrer Franz Steßl begleitet. Der eigentliche Bau erfolgte in erheblichem Maß durch freiwillige Arbeit.
Franz Sommer errichtete gemeinsam mit Mitgliedern der katholischen Landjugend sowie zahlreichen Helfern und Wohltätern die Kapelle. Bereits während der Bauzeit fanden religiöse Feiern am entstehenden Heiligtum statt.
Damit entstand der Ort nicht als groß angelegtes kirchliches Bauprojekt, sondern wesentlich durch Laieninitiative, freiwillige Arbeit, persönliche Gelübde und gemeinschaftliche Opferbereitschaft.
Der Bau der Kapelle zog sich über viele Jahre hin. Franz Sommer berichtete später, dass er nach seiner Übersiedlung nach Wien einen großen Teil seiner Urlaube damit verbrachte, in Trössing an der Kapelle weiterzuarbeiten. Damit wurde das Heiligtum in besonderem Maß zu seinem persönlichen Lebenswerk.
Die Baugeschichte zeigt, wie sich eine kleine private Initiative langsam vergrößerte und immer stärker institutionalisiert wurde. Aus einem Ort für eine einzelne Fatimastatue entstand Schritt für Schritt ein regionaler Wallfahrtsplatz.
Die feierliche Einweihung der Fatimakapelle erfolgte am 15. August 1977, dem Fest Mariä Himmelfahrt.
Mit dieser Einweihung begann zugleich jene regelmäßige Wallfahrtsform, die den Ort bis heute prägt.
Seit dieser Zeit wurden am 13. jedes Monats Andachten und heilige Messen gefeiert.
Damit wurde aus der bislang vor allem von privaten Initiativen getragenen Kapelle ein dauerhaft organisierter Wallfahrtsort.
Die Wahl des 13. Tages jedes Monats hängt unmittelbar mit dem portugiesischen Wallfahrtsort Fatima zusammen.
Die Marienerscheinungen von Fatima im Jahr 1917 sind traditionell mit dem 13. der Monate Mai bis Oktober verbunden. An zahlreichen Fatimaheiligtümern entwickelten sich deshalb regelmäßige Monatswallfahrten am 13. Auch in Bierbaum-Trössing wurde dieses internationale Frömmigkeitsmodell übernommen und zu einer eigenen regionalen Tradition.
Die Wallfahrt entwickelte sich nach der Einweihung rasch weiter. Im Jahr 1978 wurde ein eigener Verein zur Unterstützung der Fatimakapelle gegründet.
Bereits wenige Jahre später erwies sich die vorhandene Kapelle als zu klein. Der wachsende Zustrom von Pilgern machte eine erhebliche Erweiterung notwendig. Ab 1980 wurde deshalb an einem größeren Wallfahrtskomplex gearbeitet.
Im Zuge der Erweiterung entstand eine Unterkirche beziehungsweise Krypta. Dort wurde eine Lourdesgrotte eingerichtet. Zusätzlich entstanden zwei eigene Beichtkapellen.
Gerade diese Beichtkapellen sind für die Geschichte des Wallfahrtsortes von Bedeutung. Sie zeigen, dass der Ort nicht mehr nur auf gelegentliche Besucher ausgerichtet war, sondern auf eine regelmäßige und größere Pilgerseelsorge.
Beichte, Rosenkranz, Eucharistie und persönliche geistliche Begleitung gehören traditionell zu den zentralen Elementen katholischer Wallfahrt. Die Einrichtung eigener Beichträume macht daher die zunehmende Institutionalisierung des Wallfahrtsortes unmittelbar sichtbar.
Die Lourdesgrotte in der Unterkirche verbindet zwei der bedeutendsten internationalen Marienwallfahrten der Neuzeit miteinander.
Der Wallfahrtsort ist in erster Linie Fatima gewidmet. Dennoch wurde mit der Lourdesgrotte ein zweiter großer Marienkult aufgenommen.
Damit begegnen in Trössing zwei unterschiedliche, aber eng verwandte Formen moderner Marienfrömmigkeit:
Lourdes und Fatima.
Die Bauarbeiten wurden in mehreren Etappen fortgesetzt.
Die Unterkirche wurde in den 1980er Jahren fertiggestellt und geweiht. Anfang der 1990er Jahre konnte auch die Vergrößerung der eigentlichen Kapelle abgeschlossen werden. Der Innenraum wurde erheblich erweitert, an den Außenwänden entstanden Nischen mit Apostelfiguren und farbige Glasfenster mit Darstellungen der Kreuzwegstationen. Damit wandelte sich die ursprüngliche kleine Friedens- und Dankkapelle zu einem umfangreicheren sakralen Zentrum mit unterschiedlichen Andachtsmöglichkeiten.
Im Mittelpunkt des Wallfahrtsortes steht bis heute die Fatimastatue, deren Anschaffung am Beginn der gesamten Baugeschichte stand.
Sie war ursprünglich Ausdruck des Dankes der Familie Kamper für das Überleben ihres Kindes und wurde anschließend zum religiösen Mittelpunkt der neu entstehenden Kapelle. Die Betreiber bezeichnen Maria Fatima als Gnadenort.
Für die Geschichte des Ortes ist entscheidend, dass gerade diese Statue den unmittelbaren Anlass zum Bau der Kapelle gab und bis heute das Zentrum der Verehrung bildet.
Ein klassischer Bestand älterer Votivbilder oder ein Mirakelbuch existiert an diesem jungen Wallfahrtsort nicht. Dennoch ist die gesamte Entstehungsgeschichte von votiver Frömmigkeit geprägt.
Der Bau geht auf zwei Ereignisse zurück, die von den Beteiligten als besondere Hilfe beziehungsweise Bewahrung verstanden wurden: das Überleben des schwer erkrankten Kindes und die Heimkehr Franz Sommers aus dem Krieg.
In diesem Sinn kann die gesamte Kapelle selbst als eine große architektonische Votivgabe verstanden werden.
Ein weiterer wichtiger Akzent des Wallfahrtsortes ist die Anrufung Mariens als "Königin des Friedens".
Bereits in der frühen Bauzeit wurde ein Relief mit dieser Bezeichnung angebracht. Damit wurde der Friedensgedanke, der schon durch Kriegserfahrung und Staatsvertrag Teil der Gründungsgeschichte war, dauerhaft mit dem Marienkult verbunden. Die Kapelle war somit von Anfang an nicht nur Fatimaheiligtum, sondern auch Friedensgedächtnisstätte.
Im Jahr 2001 erfolgte ein weiterer entscheidender Schritt in der Entwicklung des Wallfahrtsortes.
Der bisher von Vereinen getragene Komplex wurde einer geistlichen Gemeinschaft übergeben. Unter Bischof Egon Kapellari wurde ein Kloster errichtet beziehungsweise kirchlich eingerichtet.
Seither wird der Wallfahrtsort von der franziskanisch-marianischen Gemeinschaft "Maria, Königin des Friedens" betreut.
Damit erhielt Maria Fatima erstmals eine dauerhaft vor Ort lebende geistliche Gemeinschaft.
Die Gemeinschaft "Maria, Königin des Friedens" weist selbst auf geistliche Bezüge zu Medjugorje hin.
Damit ist am heutigen Wallfahrtsort neben Fatima und Lourdes noch eine weitere moderne marianische Frömmigkeitsströmung präsent.
Fatima bleibt der eigentliche Ursprung und Hauptkult des Ortes, während Lourdes und Medjugorje weitere geistliche Bezugsebenen bilden.
Volkskundlich zeigt dies besonders anschaulich, wie moderne Marienwallfahrtsorte verschiedene internationale Frömmigkeitsbewegungen aufnehmen können, ohne ihre ursprüngliche Identität zu verlieren.
Die Fatimakapelle besitzt auch eine wichtige zeitgeschichtliche Bedeutung.
Ihre Entstehung steht unmittelbar im Zusammenhang mit den Erfahrungen von Krieg, Heimkehr und österreichischer Nachkriegszeit. Die Grundsteinlegung unmittelbar nach dem Staatsvertrag verlieh dem Bau eine zusätzliche politische und gesellschaftliche Symbolik. Die Kapelle erinnert damit an eine Generation, für die Krieg, Gefangenschaft, Verwundung, Besatzungszeit und die Wiedererlangung staatlicher Freiheit persönliche Lebenserfahrungen waren.
Die Fatimakapelle Bierbaum-Trössing ist volkskundlich besonders wertvoll, weil die Entstehung eines modernen Wallfahrtsortes ungewöhnlich genau dokumentiert ist.
Bei mittelalterlichen Gnadenorten lässt sich häufig erst aus viel späteren Quellen rekonstruieren, wie aus einem Bild, einer Quelle oder einer Kapelle ein Wallfahrtsort entstanden ist.
In Trössing existieren autobiographische Erinnerungen des Erbauers, Einträge der Pfarrchronik, Fotografien und eine genaue Baugeschichte. Der Entstehungsprozess lässt sich beinahe Schritt für Schritt verfolgen. Besonders charakteristisch ist die starke Rolle von Laien.
Nicht eine kirchliche Institution plante zunächst den Wallfahrtsort, sondern Einzelpersonen, Landjugend, freiwillige Helfer und Wohltäter bauten die Kapelle und entwickelten sie über Jahrzehnte weiter.
Erst mit der zunehmenden Wallfahrt entstand daraus ein dauerhaft institutionalisiertes religiöses Zentrum.
Maria Fatima ist bis heute ein lebendiger Marienwallfahrtsort.
Der zentrale Wallfahrtstag ist der 13. jedes Monats.
Zu den Wallfahrten gehören Rosenkranzgebet, heilige Messe, eucharistische Anbetung und Beichtgelegenheit. Daneben finden regelmäßig Sonn- und Feiertagsgottesdienste und weitere Andachten statt. Durch die vor Ort lebende Gemeinschaft ist eine dauerhafte Wallfahrtsseelsorge gewährleistet.
- Franz Sommer: Mein Lebenslauf. Autobiographische Aufzeichnungen des Erbauers der Fatimakapelle, niedergeschrieben 2006. (Primärquelle zu Kriegsgelübde, Erkrankung des Kindes Kamper, Baugeschichte und Entwicklung der Wallfahrt).
- Pfarrchronik Bierbaum: Einträge zur Grundsteinlegung und zur frühen Geschichte der Fatimakapelle.
- Gemeinschaft Maria, Königin des Friedens: Ein neuer Wallfahrtsort entsteht. Dokumentation zur Geschichte der Fatimakapelle Bierbaum-Trössing.
- Gemeinschaft Maria, Königin des Friedens: Historische Bild- und Baudokumentation des Wallfahrtsortes Maria Fatima.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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