Fernitz-Mellach, Wallfahrtskirche Maria Trost

Schnellüberblick
Wallfahrt:Traditionsreiche Marienwallfahrt im Grazer Feld; die lokale Überlieferung verbindet den Gnadenort mit Standortlegenden und der Vorstellung Mariens als Schutzmacht in Zeiten kollektiver Gefahr.
Status:Lebendige regionale Marienwallfahrt mit regelmäßiger Monatswallfahrt am 13. und weiterhin ankommenden Pilgergruppen.
Kultzentrum:Spätgotische Madonna mit Kind auf der Mondsichel aus der Zeit um 1505/1510.
Hauptfest:Regelmäßige Monatswallfahrt an jedem 13.; daneben Wallfahrten und Gottesdienste im Jahreslauf.
Besonderheit:Die Gründungsüberlieferung erzählt von der dreimaligen Rückkehr der Marienstatue an den von ihr gewählten Standort in Fernitz.
Ort:Fernitz in der Marktgemeinde Fernitz-Mellach südlich von Graz.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Wallfahrtskirche Maria Trost, Kirchplatz, 8072 Fernitz-Mellach.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Fernitz
Öffnungszeiten: Die Kirche wird regelmäßig für Gottesdienste und Wallfahrten genutzt.
Für eine gezielte Besichtigung beziehungsweise eine Kirchenführung empfiehlt sich eine vorherige Anfrage beim Pfarramt Fernitz.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Trost in Fernitz, auch "Maria Trost im Grazer Feld" genannt, zählt zu den traditionsreichen Marienwallfahrtsstätten der Steiermark. Die heutige spätgotische Hallenkirche entstand zwischen 1506 und 1514. Im Mittelpunkt der Verehrung steht eine spätgotische Marienstatue aus der Zeit um 1505/1510.

Fernitz liegt südlich von Graz im Grazer Feld und gehört heute zur Marktgemeinde Fernitz-Mellach.

Die weithin sichtbare Wallfahrtskirche steht im Ortszentrum und prägt mit ihrem mächtigen Baukörper das Ortsbild. Ihre Größe und aufwendige spätgotische Architektur spiegeln die Bedeutung wider, die Fernitz als regionaler Marienwallfahrtsort erlangte.

Geschichte

Die Entstehung des Wallfahrtsortes wird durch eine alte Gründungsüberlieferung erklärt.

Danach befand sich ursprünglich in Vasoldsberg, rund acht Kilometer von Fernitz entfernt, eine verehrte Marienstatue. Diese sei verschwunden und in der Fernitzer Au in einem Dornbusch aufgefunden worden.

Man habe das Bild nach Vasoldsberg zurückgebracht, doch sei es erneut nach Fernitz zurückgekehrt. Auch ein zweiter und dritter Versuch seien gescheitert. Dreimal habe sich die Marienstatue wieder an jenem Ort im Dornbusch befunden, an dem sie verehrt werden wollte.

Der Überlieferung zufolge errichteten daraufhin die Freiherren von Pranckh um 1160 eine Kapelle.

Auch die häufig genannte Angabe, Fernitz sei bereits um 1150 Wallfahrtsort gewesen, gehört in diesen Überlieferungszusammenhang. Ein zeitgenössischer urkundlicher Nachweis für eine organisierte Wallfahrt bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ist bislang nicht bekannt.

Der Ort Fernitz selbst erscheint 1209 erstmals urkundlich.

Eine weitere Sage berichtet, Herzog Friedrich der Schöne habe im Jahr 1314 eine größere Kirche errichten lassen. Auch diese Nachricht gehört zur lokalen Überlieferung und ist nicht als gesicherter Baunachweis zu verstehen.

Der spätgotische Neubau

Die heutige Kirche entstand nach den am Bau überlieferten Jahreszahlen zwischen 1506 und 1514.

Damit gehört Maria Trost in Fernitz zu den bedeutenden spätgotischen Hallenkirchen der Steiermark.

In älteren und populären Darstellungen wird die Errichtung der Kirche häufig mit Kaiser Friedrich III. verbunden. Friedrich III. starb jedoch bereits 1493 und damit vor Beginn des erhaltenen spätgotischen Neubaues.

Die Verbindung zum Kaiserhaus gehört dennoch zur historischen und lokalen Tradition des Baues. Ein Reichsadler an der Kirche verweist auf diesen Zusammenhang. Die tatsächliche Bauausführung von 1506 bis 1514 erfolgte jedoch bereits während der Regierungszeit Kaiser Maximilians I.

Die Entstehung des spätgotischen Neubaues wird daher am besten als ein Bau verstanden, dessen Tradition und Symbolik noch mit Friedrich III. verbunden waren, dessen tatsächliche Errichtung jedoch erst nach dessen Tod erfolgte.

Die drei "Gottesplagen"

Eine weitere Schicht der Wallfahrtsüberlieferung verbindet Fernitz mit den Katastrophen des Jahres 1480.

Osmanische Einfälle, Heuschreckenschwärme und Pest wurden in der zeitgenössischen und späteren Erinnerung als drei "Gottesplagen" verstanden.

In diesem Zusammenhang entstand die Vorstellung, Maria Trost habe den Menschen in Fernitz Schutz und Hilfe gewährt.

Mit dieser Überlieferung wird auch der volkstümliche Spruch verbunden:

"Maria in der Fern, hilfst du mir, so helf' ich dir gern."

Der Spruch verbindet die Marienverehrung zugleich volksetymologisch mit dem Ortsnamen Fernitz.

Ein konkretes historisches Baugelübde aus Anlass dieser Ereignisse ist jedoch nicht urkundlich belegt. Die Verbindung der drei Plagen mit der Entstehung des großen Wallfahrtsbaues gehört daher zur lokalen Wallfahrtstradition.

Das Gnadenbild

Im Mittelpunkt der heutigen Wallfahrt steht eine spätgotische Madonna mit Kind auf der Mondsichel aus der Zeit um 1505/1510.

Maria erscheint als apokalyptische Frau. Mit der linken Hand reicht sie dem Jesuskind einen Apfel. Die Skulptur wird dem Kreis beziehungsweise der Werkstatt Hans Leinbergers zugeschrieben.

Die heutige Gnadenstatue stammt damit ungefähr aus jener Zeit, in der auch die spätgotische Wallfahrtskirche errichtet wurde.

Sie ist jedoch nicht ohne weiteres mit jener Marienfigur gleichzusetzen, von der die mittelalterliche Gründungslegende erzählt.

Der Fernitzer Kirchenführer erwähnt außerdem eine weitere spätgotische Marienfigur aus der Zeit um 1460, die unter Kaiser Joseph II. aus der Kirche entfernt werden musste und später in Privatbesitz gelangte.

Die verschiedenen Bildtraditionen dürfen daher nicht miteinander vermischt werden.

Die Türkenüberlieferung zum Gnadenbild

Mit dem heute verehrten Gnadenbild verbindet sich eine weitere Legende.

Hans Katzianer soll im Jahr 1532 vor der Marienstatue gebetet und anschließend osmanische Truppen auf dem sogenannten Fernitzer Feld in die Flucht geschlagen haben.

Auch diese Geschichte ist als Legende überliefert und nicht als gesicherter historischer Bericht zu verstehen.

Sie zeigt jedoch, wie eng die Marienverehrung in Fernitz mit der Vorstellung von Schutz in Zeiten kollektiver Bedrohung verbunden wurde.

Das Gnadenbild war damit nicht nur Ziel individueller Bitten um Hilfe und Trost, sondern wurde auch als Schutzbild einer bedrohten Gemeinschaft verstanden.

Kunstgeschichte

Die Wallfahrtskirche ist eine dreischiffige, vierjochige spätgotische Hallenkirche.

Besonders außergewöhnlich ist der Hallenumgangschor. Von einem zentralen Pfeiler mit zwölf Runddiensten strahlen die Gewölberippen sternförmig zu den umliegenden Pfeilern aus. Dadurch entsteht ein ungewöhnlich bewegter und zugleich geschlossener Raumeindruck.

Der spätgotische Bau gehört in das Umfeld jener Bauhütten, die im ausgehenden Mittelalter auch an bedeutenden Grazer Sakralbauten tätig waren.

Das reich gestaltete Südportal entstand um 1515. Im Tympanon befindet sich eine Darstellung der fürbittenden Madonna.

Das monumentale barocke Westportal wurde 1734 von Josef Schokotnigg geschaffen.

Die Kirche besaß später eine umfangreiche barocke Ausstattung. Dazu gehörte auch ein Hochaltar von Veit Königer.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde ein großer Teil dieser barocken Ausstattung entfernt. 1895 erhielt die Kirche eine neugotische Einrichtung nach Entwürfen des Grazer Architekten Hans Pascher.

Die spätgotische Gnadenstatue wurde dabei in den neuen Hochaltar integriert.

Kreuzkapelle und der hl. Zoticus

Nördlich an die Kirche schließt die Kreuz- beziehungsweise Gallerkapelle an.

Sie entstand noch vor 1535 und wurde im 17. Jahrhundert zur Familienkapelle der Galler umgestaltet.

Bemerkenswert ist der dort aufbewahrte Glasschrein mit den Reliquien des Katakombenheiligen Zoticus.

Die Gebeine wurden 1840 in einer römischen Katakombe aufgefunden und 1854 feierlich nach Fernitz übertragen.

Damit erhielt die Kirche im 19. Jahrhundert neben der alten Marienwallfahrt eine weitere Kultschicht. Der römische Katakombenheilige wurde gewissermaßen in die bestehende religiöse Landschaft von Fernitz eingefügt.

Die Volkskundlerin Elfriede Grabner hat diesen Fernitzer Reliquienkult ausführlich untersucht.

Die Wallfahrt

Fernitz entwickelte sich zu einem bedeutenden regionalen Wallfahrtsort.

Mit dem Pilgerzustrom waren nicht nur religiöse, sondern auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen verbunden.

Kirchweihfeste und Märkte gewannen an Bedeutung. Gastwirte, Schmiede, Wagner, Fleischhauer und andere Gewerbetreibende siedelten sich an beziehungsweise profitierten von den zahlreichen Besuchern.

Damit wurde die Wallfahrt zu einem wichtigen Faktor für die Entwicklung des Ortes.

Fernitz zeigt beispielhaft, wie sich um einen Gnadenort neben dem religiösen Zentrum auch eine wirtschaftliche Infrastruktur ausbilden konnte.

Volkskundliche Bedeutung

Die Wallfahrtsüberlieferung von Fernitz vereint mehrere typische Motive der europäischen Gnadenorttradition.

Besonders charakteristisch ist die dreimalige Rückkehr eines Kultbildes an einen bestimmten Platz.

Solche Standortlegenden erklären, warum ein Heiligtum gerade an einem bestimmten Ort errichtet wurde. Der Mensch versucht zunächst, das Bild an einen anderen Platz zu bringen; das Gnadenbild kehrt jedoch immer wieder zurück. Erst als der von Maria selbst gewählte Ort anerkannt wird, kommt die Bewegung zur Ruhe.

Die Gottesmutter bestimmt damit gleichsam selbst ihren Verehrungsplatz.

Auch der Dornbusch ist ein typisches Element solcher Überlieferungen. Gnadenbilder werden häufig an Bäumen, in Sträuchern, an Quellen, Felsen oder anderen markanten Naturstellen aufgefunden. Die gewöhnliche Landschaft erhält dadurch eine sakrale Bedeutung.

Eine zweite wichtige Schicht bildet die Vorstellung Marias als Schutzmacht in kollektiver Gefahr.

Pest, Heuschrecken und Osmaneneinfälle werden in der Fernitzer Überlieferung mit dem Heiligtum verbunden. Die Marienverehrung erhält dadurch neben ihrer individuellen Trostfunktion eine gemeinschaftliche Dimension.

Von besonderem Interesse ist schließlich die enge Verbindung von Wallfahrt, kirchlichem Fest und Markt. Pilger benötigten Verpflegung, Unterkunft und Versorgung. Der religiöse Zustrom beeinflusste damit unmittelbar die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes.

Fernitz ist somit nicht nur als Sakralbau, sondern auch als Beispiel für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen eines Wallfahrtszentrums bemerkenswert.

Wallfahrt heute

Die Wallfahrt nach Maria Trost in Fernitz ist bis heute lebendig.

An jedem 13. des Monats findet eine eigene Monatswallfahrt statt.

Von April bis September wird am Abend der Rosenkranz gebetet, anschließend wird die Wallfahrtsmesse gefeiert. In den Wintermonaten finden Rosenkranz und Wallfahrtsmesse entsprechend früher statt.

Auch Pilgergruppen aus anderen Pfarren kommen weiterhin zu Fuß beziehungsweise in organisierten Gruppen nach Fernitz.

Maria Trost ist daher keine lediglich historisch erinnerte Wallfahrtsstätte, sondern weiterhin ein aktiver regionaler Marienwallfahrtsort.

Literatur und Quellen

- Virtuelles Panorama: 360°-Panorama der Wallfahrtskirche Maria Trost in Fernitz.

- Horst Schweigert: Die Wallfahrtskirche Maria Trost in Fernitz bei Graz/Steiermark. Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 108, Salzburg 1975

- Franz Kober: Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Trost in Fernitz bei Graz/Steiermark. Salzburg 1986.

- Viktor Sailer u. a.: Die Kirchen und Kapellen. Kirchenführer der Pfarre Fernitz, Fernitz 2009.

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956, S. 127–128.

- Kurt Woisetschläger, Peter Krenn: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Steiermark (ohne Graz). Wien 1982, S. 98–99.

- Elfriede Grabner: "Die Katakombenheiligen Zoticus und Donata." In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Jg. 98.

- Christa Petschko: "Marianische Wallfahrtsorte in den Ostalpenländern am Beispiel Mariazell." In: Annali dell'Istituto storico italo-germanico in Trento / Jahrbuch des italienisch-deutschen historischen Instituts in Trient, Bd. 26, 2000, S. 551–577, besonders S. 552 zur Gründungslegende von Maria Trost in Fernitz.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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